José Saramago Die Stadt der Blinden

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Inhaltsangabe zu „Die Stadt der Blinden“ von José Saramago

Saramagos Antwort auf Die Pest von Albert Camus.
Ein Mann steht an einer Ampel. Von einer Sekunde auf die nächste, ohne erklärbaren Grund, erblindet er. Wie ihm ergeht es immer mehr Menschen in seiner Heimatstadt. Wie eine Seuche greift die Blindheit um sich. Die Regierenden wissen sich nicht anders zu helfen, als die Betroffenen in einer verlassenen Irrenanstalt einzuquartieren – unter der Bewachung von Soldaten, die auf jeden schießen, der fliehen will. Je mehr Blinde dort zusammengepfercht werden, desto schlimmer, desto unmenschlicher wird die Situation. Inmitten dieses grausamen Chaos befindet sich ein Augenarzt mit seiner Frau – die als Einzige noch sehen kann …

Aufwühlend, nachdenklich stimmend, auffressend.

— Buchperlenblog

Einer der stärksten Romane des genialen Portugiesen. Dicht, beklemmend und doch voller unvernünftiger Hoffnung.

— juergenalbers

Seltsame Art zu schreiben. Das ist gewöhnungsbedürftig. Es gibt keine persönliche Rede u kaum Absätze.

— Manfred_SH

ungewöhnlicher Schreibstil, aber dennoch in kürzester Zeit durchgelesen ! Extrem plastisch - man will unwillkürlich anfangen zu hamstern....

— Sandra1978

Löst intensive Gefühle aus

— HerrLyDmann

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  • "Die Stadt der Blinden" von José Saramago

    Die Stadt der Blinden

    Mali133

    07. June 2017 um 21:14

    "Die Stadt der Blinden" ist ein Roman von José Saramago der 2015 im btb Verlag erschienen ist. Die Erstausgabe erschien im Jahr 1997.Inhalt:Eine Ampel in einer namenlosen Stadt sprint auf Grün. Ein Auto bleibt dennoch stehen. Der Fahrer ist urplötzlich erblindet. Den freundlichen Helfer, der den Erblindeten nach Hause bringt und sich anschließend dessen Auto bemächtigt, ereilt das gleiche Schicksal. Wie eine Epidemie greift die Blindheit um sich. Der Staat reagiert brutal. Die Erblindeten werden in einem leerstehenden Irrenhaus interniert, wo sie sich selbst überlassen werden. Doch es gibt eine Sehende unter ihnen, die die Krankheit nur vorgetäuscht hat, um bei ihrem Mann zu bleiben. Mit ihrer Hilfe könnte der Ausbruch gelingen ...Fazit:Mit diesem Buch bin ich einfach nicht richtig warm geworden. Trotzdem ich die Handlung sehr interessant fand und diese sehr zum Nachdenken anregt, hatte ich sehr große Probleme dieses Buch zu beenden.Der Schreibstil des Autors war leider gar nicht mein Fall. Die gesamte Handlung wird aus der Perspektive des Beobachters geschrieben. Die Sätze sind teilweise sehr lang und nur durch Kommas getrennt. Auch die Gespräche der Protagonisten untereinander werden nur durch Kommas unterbrochen, weswegen es mir sehr oft schwer fiel dem Ganzen zu folgen.Die Protagonisten werden trotz der fehlenden Namen gut beschrieben und man konnte sie auch trotz der Menge auseinanderhalten. Man erfährt viel über ihre Gefühle und Gedanken und kann sich in sie hineinversetzen. Die Handlungsorte werden meist nur oberflächlich beschrieben, aber sind in der Geschichte auch eher nebensächlich.Sowohl der Hintergrund als auch die Geschichte selbst haben mir sehr gut gefallen. Was passiert mit der Gesellschaft wenn plötzlich alle Menschen erblinden und das normale Leben wie man es kennt nicht mehr aufrecht erhalten werden kann? Die Menschen, welche zuerst erblindet sind werden von der Regierung in eine verlassene Irrenanstalt gesteckt und sind dort vollkommen auf sich allein gestellt. Sie müssen versuchen ihr neues Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Anfangs gelingt das auch noch recht gut, aber irgendwann tauchen Menschen auf die über die anderen die Macht übernehmen wollen und die Situation eskaliert letzten Endes. Außerhalb der Irrenanstalt sind mittlerweile auch alle erblindet und ein zivilisiertes Leben ist nicht mehr möglich. Es gibt weder Strom noch fließendes Wasser und die Nahrungsvorräte werden knapp. Außerdem fällt es den Blinden natürlich schwer sich mit der neuen Situation zurechtzufinden und sie vegetieren nur noch vor sich hin. Eine Massenepidemie die aufzeigt, dass es darauf ankommt zusammenzuhalten um zu Überleben und sich nicht gegenseitig zu bekämpfen.Von mir gibt es 3 von 5 Sternen!

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  • Wer ist Freund, wer ist Feind ?

