Josef Bierbichler

 4.2 Sterne bei 35 Bewertungen
Autor von Mittelreich, Mittelreich und weiteren Büchern.

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Josef BierbichlerMittelreich
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Mittelreich
Mittelreich
 (30)
Erschienen am 21.01.2013
Josef BierbichlerMittelreich
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Mittelreich
Mittelreich
 (2)
Erschienen am 12.12.2016
Josef BierbichlerEngagement und Skandal
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Engagement und Skandal
Josef BierbichlerVerfluchtes Fleisch
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Verfluchtes Fleisch
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 (0)
Erschienen am 01.01.2004
Josef BierbichlerMittelreich
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Mittelreich
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 (3)
Erschienen am 16.09.2011
Josef BierbichlerMittelreich. Filmausgabe
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Mittelreich. Filmausgabe
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 (0)
Erschienen am 09.03.2018

Neue Rezensionen zu Josef Bierbichler

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Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Mittelreich" von Josef Bierbichler

nicht arm, nicht reich - mittelreich eben
Bellis-Perennisvor 6 Monaten

„Mittelreich“ ist die Geschichte einer deutschen Familie vom ausgehenden 19. Jahrhunderts über nahezu 100 Jahre bis in die Gegenwart.

 

Der alte Seewirt errichtet einen neuen Steg und stockt sein ohnehin schon protziges Gasthaus auf. Der idyllische See und die gute Küchen locken scharenweise Gäste an. Damit erwirtschaftet der alte Gastwirt einen gewissen Wohlstand, der ihn zwar nicht wirklich reich, sondern eben nur mittelreich werden lässt.

 

Man könnte zufrieden sein, doch der Erste Weltkrieg lässt die Träume von weiteren Expansionen vorerst einmal platzen. Toni, dem ältesten Sohn und Erben, zerstört eine Gewehrkugel nicht nur den Stahlhelm, sondern auch Teile des Gehirns. Diese Kriegsverletzung bringt ihn in weiterer Folge in die eine Anstalt für Geisteskranke.

 

Nun muss Pankraz, der zweite Sohn, die Wirtschaft übernehmen. Doch auch Pankraz hat sein Schicksalspäckchen zu tragen. Er wird im Zweiten Weltkrieg durch einen Granatsplitter am Bein verwundet. Eigentlich wollte er ja Opernsänger werden, doch für diese „Flausen“ hat der Vater kein Verständnis. Es kommt, wie es kommen muss. Pankraz gibt seinen Traum auf, heiratet die Bauerntochter Theresa, zeugt zwei Töchter und einen Sohn. Das Seewirtshaus floriert. Es könnte alles wunderbar sein, wenn, ja wenn, Panrkaz‘ unverheiratet gebliebenen und frömmlerischen Schwestern nicht ständig an Theresa herummäkeln würden, wenn nicht Kriegsflüchtlinge einquartiert würden, wenn Semi, der Sohn, ein wenig fügsamer wäre  usw. usw..

 

Erst der Jahrhundertsturm, der beinahe die Existenz vernichtet reißt Pankraz aus seiner depressiven Lethargie.

 

Meine Meinung:

 

Der Autor schildert eine Gastwirtschaft an einem Bayerischen See während der beiden Weltkriege sowie in den Jahrzehnten danach. Wir erhalten Einblicke in unterschiedliche Charaktere, die sich in verschiedene Richtungen entwickeln.

 

Da ist zum einen Pankraz selbst, dann Sohn Semi, der im katholischen Internat von Erziehern missbraucht und gedemütigt wird. Ihm schenkt allerdings niemand Glauben, da nicht sein kann, was nicht sein darf.

 

Interessant sind auch die Auswirkungen des Krieges auf die jeweiligen Menschen: Kriegsverletzungen sowohl seelisch als auch körperlich, Flüchtlingsproblematik mit Umsiedlungen, Umgang mit dem Wissen über die Konzentrationslager oder das eigene Verhalten nach dem Krieg (Schuldgefühle oder Pflichterfüllung). Jeder verarbeitet diese Traumata anders oder eben gar nicht. So verüben einige der Protagonisten Selbstmord.

