Josef Winkler

 4,1 Sterne bei 103 Bewertungen
Autor von Natura morta, Roppongi und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Josef Winkler

Josef Winkler wurde am 3. März 1953 in Kamering bei Paternion in Kärnten geboren. 2008 erhielt er den Georg-Büchner-Preis.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Laß dich heimgeigen, Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe (ISBN: 9783518471227)

Laß dich heimgeigen, Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe

 (2)
Neu erschienen am 15.02.2021 als Taschenbuch bei Suhrkamp.

Alle Bücher von Josef Winkler

Cover des Buches Natura morta (ISBN: 9783518223598)

Natura morta

 (26)
Erschienen am 16.09.2002
Cover des Buches Roppongi (ISBN: 9783518461402)

Roppongi

 (11)
Erschienen am 07.12.2009
Cover des Buches Friedhof der bitteren Orangen (ISBN: 9783518396919)

Friedhof der bitteren Orangen

 (8)
Erschienen am 19.02.2001
Cover des Buches Leichnam, seine Familie belauernd (ISBN: 9783518124420)

Leichnam, seine Familie belauernd

 (8)
Erschienen am 28.04.2003
Cover des Buches Domra (ISBN: 9783518395943)

Domra

 (5)
Erschienen am 27.03.2000
Cover des Buches Wenn es soweit ist (ISBN: 9783518399170)

Wenn es soweit ist

 (5)
Erschienen am 29.04.2002
Cover des Buches Das wilde Kärnten (ISBN: 9783518389775)

Das wilde Kärnten

 (5)
Erschienen am 22.08.1995

Neue Rezensionen zu Josef Winkler

Cover des Buches Friedhof der bitteren Orangen (ISBN: 9783518396919)Wolfgang_Schinwalds avatar