    Die Stadt der Blinden

    linasue

    31. March 2017 um 15:15

    ★★★★☆   (4 von 5 Sterne)Inhalt: In einer Stadt, die namentlich nicht genannt wird, erblindet plötzlich ein Mann in seinem Auto, während er an der Ampel wartet, dass diese auf Grün überspringt.Der Mann sieht jedoch alles Weiß statt Schwarz. Kurz darauf erblinden weitere Menschen auf die gleiche mysteriöse Art.Niemand weiß, wo diese plötzliche Epidemie herkommt oder wie sie zu verhindern ist.Die Regierung sieht nur einen Ausweg: alle betroffenen in eine abgelegene Irrenanstalt zu verfrachten und unter Quarantäne zu stellen.Die Blinden werden zwar von außen von Soldaten bewacht, jedoch sind sie in dem Gebäude auf sich allein gestellt.Als jedoch eines Tages noch mehr Blinde ins Gebäude geführt werden, kommt es zu einem Ausnahmezustand. Nicht nur, da nicht genug zuessen vorhanden ist, auch die Schlafplätze sind nicht ausreichend.Wer ist Freund, wer ist Feind ? Es folgt ein harter Kampf ums Überleben. Meinung:Als erstes muss ich sagen, dass ich die Thematik klasse finde.So ein Buch wie dieses, habe ich zuvor noch nicht gelesen.José Saramagos Schreibstil ist anfangs gewöhnungsbedürftig, denn es gibt keine Anführungszeichen bei wörtlichen Reden, keine Satzzeichen und auch keine Namen werden genannt.Doch das mit den nicht genannten Namen ist kein Problem, da die Personen immer gut beschrieben werden, damit man weiß, um wen es gerade geht.Nach ein paar Seiten hat man sich auch an den Schreibstil gewöhnt, so dass man flüssig lesen kann.Es ist eine anspruchsvolle Lektüre, dadurch hatte ich bei ein paar Sätzen oder Aussagen Probleme hinterher zu kommen. An diesen Stellen fiel es mir schwer, gedanklich nicht abzuschweifen - ich bin eher der Mensch, der die einfache Ausdrucksform bevorzugt.Nichtsdestotrotz hat mich diese Geschichte fasziniert. Man stellt sich selbst die Frage: Wie würde man selbst in einer solchen Situation klar kommen ?Die Hauptcharaktere beginnt man schnell zu mögen, fühlt mit ihnen mit und kann viele Handlungen nachvollziehen.Mir hat das Buch, trotz der für mich schwierigen Stellen, sehr gut gefallen. Deshalb vergebe ich 4 tolle Sterne.Fazit:  Man sollte sich im Klaren sein, dass es keine leichte Lektüre zum Lesen ist, also keine Geschichte die man mal eben schnell nebenbei lesen sollte. Wer sich jedoch die Zeit zum lesen nimmt, wird gut in die Geschichte eintauchen können.Ich kann dieses Buch auf jeden Fall weiter empfehlen.

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  • Aufwühlend, nachdenklich stimmend, auffressend.

    Die Stadt der Blinden

    Buchperlenblog

    Dieses Buch hat mich fertig gemacht. Jetzt, da ich es beendet habe, musste ich auch erst einmal kurz aufatmen - es ist vorbei. Nicht, weil ich mich durch gequält hätte, aber es war doch sehr kräftezehrend. Inhalt In einer nicht benannten Stadt in einem nicht benannten Land erblindet ein Mann, während er darauf wartet, dass die Ampel vor ihm auf Grün umstellt. Verzweifelt lässt er sich von einem Fremden nach Hause bringen und wartet dort auf seine Frau. Die bringt ihn in die Praxis eines Augenarztes. Dieser muss jedoch feststellen, dass er diese Art Erblindung nicht zuordnen kann, der Blinde sieht statt Finsternis nur noch ein grelles Weiß. Er schickt den Blinden wieder nach Hause, will ihn aber weiter untersuchen.    Doch noch während er selbst die Bücher abends wälzt, um sich über die Krankheit zu informieren, erblindet er ebenfalls. Und mit ihm immer mehr. Die Regierung beschließt kurzerhand, alle Infizierten in Quarantäne zu stecken.  Wir begleiten den Augenarzt und seine Frau, die sich ebenfalls für blind ausgibt, es jedoch nicht ist, wie sie und einige andere in eine ehemalige Irrenanstalt gesperrt werden. Die Regierung verspricht ihnen, jeden Tag Nahrung kommen zu lassen, doch das soll die einzige Maßnahme sein. Wird jemand krank, gibt es Verletzungen, Unruhe oder Aufstände innerhalb der Mauern wird nicht eingegriffen. Wer sich den Soldaten draußen nähert, wird erschossen. Schnell breitet sich die Blindheit, das Weiße Übel, aus und die Irrenanstalt füllt sich zusehends. Natürlich bricht auch in einer solchen Situation die menschliche Natur durch, jemand erhebt sich über die anderen. Schon bald kommt es unter den hunderten von eingeschlossenen Menschen zu Kämpfen, einige wenige unterdrücken die ängstlichen anderen. Wie wird das alles enden? Kehrt das Licht in die Augen der Blinden zurück? Und was passiert, wenn man als einziger Mensch noch sehen kann in einem Meer von Blinden?  Meinung Zuallererst fällt natürlich der markante Schreibstil des Autors auf. Da es mein erstes Buch von José Saramago war, weiß ich nicht, ob dieser Stil immer von ihm verwendet wird, oder ob dieses Buch eine Ausnahme bildet. Die ersten Seiten hatte ich Schwierigkeiten damit. Anstelle von Anführungszeichen für die wörtliche Rede werden die einzelnen Sätze nur durch Kommas getrennt, manche Sätze erstrecken sich über eine halbe Seite.  "Du wirst schon sehen, das geht vorbei, du warst nicht krank, niemand erblindet einfach so, von einem Augenblick zum anderen, Vielleicht, Erzähl mir, wie es passiert ist, was du gefühlt hast, wann, wo, nein, noch nicht, warte, wir müssen zuerst mit einem Augenarzt sprechen, kennst du einen, Nein, ich nicht, wir tragen beide keine Brille, Und wenn ich dich ins Krankenhaus bringe, Für Augen, die nicht sehen, gibt es sicher keinen Notdienst, Du hast recht, am besten gehen wir zu einem Arzt, ich werde im Telefonbuch nachsehen, zu einem, der hier in der Nähe ist." (S. 18) Ja, das kann anstrengend werden. Aber auch sehr faszinierend. Wenn man einmal Fuß gefasst hat, stört man sich an dem Schreibstil kaum noch, auch wenn man innerlich schonmal aus der Puste kommen kann auf der Suche nach einem Punkt.  Die Geschichte wird teils als Bericht erzählt, teils als allwissender Erzähler. Es wird das Wort "wir" verwendet, so hat man das Gefühl, einer der beteiligten Menschen spreche mit uns. Da wir gegen Ende des Buches auf einen Schriftsteller treffen werden, nehme ich an, dass dieser den Bericht verfasst haben könnte, sollte ihm jemand Einzelheiten erzählt haben. Nichts wird ausgelassen, wie unmenschlich das Leben wird, wenn niemand mehr sehen kann, wohin er geht, ja, wenn er nicht einmal mehr die Toilette finden kann. Der Dreck, die Exkremente, die nicht mehr da landen, wo sie landen sollten, alles trägt dazu bei, dass sich die Menschen immer mehr wie Tiere fühlen. Auch die einzige Frau, die noch sehen kann in dieser Welt der Blinden, ist nicht zu beneiden. Sie sieht das Grauen, wo es andere nur erahnen können.  Auch, dass sich wieder einige Menschen finden, die sich über die anderen erheben wollen, ist furchtbar, aber, wie ich schon in meiner Rezension zu "Das Licht der letzten Tage" schrieb, nur all zu wahrscheinlich. Der Mensch ist so. Leider. Fazit Wie soll das Leben für alle weitergehen oder werden sie sterben, wird es die Menschheit nicht mehr geben, werden wir zurückkehren zu den primitiven Lebensformen, aus denen wir hervorkamen? Lest es selbst, aber macht euch darauf gefasst: Dies ist keine Nebenbei-Lektüre. Es wird anstrengend, es wird an euch zerren. Doch es lohnt sich.

