Das Lachen des Geckos

von José Eduardo Agualusa 
4,1 Sterne bei8 Bewertungen
Das Lachen des Geckos
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Von einem Haudegen, der nichts Böses im Schilde führt

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Inhaltsangabe zu "Das Lachen des Geckos"

Félix Ventura geht einer ungewöhnlichen Tätigkeit nach: Er handelt mit erfundenen Vergangenheiten. Seine Kunden sind Minister, Landbesitzer und Generäle. Was sie brauchen, ist eine glanzvolle und doch wohldokumentierte Vergangenheit. Ventura erstellt neue Stammbäume, besorgt Fotografien von illustren Vorfahren und erfindet glückliche Erinnerungen. Doch eines Nachts kommt ein Fremder in sein Haus. Der Auftrag: eine neue Identität. Venturas Schöpfung fesselt den Fremden so sehr, dass er sich auf die Suche nach den Figuren seiner gekauften Vergangenheit begibt.

Dieser preisgekrönte Roman von berückender Sprachkraft reist durch die wechselnden Landschaften von Erinnerung und Geschichte, in eine Welt, in der die Wahrheit sich von einem Moment zum anderen verändert.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783293208056
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:192 Seiten
Verlag:Unionsverlag
Erscheinungsdatum:16.07.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    aus-erlesens avatar
    aus-erlesenvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Von einem Haudegen, der nichts Böses im Schilde führt
    Bitte recht freundlich

    Not macht erfinderisch. Da übt man auch gern mal einen Beruf aus, dem sich der Rest der Menschheit verweigern würde. Und dabei trifft man sicher auch Menschen, die einen noch ungewöhnlicheren Beruf haben. Und den mit voller Hingabe ausfüllen. 
    Félix Ventura ist so einer. Er hat einen ungewöhnlichen Beruf, den er mit Hingabe und der ihn mit Genugtuung erfüllt. Félix Ventura erfindet Lebensläufe. Was ist daran so besonders? Seine Kundschaft gehört meist einer sehr angesehenen Schicht an. Man macht was her. Doch die eigene Vergangenheit ist meist so grau wie der Alltag derer, die man beeindrucken will. Einfach nur an ein paar Stellschrauben drehen – damit ist es nicht getan. Wer zu Félix Ventura kommt, braucht Eroberer unter den Ahnen, die mit dem Schwert dem Bösen Paroli boten. 
    Félix Ventura kann ganz gut davon leben. Denn er ist gut. Wirklich gut, in dem, was er tut. So kreiert er José Buchmann. Fotograf. Kriegsfotograf. Mutter Künstlerin. Lebte und arbeitete rund um den Globus. Und eben dieser José Buchmann kommt nun zum zweiten Mal auf die Welt. Elegant, weltläufig kommt er daher. Doch die Warnung niemals nach Chibia zu gehen – Félix Ventura warnt ihn mehr als eindringlich – schießt er in den Wind. So viel Nonchalance hat ihm der Vergangenheitserfinder ihm nicht mit auf den Weg geben können. Denn in Chibia lauert die ungeschminkte Wahrheit…
    Ob der Erzähler auch eine erfundene Vergangenheit hat? Er weiß so ziemlich alles über Félix Ventura. Er sieht ihn ja tagtäglich. Alles, was Félix im Haus tut, bleibt nicht unentdeckt oder unbeobachtet. Denn der Erzähler ist ein Gecko. Ein Tiger-Gecko. Auch er hat eine bewegte Vergangenheit, die mit so manchem Klienten von Félix Ventura teilt…
    José Eduardo Agualusa gelingt es mit „Das Lachen des Geckos“ dem Leser eben dieses ins Gesicht zu zaubern. Kein Wort ist überflüssig, jedes Satzzeichen ist ein Ausrufezeichen! Sprechende Geckos bergen in sich die Gefahr albern zu wirken. Dieser Gecko ist ein weiser Gefährte in einer unwirklichen Umgebung. Der Hauptcharakter des Buches ist ein außergewöhnlicher Mann. Ein Scharlatan, so empfindet man ihn ab der ersten Seite. Erst zum Ende muss man sich eingestehen, dass man Félix Ventura Unrecht getan hat. Denn er macht Träume wahr, er öffnet Türen. Und er kennt die Menschen. 

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    Federfees avatar
    Federfeevor einem Jahr
    Vielversprechend und poetisch zuerst, chaotisch und enttäuschend zum Schluss


    3,5 Sterne von 5

    Ich komme immer wieder zum Ergebnis: eine schöne Sprache alleine bringt es nicht:

    "Es macht mir Freude, die hoch auflodernden Flammen zu sehen, die galoppierenden Wolken und darauf die Engel, Legionen von ihnen, wie sie Funken aus ihren Haaren schütteln und ihre riesigen flammenden Flügel bewegen."(eBook 6)

    Dies beobachtet ein Gecko, der schon seit langem im Hause des Albinos Félix Ventura lebt und so etwas wie ein Freund wird. Es stört mich nicht, dass er sich als Wiedergeborener betrachtet und immer wieder Traumsequenzen aus seinem früheren Leben eingefügt sind. Dazu ist das Ganze zu poetisch, wie ein ruhig dahin gleitender Fluss. Der kommt sogar im Lied einer brasilianischen Sängerin vor, das Ventura immer wieder hört:

    "Nichts vergeht, nichts geht vorüber
    Die Vergangenheit ist
    ein schlafender Fluss
    und die Erinnerung
    ist eine wechselvolle Lüge."