 

Andere brisante Themen wie die pädophilen Machenschaften in Klosterschulen oder die Generationskonflikte in den 1960er Jahren werden ebenfalls behandelt. Daneben wird der harte Bauernalltag im Wandel der Zeiten geschildert. Der Aufbruch in die Moderne macht auch vor dieser etwas lethargischen Ecke Bayerns nicht Halt. Sehr schön sind die Machenschaften rund um die Immobilienspekulationen herausgearbeitet, die ich sofort glaube.

 

Stellenweise ist der Bierbichlers Roman nicht leicht zu lesen, blicken wir doch immer wieder in menschliche Abgründe. Manche Charaktere sind dumpf, oft abstoßend. Manchmal gleiten die Beschreibungen von Land und Leuten ein klein wenig ins Langatmige ab.


Josef Bierbichler zeigt dem staunenden Leser ein wüstes Abbild bäuerlichen Lebens in der Nachkriegszeit. Trotzdem lässt einen die Geschichte nicht los.

 


Fazit:

 

Keine leichte Lesekost, aber ein Spiegel der Zeit(en). Gerne gebe ich 5 Sterne.

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Herbstroses avatar

Rezension zu "Mittelreich" von Josef Bierbichler

Ein Wirtshaus, ein See, eine Familie
Herbstrosevor 3 Jahren


Nachdem der Birnberger Anton, der ältere Sohn des Seewirts aus Seedorf, mit einer Kugel im Kopf aus dem Ersten Weltkrieg zurück gekehrt ist und den Rest seines Lebens nun in der Irrenanstalt verbringen muss, bleibt dem jüngeren Bruder Pankraz nichts anderes übrig, als das Erbe des Vaters zu übernehmen. Er wäre zwar anstatt Gastwirt und Bauer lieber Sänger geworden, doch er arrangiert sich und singt fortan nur noch im Kirchenchor. Mit den Sommerfrischlern und Feriengästen versteht Pankraz sich gut, das Geschäft läuft, und bald ist die Familie „mittelreich“.

Dann kommt der Zweite Weltkrieg, Pankraz wird eingezogen und kommt verwundet zurück. Er ist jetzt 40 Jahre alt und heiratet Theres, die jüngste Tochter eines Bauern aus dem Nachbardorf. 1946 kommt Sohn Semi zur Welt, 1947 und 1949 bekommt das Paar jeweils ein Mädchen. Die Gastwirtschaft läuft in diesen Zeiten schleppend, anstatt Sommerfrischler leben nun Ausgebombte und Flüchtlinge in den Gästezimmern.

Die Zeit vergeht und das Wirtschaftswunder macht sich bemerkbar, die Städter kommen wieder an den See. Der Seewirt schickt seine Kinder ins Internat, Semi kommt in ein Jesuitenkloster. Dort wird er von Pater Ezechiel sexuell missbraucht, was sein künftiges Leben entscheidend beeinflussen wird …

Über drei Generationen hinweg, vom Ersten Weltkrieg bis in die Achtzigerjahre des 20. Jahrhunderts, schildert der bekannte Film- und Theaterschauspieler Josef Bierbichler in seinem Roman „Mittelreich“ die Geschichte der Gastwirtsfamilie Birnberger. Eindrucksvoll und lebendig lässt er Semi, den vorerst letzten männlichen Erben, vom Leben und Treiben im Gasthaus am bayerischen See erzählen, von merkwürdigen Gästen, seltsamen Dörflern und eigenwilligen Mitarbeitern. Die Sprache ist dabei teilweise sehr deftig und derb, die Beschreibung des bäuerlichen Lebens jedoch erstaunlich lebendig. Dabei geht die Geschichte über einen Heimatroman weit hinaus, es werden viele brisante Themen des vergangenen katastrophenreichen Jahrhunderts behandelt.