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    • 9

    awogfli

    01. March 2017 um 19:09
  • Ein außergewöhnliches Buch

    Die Stadt der Blinden

    kointa

    28. July 2016 um 14:54

    Inhaltsangabe: Eine Ampel in einer namenlosen Stadt springt auf Grün. Ein Auto bleibt dennoch stehen. Der Fahrer ist urplötzlich erblindet. Den freundlichen Helfer, der den Erblindeten nach Hause bringt und sich anschließend dessen Autos bemächtigt, ereilt das gleiche Schicksal. Wie eine Epidemie greift die Blindheit um sich. Der Staat reagiert brutal. Die Erblindeten werden in einem leerstehenden Irrenhaus interniert, wo sie sich selbst überlassen werden. Doch es gibt eine Sehende unter ihnen, die die Krankheit nur vorgetäuscht hat, um bei ihrem Mann zu bleiben. Mit ihrer Hilfe könnte der Ausbruch gelingen …   Meine Meinung: Ich muss gestehen ich bin sehr skeptisch an das Buch ran gegangen, denn schon die ersten Seite zeigten mir das es nicht einfach zu lesen sein wird und ich wusste auch nicht ob die Geschichte und der Schreibstil mir zusagten und ich "durchhalten" würde. Tja die Schreibweise ist wirklich sehr gewöhnungsbedürftig, denn der Autor kennt nur die Satzzeichen Punkt und Komma, aber keine Wörtliche Rede oder anderes. Damit tat ich mich am Anfang sehr schwer und es verwirrte. Aber als ich mich daran gewöhnt hatte und in die Geschichte eingetaucht bin, stellte ich fest das es gar nicht so schlimm ist. Mich hat das Buch fasziniert und gefesselt. Wie der Autor darstellt, was die Blinden erleben und wie schwer und teilweise grausam es ist in einer Welt zurecht  zu kommen in der es nur noch Blinde gibt, ist genial. Man fühlt mit den Menschen mit, auch wenn man noch nicht mal weiß in welchem Land die Handlung angesiedelt ist. Dies spielt auch keine Rolle. Und einem wird auch im Laufe der Geschichte immer mehr bewusst was es für die einzige Sehende bedeutet und welche Last es für sie ist. einzig das Ende hätte ich mir persönlich ein wenig erklärender gewünscht. Fazit: Ein ungewöhnlicher Schreibstil mit einer außergewöhnlichen Geschichte.  

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    • 2
  • Blindes Leben

    Die Stadt der Blinden

    Babscha

    Rezension eines Klassikers der Literatur? Nein, besser nicht. Stattdessen einfach nur ein persönlicher Eindruck. Auch in seinem wohl bekanntesten und berühmtesten Buch verliert sich Saramago wieder in seiner absolut eigentümlichen, ganz speziellen Sprache, und das wie immer ohne Punkt und Komma. Sie gibt seinen Büchern einfach diese Besonderheit, diesen schnellen Fluss, in den man sich als Leser sehr schnell einfindet. Die Geschichte einer namenlosen Gesellschaft in der heutigen Zeit, in der nach und nach alle Menschen erblinden, ist von der Idee schon ganz besonders und ein Meilenstein der dystopischen Literatur, geschrieben lange bevor wir alle mit mehr oder weniger guten derartigen Machwerken überschwemmt wurden. Eine gute Handvoll Hauptprotagonisten, die er in seinem Buch im wahrsten Sinne aneinander kettet, bilden den Handlungsstrang des Geschehens. Phänomenal, in welch gekonntem Mix aus Zurückhaltung, feiner Sprache und feinen Gedanken, Sarkasmus und Brutalität der Autor seine streckenweise an die Nieren gehende Geschichte von Menschen in einer absolut hoffnungslosen Ausnahmesituation erzählt. Wie er die Transformation des Einzelnen wie auch der ganzen überforderten Gesellschaft in einer blinden Welt auf den Punkt bringt, mit welcher Abgeklärtheit er das alles macht. Das ist echt Kunst. Und irgendwie eine große, resignierte Anklage oder auch Bestandsaufnahme menschlicher Unzulänglichkeit im Innen und Außen. Aufwühlende Ausnahmeliteratur.

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    • 5
  • Ein fesselndes Buch von Anfang bis Ende

    Die Stadt der Blinden

    Any91

    08. April 2016 um 16:40

    Zu diesem Buch gibt es eine lustige Geschichte - ich habe nie was von diesem Buch gehört, und dass es ein Film dazu gibt, wusste ich auch nicht. Während meiner Abiturzeit haben wir im Deutschunterricht einen Ausschnitt aus dem Buch gelesen und das war das erste Mal, dass ich bei einem Deutsch-Text wissen wollte wie es weiter geht. Darauf hin habe ich mir dann das Buch bestellt und es innerhalb von wenigen Stunden druchgelesen. Ich konnte es nicht mehr weg legen. Es ist schon interessant, wie Menschen mit einer plötzlichen Erblindung umgehen... Und zu was sie fähig sind. Ein unglaublich spannendes und fesselndes Buch - absolut zu empfehlen!

