José-Alain Fralon Der Gerechte von Bordeaux

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Inhaltsangabe zu „Der Gerechte von Bordeaux“ von José-Alain Fralon

Was geht in einem Menschen vor, wenn vor seiner Haustür Tausende von Flüchtlingen stehen, die er vor der Vernichtungsmaschinerie der Nazis bewahren kann, sofern er sich über alle Grenzen der Legalität hinwegsetzt? In einer beispiellosen Rettungsaktion ließ der portugiesische Konsul Aristides de Sousa Mendes nichts anderes gelten als pure Menschlichkeit – und bezahlte dafür einen hohen Preis.

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  • Rezension zu "Der Gerechte von Bordeaux" von José-Alain Fralon

    Der Gerechte von Bordeaux
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    21. October 2011 um 19:09

    - Das Wohnzimmer und das Esszimmer sind voller Flüchtlinge und die Familie nimmt ihre Mahlzeiten im Stehen in der Küche ein. Das Konsulat schließt nun gar nicht mehr. - Viele Menschen kennen Oskar Schindler und reden, leider teilweise etwas unreflektiert, über seine Rettung von Juden. Doch kaum jemand kennt Aristides de Sousa Mendes. Als portugiesischer Diplomat setzte er sich in Frankreich, entgegen seiner dienstlichen Vorgaben, für Flüchtlinge ein und rettete so ca. 30.000 Menschen vor dem Holocaust. Doch wer war eigentlich der Mensch de Sousa Mendes? Dieser Frage versucht José-Alain Fralon nachzugehen. Er beginnt mit der Kindheit des späteren Diplomaten und beleuchtet genau welchen Einfluss die ländliche Umgebung und der Katholizismus auf den jungen Aristides gehabt haben. Dabei stellt er die familiären Begebenheiten in direkten Bezug zu geschichtlichen Ereignissen und portugiesischen Besonderheiten. Beleuchtet wird allerdings nicht nur das Leben der Hauptfigur, sondern auch die Entwicklung wichtiger Weggefährten. Besonders herausgestellt wird das Leben seines Zwillingsbruders, das teilweise in ganzen Etappen Parallelen aufweist und dann politisch in eine andere Richtung verläuft. Beide treten in den diplomatischen Dienst ein, doch ist der Weg Aristides' sehr viel steiniger und von Umwegen geprägt. Zeitweise wird er sogar aus dem diplomatischen Dienst entlassen und muss zwangsweise in den Ruhestand gehen. Finanziell geht es ihm immer wieder sehr schlecht und er bittet um neue Anstellungen. Er scheint sich sogar regelrecht anzubiedern, um einen Posten zu erhalten. 1938 weist man ihm das Amt des Generalkonsuls in Bordeaux zu. Und dort wird er auf eine harte Probe gestellt. Der Autor José-Alain Fralon wurde in Algerien geboren und arbeitet für die Pariser Tageszeitung "Le Monde". Sein Werk wurde in Frankreich ausgezeichnet und unter dem Titel "Désobéir" verfilmt. Zum überwiegenden Teil finde ich dies gerechtfertigt. Er hat die Geschichte von Aristides de Sousa Mendes wieder in die Öffentlichkeit getragen und so den Angehörigen, die schon lange um eine angemessene Erinnerung kämpfen, unterstützt. Zudem ist das Buch gut recherchiert und der Aufbau ist sehr gut nachvollziehbar. Auch die Sprache ist recht einfach gehalten und teilweise schon romanhaft. Daher entwickelt sich ein sehr guter Lesefluss. Allerdings gibt es auch bestimmte Stellen, die mir nicht gefallen haben. Meist handelt es sich dabei um plötzliche und riesige Themensprünge. Zudem driftet der Autor manchmal in eine Erzählweise ab, die sehr kolumnenhaft wirkt und dem Thema und dem jeweiligen Punkt der Erzählung nicht entspricht. Weiterhin wird die Erzählweise auch gewechselt ohne, dass dies für den Leser sofort erkenntlich ist. Man fühlt sich dann zunächst etwas orientierungslos. Diese negativen Punkte treten aber nur an wenigen Stellen auf und schmälern daher die Gesamtleistung nur geringfügig. Fazit: Ein Buch, das eine ganz andere Perspektive der Hilfe aufzeigt und die Frage aufwirft wie sich eigentlich andere Diplomaten verhalten haben.

