Josef Winkler Roppongi

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Inhaltsangabe zu „Roppongi“ von Josef Winkler

„Als ich mich vor drei Jahren mit meiner Familie in Tokio aufhielt, wo wir im Stadtteil Roppongi wohnten, starb im Alter von 99 Jahren mein Vater, der mir ein Jahr vor seinem Tod in einem kurzen, aber dramatischen Telefonmonolog mitteilte, daß, wenn es soweit sei, ich nicht zu seinem Begräbnis kommen solle.“ »In Roppongi erinnert sich der Georg-Büchner-Preisträger 2008 an seinen im biblischen Alter verstorbenen Vater. Es ist ein „Gedenkmonument nachgetragener Liebe. Das ‚Requiem für einen Vater’ besitzt die Gnade der Leichtigkeit, hat jene Musikalität der Satzperioden und die von Ilse Aichinger an Winkler gerühmte ‚fanatische Genauigkeit’, die einen Schreibenden zum Dichter werden lassen. ‚Ja, Vater, mach’s gut’, vernehmen wir da als Nachruf, ‚ich wünsche dir eine gute Reise’.« Ulrich Weinzierl in seiner Laudatio auf den Georg-Büchner-Preisträger

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  • Rezension zu "Roppongi" von Josef Winkler

    Roppongi
    Leserrezension2010

    Leserrezension2010

    25. August 2010 um 00:35

    A195 Roppongi von Josef Winkler Kategorie: Allgemein Sind wir mal ehrlich. Denken wir an Literatur, dann nehmen wir dieses Wort, packen es in einen kleinen fiktiven Briefumschlag, werfen ihn in einen kleinen Kasten in unserem Kopf und schicken ihn auf die Reise zum Gehirn. Dort wird der Umschlag geöffnet, das Wörtchen Literatur herausgeholt, von allen Seiten betrachtet und in ein Regal gesetzt, über dem in blinkenden Lettern das Wort Unterhaltung geschrieben steht. Da ist nun dieses Wort, Literatur, inmitten von Filmen, Popmusik und Videospielen. Und plötzlich weint es bittere Tränen. Denn es sieht, einmal quer durch den Raum blickend, ein anderes Regal. Ein Regal, in dem noch Platz ist. Ein Regal, in dem das Wort Literatur so gerne sitzen würde. Über dem, leicht verstaubt, das Wort Kunst geschrieben steht. Roppongi – Requiem für einen Vater von Josef Winkler ist mehr als bloße Unterhaltung. Es ist Kunst in Worten. Es ist schwierig dieses Büchlein in eine Gattung zu ordnen. Vielleicht ist es eine Novelle. Vielleicht ist es ein kurzer Ausschnitt einer Autobiografie Winklers. Vielleicht ist es auch eine Art Dokumentation. Alles dreht sich um das Sterben von Winklers Vater. Im Alter von 99 Jahren endete dessen Leben auf seinem Hof in Kärtnen, den er nur für die Kriegsjahre verlassen hat, während sein Sohn in Japan auf Lesereise war. Und genau der erinnert sich an seinen Vater, an den Tod seiner Großeltern mit allen für das kleine Alpendorf üblichen Riten. Blumen, die in den offenen Sarg gesteckt wurden, immer und immer wieder. Während der oder die Tote tagelang aufgebahrt in der Stube lag, sollten frische Blüten den Verwesungsduft übertynchen. Doch die Geschehnisse in der Familie und im Heimatdorf Kamering sind nur ein Schauplatz in Roppongi. Den Titel selbst gibt der Stadtteil von Tokio, in dem Winkler vom Tod seines Vaters erfährt. Winkler sitzt in der Hotelbar, die als Kulisse des Films Lost in Translation diente, der auf den Fernsehern unter der Decke rund um die Uhr läuft. Er denkt an seine Geschwister und deren Frauen, er zitiert Scarlett Johansson und Bill Murray und er nimmt Abschied. Die nächste und letzte Etappe seiner Reise ist Varanasi in Indien, die heilige Stadt der Hindus. Er sitzt an einem der Verbrennungsplätze am Ganges, beobachtet die Zeremonien, notiert sie punktgenau in seine kleinen, roten Notizbücher. Morbide wie einst Gottfried Benn beschreibt er das Kochen der Augen und Knacken der Knochen. Doch, so sagt er selbst, nur, damit ihn diese Bilder nicht bis in die Träume verfolgen. Er schreibt über den Tod und sich so dessen Anblick und die Trauer von der Seele. Die Kunst des Textes liegt in der detailverliebten Art, wie Winkler Dinge beschreibt. Ob nun die Zeremonien in Kärnten oder Indien, ob hinten und vorne verstärkte, schwarze Socken oder gelbe, duftende Gladiolen. Er malt Bilder mit seinen Worten. Er verbindet die schwierige Beziehung zu seinem Vater und dem österreichischen Dorfmief mit der Weltstadt Tokio, in der er nur schwer eine Kerze findet um trauern zu können und der faszinierenden Beschreibung der hinduistischen Rituale, um mit dem Filmtod Winnetous zu schließen. Roppongi ist keine leichte, keine seichte Abendlektüre zwischen Daily Soap und Mario Barth. Dabei handelt es, wie diese beiden Unterhaltungsformen, vom Leben. Und etwas, das dazu gehört, dem Sterben.