Ähnlichkeiten und Parallelen zur Familiengeschichte des Autors sind sicherlich nicht nur zufällig. Die Romanfigur Semi hat bemerkenswerte Anklänge an die Biografie des Autors (nachzulesen bei Wikipedia) und der Seewirt in Seedorf erinnert an das Gasthaus „Zum Fischmeister“ in Ambach am Starnberger See, dem Anwesen der Familie Bierbichler, wo Josef Bierbichler heute noch lebt und auch gelegentlich dort anzutreffen ist.

Fazit: Ein sprachgewaltiger Roman, eine authentische Geschichte über das ländliche Leben im 20. Jahrhundert, aufwühlend und mitreißend.

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winter-chills avatar

Rezension zu "Mittelreich" von Josef Bierbichler

Derb und donnernd
winter-chillvor 3 Jahren

Als Theater- und Filmschauspieler ist Josef Bierbichler vor allem für seine eigenwilligen und kantigen Darstellungen bekannt. Eigenwillig und kantig ist auch sein vom Feuilleton hochgelobter Roman „Mittelreich“. Ein durchaus sprachgewaltiges Werk, in dem Bierbichler mit offener Brutalität gegen Bigotterie und Nationalsozialismus wettert. Erzählt wird die Geschichte einer Bauern- und Gastwirtsfamilie an einem See im bayerischen Voralpenland – vom Ersten Weltkrieg bis in die 1980er Jahre. Im Mittelpunkt steht der Seewirt Pankraz – Wirtshauserbe wider Willen. Sein Vater hat das Gasthaus zur Jahrhundertwende mit eigener Kraft von einem kleinen Saisonlokal zu einer großen Ausflugswirtschaft hochgewirtschaftet. Aus einst armen Bauern wurden mittelreiche Bürger. Im Ersten Weltkrieg wird aber der älteste Sohn des alten Seewirts und eigentlicher Erbe des Hofs so schwer verletzt, dass sein Bruder Pankraz in die Fußstapfen des Vaters treten muss. Dabei wäre er doch lieber Künstler geworden. Als ihn später sein eigener Sohn Semi anfleht, ihn nicht auf das katholische Internat zu schicken, macht er die gleichen Fehler seines Vaters. Die fast 80 Jahre Familien- und auch deutsche Geschichte schildert Bierbichler sehr imposant und dicht. Sein Hauptaugenmerk liegt aber deutlich auf der Zeit um den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegsjahre. So erzählt er, wie der Nationalsozialismus gerade in der bayerischen Idylle auf fruchtbaren Boden fällt und auch noch bis weit in die 60er Jahre hinein beinahe verklärt wird. Erst kommen die Sommerfrischler, dann die Flüchtlinge und schließlich die Hippies aus der Stadt. Und immer wird die tiefsitzende Abneigung der Landbevölkerung gegenüber dem Fremden deutlich. Was den Roman ausmacht und auch einzigartig macht, ist seine Sprache: kraftvoll, derb, donnernd – oft aber auch sehr poetisch, fast schon sprachverliebt. Bierbichler ist kein Erzähler, der sich zurücknimmt. Er steht mächtig und selbstbewusst mitten in seiner Geschichte. Das ist aber auch ein Nachteil, denn neben der markigen Sprache wirken die Charaktere fast schon schlicht und die Handlung driftet zu oft ins Episodenhafte ab. Nicht richtig anfreunden konnte ich mich mit dem Schreibstil. So verwendet Bierbichler fast ausschließlich verschachtelte, verschwurbelte Partizipialsätze. Dazu kommen befremdlich viele sexuelle Szenen, die alle irgendwie brutal oder abartig sind. „Mittelreich“ ist ein bedrückender Antiheimatroman, der all das hervorholt, was sonst so gerne unter den Teppich gekehrt wird. Es gibt auch sehr viele intelligente und auch poetische Sätze. Oft erschien es mir aber so, als ob Bierbichler mit aller Gewalt versucht, Tabus zu brechen und seine Hasstiraden gegen alles und jeden geradezu mit dem Vorschlaghammer auf den Leser einprügelt. Ein interessanter Roman, der aber keine leichte Kost ist und ganz sicher kein Roman für zwischendurch.

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