Kain

von José Saramago 
3,9 Sterne bei18 Bewertungen
Kain
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Ennilains avatar

Eine bitterböse Abrechnung mit der Bibel. Fesselnd und ironisch - einfach lesenswert.

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Inhaltsangabe zu "Kain"

Der bekennende Atheist José Saramago schreibt in seinem letzten Roman kurzerhand die Bibel um und lässt den Brudermörder Kain eine ganz eigene Reise durchs Alte Testament antreten. So trifft Kain, der in der Zeit vor und zurück katapultiert wird, auf die verführerische Lilith, rettet Isaak vor der Opferung durch seinen Vater Abraham, verfolgt fassungslos die Zerstörung von Sodom und Gomorrha und findet sich zum Schluss auf der Arche Noah wieder. Immer wieder stößt er dabei auf die Erkenntnis, dass göttliches Handeln mit rationalem Denken schwerlich nachzuvollziehen ist.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442742868
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:176 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:08.10.2012
Das aktuelle Hörbuch ist am 12.08.2011 bei Hoffmann und Campe erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    dominonas avatar
    dominonavor 4 Jahren
    Religion kann auch witzig sein

    An sich ist es eine intelligente Bibelsatire - wenn man nicht streng religiös eingestellt ist. Kain, der Brudermörder, erlebt einen Großteil des alten Testaments, wie Sodom und Gomorrha oder den Bau des Turms zu Babel. Außerdem rettet er Isaak, weil der Engel wegen eines Motorschadens am Flügel zu spät erscheint (so viel zum Humor) und übt immer wieder Kritik an den Entscheidungen Gottes. Ich musste oft lachen und und die Erzählweise ist simpel, insgesamt eine hübsche Idee.

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    Mizuiros avatar
    Mizuirovor 4 Jahren
    Das letzte Werk Saramagos...

    Kain ist - wenig überraschend - die Geschichte von Adams und Evas ältestem Sohn Kain. Aber es ist - ebensowenig überraschend - nicht die Geschichte, wie sie in der Bibel erzählt wird. Eher ist Kain ein philosophischer Diskurs über Gut und Böse, dem Glauben der Menschen an eine übernatürliche Gottheit und das Theodizeeproblem.
    Ich muss zugeben, dass ich alles andere als bibelfest bin, weswegen mir übrigens vermutlich auch einige großartige Aspekte des Buches verborgen geblieben sind.

    Außerdem ist Kain nicht nur eine Geschichte aus Episoden dieses Testaments, sondern beinhaltet überdies eine Geschichte über die Sprache, die bei den Anfängen beginnt, als sie noch in Kinderschuhen steckte. Und sie übrigens von Gott... gebracht.. .wurde. Ich möchte nicht zu viel verraten! Mit dem Protagonisten Kain entwickelt sich auch die Sprache immer weiter.

    Alles in allem ist Kain eine herrlich ironische und ziemlich blasphemische Bearbeitung der Bibel und ich muss gestehen, ich fand es schlicht und ergreifend witzig. Die unendlich langen Sätze ohne Punkt, Komma und vor allem ohne Anführungszeichen mögen zwar verwirrend sein, doch sind sie uns doch schon aus Die Stadt der Blinden bekannt, wo zumindest ich sie als sympathisches Stilmittel begrüßt habe. Ja, es macht das Lesen verwirrend. Ja, es ist unpraktisch, weil man oft nicht weiß, wer denn gerade spricht. Aber das macht Saramago (unter anderem) doch ein bisschen aus und deshalb ist das in Ordnung, finde ich.

    Schade fand ich allerdings, dass, sobald man den Ton des Buches und die groben Züge der Handlung erst mal begriffen hat, nicht viel Neues passiert. Es geht im Stil der ersten Seite weiter und wird zwischendurch teilweise ein wenig langweilig. Aber für mich hat es sich gelohnt, diesen Kelch an mir vorübergehen zu lassen, und einfach weiterzulesen, denn das Ende fand ich wieder richtig gut! Und so dick ist das Buch ja nicht, dass es eine Qual wäre, sich mal ein, zwei Seiten lang zu langweilen!

    Abschließend sei der Vollständigkeit halber noch gesagt, dass sich LeserInnen, denen die Thematik nahegeht, leicht auf den Schlips getreten fühlen werden. Saramago ist nicht kuschelweich, sondern versucht, Atheist der er war, mit Gott abzurechnen. Nicht umsonst hat das Buch bei seinem Erscheinen für Aufregung gesorgt...

