José Eduardo Agualusa Barroco tropical

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Inhaltsangabe zu „Barroco tropical“ von José Eduardo Agualusa

Dem Schriftsteller Bartolomeu Falcato fällt eine Frau buchstäblich vor die Füße. Allerdings nicht aus heiterem Himmel, sondern aus einem Unwetter heraus, und es ist klar, dass sie nicht freiwillig gestürzt ist. Bei der Toten handelt es sich um Núbia de Matos, Model und angebliche Ex-Geliebte der Präsidentin. Nur fünf Tage zuvor hatte sie Falcato in der Abflughalle des Flughafens angesprochen, ihn bedrängt und pikante Details aus den Hinterzimmern der politischen Eliten erzählt. Doch statt sich um die Aufklärung des mysteriösen Todesfalls kümmern zu können, wird Falcato selbst zum Verfolgten. Ominöse Anrufer warnen ihn, in seineWohnung zurückzukehren. Und auch seine Frau darf nicht wissen, was er zur fraglichen Zeit am fraglichen Ort zu suchen hatte, und vor allem nicht, mit wem… Was folgt, ist eine rasante Odyssee durch den Untergrund und die Abgründe der angolanischen Hauptstadt Luanda. 24 Stunden, in denen Falcato selbst in einen Strudel aus skrupelloser Gewalt, Leidenschaft und Eifersucht gerät. Und dann sind da noch die schwarzen Engel, die auf den Dächern der Hochhausruinen tanzen, die seit dem Ölboom überall in Luanda in den Himmel ragen. Hirngespinste? Realität gewordene afrikanische Mythen? José Eduardo Agualusa schafft in seinem im Jahr 2020 angesiedelten Roman ein filmisches und poetisches Panoptikum Angolas aus vermeintlichen Trugbildern und politischer Realität.

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  • Rezension zu "Barroco tropical" von José Eduardo Agualusa

    Barroco tropical

    michael_lehmann-pape

    24. March 2011 um 12:04

    José Eduardo Agualusa – Barroco Tropical Angola und das Leben Barock ist dieser Roman von José Eduardo Agualusa tatsächlich. Opulent, nicht nur wegen der Engel, die gegen Ende des Buches auftauchen werden (aber letztlich doch wenig mit den pausbäckigen Barockputten zu tun haben werden). Barock ist das Leben auf der feudalen Seite Angolas, durchaus in der Gegenwart, auch wenn Agualusa die Geschehnisse seines Romans um einige Jahre in die Zukunft verlegt. Die gesellschaftlichen Zustände einer kleinen, reichen, feudalistisch lebenden und herrschenden Schicht sind durchaus gegenwärtige Realität. Mitsamt allen Begleiterscheinungen der Korruption und der grenzenlosen Härte, wenn es um die Erhaltung der eigenen Macht geht. Fast wie ein Spiegelbild zur aktuellen Lage in Libyen wirkt es, was Agualusa farbenprächtig zu Papier bringt. Barock sind ebenfalls die Figuren, denen er sich mit echter Hingabe widmet. Sei es Bartolomeu Falcato, eigentlich glücklich verheirateter und erfolgreicher Schriftsteller in Angola, der dennoch (barock eben) dem Genuss des Lebens frönt, vornehmlich mit seiner Geliebten, Kianda, angolanische Jazz Sängerin von Weltruf. Eine Leben umgeben vom alltäglichen Balanceakt zwischen Wolllust, Angst, Genuss und Gewalt. Was Bartolomeu erst erkennt, als er in die Mühlen eines Zwischenfalls gerät. Eine Frau fällt ihm in einem Gewitter vom Himmel her vor die Füße. Anzunehmen, dass in einem nicht mystisch-magischen Roman die Frau aus einem Flugzeug gestürzt wurde. Warum aber und warum gerade Sie, die einige Tage zuvor (ebenfalls in einem Flugzeug), Bartolomeu zum Beischlaf anregen wollte? Bevor aber für den Leser sich die eigentliche Geschichte weiterentwickelt, entfaltet Agualusa (barock eben) ein farbenprächtiges und überbordendes Kaleidoskop von Figuren und Lebensumständen wie in einem Wasserfall von Sprache. Erzählt Teile der Lebensgeschichte des Schriftstellers Falcato, lässt seine Geliebte zu Wort kommen, die gerade bei seiner Frau, einer Psychologin, innerhalb einer Therapie ihre Verhältnis zu Falcato ausgiebig beleuchtet (mit Folgen für diesen, denn umgehend trennt sich seine Frau zunächst von ihm). Zudem aber führt Agualusa eine Figur nach der anderen ein, Lebenskünstler, Gescheiterte, Erfolgreiche in teils merkwürdigen Umständen (wer lebt schon in einem Aufzug?), bevor er im zweiten Teil des Buches dann die Verhältnisse in Angola und den eigentlich roten Faden der getöteten Frau wieder aufnimmt. In diesem fast überladenen Blick auf die diversen Figuren des Romans zeigen sich einerseits die großen Stärken, aber auch die Schwächen des Buches auf. Sprachlich hoch versiert, bildhaft auf den Punkt bringend und dennoch immer nah an den Figuren entsteht ein Bild von vielen Figuren, die alle in der ein oder andern Form ihren Teil zur Geschichte beitragen werden. In Teilen aber ist dies einfach zuviel und verwirrt an manchen Orten des Buches viel mehr, als dass es die Konzentration des Lesers fördert. Die Sortierung der Figuren fällt im ersten Anlauf schwer und macht, trotz der wunderbaren Sprache, durchaus Mühe. Den Anfang der Geschichte verliert man immer wieder ob der vielen Impulse, die Agualusa überschäumend setzt, aus dem Blick. Gut, das sich dieses Dickicht im zweiten Teil des Buches zumindest ein wenig lichtet, mehr und mehr die harte Realität des afrikanischen Landes in den Blick tritt und auch klarer und deutlicher wird, was an Hintergründen des Todesfalles im Raume steht. Schonungslose Hintergründe, die Agualusa Seite für Seite aus seinem umfassenden Figurengemälde heraustreten lässt. Es lohnt sich also, auch die mühsamen Teile dieses Buches gründlich zu lesen, um später die Gesamtkomposition der Geschichte in all ihrer Kleinteiligkeit erkennen zu können (und danach noch besser zu verstehen, welch menschenunwürdige Zustände in diesem Land Angola und vielfach auf der Welt herrschen, damit es einigen wenigen am barocken Leben nicht mangelt).

