Josef Bierbichler Mittelreich

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Inhaltsangabe zu „Mittelreich“ von Josef Bierbichler

Eine Seewirtschaft in Bayern, bizarre Gäste und eine Familie über drei Generationen, heillos verstrickt ins ungeliebte Erbe. Josef Bierbichler, der große Menschendarsteller des deutschen Theaters und Films, erzählt hundert Jahre Deutschland. Ein Epos über Krieg und Zerstörung, alte Macht und neuen Wohlstand, über die vermeintlich fetten Jahre. Im Ersten Weltkrieg zerschlägt eine feindliche Kugel zuerst den Stahlhelm und dann den Schädel des ältesten Sohnes vom Seewirt. Also muss sein jüngerer Bruder Pankraz das väterliche Erbe antreten. Der überlebt zwar den zweiten großen Krieg, wäre aber trotzdem lieber Künstler als Bauer und Gastwirt geworden. Da braucht es schon einen Jahrhundertsturm, der droht, Haus und Hof in den See zu blasen, damit aus Pankraz doch noch ein brauchbarer Unternehmer und Familienvater wird.

Ein schmackhaftes bayrisches Wirtshausepos.

— Ode1234

Alles in allem: ich bin froh, dass ich es zu Ende gelesen habe, aber es war ein hartes Stück Arbeit.

— IssieMuguet

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  • Ein Wirtshaus, ein See, eine Familie

    Mittelreich

    Herbstrose

    23. January 2016 um 17:34

    Nachdem der Birnberger Anton, der ältere Sohn des Seewirts aus Seedorf, mit einer Kugel im Kopf aus dem Ersten Weltkrieg zurück gekehrt ist und den Rest seines Lebens nun in der Irrenanstalt verbringen muss, bleibt dem jüngeren Bruder Pankraz nichts anderes übrig, als das Erbe des Vaters zu übernehmen. Er wäre zwar anstatt Gastwirt und Bauer lieber Sänger geworden, doch er arrangiert sich und singt fortan nur noch im Kirchenchor. Mit den Sommerfrischlern und Feriengästen versteht Pankraz sich gut, das Geschäft läuft, und bald ist die Familie „mittelreich“. Dann kommt der Zweite Weltkrieg, Pankraz wird eingezogen und kommt verwundet zurück. Er ist jetzt 40 Jahre alt und heiratet Theres, die jüngste Tochter eines Bauern aus dem Nachbardorf. 1946 kommt Sohn Semi zur Welt, 1947 und 1949 bekommt das Paar jeweils ein Mädchen. Die Gastwirtschaft läuft in diesen Zeiten schleppend, anstatt Sommerfrischler leben nun Ausgebombte und Flüchtlinge in den Gästezimmern. Die Zeit vergeht und das Wirtschaftswunder macht sich bemerkbar, die Städter kommen wieder an den See. Der Seewirt schickt seine Kinder ins Internat, Semi kommt in ein Jesuitenkloster. Dort wird er von Pater Ezechiel sexuell missbraucht, was sein künftiges Leben entscheidend beeinflussen wird … Über drei Generationen hinweg, vom Ersten Weltkrieg bis in die Achtzigerjahre des 20. Jahrhunderts, schildert der bekannte Film- und Theaterschauspieler Josef Bierbichler in seinem Roman „Mittelreich“ die Geschichte der Gastwirtsfamilie Birnberger. Eindrucksvoll und lebendig lässt er Semi, den vorerst letzten männlichen Erben, vom Leben und Treiben im Gasthaus am bayerischen See erzählen, von merkwürdigen Gästen, seltsamen Dörflern und eigenwilligen Mitarbeitern. Die Sprache ist dabei teilweise sehr deftig und derb, die Beschreibung des bäuerlichen Lebens jedoch erstaunlich lebendig. Dabei geht die Geschichte über einen Heimatroman weit hinaus, es werden viele brisante Themen des vergangenen katastrophenreichen Jahrhunderts behandelt. Ähnlichkeiten und Parallelen zur Familiengeschichte des Autors sind sicherlich nicht nur zufällig. Die Romanfigur Semi hat bemerkenswerte Anklänge an die Biografie des Autors (nachzulesen bei Wikipedia) und der Seewirt in Seedorf erinnert an das Gasthaus „Zum Fischmeister“ in Ambach am Starnberger See, dem Anwesen der Familie Bierbichler, wo Josef Bierbichler heute noch lebt und auch gelegentlich dort anzutreffen ist. Fazit: Ein sprachgewaltiger Roman, eine authentische Geschichte über das ländliche Leben im 20. Jahrhundert, aufwühlend und mitreißend.