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  • Extrem spannend und realitätsnah - beängstigend !

    Die Stadt der Blinden

    Sandra1978

    02. January 2016 um 15:01

    Rezension für :  „Die Stadt der Blinden“ von José Saramago im btb Verlag.  Ein etwas unbekannteres Buch ( ungerechtfertigterweise ). Schwer zu sagen, in welches Genre das Buch gehört – am besten könnte man wohl sagen, es hätte eine Dystopie werden können. Der Roman spielt in der Gegenwart in einer nicht bezeichneten Stadt. Der Inhalt : Ein Mensch, der gerade Auto fährt, wird von jetzt auf gleich blind. Er geht zum Augenarzt, wonach in kurzer Folge der Arzt und alle, die zu dem Zeitpunkt in der Praxis waren, ebenfalls erblinden. Die Fälle häufen sich und die Krisenbeauftragten beschließen, alle Betroffenen sowie eventuell „Infizierte“ in einer ehemaligen Irrenanstalt in Quarantäne zu nehmen. Dort sind alle Internierten sich selbst überlassen und müssen sich selbst organisieren, was nach kurzer Zeit in ein unbeschreibliches Chaos führt – keiner sieht etwas, die Lebensmittel bleiben aus, das Wasser funktioniert nicht. Die Quarantänestation ist durch Soldaten hermetisch abgeriegelt. Es gibt keine medizinische Versorgung und keine Verbindung zur Außenwelt. Die Epidemie breitet sich jedoch trotzdem innerhalb kürzester Zeit auf alle Menschen aus – bis auf eine einzige Person – die Frau des Augenarztes, die weiterhin sehen kann. Als auch alle Soldaten erblindet sind, verlassen die ( überlebenden  ) Blinden das ehemalige Irrenhaus, nur um draußen eine Welt vorzufinden, die noch schlimmer ist als die gerade überstandene…..   Meine Meinung : Der Autor schreibt in einem sehr ungewöhnlichen Stil : Es gibt keine direkten Dialoge, sondern es ist alles in der Erzählform geschrieben, und teilweise in extrem langen Schachtelsätzen, die die Dialoge darstellen. Das ist zuerst gewöhnungsbedürftig, wird dann aber zu einem „Treiber“, der das ganze hochspannend und fast unmöglich macht das Buch überhaupt noch aus der Hand zu legen, weil man unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Sehr beängstigend, weil irgendwie durchaus vorstellbar ist, das eine ähnliche Situation Realität werden könnte, und alles überaus plastisch beschrieben, wird dem Leser vor Augen geführt, worauf sich der Mensch ohne seine grundlegenden Sinne und eine grundlegende Ordnung reduziert. Was das Buch ebenso besonders macht, ist die immer wiederkehrende Einflechtung von philosophischen Überlegungen zur menschlichen Natur, wodurch der Leser immer wieder vor die Frage gestellt wird : Wie wäre ich in einer solchen Situation ? Wie würde ich damit umgehen ? Die Protagonisten sind hier keine Superhelden, sondern ganz normale Menschen von nebenan wie Du und ich, mit ihren Schwächen und Selbstzweifeln, was die ganze Geschichte noch unheimlicher erscheinen lässt. Ich kann nur abschließend raten : Unbedingt lesen ! Lohnt sich auf jeden Fall !

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  • Interessante Parabel mit einigen Schwächen

    Die Stadt der Blinden

    Originaldibbler

    José Saramago (1922-2010) war ein portugiesischer Autor. 1998 wurde er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Der Roman "Die Stadt der Blinden" erschien 1995. In "Die Stadt der Blinden"  geht es um eine Blindheitsepidemie, die eine namentlich nicht genannte Stadt heimsucht. Diese unrealistische Epidemie ist die Grundlage für ein Gedankenexperiment. Welche Eigenschaften würde eine solche Extremsituation in den Menschen zu Tage treten lassen? Eindrucksvoll schildert Saramago, wie einige wenige ihre beste Seite zeigen, während die meisten Abgründe offenbaren. Im Wesentlichen ist das, was Saramago schildert, nachvollziehbar. Manches ist aber leider auch maßlos überzogen. Wenn zum Beispiel 15 Mann und weil sie eine Waffe haben, 200 andere Personen davon überzeugen, dass sie alle Frauen unter den 200 vergewaltigen dürfen und niemand dagegen aufbegehrt, ist das einfach unrealistisch. Natürlich ist das ganze eine Parabel und insofern ist es nicht ganz fair, sich über unrealistische Punkte zu mokieren aber mich hat es trotzdem gestört. Das Hauptproblem des Romans ist aber meines Erachtens die Sprache. Grundsätzlich ist Saramago ein geübter und wortgewandter Erzähler. Formvollendete Satzgefüge, die gern mal über eine halbe Seite gehen, laden dazu ein, sich in die Geschichte zu vertiefen. Allerdings hat er eine groteske Form gewählt um direkte Rede darzustellen.  "Der Blinde hob die Hände vor die Augen und bewegte sie, Nichts, als wäre ich mitten in einem Nebel, als wäre ich in ein milchiges Meer gefallen, Aber Blindheit ist nicht so, sagte der andere, Blindheit heißt es, ist doch schwarz, Aber ich sehe alles weiß, Vielleicht hat die gute Frau ja recht, es kann etwas mit den Nerven sein, die Nerven sind wirklich teuflisch, Ich weiß sehr wohl, was es ist, ein Unglück, ein Unglück, Sagen sie mir bitte, wo sie wohnen, gleichzeitig hört man, wie der Motor, ansprang." Im Deutschen ist das eindeutig falsch. (Im Portugiesischen vermutlich auch.) Natürlich hat ein Autor immer die Freiheit von sprachlichen Konventionen abzuweichen, wenn es der Sache dienlich ist. Das ist hier aber meines Erachtens nicht der Fall und ich wage zu behaupten, dass man sich bei einem weniger renommierten Autor massiv an solchen Formulierungen stören würde. Alles in allem eine gute Idee, die nicht immer gut umgesetzt wurde.