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  • Rezension zu "Der Gerechte von Bordeaux" von José-Alain Fralon

    Der Gerechte von Bordeaux
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    19. August 2011 um 10:39

    "Gerechter unter den Völkern" * José-Alain Fralon, Journalist der französischen Zeitung "Le Monde" hat mit seinem Buch "Der Gerechte von Bordeaux" ein aufrüttelndes und bewegendes Werk über den Widerständler aus christlicher Nächstenliebe - Aristides de Sousa Mendes - geschrieben. * Der Schreibstil Fralons ist angenehm zu lesen und obwohl es eine Biographie, sprich Sachliteratur ist, fließt der Text nur so vor sich hin und der Leser liest gespannt und begierig auf mehr Details aus seinem Leben und seinem Schaffen. * Aristides und sein Zwillingsbruder werden in Cabanes geboren. Ihr Vater genießt eine gute berufliche Anstellung, so dass den Jungen die Türen und Tore der Bildung weit offen stehen. Sie studieren und entscheiden sich dann dafür Diplomaten zu werden. Aristides gründet schon bald mit seiner Frau Angelina eine Familie - sie werden 14 Kinder haben. Und schon jetzt wird dem Leser klar, dass Aristides Menschen liebt. An den Mahlzeiten in seinem Haus nehmen regelmäßig bis zu 30 Personen teil, denn jeder der sich im Haus befindet wird zum essen eingeladen. Und an jedem Sonntag kommen bedürftige Menschen zu Aristides und seiner Familie, sie richten eine Art Suppenküche für die ärmeren Dorfbewohner aus. * Aristides und seine Familie kommen in der Welt herum, er lebte schon in vielen Ländern als portugiesischer Botschafter. Aber die Zeiten werden immer schwieriger, die deutschen Truppen und der zweite Weltkrieg stehen kurz vor Bordeaux. Aristides bringt seine Kinder in Sicherheit und kehrt mit seiner Frau zurück. Nun erhalten alle portugiesischen Botschafter das "Rundschreiben Nr. 14" in dem Salazar mitteilt, welche Volksgruppen keine Visa mehr erhalten sollen, unter anderem Russen, Staatenlose und Juden. * Doch grade in diesen Tagen kommen Tausende Flüchtlinge nach Bordeaux. Sie stehen vor seinem Büro - massenhaft - und Aristides weiß nicht, was er tun soll, er fühlt sich krank und bleibt drei Tage im Bett. Dann steht er auf und eröffnet: * "Von nun an werde ich allen ein Visum geben, es gibt keine Nationalitäten, Rassen, Religionen mehr." * Also beginnt Aristides mithilfe seiner Familie, Mitarbeiter und Freunde Visa auszustellen und sich auch um das körperliche Wohlbefinden der Flüchtlinge zu kümmern. * "Ich kann nicht zulassen, dass all diese Leute umkommen. Viele von ihnen sind Juden, und in unserer Verfassung steht eindeutig, dass Ausländer weder aufgrund ihrer Religion noch ihrer politischen Überzeugung der Aufenthalt in Portugal verweigert werden darf." * Als Salazar mitbekommt, dass Aristides sich nicht an seine Anweisungen hält wird ein Disziplinarverfahren gegen ihn eröffnet. Aristides wendet sich immer wieder an Salazar um an seine "christlichen Gefühle und Großzügigkeit zu appellieren." * "Seine Waffe ist der Füller, und er bedient sich ihrer bis zum letzten Tropfen Tinte." (Lissy Jarvik) * Doch nichts hilft! Salazar erkennt ihm seinen Diplomatenstatus ab und kürzt sein Gehalt, so lange er lebt wird er nicht mehr rehabilitiert werden. Trotz aller Ungerechtigkeit die Aristides erfahren hat, wird er von Überlebenden als "würdevoll, ruhig, lächelnd und nachsichtig" und "warmherzigen und freundlichen Menschen" beschrieben. * Erst nach seinem Tod, wird ihm durch seine Kinder doch noch Gerechtigkeit zu teil: Am 21. Februar 1961 wird in der Allee der Gerechten ein Baum zu seinen Ehren gepflanzt und am 13. März 1988 beschließt Portugal seine Rehabilitation. * Veranschaulicht wird sein beeindruckendes und aufopferungsvolles Leben durch zahlreiche Fotos und abgedruckte Dokumente. Als Nachwort finden wir den Text "Tod und Auferstehung des Aristides de Sousa Mendes" von Andreas Neider. Mit einem Zitat von ihm, möchte auch ich gerne enden: * "Umso wichtiger erscheint es deshalb, das Andenken dieser Menschen im kulturellen Gedächtnis der Menschheit zu bewahren und ihr im Sinne eines neuen Christuserlebens auf das Menschheitliche gerichtetes Handeln als leuchtende Sterne immer vor Augen zu halten." * Alle Menschen, die gerne bewegende und aufrüttelnde Biographien lesen sollten zu "Der Gerechte von Bordeaux" greifen" Wider dem Vergessen!