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  • Derb und donnernd

    Mittelreich

    winter-chill

    28. August 2015 um 22:10

    Als Theater- und Filmschauspieler ist Josef Bierbichler vor allem für seine eigenwilligen und kantigen Darstellungen bekannt. Eigenwillig und kantig ist auch sein vom Feuilleton hochgelobter Roman „Mittelreich“. Ein durchaus sprachgewaltiges Werk, in dem Bierbichler mit offener Brutalität gegen Bigotterie und Nationalsozialismus wettert. Erzählt wird die Geschichte einer Bauern- und Gastwirtsfamilie an einem See im bayerischen Voralpenland – vom Ersten Weltkrieg bis in die 1980er Jahre. Im Mittelpunkt steht der Seewirt Pankraz – Wirtshauserbe wider Willen. Sein Vater hat das Gasthaus zur Jahrhundertwende mit eigener Kraft von einem kleinen Saisonlokal zu einer großen Ausflugswirtschaft hochgewirtschaftet. Aus einst armen Bauern wurden mittelreiche Bürger. Im Ersten Weltkrieg wird aber der älteste Sohn des alten Seewirts und eigentlicher Erbe des Hofs so schwer verletzt, dass sein Bruder Pankraz in die Fußstapfen des Vaters treten muss. Dabei wäre er doch lieber Künstler geworden. Als ihn später sein eigener Sohn Semi anfleht, ihn nicht auf das katholische Internat zu schicken, macht er die gleichen Fehler seines Vaters. Die fast 80 Jahre Familien- und auch deutsche Geschichte schildert Bierbichler sehr imposant und dicht. Sein Hauptaugenmerk liegt aber deutlich auf der Zeit um den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegsjahre. So erzählt er, wie der Nationalsozialismus gerade in der bayerischen Idylle auf fruchtbaren Boden fällt und auch noch bis weit in die 60er Jahre hinein beinahe verklärt wird. Erst kommen die Sommerfrischler, dann die Flüchtlinge und schließlich die Hippies aus der Stadt. Und immer wird die tiefsitzende Abneigung der Landbevölkerung gegenüber dem Fremden deutlich. Was den Roman ausmacht und auch einzigartig macht, ist seine Sprache: kraftvoll, derb, donnernd – oft aber auch sehr poetisch, fast schon sprachverliebt. Bierbichler ist kein Erzähler, der sich zurücknimmt. Er steht mächtig und selbstbewusst mitten in seiner Geschichte. Das ist aber auch ein Nachteil, denn neben der markigen Sprache wirken die Charaktere fast schon schlicht und die Handlung driftet zu oft ins Episodenhafte ab. Nicht richtig anfreunden konnte ich mich mit dem Schreibstil. So verwendet Bierbichler fast ausschließlich verschachtelte, verschwurbelte Partizipialsätze. Dazu kommen befremdlich viele sexuelle Szenen, die alle irgendwie brutal oder abartig sind. „Mittelreich“ ist ein bedrückender Antiheimatroman, der all das hervorholt, was sonst so gerne unter den Teppich gekehrt wird. Es gibt auch sehr viele intelligente und auch poetische Sätze. Oft erschien es mir aber so, als ob Bierbichler mit aller Gewalt versucht, Tabus zu brechen und seine Hasstiraden gegen alles und jeden geradezu mit dem Vorschlaghammer auf den Leser einprügelt. Ein interessanter Roman, der aber keine leichte Kost ist und ganz sicher kein Roman für zwischendurch.