Rezension zu "Friedhof der bitteren Orangen" von Josef Winkler

Bittere Kost
Wolfgang_Schinwaldvor einem Monat


Home » Blog » Friedhof der bitteren Orangen – Eine Josef Winkler Rezension



Winkler Rezension: Friedhof der bitteren Orangen Von Anfang an schwere Kost. Ich muss ich mich seitenweise durchbeißen und den ungewöhnlichen Zugang des Autors zu Tod und katholischen Riten ertragen. Irgendwann einmal, nachdem ich das Buch schon zigmal weggelegt habe, vorgeblättert habe, um zu sehen, ob eine geringe Chance auf eine zusammenhängende Geschichte jenseits der Erwähnung von Verwesung, Leichen, Papst und Tod besteht, werde ich dann doch von Winklers Schreib-Welt eingenommen. Ich muss mich nur von der gewohnten Erzählweise mit einer klaren Handlung verabschieden. Dann beginnt Winkler in einem Stil, der mich irgendwie an den Gedankenstrom von James Joyce erinnert, aber doch ganz eigenständig ist, detailliert, ja sogar peinlich genau, zu beschreiben, was an der Statione Termini in Rom tagtäglich passiert. Dabei nimmt er gerade das ins Visier, was die meisten anderen Passanten gerne übersehen, wo sie mit Sicherheit sogar absichtlich wegsehen. Und in dieser peniblen Beschreibung lässt sich der Autor zu Rückblenden in seine verhasste Kindheit im katholischen Kärntner Dorf Kamering inspirieren, wo er die schlechtesten Erfahrungen mit Schulfeinden, Verwandten, Nachbarn, Bauern und dem Pfarrer machen hat müssen. Viele im Ort nehmen es dem Autor übel, dass er schlecht über sie schreibt. Seine Todessehnsucht, sein krankhaft anmutendes Verhältnis zu Tod und Begräbnislassen eine unheimliche Unzufriedenheit mit sich selbst erkennen und einen Hass auf fast alles, was mit seiner Kindheit und seinem Heimatdorf zu tun hat.  Winkler kann zweifellos genau beobachten und präzise schreiben. Aber das, was er da unbarmherzig mit einer ISBN Nummer versehen auf dem Buchmarktdeponiert hat, muss erst einmal unbeschadet verdaut werden. Das ist meiner Meinung nach nur möglich, wenn man einen guten Magen hat und nur ja nicht versucht, sich mit dem Erzähler in irgend einer Form zu identifizieren und seine Beweggründe zu verstehen. Dass das den Betroffenen in seinem Heimatort fast nicht gelingen kann, ist naheliegend. Bei jeder Seite denke ich mir unwillkürlich: „Ich bin froh, dass ich nicht in seiner Haut stecke.“ In diesem Buch erfährt man über das wilde Innenleben eines äußerlich womöglich unauffälligen Menschen. Innen zerrissen und unvollständig vernarbt. Er beschreibt unheimliche Albträume. In seinem Heimatdorf gibt es immer wieder Selbstmorde durch Erhängen. Winkler zeigt dem Leser die Welt, insbesondere die Stricher-Szene Roms, durch die Augen eines Erzählers, der von seinem Elternhaus, seinem Dorf, den Bauern, dem Klerus schwer, genau genommen existenziell geschädigt ist und einer magischen Anziehung der Selbstzerstörung und des Todes ausgesetzt ist. Die Berichte von den triebgesteuerten Stadtspaziergängen des Erzählers an den Schattenseiten der heiligen Stadt spickt er mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen an andere. Was für ein Schadenwurde dem Kind durch die fanatische Heiligenverehrung der Kameringer angetan? Verwesung, verwelkte Blumen, Leichen, alles, was mit dem Tod in Zusammenhang gebracht werden kann, durchzieht seine Schilderungen. Versuchter eine Befreiung von Schuldgefühlen? Er war Ministrant in dem kreuzförmig angelegten Heimatdorf. Er war das jüngste der Kinder seiner Eltern. Im relativ späten Laufe der Erzählung stellt sich heraus, dass der mehrfach erwähnte „Selbstmord-Jakob“ als Kind der Freund des Erzählers war. Dieser Jakob hat sich 17-jährig gleichzeitig mit seinem Freund Robert im Pfarrhof-Stadel erhängt. Für mich wird hier erst der schon von Anfang an gut geplante und hervorragende dramaturgischer Aufbau erkennbar. Der Protagonist hat auch den 16-jährigen Pjotr verführt, den Sohn einer ins Heimatdorf Kamering verschleppten Ukrainerin, die ihm ihre Geschichte erzählt hatte und nach der Publikation den Hass des Dorfes zu spüren bekam. Eigentlich ist es niemals Hass allein, sondern immer eine Hassliebe, die den Autor beschäftigt. Immer wieder kommt im Erzähler die katholische Erziehung durch, die ihm sagt, was man tun darf, und für alles andere Schuldgefühle parat hat. Ich spüre in dem Erzähler eine Angst vor allem, was nicht tot ist. Er schreibt: „Bei den Toten bin ich gerne. Sie tun mir nichts und sind auch Menschen.“Das sind die Worte eines Menschen, den die toten Angehörigen mit festem Griff zu sich ins Jenseits ziehen wollen, der sich dem Griff fast nicht mehrentziehen kann. Es ist nur mehr eine Frage der Zeit. In seinen Träumen haben sie schon vollends von ihm Besitz ergriffen. Er kann den Lockrufen aus dem Jenseits schwer widerstehen. Manches ist an der Grenze des Erträglichen. Seine Hassliebe und Faszination betrifft die Zeremonien, Gewänder, Rituale der Kirche, ihre Symbole und ihre Anziehungskraft. Wonach soll man ein Werk und einen Autor beurteilen? Die einen haben einen wohl strukturierten, spannenden und interessanten Plot, unverwechselbare Charaktere, eine wunderbare Sprache. Winkler skizziert eigentlich nur einen Charakter, sich selbst. Seine Erzählkunst zeigt sich in der Genauigkeit, mit der er die sonst unbeachteten Typen beschreibt und die scheibchenweise Aufdeckung der lebensbedrohenden Probleme des Protagonisten. In seinen detaillierten Beschreibungen der römischen Stricherszene nimmt der Erzähler selektiv das wahr, was uns wahrscheinlich verschlossen bliebe. Der im Titel erwähnte »Friedhof der bitteren Orangen« ist übrigens der Ort, an den er am Ende des Buches die unzähligen Toten geistig überführt.

(C) Wolfgang Schinwald


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Cover des Buches Domra (ISBN: 9783518408032)einMalTees avatar