    Kommentare: 1
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    HeikeGs avatar
    HeikeGvor 6 Jahren
    Rezension zu "Kain" von José Saramago

    Tritt ein!
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    "Wie alles haben auch die Wörter ihr Was, Wie und Warum. Manche sind feierlich, sprechen uns mit pompösem Gehabe an, tun sich wichtig, als wären sie für Großes bestimmt, und dann stellt sich heraus, dass sie nicht mehr als ein leises Lüftchen waren, das keinen Mühlenflügel hätte in Bewegung setzen können, andere, gewöhnliche, übliche, alltägliche haben am Ende Folgen, die niemand vorauszusehen gewagt hätte, dafür waren sie nicht gemacht, und doch haben sie die Welt erschüttert.", schreibt der Portugiesische Literaturnobelpreisträger kurz vor seinem Tod. Nun werden José Saramagos Worte in seinem letzten Buch die Welt wohl nicht unbedingt aus ihren Fugen heben. Doch stellt er mit eben diesem Büchlein gewichtige Worte - nämlich die des Alten Testaments - auf den Kopf und gibt derem "pompösen Gehabe" einen gemäßigteren, ja, volkstümlichen Klang.
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    "So, wie die Dinge stehen, da die Welt praktisch gerade erst eingeweiht ist, fehlen uns noch zu viele Wörter, um den Versuch zu unternehmen, zu erklären, wer wir sind, und nicht immer verfügen wir über jene, die es am besten ausdrücken", meint Saramago, der sich, obwohl bekennender Atheist, Zeit seines Lebens mit der christlichen Geschichte auseinandersetzte. Bereits in "Das Evangelium nach Jesus Christus" holte er den Himmel auf die Erde und zeigt Jesus als suchenden und sündigen, als "Mensch unter Menschen". In "Kain" stellt er erneut das Evangelium in einen religionskritischen Zusammenhang.
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    Das Buch setzt damit ein, dass "der Herr" Adam und Eva die bedauerlicherweise im Schöpfungsvorgang vergessene menschliche Sprache in Form einer nachträglich in den Mund gestopften Zunge gibt. Damit jene künftig "mit einiger Sachkenntnis, von ihrer dunklen, labyrinthischen Verwirrung sprechen konnten". Dies übernimmt dann allerdings ihrer beider Sohn Kain, nachdem er sich seines Bruders Abel, bekanntermaßen durch Auslöschung dessen, entledigt hatte. Als Strafe, oder wie es im Buch dargestellt wird, als Abkommen mit Gott, der eine Teilschuld übernimmt, wird er fortan, mit einem Mal auf der Stirn gezeichnet, auf dem Rücken eines Esels durch die Zeiten irren und einen äußerst kritischen Blick auf die Geschehnisse werfen. Schritt für Schritt komponiert Kain - im Buch als Alter Ego des Autors fungierend - die biblische Geschichte ganz auf seine Art.
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    In gewohnter Art und Weise, lange Sätze ohne Punkt und Komma sowie fehlender Anführungszeichen innerhalb gesprochener Sequenzen, legt der streitbare Portugiese auch in seinem letzten Werk ein bestechendes Zeugnis für sein Gesamtschaffen ab: eine spannende Handlung, packende Dialoge, Ironie, Tiefe und Subtilität. José Saramago gibt in seiner heiklen, bisweilen an den Grenzen zur Blasphemie schrammenden Geschichte den bekannten Ereignissen immer wieder überraschende, fantasievolle neue Wendungen. Er rüttelt an den Fundamenten unserer Kultur und stellt mit beeindruckender Radikalität Geschichte, Religion und Legende in Frage. So debattiert Kain mit Gott, klagt ihn an und erinnert ihn an seine Pflichten gegenüber denen, die er angeblich erschaffen hat. Seinen Brudermord entschuldigt er damit, dass er eigentlich Gott töten wollte, dies aber nicht möglich war, obwohl er ihn bereits für tot hält. Dann wieder gibt er sich den körperlichen Gelüsten und Versuchungen der verführerischen Lilith hin, um hernach den Begebenheiten in der Wüste Sinai, beim Turmbau zu Babel oder der Vernichtung der Bevölkerung Sodoms beizuwohnen. Letztendlich jedoch immer mit den Ziel sein eigenes Schicksal zu erfüllen.
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    Saramago alias Kain streut allerorts Zweifel und Misstrauen ein, beschreitet viele "Schritte vor und zurück in der Argumentation", um "nicht fassbaren Ahnungen und Eingebungen Ausdruck zu verleihen". Denn letztendlich sind wir ebensolche Eseltreiber wie Kain "und ziehen auf der Landstraße dahin. Wir alle, die Kundigen ebenso wie die Unwissenden.", meint der Autor. Denn, so Saramago, die Geschichte der Menschheit ist auch gleichzeitig "die Geschichte ihrer Uneinigkeit mit Gott [ist], weder versteht er uns, noch verstehen wir ihn."