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  • Mittelschwer durch Mittelreich

    Mittelreich

    IssieMuguet

    10. August 2013 um 19:23

    Alles in allem: ich bin froh, dass ich es zu Ende gelesen habe, aber es war ein hartes Stück Arbeit. Sowohl das Mundartliche als auch meine Leserrolle als ausstehende Beobachterin führte dazu, dass ich nicht gerne zu diesem buch nach Hause gekommen bin. Dennoch war es klar, dass ich es nicht abrechen werde, nicht nur, weil es ein Geschenk einer lieben Freundin war. Mir gefiel, dass nur das Leben der Seewirtsfamiilie chronologisch erzählt, oder besser erinnert, wurde; die assoziierten Lebensgeschichten der Bediensteten, Kameraden, Bauern, der Flüchtlinge kommen in Rückblenden vor, die jeweils am entscheidenden Punkt in die große Geschichte eingeworben werden, um sie dann auch wieder flink zu verlassen – mit vorwegerzählten Ende, und so die Neugier der Leser befriedigend. Berührend die Einsicht, was uns lieb und teuer ist bleibt selbst unseren Liebsten und Nächsten verborgen.Nach Beendigung des Buches habe ich den Anfang noch einmal gelesen. Allein wegen dieser Klammer lohnt sich das Buch und die Mühe mit ihm! Und wegen dieses Satzes: “Ich bin errettend vereinnahmt vom Lernen und vom Theaterspiel, das mich sanft macht,  wenn ich oft auf unerklärliche Weise erregt oder aggressiv bin. Das Spiel mit der Sprache und mit den Figuren, die ich bin, schützt mich davor, zu morden.” Mittelreich von Josef Bierbichler. Erschienen 2011 im Suhrkamp Verlag Berlin

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  • Mittelreich

    Mittelreich

    IssieMuguet

    10. August 2013 um 19:21

    Alles in allem: ich bin froh, dass ich es zu Ende gelesen habe, aber es war ein hartes Stück Arbeit. Sowohl das Mundartliche als auch meine Leserrolle als ausstehende Beobachterin führte dazu, dass ich nicht gerne zu diesem buch nach Hause gekommen bin. Dennoch war es klar, dass ich es nicht abrechen werde, nicht nur, weil es ein Geschenk einer lieben Freundin war. Mir gefiel, dass nur das Leben der Seewirtsfamiilie chronologisch erzählt, oder besser erinnert, wurde; die assoziierten Lebensgeschichten der Bediensteten, Kameraden, Bauern, der Flüchtlinge kommen in Rückblenden vor, die jeweils am entscheidenden Punkt in die große Geschichte eingeworben werden, um sie dann auch wieder flink zu verlassen – mit vorwegerzählten Ende, und so die Neugier der Leser befriedigend. Berührend die Einsicht, was uns lieb und teuer ist bleibt selbst unseren Liebsten und Nächsten verborgen.Nach Beendigung des Buches habe ich den Anfang noch einmal gelesen. Allein wegen dieser Klammer lohnt sich das Buch und die Mühe mit ihm! Und wegen dieses Satzes: “Ich bin errettend vereinnahmt vom Lernen und vom Theaterspiel, das mich sanft macht,  wenn ich oft auf unerklärliche Weise erregt oder aggressiv bin. Das Spiel mit der Sprache und mit den Figuren, die ich bin, schützt mich davor, zu morden.” Mittelreich von Josef Bierbichler. Erschienen 2011 im Suhrkamp Verlag Berlin

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