Josef Winkler Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot

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Inhaltsangabe zu „Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot“ von Josef Winkler

»Reisen, um heimatlos zu werden«, schreibt Henri Michaux. Der Österreicher Josef Winkler ist während der Niederschrift seiner Romane über sein Heimatland Kärnten immer wieder nach Italien gereist, später nach Indien und dann auch nach Mexiko, im Gepäck die Erzählungen anderer Autoren, aus denen er kurze Zitate als Intarsien in seine poetologischen Reportagen einsetzt: von Reisen, die ihn zu seiner eigenen Überraschung mit Variationen eines Bildes aus der Kindheit – ein am Straßenrand liegendes, bereits mit Packpapier abgedecktes, überfahrenes Kind – heimholen. Zuletzt in Klagenfurt, wo bei Straßenarbeiten zur Vorbereitung der Fußballeuropameisterschaft 2008 ein Kind überfahren wird und stirbt. Erzählung für Erzählung, Todesfall für Todesfall rückt Winkler seiner Heimatlosigkeit näher.

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  • Rezension zu "Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot" von Josef Winkler

    Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot

    Greta

    20. November 2009 um 13:57

    "...um sich kein wort, kein gesprochenes, kein unausgesprochenes entgehen zu lassen im eltern- und verwandtengebiet und sich hineinwühlt in die grauen, weichen, kokonartigen, rauhen wespennester, ins stimmgewirr der verwandten, die sich, um seine worte zu gebrauchen, "auf die haltbarmachung von ägsten verstehen", denn drei wespenstiche, heißt es, können ein pferd töten, drei sätze einen menschen, wenn es unbedingt sein muss genügt auch ein satz..." . "seit langem stelle ich mir vor, dass ich statt meines kopfes eine kamera an meinem hals montiert habe und alles filme, was meine augen sehen können. betrete ich also mit meinem filmkamerakopf eine mir bis dahin unbekannte stadt, frage ich nicht nach den allseits bebilderten farbigen sehenswürdigkeiten, sondern sofort nach den gefängnissen, nach den friedhöfen und totenhäusern." . "wie ich nur lebenswichtige bücher lese - wenn mir nicht ein satz wie ein mühlstein um den hals hängt, wozu soll ich ihn dann loswerden? -, sehe ich mir nur lebenswichtige filme an."

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  • Rezension zu "Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot" von Josef Winkler

    Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot

    Wolkenatlas

    15. October 2009 um 11:30

    Josef Winklers Prosa ist in jeder Hinsicht eine Liga für sich. Sie ist weit weg von zeitgemäßer Befindlichkeitsprosa, meilenweit von der Postmoderne entfernt, ist von archaischer Wucht und erfindet eine Sprache, die komplex und gleichzeitig schön ist. Schön ist seine Sprache, seine literarische Welt ist es nicht. In Josef Winklers Büchern wird viel gestorben. Sehr viel sogar. Auf sehr unterschiedliche Weise; nachdem man schon in den ersten Zeilen dabei ist, wie ein Italiener, der sich über den Einzug der siegreichen Amerikaner so freut, dass er "Viva la Amerika" schreiend ausrutscht und von einem amerikanischen Panzer überrollt wird, man findet den Doppelselbstmord zweier Kärntner Mädchen von einer Klagenfurter Kirche, oder auch den Tod des Jungen, der in der Nähe des sich damals in Bau befindenden Klagenfurter EM-Stadions von einem LKW überfahren wurde. Die Vehemenz der Kirche und das Dorf-, Provinz- und Landleben im schönen, doch gar nicht so idyllischen Kärnten haben es Josef Winkler angetan, sie sind seit Jahren Teil seiner literarischen Welt. Josef Winklers Reisen, nach Indien und Mexico zum Beispiel, sind genauso Teil dieser Welt. "Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot" ist eine Sammlung von relativ kurzen Prosaminiaturen, die sich auf Josef Winklers Reisen und literarische Begleiter, also Bücher, die er auf seinen Reisen gelesen hat, beziehen und zugleich sein Streben nach literarischer Erkenntnis konsequent weiterverfolgen. Konsequenz ist sicherlich auch eine der sichtbarsten Eigenschaften von Josef Winklers Schaffen. Schwer einzuordnen sind dieses Miniaturen allemal, am ehesten könnte man von einem Hybrid aus Reiselektüre, Essay, literarischer Reflexion und Erzählung sprechen. Großartige, packende Szenen, die durch seine scheinbar kühle, unbeteiligte Attitüde, bzw. die des Erzählers, der möglicherweise ein reeller Josef Winkler, oder auch ein fiktiver, bzw. teil-fiktiver Josef Winkler ist für den Leser sichtbar und erlebbar werden; genau diese Kombination trifft dann auch besonders. Durch die Kürze der hier versammelten Kurzprosa ist dieses Buch sicherlich bestens als Einstieg in Josef Winklers literarische Welt geeignet. Absolute Empfehlung.

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