Josef Winkler Die Verschleppung

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Inhaltsangabe zu „Die Verschleppung“ von Josef Winkler

<p>»Eine ausgemergelte, schwarz gekleidete Frau schlapft, laut vor sich hinredend, mit sechs vollgepackten blauen und einem weißen Plastiksack vorbei, feiner der beiden neben der Kirche stehenden Carabinieri hebt sein Bein auf eine Steinsture und schnürt sein rechtes Schuhband zusammen. Vor der geschlossenen Kirche sitzend, fallt mir ein, daß Njetotschka Wassiljewna lljaschenko in ihrem ukrainischen Heimatort Dóbenka wenige Stunden, bevor die Kolchosführer gewalttätig die Kirche schlössen und die Ikonen zerstörten, das Heilige Sakrament der Taufe empfangen hatte. Bevor sie, Jahre nach ihrer Verschleppung in einem Viecherwaggon aus der Ukraine nach Kärnten, den Jungbauern, auf dessen Hof sie als Magd gearbeitet hatte, heiratete, sagte der Dorfpfarrer, daß der Bauer sie nur ehelichen könne, wenn sie bereits in Rußland getauft worden sei. Und Njetotschka Iljaschenko erzählte dem Dorfpfarrer ihre Geschichte.«</p>

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  • Rezension zu "Die Verschleppung" von Josef Winkler

    Die Verschleppung
    einMalTee

    einMalTee

    29. June 2011 um 18:43

    Kärnten als Ort der Begegnungen. Nachdem Josef Winkler relativ früh seinen Heimathof in Kärnten verlassen hat, kehrte er ein paar Jahre später wieder zurück. Allerdings zu einer anderen Bleibe. Dort wollte er ein neues Buch schreiben und den ruhigen Ort als Inspirationsquelle nutzen. Dabei lernte er die Ukrainerin Njetotschka Wassiljewna Iljaschenko kennen. Ihre Lebensgeschichte zeichnet Winkler auf und macht daraus einen interessanten und erschreckenden biographischen Bericht über die Zustände in Ukraine unter dem Kommunismus, sowie ihre Verschleppung nach Österreich im Zuge des Zweiten Weltkrieges. Spannend ist die Geschichte eines scheinbar willkürlichen Opfers der Kolchosführung und der Nazis. Aufgewachsen ist Njetotschka bei fleißigen und erfolgreichen Eltern, denen ihr hart erarbeiteter Wohlstand enteignet wurde. Da ihr Vater aus dem Kolchos austrat, litt die Familie extrem darunter und wusste oft nicht, was sie am nächsten Tag essen sollte. Als Kind war das für Njetotschka ein einschneidendes Erlebnis, ihre Mutter hat sich völlig für sie aufgeopfert und nie den Kopf hängen lassen. An dem glücklichen Zeitpunkt, als es wieder bergauf ging, alle Arbeit hatten und die Deutschen als erhoffte Retter in die russischen und ukrainischen Dörfer kamen, ging der schlimmste Lebensabschnitt der Jugendlichen los. Eines Nachts wurde sie geweckt, als arbeitsfähig empfunden und über eine vierwöchige „Reise“ in einem Viecherwagen nach Österreich gebracht. Plötzlich war die liebevolle Mutter weg, an der sie so hing. Der einzige Trost: Die Schwester musste auf einem benachbarten Hof arbeiten. Was Njetotschka Wassiljewna Iljaschennko erlebt hat ist in jedem Fall lesenswert. Gerade die Schilderungen des Landlebens in der Ukraine vor etwa siebzig Jahren ist interessant, sowie die Einwirkungen des Regimes auf den Alltag. Es ist allerdings kein „normales“ Winkler-Buch, das sich um Traditionen, Homosexualität, Hass und Rituale dreht. Dennoch hat der nüchterne Schreibstil definitiv Winklers großartigen Ausdruck. Dieses Werk ist nicht nur ein Blick nach Kärnten und in die Ukraine, sondern auch ein Ausschnitt aus europäischen Verhältnissen in der Mitte des letzten Jahrhunderts.

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