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  • Rezension zu "Roppongi" von Josef Winkler

    Roppongi
    stiller

    stiller

    04. January 2010 um 16:41

    Sind wir mal ehrlich. Denken wir an Literatur, dann nehmen wir dieses Wort, packen es in einen kleinen fiktiven Briefumschlag, werfen ihn in einen kleinen Kasten in unserem Kopf und schicken ihn auf die Reise zum Gehirn. Dort wird der Umschlag geöffnet, das Wörtchen Literatur herausgeholt, von allen Seiten betrachtet und in ein Regal gesetzt, über dem in blinkenden Lettern das Wort Unterhaltung geschrieben steht. Da ist nun dieses Wort, Literatur, inmitten von Filmen, Popmusik und Videospielen. Und plötzlich weint es bittere Tränen. Denn es sieht, einmal quer durch den Raum blickend, ein anderes Regal. Ein Regal, in dem noch Platz ist. Ein Regal, in dem das Wort Literatur so gerne sitzen würde. Über dem, leicht verstaubt, das Wort Kunst geschrieben steht. Roppongi – Requiem für einen Vater von Josef Winkler ist mehr als bloße Unterhaltung. Es ist Kunst in Worten. Es ist schwierig dieses Büchlein in eine Gattung zu ordnen. Vielleicht ist es eine Novelle. Vielleicht ist es ein kurzer Ausschnitt einer Autobiografie Winklers. Vielleicht ist es auch eine Art Dokumentation. Alles dreht sich um das Sterben von Winklers Vater. Im Alter von 99 Jahren endete dessen Leben auf seinem Hof in Kärtnen, den er nur für die Kriegsjahre verlassen hat, während sein Sohn in Japan auf Lesereise war. Und genau der erinnert sich an seinen Vater, an den Tod seiner Großeltern mit allen für das kleine Alpendorf üblichen Riten. Blumen, die in den offenen Sarg gesteckt wurden, immer und immer wieder. Während der oder die Tote tagelang aufgebahrt in der Stube lag, sollten frische Blüten den Verwesungsduft übertynchen. Doch die Geschehnisse in der Familie und im Heimatdorf Kamering sind nur ein Schauplatz in Roppongi. Den Titel selbst gibt der Stadtteil von Tokio, in dem Winkler vom Tod seines Vaters erfährt. Winkler sitzt in der Hotelbar, die als Kulisse des Films Lost in Translation diente, der auf den Fernsehern unter der Decke rund um die Uhr läuft. Er denkt an seine Geschwister und deren Frauen, er zitiert Scarlett Johansson und Bill Murray und er nimmt Abschied. Die nächste und letzte Etappe seiner Reise ist Varanasi in Indien, die heilige Stadt der Hindus. Er sitzt an einem der Verbrennungsplätze am Ganges, beobachtet die Zeremonien, notiert sie punktgenau in seine kleinen, roten Notizbücher. Morbide wie einst Gottfried Benn beschreibt er das Kochen der Augen und Knacken der Knochen. Doch, so sagt er selbst, nur, damit ihn diese Bilder nicht bis in die Träume verfolgen. Er schreibt über den Tod und sich so dessen Anblick und die Trauer von der Seele. Die Kunst des Textes liegt in der detailverliebten Art, wie Winkler Dinge beschreibt. Ob nun die Zeremonien in Kärnten oder Indien, ob hinten und vorne verstärkte, schwarze Socken oder gelbe, duftende Gladiolen. Er malt Bilder mit seinen Worten. Er verbindet die schwierige Beziehung zu seinem Vater und dem österreichischen Dorfmief mit der Weltstadt Tokio, in der er nur schwer eine Kerze findet um trauern zu können und der faszinierenden Beschreibung der hinduistischen Rituale, um mit dem Filmtod Winnetous zu schließen. Roppongi ist keine leichte, keine seichte Abendlektüre zwischen Daily Soap und Mario Barth. Dabei handelt es, wie diese beiden Unterhaltungsformen, vom Leben. Und etwas, das dazu gehört, dem Sterben.

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  • Rezension zu "Roppongi" von Josef Winkler

    Roppongi
    Moni

    Moni

    04. January 2008 um 17:28

    Tod, Aufbahrung und Bestattungen in Kärnten und Leichenverbrennungen am Ganges - voyeuristisch vom Autor betrachtet. Faszinierend und Grausig. Dazwischen Erinnerungen an seinen soeben verstorbenen Vater und dessen Welt, in die er nie hineingepasst hat und die ihn nicht loslässt.