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    • 2
  • Schwieriger Stoff, der sich aber zu lesen lohnt....

    Die Stadt der Blinden

    lievke14

    Die Erzählung beginnt damit, dass ein Autofahrer an einer Kreuzung urplötzlich erblindet. Nach und nach ereilt dieses Schicksal immer mehr Menschen ohne ersichtliche Gründe, so dass die Regierung von einer Epidemie ausgeht. Die infizierten Menschen werden isoliert und in eine frühere stillgelegte Nervenheilanstalt verbracht, um so die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Dabei greift die Regierung allerdings zu drastischen Maßnahmen. Die Anstalt wird völlig abgeriegelt und von Soldaten bewacht. Innerhalb der Einrichtung müssen die Erblindeten nun völlig ohne Hilfe von außen zusehen, wie sie zurechtkommen. Dabei haben sie nicht nur mit den immer größer werdenden hygienischen Problemen zu kämpfen....es bildet sich auch bald eine Gruppe Blinder heraus, welche die Verteilung der Nahrungsmittel übernimmt und so die anderen materiell und physisch ausbeutet. In seinem Roman "Die Stadt der Blinden" erzählt Saramago von einer epidemiologischen Katastrophe mit desaströsen Folgen. Die Geschichte ist harter Tobak. Saramago erzählt unglaublich bildgewaltig den menschlichen Verfall der Gesellschaft. Dabei bedient er sich einer fiktiven namenlosen Stadt. Namenlos sind auch die Figuren in seiner Geschichte. Die Personen werden lediglich anhand ihrer Persönlichkeit, Herkunft oder ihres Berufsstandes benannt: z.B. der Arzt, die Frau des Arztes, der Taxifahrer, die Frau mit der schwarzen Brille etc. Diese Verallgemeinerung reicht völlig aus, um die Story mit Charakteren zu besetzen....Nicht nur das: meiner Meinung nach wird sogar dadurch ein besonderes Gewicht auf die eigentliche Handlung gelegt. Eine namentliche Benennung ist hier vollkommen überflüssig. Ich war von diesem Roman total geflasht. Die Story ist unglaublich dicht und überzeugend. Dennoch seien interessierte Leser gewarnt. Leicht liest sich dieses Buch nicht. Zum einen wird die wörtliche Rede nicht in Anführungszeichen gesetzt, was allein schon den Lesefluss beeinträchtigt, da es im Vergleich zu der Vielzahl von Romanen doch eher ungewöhnlich ist. Zum anderen wird die direkte Rede überhaupt nicht abgegrenzt. Die Dialoge reihen sich komplett aneinander, so dass zum Teil nicht auf dem 1. Blick erkennbar ist, wer gerade spricht. Das sieht konkret so aus, dass innerhalb eines Satzes mehrere Personen sprechen....die einzelnen Passagen werden lediglich durch Kommas abgetrennt. Das Lesen war für mich daher hin und wieder richtig harte Arbeit. Außerdem fällt deutlich auf, dass es wenige Kapitel und in diesen noch viel weniger Absätze gibt. Der Text erscheint dem Leser dadurch wie eine lückenlose Wand. Ich denke, das diese Wirkung gezielt erreicht werden sollte. Der Autor möchte dem Leser wahrscheinlich die gleiche „Wand“ vor Augen führen, welche die Blinden erdulden müssen. Eine andere Erklärung habe ich nicht dafür. Wer sich dennoch an diesen Roman herantraut, wird bestimmt nicht enttäuscht werden. Das Buch ist einfach nur gewaltig.

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    • 8
  • Spannende Sprache und Dialogdarstellung

    Die Stadt der Blinden

    HerrLyDmann

    10. November 2015 um 15:31

    Die Stadt der Blinden von José Saramago thematisiert eine Epidemie, genannt das „weißen Übel“, einer plötzlich auftauchenden Blindheit von der keiner verschont bleibt. Da sich die Krankheit überraschend leicht überträgt, werden die ersten Infizierten in eine ehemalige Irrenanstalt gesperrt. Darunter auch ein Augenarzt und seine Frau. Sie gibt an, ebenfalls blind zu sein, um bei ihrem Mann zu sein; ist aber diejenige die (bis zum Schluss…?) sehen kann. Das Buch ist im Rowohlt Taschenbuch Verlag 2006 erschienen und gehört zum Genre Roman. Was ich so noch in keinem Roman gelesen habe ist die Art der Sprache und Dialogdarstellung. Sie ist sehr karg, zurückgenommen, trocken und extrem weit entfernt. Das liegt vor allem daran, dass wir nie die wirklichen Namen der handelnden Figuren erfahren, oder was sie genau denken und fühlen. Die Dialoge sind durch Kommata getrennt und lesen sich wie aus einem Guss bzw. wie aus einem schnell durchschaltendem Automaten. Das und die schrecklichen Dinge die, den Figuren zustoßen (dargestellt durch diese karge Sprache) lassen befremdliche und unangenehme Gefühle beim Leser aufkommen. So ist es mir persönlich passiert, dass ich zwischenzeitlich tatsächlich aus der U-Bahn austeigen musste, weil mir schlecht geworden ist. Schlecht von menschlichem Handeln, schlecht von der Sprache, schlecht von den Gefühlen die in mir aufgestiegen sind. Persönlich hat mir das Buch dennoch gefallen, gerade weil es so intensive Gefühle auslöst. Der dritte und letzte Abschnitt des Buches zieht jedoch alles unnötig in die Länge und ist etwas langatmig bzw. langweilig (im Vergleich zu den beiden vorderen Teilen); aber trotzdem doch noch sehr überraschend! Abschließend noch ein Tipp: Wer das Buch liest, sollte sich unbedingt jemanden suchen mit dem er nebenher darüber sprechen kann – sonst ist man alleine mit seinen intensiven und vor allem ängstlichen Gefühlen.