    Und darum geht es u.a. in diesem Roman: um Träume und Erinnerungen, um Wahrheit und Lüge.

    "Fremde Erinnerungen halten wir für unsere eigenen - auch erfundene. (eBook 84)

    Félix nennt sich zwar Genealoge, aber er macht genau das Gegenteil: er handelt mit Erinnerungen und verkauft Vergangenheit. Seine Kunden gehören zur neuen Bourgeoisie und die Aufzählung lässt tief blicken: Diamantenhändler, Generäle, Minister, … Ihnen fehlt eine unbelastete Vergangenheit und Félix verschafft sie ihnen.

    Manche haben es nötig in dieser ehemaligen Kolonie der Portugiesen, in Angola, Südwestafrika. Einige Nebensätze, die verrostete Panzer und Tausende von Minen im Boden erwähnen, lassen tief blicken. Nach dem Abzug der Portugiesen versank das Land für zwei Jahrzehnte im Bürgerkrieg. Ja, das alles lernt man in manchen Romanen nebenbei.

    Trotzdem liegt bis dahin ein Zauber über dem Buch, bis ein Fremder in die vermeintliche Idylle platzt: Er will nicht nur eine Vergangenheit, sondern diese mit allen Papieren, also eine ganz neue Identität.

    In der zweiten Hälfte überstürzen sich die Ereignisse, Dunkles aus Angolas Vergangenheit und aus dem Leben der handelnden Personen kommt zum Vorschein, Folter und Mord, allzu gerafft. Das ist für mich ein enttäuschender Bruch in diesem bisher so wortgewaltigen poetischen Buch, daher leider nur 3,5 Sterne.

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    Aldawens avatar
    Aldawenvor 8 Jahren
    Rezension zu "Das Lachen des Geckos" von José Eduardo Agualusa

    Félix Ventura hat einen ungewöhnlichen Beruf: er konstruiert und verkauft glanzvolle Vergangenheiten – Stammbäume, Photographien usw. – an die aufstrebende Oberschicht Angolas nach dem Bürgerkrieg. Die Leute, die sich dergleichen leisten können, sind Politiker, Militärs und andere hohe Tiere. Eines Tages taucht ein Weißer auf, der nicht nur eine angolanische oder wenigstens afrikanische Vergangenheit wünscht, sondern gleich noch einen neuen Namen inklusive der zugehörigen Papiere. Félix will davon zunächst nichts wissen, weil er kein Fälscher sei, aber die Summe, die ihm der Fremde bietet, überzeugt. Félix erschafft José Buchmann und hofft, mit diesem Mann nichts mehr zu tun zu haben. Aber der macht sich auf eine „Spurensuche“ seiner fiktiven Familie, für die er Félix regelmäßig „Beweise“ präsentiert und so wird die angenommene Identität bald realer als die ursprüngliche eigene – bis ein verrückter Bettler ins Spiel kommt.

    Haupterzähler des Buches ist der namensgebende Gecko, der Félix beobachtet und ihm zum Freund wird. Und diese Perspektive wird mit einigem Reiz gestaltet, zumal der Gecko den Vorteil hat, im wahrsten Sinne des Wortes ungewöhnliche Blickwinkel einnehmen zu können. Und auch wenn der Gecko als Erzähler natürlich eine bedeutende Rolle hat, so wäre mir der Originaltitel Der Verkäufer von Vergangenheiten doch lieber (weil passender) gewesen.

    Im Klappentext heißt es u. a.: „Agualusas wendiger Erzähler nimmt uns mit auf eine spannende und poetische Reise durch die sich wandelnden Landschaften von Erinnerung und Geschichte, in eine Welt, in der sich die Wahrheit von einem Moment zum anderen verändert.“ Dieser Satz trifft es sehr gut, denn so wichtig das Erfinden von Vergangenheiten für Félix (als Broterwerb) und seine Kunden (aus persönlichen Gründen) ist, so ist eine Vergangenheit doch nichts ohne Erinnerungen. Und diese sind sehr wandelbar, wie Agualusa hier sehr schön zeigt. Denn nicht nur José Buchmann paßt seine Erinnerung an die gelieferte Vergangenheit an, auch der Gecko hat Erinnerungen höchst eigener Art ...

    Etwas Abzug müßte ich eigentlich für das Ende vornehmen, das mir dann doch etwas zu dick aufgetragen und konstruiert war, es paßte deshalb auch nur bedingt in den zuvor durch die Erzählung aufgespannten Rahmen. Der Effekt, der auch nur bedingt überraschend kommt, war für meinen Empfinden nicht nötig und entließ mich mit einer Stimmung, die den ersten gut drei Vierteln des Romans nicht gerecht wurde. Alles in allem aber trotzdem ein kleines, feines Buch.

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    Ancareens avatar
    Ancareen
    sedmis avatar
    sedmivor 3 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
    M
    matthewvor 9 Jahren

    Gespräche aus der Community zum Buch

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