Rezension zu "Domra" von Josef Winkler

Rezension zu "Domra" von Josef Winkler
einMalTeevor 9 Jahren

Varanasi ist die heiligste Stadt im Hinduismus. Viele Gläubige pilgern dort hin, um ein rituelles Bad im Ganges zu nehmen. Gleich daneben werden unzählige Leichen verbrannt; es gilt als besonders erstrebenswert als Hindu dies zu tun und danach seine Asche im Ganges verstreuen zu lassen. Eine Gruppe aus der Kaste der Unberührbaren hat die Aufgabe dieser Verbrennungszeremonie, die Dom oder Domra. Keine schöne Aufgabe aufgrund des allgegenwärtigen Verwesungsgestanks, aber eine heilige.
Der Österreicher Josef Winkler war mit seiner Lebensgefährtin Christina Schwichtenberg öfter in Indien und immer wieder in Varanasi. Mit einer suchtvollen Faszination beschreibt er ähnlich wie in „Friedhof der bitteren Orangen“ in vielen kleinen Episoden das tägliche Kommen und Gehen an den verschiedenen Ghats am Ganges. Er sitzt immer ein wenig abseits mit seinem für ihn heiligen Notizbuch und schreibt alles auf, was er sieht, hört, riecht und sonst wie mitbekommt.
Daraus entsteht ein komplexes Bild der rituellen Gänge der Domra zu den großen und vielen Scheiterhaufen, um unzählige Leichen zu verbrennen. Jene, die nicht gewollt oder nach einem bestimmten Muster verstorben sind, werden eingewickelt in weiße Baumwolltücher in den Fluß geworfen; Kinder etwa, die zu früh starben, oder Unehrenhafte wie Kindermörder.
Jungen und Mädchen stochern in den lodernden Feuern herum, Tiere streunern durch die Gegend, Männer und Frauen trauern hochemotional um ihre verstorbenen Familienmitglieder oder Angehörigen.
Immer und immer wieder schreibt Winkler extrem, wortgewandt und direkt die Prozeduren auf, wie die Domra die Leichen auf einer siebensprossigen Bambustrage zum Ufer bringen, eine Fackel entzündet aus dem ewig brennenden und heiligen Feuer holen und den Leichnam anstecken.
Das Buch ist geprägt von Wiederholungen, so prägt sich das große Bild im Kopf des Lesers ein. Es wird auch erweitert durch Fotografien von Christina Schwichtenberg, die oft schlicht, manchmal aber auch sehr direkt ins Auge fallen.
Für Indienfaszinierte und Freunde der hohen Sprachkunst ein Muss, da es mitreißend, abschreckend und erstaunlich wirklich ist.

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Cover des Buches Die Realität so sagen, als ob sie trotzdem nicht wär oder Die Wutausbrüche der Engel (ISBN: 9783518421376)einMalTees avatar

Rezension zu "Die Realität so sagen, als ob sie trotzdem nicht wär oder Die Wutausbrüche der Engel" von Josef Winkler

Rezension zu "Die Realität so sagen, als ob sie trotzdem nicht wär oder Die Wutausbrüche der Engel" von Josef Winkler
einMalTeevor 10 Jahren

Dieses Buch mit dem wunderbaren Nebentitel „Die Wutausbrüche der Engel“ sollte neue Informationen über die Biographie von Josef Winkler von ihm persönlich geben. Entsprechend sehr habe ich mich auf dieses Buch gefreut, das im September erschienen ist.
Nun ist die berechtigte Frage, wem es neue Erkenntnisse bringen soll. Dem Leser, der sich schon mit Winkler auseinander gesetzt und viel von ihm gelesen hat, bringt es nicht viel Neues; ich zähle mich dazu.
Wer ihn und seinen Schreibstil nicht oder nur ansatzweise kennt, für den wäre es nun ein gelungener Einstieg. Es ist nicht so direkt und hart wie seine ersten Werke – insbesondere die „Das wilde Kärnten“-Triologie.
Doch natürlich schreibt Winkler auch aus seinem Leben; wie er es immer schon tut. Doch das „wie“ ist hier ein anderes. Es sind keine heftigen Übertreibungen, Wunschvorstellungen und Phantasmen zu lesen. Wer unter anderem „Das Zöglingstheft des Jean Genet“ gelesen hat, für den ist die immense Bedeutung des Franzosen für den Autor auch keine Überraschung. Im Gegensatz dazu beschreibt er seinen Hang zur Kunst des weißrussischen Malers Chaim Soutine. Durch Winklers Bekannten Georg Rudesch entbrannte sich in ihm eine Leidenschaft zum jüdischen Künstler, von der vorher nichts zu erfahren war.
Gewohnterweise kann er es auch nicht lassen von seinem Vater, seiner Mutter, den Begräbnissen in seiner Heimat, dem Doppelselbstmord im kreuzförmig aufgebauten Dorf oder den Bestattungsritualen am Ganges zu schreiben.
Neu ist also nicht viel in diesem Buch. Als Einstieg ist es sehr zu empfehlen. Und für den Winkler-Fan ist es ein Muss!

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