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  • Plötzlich blind

    Die Stadt der Blinden

    Libris

    16. October 2015 um 18:00

    Plötzlich blind – eine Situation mit der die wenigsten Menschen gerne konfrontiert wären. In Saramagos „Die Stadt der Blinden“ passiert das jedoch etlichen, wie eine Seuche greift die Blindheit um sich. Um eine Ausbreitung zu verhindern, werden die Betroffenen in einer stillgelegten Anstalt eingesperrt und streng bewacht. Dort drin entwickeln sich schnell katastrophale Umstände, gibt es doch keine ärztliche Hilfe, nur Essenszuteilungen. Wer versucht zu entkommen wird erschossen. Die Blinden müssen nicht nur mit ihrer neuen Situation klar kommen, sondern auch versuchen intern eine Gesellschaft aufrecht zu erhalten. Mit Hilfe einer noch sehenden, die sich blind gestellt hat um ihren Mann begleiten zu können, scheint dies auch zunächst zu gelingen, doch Machtgier herrscht auch hier noch. Auch wenn die Charaktere namenslos sind, so sind sie doch ausreichend dargestellt und wiedererkennbar, man kann sich gut in sie hinein fühlen. Angesichts der thematisierten Blindheit finde ich es auch gut gelungen, dass Aussehen weniger eine Rolle spielt als Charakter und Verhalten. Unterstützt wird das noch durch die fehlenden Anführungszeichen, allerdings macht das es etwas schwer zuzuordnen wer was sagt bzw. wann die Personen wechseln. Man gewöhnt sich aber schnell daran. Die Handlung empfand ich als durchaus interessant, wenn sie bis auf einige Stellen weniger spannend und actionreich ist. Vermisst habe ich eine zumindest semi-wissenschaftliche Erklärung für die Blindheit, auch fehlt die Sicht der Bevölkerung, die nicht betroffen ist. Eine Auflösung gab es am Ende nicht, so plötzlich wie sie gekommen ist geht die Seuche auch wieder vorbei. Ich gebe dem Buch 3 Sterne.

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  • Auch der Tod braucht mal ne Auszeit

    Eine Zeit ohne Tod

    Babscha

    Die Story: In einem ungenannten mittelgroßen Land dieser Erde stellt der Tod pünktlich mit dem ersten Glockenschlag des neuen Jahres seine Tätigkeit ein. Allerdings nur dort; außerhalb der Landesgrenzen ändert sich nichts am Werden und Vergehen der Menschheit. Dies führt natürlich in kürzester Zeit zu chaotischen Zuständen. Nicht nur die alte Königinmutter bleibt in der Schwebe zwischen Leben und Tod, tausenden Todkranken, Unfallopfern und sonstigen Siechen, deren Zeit jetzt eigentlich gekommen wäre, geht es nicht anders. Politik und Klerus sehen sich ebenfalls mit einer nie dagewesenen Situation konfrontiert, die es möglichst elegant zu lösen gilt. Da sind die jetzt ja nicht mehr mögliche Auferstehung im Sinne der Bibel genau wie eine mittelfristig unaufhaltsam wachsende Zahl von Rentnern und Pflegebedürftigen, die es zu versorgen gilt, nur die Spitze des auf Kollisionskurs dahindriftenden Eisbergs. Aber siehe da: Nach dem ersten Schock zeigen sich alle Beteiligten durchaus erfinderisch bei der Lösung des Problems, natürlich immer schön unter Wahrung der eigenen Interessen. Keiner jedoch weiß, warum der Tod so handelt und wie das Ganze letztlich weitergehen soll. Meinung: Saramago strapaziert in seinem Buch eine wahrlich außergewöhnliche, abstruse Idee. Und das mit allen Konsequenzen und mit einem sehr genauen Gespür für das Handeln und Denken von Menschen in Ausnahmesituationen. Während der Roman in der ersten Hälfte noch beschaulich einsteigt und langsam an Fahrt aufnimmt, brennt der Autor danach ein rabenschwarzes Feuerwerk von guten Ideen ab. Ein Genuss zu lesen, wie er dabei in seiner ganz speziellen Sprache, respektlos und mit großem Wortwitz alle betroffenen Parteien aufs Korn nimmt und dabei gekonnt in ihrer ganzen Einfältigkeit und Unfähigkeit entlarvt und bloßstellt. Und wir lernen tatsächlich auch den Tod selbst kennen einschließlich seines Wohnsitzes. Das liest sich ziemlich ungewohnt aber gut, sowie zusätzlich beschleunigt durch den dem Autor offensichtlich eigenen Verzicht auf jede grammatikalisch saubere Darstellung wörtlicher Rede. Insgesamt ein reichlich durchgeknalltes, aber unbedingt lesenswertes Stück Literatur, das den Menschen -genau so wie den Tod- zeigt, wie er wirklich ist: Berechnend, rücksichtslos, gepaart mit einer guten Portion Stupidität und Hilflosigkeit, wenn etwas mal außerhalb der Norm läuft.

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    • 3
  • Beklemmendes Meisterwerk

    Die Stadt der Blinden

    BrittaRoeder

    Was für ein Roman! Der Plot ist in wenigen Worten skizziert: In einer nicht benannten Großstadt treten zunächst vereinzelt Fälle von Erblinden auf. Doch schon bald greift die Blindheit wie eine Seuche um sich und nach kurzer Zeit ist die gesamte Menschheit betroffen. Alles versinkt ins Chaos.  Nur eine einzige Person bleibt verschont und um diese eine Frau gruppiert sich nun ein kleine Gruppe, die mit ihr gemeinsam ums nackte Überleben kämpft. Schonungslos akribisch beschreibt der Autor wie die komplette Infrastruktur kollabiert und sich die gesamte Zivilisation zersetzt. Die Starken dominieren über die Schwachen; Recht und Unrecht erhalten neue Maßstäbe. Soweit könnte man von einer der üblichen Dystopien ausgehen, wie es sie häufig gibt. Doch Saramagos Roman ist anders: Anders als üblich bedient sich Saramago keiner genreüblichen großen Effekte. Nichts wird beschönigt, niemand wird idealisiert. Die Bilder, die er heraufbeschwört sind eher beklemmend und hoffnungslos als laut. Niemand kann aus dieser Hölle, die er beschreibt, aus eigener Kraft entkommen. Doch vor allem ist es Saramagos ganz besonderer Erzählstil, der dieses Buch zu etwas Einzigartigem macht. So als ob die Katastrophe alles bisher Gültige hinweggefegt hat, trägt keine einzige Person ihren richtigen Namen, es gibt keine geographischen Bezeichnungen und sogar die Biographien aller werden nur rudimentär angerissen. Hinzu kommt eine Schreibweise, die den Leser zwingt sich auf ein völlig ungewohntes Leseerlebnis einzulassen. Denn Saramago lässt alle Satzzeichen weg, die sonst die wörtliche Rede kennzeichnen. Es ist, als ob die Blindheit, die in diesem Roman alle trifft und alle bisher gültigen Sichtweisen in Frage stellt, auch den Leser herausfordert und ihm eine neue Art der Wahrnehmung aufzwingt. Doch wer diese ungewohnte Distanz erst einmal überwunden hat, wird mit einer Nähe zum Beschriebenen belohnt, die intensiver und eindringlicher ist, als bei den meisten leichter zugänglich geschriebenen Texten. Er sei kein Pessimist, sondern bloß ein gut informierter Optimist, soll Saramago von sich behauptet haben. "Wir stecken alle in der Scheiße. Optimist kann eigentlich nur sein, wer gefühllos, dumm oder Millionär ist." Genau so könnte auch das Fazit dieses Romans lauten. Daran ändert auch der zaghafte Ansatz des Autors nichts, dem Ende seiner Erzählung einen positiven Ausblick zu bescheren. Ja, angesichts des vorangegangenen Horrorszenarios erscheint einem das versöhnliche Ende fast unpassend. Doch da es die grundsätzlichen Fragen, die der Roman aufgeworfen hat, nicht unterwandert, mag man diese fast wunderhafte Wendung dann doch hinnehmen. „Die Stadt der Blinden“ ist ein Ausnahme-Roman, der seiner Leserschaft viel abverlangt. Aber wer sich darauf einlässt wird im Gegenzug mit einem beeindruckenden Lese-Erlebnis belohnt, das lange anhält.

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    • 22
  • blinde Wut?

    Die Stadt der Blinden

    dominona

    28. March 2015 um 23:22

    Seitdem ich "Kain" gelesen habe, wollte ich mir immer ein zweites Buch von Saramago vornehmen und die Umsetzung der Idee hat mich sehr interessiert. Plötzlich werden immer mehr Menschen blind und man steckt sie in Quarantäne, wo sie sich selbst organisieren müssen und wie das aussehen könnte, beschreibt der Autor sehr clever. Mich hat nur gestört, dass es zu wenig Absätze gab, sodass nicht gleich klar ist, wer bei wörtlicher Rede überhaupt spricht und die Auflösung war mir zu offensichtlich.

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  • "Mein Gott, wie fehlen uns unsre Augen."