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren
    Rezension zu "Kain" von José Saramago

    Was wäre, wenn Gott dem Brudermörder Kain eine zweite Chance einräumte?
    Zunächst entführt der Autor den Leser zu Gott selbst und seiner menschlichen Schöpfung. Adam und Eva, welche, nachdem Eva ihren Gatten verführte, vom Baum der Erkenntnis zu kosten, aus dem Garten Edens verbannt wurden und in bald schon zwei Söhne zeugten.
    José Saramago gibt dem in Ungnade bei Gott gefallenen Kain die Möglichkeit, durch eine Zeichnung Gottes die verschiedenen Epochen des Alten Testaments mitzuerleben. So trifft der gemarkte Mann auf Abraham und seinen Sohn Isaak, besucht den Turm von Babel, erlebt die Zerstörung Sodom und Gomorrhas und findet sich auf der Arche Noahs wieder.
    Der Stil des Roman erinnert an den Wortlaut der Bibel und der geneigte Leser muss sich zunächst an den ungewöhnlichen Wortgebrauch gewöhnen. Doch sobald man sich eingelesen hat, liest sich der Roman flüssig durch und lässt dank dem präsenten Erzähler auch keine ironischen Anmerkungen aus. Der Protagonist präsentiert sich zu Beginn als recht naiver Mann, welcher seinen Herrn hinterfragt, bisweilen sogar Kritik an ihm übt.
    Als letztes Werk Saramagos zeigt sich „Kain“ sehr besonnen und gleichzeitig auch kritisch, da das Alten Testament mit einem manchmal doch recht bösartigen Augenzwinkern betrachtet und dargestellt wird.

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    Ennilains avatar
    Ennilainvor 7 Jahren
    Kurzmeinung: Eine bitterböse Abrechnung mit der Bibel. Fesselnd und ironisch - einfach lesenswert.
    Rezension zu "Kain" von José Saramago

    „Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte ihrer Uneinigkeiten mit Gott, weder versteht er uns, noch verstehen wir ihn.“

    Nachdem Gott Adam und Eva aus dem Paradies geworfen hat, bekommen die beiden 3 Söhne – Kain, Abel und Seth. Kain und Abel verstehen sich wunderbar, machen alles zusammen – sind ein unzertrennliches Paar, doch als Gott sich weigert ein Opfer von Kain anzuerkennen, wird der junge Hirte von seinem Bruder verspottet. Dafür muss Abel mit seinem Leben büßen. Gott ist entsetzt über Kains Kaltblütigkeit und bestraft ihn mit einem dunklen Mal auf der Stirn. Von nun an soll er auf der Welt umherirren. Und so geschieht es.

    In diesem überaus gelungenen Buch des 2010 verstorbenen Nobelpreisträgers José Saramago begleiten wir Kain, den Sohn von Adam und Eva, quer durch das alte Testament. Egal ob der Turmbau zu Babel, die Zerstörung von Sodom und Gomorra, die Begegnungen mit Abraham, Hiob und Moses oder der Bau der Arche – Kain ist überall dabei. Und immer muss er merken, dass der ach so liebe Gott, kein besonders guter Kerl ist. Vielmehr ist er rachsüchtig und gewaltätig.

    „[...] doch jetzt habe ich meine Zweifel, ob die Dinge so einfach sind, wahrscheinlich ist Satan lediglich ein Werkzeug des Herrn, damit beauftragt, die Drecksarbeiten zu erledigen, unter die Gott nicht seinen Namen setzen kann.“

    Saramangos Schreibstil war im ersten Moment gewöhnungsbedürftig. Lange und komplexe Satzkonstruktionen sind seine absolute Stärke. Hat man sich aber erst einmal an diesen Stil gewöhnt, fällt es leicht dem Inhalt zu folgen. Und dieser Inhalt hat es in sich. Der Nobelpreisträger geht hart mit Gott ins Gericht. Voller Ironie und Boshaftigkeit berichtet aus dem alten Testament. Aus Gott und Abraham werden „Hurensöhne“, ein Soldat verliebt sich in einen Esel und irgendwie hat jeder Sex. Nicht umsonst löste dieses Buch bei seiner Veröffentlichung 2009 einen kleinen Skandal in Saramagos Heimatland Portugal aus. In unseren Breitengraden dürfte es jedoch recht locker bewertet werden.

    „Wie alles haben auch Wörter ihr Was, Wie und Warum. Manche sind feierlich, sprechen uns mit pompösem Gehabe an, tun sich wichtig, als wären sie für Großes bestimmt, und dann stellt sich heraus, dass sie nicht mehr als ein leichtes Lüftchen waren, das keinen Mühlenflügel hätte in Bewegung setzen können, andere, gewöhnliche, übliche, alltägliche haben am Ende Folgen, die niemand vorauszusehen gewagt hätte, dafür waren sie nicht gemacht, und doch haben sie die Welt erschüttert.“

    Fazit:
    Kain von José Saramago ist eine bitterböse, zynische Abrechnung mit Gott und der Kirche, die auf so wunderbare Weise geschrieben wurde. Wirklich gläubige Menschen könnten mit diesem Buch ein Problem haben, alle anderen werden aber auf ihre Kosten kommen!

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    Anja_Levs avatar
    Anja_Levvor 3 Jahren
    K
    Katalinvor 4 Jahren
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    JoBerlinvor 4 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren
    SofieLichtensteins avatar
    SofieLichtensteinvor 5 Jahren

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