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  • Rezension zu "Der Gerechte von Bordeaux" von José-Alain Fralon

    Der Gerechte von Bordeaux
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    20. June 2011 um 16:27

    Was geht in einem Menschen vor, wenn vor seiner Haustür Tausende von Flüchtlingen stehen, die er vor der Vernichtungsmaschinerie der Nazis bewahren kann, sofern er sich über alle Grenzen der Legalität hinwegsetzte? Dieses Buch erzählt die Geschichte einer beispiellosen Rettungsaktion, in der der portugiesische Konsul Aristides de Sousa Mendes nichts anderes gelten ließ als die Menschlichkeit und einen hohen Preis dafür bezahlte. Den riesigen Flüchtlingsströmen, die sich vor den Nazis in den noch nicht besetzten Teil Frankreichs gerettet hatten, galt Portugal als eines der letzten Länder mit Chancen auf eine Zuflucht. Doch um Frankreich verlassen und durch das faschistische Spanien nach Portugal ausreisen zu können, war ein portugiesisches Visum nötig. Deshalb versuchten Tausende im portugiesischen Konsulat in Bordeaux ein solches Visum zu ergattern. Dem stand ein Rundschreiben des Diktators Salazar vom 13. November 1939 entgegen, der allen portugiesischen Diplomaten verbot, Visa für „ Ausländer, deren Nationalität unbekannt, verworfen oder rechtsstreitig ist, Staatenlose, Juden, die aus ihrem Herkunftsland oder wo sie untergekommen waren, vertrieben wurden“ auszustellen. Der Mann, dessen Geschichte dieses beeindruckende Buch erzählt, hatte großen Mut und ignorierte erstmals am 17. Juni 1940 diesen Erlass, in dem er durch den galizischen Rabbiner Chaim Kruger ausrichten ließ, dass er ohne eine Ausnahme jedem Menschen ein Visum erteilen wurde, „ungeachtet der Nationalität, Rasse oder Religion“, Auch der spätere Europaabgeordnete Otto von Habsburg, von den Nazis verfolgt, erhielt auf diese Weise neben 30.000 anderen Menschen ein Visum und konnte über Portugal in die USA fliehen. Schon wenige Tage später geschah das, womit de Sousa Mendes gerechnet haben muss: die portugiesischen Regierung berief ihn ab. Noch auf dem Weg zurück nach Portugal verteilte dieser furchtlose Mann Visa und brachte mit seinem eigenen PKW Juden nach Spanien. Am 23.Juni 1940 wurde er von Salazar seines Amtes enthoben und einem Disziplinarverfahren unterzogen und danach aus dem Amt entfernt. Da ihm auch seine Anwaltslizenz entzogen wurde, wurde seine Familie immer ärmer. 1954 starb dieser „Gerechte von Bordeaux“, der in seinem Heimatland erst 1988 rehabilitiert wurde. Seit 1986 ist er als einziger Portugiese Teil der Gerechten unter den Völkern im Yad Vashem Memorial in Israel, wo ihm ein Hain mit 10.000 Bäumen gewidmet ist, die Zahl der Juden, die er vor dem Holocaust bewahren konnte. Jose-Alain Fralon hat dieses Leben in einem beeindruckenden Buch festgehalten und einem mutigen Mann ein literarisches Denkmal gesetzt: „Wie viele hätten ihre Hände in Unschuld gewaschen und sich den Anordnungen gebeugt. Er nicht. Er hieß Aristides de Sousa Mendes.“

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