    Die Stadt der Blinden

    Kopf-Kino

    In einer unbekannten Stadt schaltet die Ampel auf grün, doch ein Auto fährt nicht los, Unmut macht sich breit unter den Verkehrsteilnehmern. Der Fahrer, der diesen Stau auslöst, gestikuliert händeringend und schreit verzweifelt, Ich bin blind. Ein Mann erbarmt sich des Erblindeten, führt ihn nach Hause und stiehlt bei dieser Gelegenheit dessen Auto. Wenige Minuten danach erblinden sowohl der Dieb als auch der Augenarzt, der von einigen Erkrankten, die nur noch ein undurchdringliches Weiß mit ihren nutzlos gewordenen Augen sehen können, aufgesucht wird. Die Blindheit ist nämlich keine Schwärze, sondern von einer blendenden Grelle.Um das plötzlich um sich greifende „weiße Übel“ zu stoppen, stellt die ratlose Regierung die Betroffenen in einer ehemaligen Irrenanstalt unter Quarantäne. Soldaten, die den Befehl haben, jeden Fliehenden sofort zu eliminieren, überwachen das Gebäude. Die Frau des Arztes, die ihre Blindheit lediglich vortäuschte, um ihren Mann begleiten zu können, ist die einzig Sehende unter Blinden – an dieser Stelle beginnt die eigentliche Katastrophe. Sehen, sehen, auch wenn es nur vage Schatten wären, vor einem Spiegel einen dunklen Umriss erkennen und sagen können, da ist mein Gesicht, doch das Licht gehört mir nicht. Was für ein Roman! Welch eine bildhafte Wucht! Selten habe ich eine solch gut durchdachten Verschmelzung von Inhalt und Sprache gelesen. Erscheint es makaber, wenn ich schreibe, dass mir Sehen (!) und Hören verging? […] bitte fragt mich nicht, was das Gute und was das Böse ist, wir wussten es immer, als die Blindheit noch eine Ausnahme war [...] Im Folgenden möchte ich mein Hauptaugenmerk (beinahe) ausschließlich auf den Schreibstil, der mehr als ungewöhnlich ist, richten. Als ich die ersten Seiten des Romans las, dachte ich: Ohje, diesen Text zu lesen, wird nicht einfach! Und eher ich mich versah, verschlang ich dieses Buch, wollte und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Die Besonderheit, die dieses Buch aus der Masse herausstechen lässt, ist Saramagos Verzicht auf Anführungszeichen, die üblicherweise die wörtliche Rede abgrenzen – nicht so hier. Am Anfang fand ich es schwierig, mich zu orientieren: Wann spricht eine Person, wann nicht, wo hört das Gesagte auf. Nachdem ich mich hineingelesen hatte, flogen mir die Sätze wie von selbst zu. Saramagos Sprache hat einen Fluss, wie ich ihn schon lange nicht mehr gelesen habe – trotz langer, komplexer Schachtelsätze. Absätze sind ebenfalls spärlich gesät, so auch die Unterteilung in Kapitel. Zumal jene weder durch Überschriften noch Nummern, sondern lediglich anhand des Fettdrucks der ersten Wörter eines Kapitelanfangs eingeleitet werden. Sie ist tot, sagte die Frau des Arztes, und ihre Stimme war ausdruckslos, wenn eine solche Stimme möglich war, so tot wie das Wort, das sie ausgesprochen hatte, aber aus einem lebenden Mund. Während des Lesens der Lektüre fragte ich mich natürlich, weshalb Saramago jenen Stil gewählt haben könnte. Nun, vielleicht soll sich der Leser wie die Blinden voran tasten, Schritt für Schritt, die eine oder andere Textstelle zweimal lesen, um zu verstehen. Ob dies der Intention des Autors entspricht, vermag ich nicht zu sagen - ich interpretiere lediglich. Sowohl bei den rar gesäten Absätzen als auch bei den Kapitel beschlich mich der Gedanke, Saramago wollte auch uns Lesern der Orientierung berauben. Die Erzählperspektiven möchte ich ebenfalls hervorheben: Saramago spielt und er spielt meiner Meinung nach mehr als gut. Vorzugsweise wird aus der Sicht der einzig Sehenden erzählt. Sobald jedoch die Frau des Arztes nicht nah genug am Geschehen ist, schlüpft der personale Erzähler in eine andere Rolle. Andere Passagen wiederum werden aus der Ich-Perspektive oder, einige wenige, aus der Wir-Perspektive erzählt, wobei Letztere den Leser in das „Wir“ miteinbezieht. Zusätzlich kommt ein auktorialer Erzähler zu Worte, der, im Gegensatz eines allwissenden Erzählers, das Gesagte begründet, warum und woher er beispielsweise manches wisse. Saramago schafft es, innerhalb eines Satzes mehrere Perspektiven zu verwenden ohne Verwirrung zu stiften. Chapeau! Eine weitere Besonderheit stellt die Tatsache dar, dass im gesamten Buch kein einziger Name fällt, die Personen demnach nach ihrer Stellung oder Charakterisierung genannt werden: der Arzt, die Frau des Arztes, der Erste Blinde, die Frau mit der Sonnenbrille etc. Ich kann mir vorstellen, dass dies für manche zu sperrig sein könnte, um eine Beziehung zu den Personen herzustellen, was bei mir jedoch nicht der Fall war. Die blinden Personen waren für mich ebenso anonym, wie sie es gegenüber den anderen Blinden waren. Ich als Leser fühlte mich auf die selbe Stufe gestellt. Manche Ausdrucksweisen waren mir leider eine Spur zu kitschig, wie beispielsweise 'Der Hund der Tränen', was aber sehr selten vorkam. Saramagos Wortwahl ist stellenweise sehr blumig, das muss man mögen, um den Roman nicht ächzend zu finden. In Wahrheit muß noch das erste menschliche Wesen geboren werden, das jene zweite Haut nicht trägt, die wir Egoismus nennen und die viel fester ist als andere, die bei dem kleinsten Anlaß blutet. Saramago neigt dazu, manche Situationen oder Handlung recht komplex zu umschreiben, die manch anderer Autor womöglich mit wenigen Worten ausgedrückt hätte. Auch dies ist in meinen Augen eine Frage der Geschmackssache – mir gefällt's. So schlecht die Situation für alle Menschen war, für die Blinden war sie eine Katastrophe, zumal sie, nach einem geläufigen Ausdruck, nicht sehen konnten, wo sie hintraten. Es war ein erbarmungswürdiger Anblick, wie sie an die stehengelassenen Autos stießen, einer nach dem anderen, sich die Schienbeine verletzten, einige stürzten und weinten, Ist da jemand, der mir helfen kann auszustehen, aber es gab auch andere, von Natur aus oder aus Verzweiflung grob, die fluchten und eine wohlwollende Hand zurückwiesen, die ihnen zu Hilfe kam, Lassen Sie schon, Sie werden auch bald dran sein, und dann erschrak die mitleidige Person, ergriff die Flucht, verlor sich in der Dichte des weißen Nebels, sich plötzlich des Risikos bewusst, das sie mit ihrer Hilfsbereitschaft eingegangen war, wer weiß, vielleicht, um einige Meter weiter ebenfalls zu erblinden. Bemerkenswert fand ich außerdem, dass der Autor kein Urteil über die Handlung auf dem Tablett präsentiert, sondern dem Leser den benötigten Freiraum überlässt, um sich selbst eine eigene Meinung zu einer handelnden Person zu bilden. Des Weiteren wird der Roman (trotz dem Grauen und der teils recht detaillierten Brutalität) mit schwarzem Humor, Sprichwörtern und Volksweisheiten aufgelockert. Andernfalls wäre die Verrohung der Menschen wohl nicht zu ertragen. Ich war froh darüber, dass Saramago mithilfe der humoristischen Textstellen ein wenig Balance schaffen wollte und konnte. Vermutlich könnte ich noch etliche Zeilen über diesen großartigen Roman schreiben, belasse es aber hierbei. Der Verlust des Augenlichts erschien mir wie eine Allegorie auf die Blindheit der Herzen, die Saramago mithilfe der schonungslosen Deutlichkeit trefflichst in Worte packen konnte. Absolute Empfehlung! Wichtig! Zu meinem Bedauern musste ich während meiner Suche nach diesen Roman feststellen, dass dieser nicht mehr gedruckt wird und somit in keiner Buchhandlung zu finden ist. Wer interessiert ist, möge bitte nach einem gebrauchten Exemplar Ausschau halten – und das bestenfalls ganz, ganz schnell! Neu bekommt man dieses Meisterwerk ab 70Euro und wer kann das schon für ein Taschenbuch hinblättern?

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