Kein Blatt vor dem Mund

von Josef Cap 
5,0 Sterne bei1 Bewertungen
Kein Blatt vor dem Mund
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Bellis-Perenniss avatar

Er hat sich wahrlich kein Blatt vor den Mund gehalten - der "beste Redner im österreichsichen Parlament".

Alle 1 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Kein Blatt vor dem Mund"

Josef Cap lässt in seinem Buch die letzten Jahrzehnte österreichische Zeitgeschichte Revue passieren. Schon als Jugendlicher in der Sozialistischen Jugend engagiert, setzt er 1983 mit seinen „Drei Fragen an Theodor Kery“ einen Paukenschlag. Bei der darauffolgenden Nationalratswahl wird er mit breiter Unterstützung von Kreisen inner- und außerhalb der SPÖ zum ersten direkt gewählten Abgeordneten im Nationalrat.
Bis 2017, also 34 Jahre, war er im Hohen Haus tätig, davon 12 Jahre als Klubobmann. Er hat als Bundesgeschäftsführer der SPÖ viele Höhen und Tiefen seiner Partei erlebt, leitete viele Jahre die Zukunftswerkstatt, die Ideenschmiede der SPÖ, hat mit sieben Vorsitzenden (Bruno Kreisky, Fred Sinowatz, Franz Vranitzky, Viktor Klima, Alfred Gusenbauer, Werner Faymann, Christian Kern) gearbeitet, alle Wahlen der letzten 40 Jahre miterlebt und mitgewirkt, war Parlaments-Akteur in allen Regierungs-Konstellationen der letzten Jahrzehnte.
„Der beste Redner im Parlament“, wie er auch genannt wird, erzählt Österreichs Politik-Geschichte aus seiner Perspektive, brillant, präzise, und persönlich. Und er versucht eine Antwort auf die Frage zu geben, warum sich die Sozialdemokratie – nicht nur in Österreich – in einer Krise befindet. Und wie sie sich daraus retten könnte.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783218011273
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:Kremayr & Scheriau
Erscheinungsdatum:28.05.2018

Rezensionen und Bewertungen

Neu
5 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne1
  • 4 Sterne0
  • 3 Sterne0
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Er hat sich wahrlich kein Blatt vor den Mund gehalten - der "beste Redner im österreichsichen Parlament".
    Ein mitunter kritischer Blick zurück

    Josef Cap ist in meinem Gedächtnis „schon immer da“ – ich bin quasi mit ihm aufgewachsen. Sei es, dass wir in den 1970ern im Unterricht über den „frechen Jungsozi“ diskutiert haben oder ihn später als „Berufsjugendlichen“ ein wenig belächelt haben.

    34 lange Jahre hat er in der österreichischen Innenpolitik mitgewirkt. Er ist einer der längst dienenden Parteisoldaten. Kaum einer hat ähnlich viele Partei-Vorsitzende erlebt wie er, nämlich 7 an der Zahl. (Bruno Kreisky, Fred Sinowatz, Franz Vranitzky, Viktor Klima, Alfred Gusenbauer, Werner Faymann und Christian Kern).

    Wer ist er nun dieser Josef „Pepi“ Cap, der sich mehrmals mit den Mächtigen im Staat und in der eigenen Partei angelegt hat?

    Geboren in Wien, geht er als Teil einer katholischen Familie brav in die Kirche und ist Ministrant. Die übliche Karriere eines bürgerlichen Sohnes – dann, im Piaristen-Gymnasium, schlägt die Stunde des Revoluzzers: er wird Herausgeber der Schülerzeitung. Es ist die Zeit der (erz)konservativen Regierung von ÖVP-Bundeskanzler Josef Klaus. Vielen Menschen ist diese Partei, die nach wie vor an den drei Ks (Kinder, Kirche, Küche) festhält, zu konservativ, zu spießig, zu verzopft und einfach viel zu langweilig. Dem vorlauten Josef bietet sich in Bruno Kreisky, der 1970 die Sozialistische Partei übernommen hat, eine Alternative. Kreisky gelingt es, durch viele, bis heute nachwirkende Staatsaufträge (Budgetdefizit!) Österreich zu modernisieren. Aufgrund seiner Analysen eckt der brillante Denker und Stratege Josef Cap auch bei Kreisky an. Er umreißt das Verhältnis mit folgenden Worten:  "...Er [Kreisky] war fast enttäuscht, wenn ich mich im Parteivorstand nicht zwecks meiner eigenen Hinrichtung zu Wort meldete..."
    Obwohl Sesselsägen und „Hack‘l schmeißen“ eher eine Domäne der ÖVP ist, bleibt auch der unbequeme Josef Cap nicht davor verschont.