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  • Rezension zu "Barroco tropical" von José Eduardo Agualusa

    Barroco tropical

    Wolkenatlas

    09. March 2011 um 14:57

    Magischer Realismus aus Angola "Barroco Tropical" ist nach "Das Lachen des Geckos" und "Die Frauen meines Vaters" der dritte ins Deutsche übersetzte Roman des 1960 geborenen angolanischen Autors José Eduardo Agualusa, der in Portugal, Brasilien und Angola lebt. In der nahen Zukunft angesiedelt, dreht sich das Geschehen um den erfolgreichen Schriftsteller Bartolomeu Falcato, dem bei einer Verabredung mit seiner Geliebten, der berühmten Sängerin Kianda, eine tote Frau aus dem Himmel vor die Füße fällt. Dass diese Frau das berühmte Ex-Fotomodell Núbia ist, die (ehemalige) Geliebte der Präsidentin, gibt der Geschichte zusätzliche Würze. Erst wenige Tage vorher hatte Bartolomeu Falcato Núbia in einem Flugzeug auf dem Weg nach Angola kennengelernt, ein Treffen, das Núbia gerne zwecks Kindeszeugung (in 11000 Meter Flughöhe) mit Bartolomeu benutzt hätte. "Schließlich schlief ich ein, muss eingeschlafen sein, denn ich weiß, dass ich nackt über einen Strand lief, neben mir Núbia, als ich plötzlich die Augen wieder aufriss und sah, wie sie sich über mich beugte. Sie hatte ihre Bluse aufgeknöpft und den Büstenhalter gelöst. Dort, mitten in der rasenden Nacht, in elftausend Meter Höhe, erschien sie mir wie eine unantastbare Gottheit ..." Die Brenzligkeit seiner Anwesenheit am Tatort erkennend, flüchtet er mit seiner Geliebten Kianda. Dadurch löst er eine Kette von Ereignissen aus, die ihn in absurde und teilweise surreale Situationen bringen. Verschiedene ominöse Anrufer warnen ihn davor, dass sein Leben in Gefahr ist. Kianda erzählt Bartolomeus Frau in einer Therapiesitzung ihre Version der Affäre mit Bartolomeu, und Núbia erklärt an anderer Stelle, warum ein Kind von Bartolomeu so wichtig gewesen wäre. José Eduardo Agualusa führt den Leser in Szenen, die immer wieder aus einer anderen Perspektive erzählt werden, durch diesen spannenden Roman, in dem es um Liebe, Tod, Intrigen, Krieg, Macht und ein nur vermeintlich demokratisches System geht, das allerdings natürlich nur eine verschleierte Diktatur ist. Das verlangt immer wieder nach einer harten Sprache, nach rauen Worten und Szenen, die unter dem Begriff "grausam" einzuordnen wären. Trotzdem hat man als Leser nie das Gefühl, José Eduardo Agualusa bedient sich dieser Gewalt, oder dieses Intrigenspiels aus Opportunismus, um die Verkaufszahlen zu steigern. Alles, was hier passiert, ist, egal wie absurd es im ersten Moment scheinen mag, stimmig und in sich geschlossen, auch wenn die Grenzen zwischen Hirngespinsten und Realität oft verschwinden. Und so wird "Barocco Tropical" zu einem überdrehten und harten Gesellschaftsbild Angolas. Ein Angola des Ölgeschäfts, der Ausbeutung des angolanischen Volkes mit der unvermeidlich korrupten Szene, die dahinter steckt und vor keiner Gewalt zurückschreckt, um das angepeilte Ziel zu erreichen. "Es war fast Mitternacht, als ich endlich meine Wohnung betrat. Jacó saß im Wohnzimmer. Tot. An einen Stuhl gefesselt. Er war stundenlang mit einer Lötlampe gefoltert worden. Ich nehme an, dass er in der Wohnung gewesen war, um etwas zu essen zu suchen ... er war also zufällig in der Wohnung, als Frutuoso Leitaos Gorillas, oder die von Botschafter Adibe, ich habe keine Ahnung, an der Tür geklingelt hatten." Agualusa lässt eine große Anzahl an Protagonisten, die er in Hauptpersonen und Nebendarsteller unterteilt, die sich auch alle zu Beginn des Buches quasi vorstellen dürfen, zu Wort kommen. Ihre Erzählungen reihen sich wie Mosaiksteine zum Gesamtbild des Romans. Glaubhafte, verrückte, introvertierte und plastisch gezeichnete Figuren, die dank Agualusas narrativen Talents zu leben beginnen. Dass dann am Ende schwarze Engel auf Hochhausruinen zu einem Suizid tanzen und die afrikanischen Mythen als Nährstoff des Romans immer deutlicher erkennbar werden, ist Teil der besonderen Handschrift Agualusas, der sich mit jedem seiner bisher erschienenen Romane immens gesteigert hat und bereits jetzt zu den interessantesten Autoren Afrikas gezählt werden muss. Absolute Empfehlung. (erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at)

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