    Vor allem, die am 18.10.1982 gestellten „3 Fragen an den Theodor Kery“ machen ihn beinahe zum Paria. Cap ist Vorsitzender der Sozialistischen Jugend und fragt den umstrittenen burgenländischen Landeshauptmann Kery folgendes:

    Stimmt es, dass du mehr verdienst als der Bundeskanzler?

    „Stimmt es, dass du als Aufsichtsratsvorsitzender verbilligten Strom der BEWAG [Burgenländische Elektrizitätswerke AG, Anm.] beziehst?“

    „Ist es wahr, dass du in deiner Freizeit mit Maschinenpistolen schießt?

    Diese Rede führt unmittelbar danach zur Abwahl Caps aus dem Parteivorstand, während Kery, der wenige Tage später die Fragen positiv beantworten muss (Nur das Schießen mit Maschinenpistolen bestreitet er. Er hätte nur einen Schießstand für Kleinkalibergewehre im Keller.). Kery scheidet erst nach dem Verlust der absoluten Mehrheit 1987 aus der Politik aus.

    Bei der darauffolgenden Nationalratswahl steht Cap de facto auf unwählbarer Stelle auf der Kandidatenliste. Um dennoch als Abgeordneter ins Parlament zu kommen, führt er – gegen den Willen der Partei - einen Vorzugsstimmenwahlkampf und gewinnt. Er zieht als erster, direkt vom Volk gewählter Abgeordneter in den Nationalrat ein. Dies ist besonders bemerkenswert, da er Unterstützung aus allen Lagern der Republik erhält. Meine Stimme ist auch dabei, weil mir seine lausbubenhafte Frechheit imponiert hat.

    Josef Cap, der „der beste Redner im Parlament“ genannt wird, lässt in seinem Buch 50 Jahre österreichische Zeitgeschichte Revue passieren. Er erzählt kurz und prägnant wie es zum Niedergang der Sozialdemokraten (nicht nur in Österreich) kommen konnte und versucht eine Alternative zu den aktuellen (rechts)konservativen Parteien aufzuzeigen.

    Er ortet drei grobe Fehler der Sozialdemokraten:

    Die Unterschätzung der Grün-Bewegung

    Den Wirtschaftskurs von Viktor Klima, der die Strategien von Tony Blair und Gerhard Schröder nachahmen wollte

    Das Flüchtlingsthema spätestens ab 2015

    Noch gibt Josef Cap die Sozialdemokratie und ihre Grundwerte (Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität) nicht gänzlich verloren. Allerdings muss sich die Partei schleunigst auf einen neuen Kurs einigen, um den aktuellen Strömungen der Regierung Paroli bieten zu können. Mit der Bewahrer-Mentalität und dem Pochen auf „wohlerworbenen Rechten“ wie es so mancher Gewerkschafter fordert, ist derzeit wenig zu gewinnen.

    Nun 2017 ist die Karriere des Josef Cap als Abgeordneter, endgültig Geschichte. Er erhält bei der Nationalsratswahl (wieder) keinen sicheren Listenplatz und diesmal scheitert auch der Vorzugsstimmenwahlkampf.

    Meine Meinung:

    Ein sehr interessantes Buch, das Einblick in die Mechanismen der Macht gibt. Vielleicht ein bisschen eine Abrechnung mit den Genossen? Denn, wie sagt man in Österreich so treffend? „Freund – Feind – Parteifreund“. Mit mehr als 60 Jahren ist er, wie einst Curd Jürgens sang „kein bisschen weise“ und hält sich an Udo Jürgens „.. mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“. Josef Cap ist 1952 geboren – da passt dieser Song perfekt.

    Hier im Rückblick geht er mit seinen liebsten Feinden Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Ex-Finanzminister Karl Heinz Grasser überraschend milde ins Gericht. Doch ein wenig gütig geworden auf „seine alten Tag“?

    Fazit:

    Eine pointierte Rückschau auf knapp 50 Jahre österreichische Innenpolitik – präzise und bestens analysiert. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

    Kommentieren0
    6
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks