Joseph Andras Die Wunden unserer Brüder

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Inhaltsangabe zu „Die Wunden unserer Brüder“ von Joseph Andras

Fernand Iveton ist dreißig, als er im November 1956 für die algerische Unabhängigkeitsbewegung in einem verlassenen Gebäude eine Bombe legt. Der Algerienfranzose will ein Zeichen setzen, ohne Opfer zu riskieren. Doch Iveton wird verraten und noch vor der Detonation verhaftet. Nach tagelanger Folter verurteilt ein Militärgericht in Algier ihn zum Tode, und unter Mitterrand, dem damaligen Justizminister Frankreichs, wird er am 11. Februar 1957 hingerichtet. Ein Franzose auf Seiten der Algerier ist nicht tragbar. Joseph Andras erzählt diese wahre, ungeheuerliche Geschichte in all ihrer Aktualität. Sein gefeiertes Debüt ist ein literarisches Kunststück, „kurz und dicht birgt es eine unerhörte Kraft.“ (Le Monde)

Ein schmales Büchlein mit enormer Wucht. Andras überzeugt mit einer eindringlichen Geschichte über das wahre Schicksal von F. Iveton.

— leselea

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  • Lesemarathon zu Ostern vom 30. März bis 2. April 2018 bei LovelyBooks

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    Daniliesing

    4 Tage LeserEi – Mit LovelyBooks durch die Oster-Tage! Ein langes Osterwochenende steht bevor und wie könnte man diese Zeit am besten nutzen? Natürlich auch zum Naschen von Schoko-Osterhasen und Eiersuchen, aber vor allem doch zum gemütlichen Lesen, oder? Deshalb starten wir in unseren nächsten Lesemarathon und freuen uns hier auf einen tollen Austausch rund um unsere aktuellen Bücher.Was ist ein Lesemarathon?Bei unserem Lesemarathon vom 30. März  - 2. April (Karfreitag bis Ostermontag) möchten wir uns ganz bewusst Zeit dafür nehmen, endlich einmal längere Zeit am Stück zu lesen. Sonst kommt doch immer der Alltag dazwischen und plötzlich hat man die schöne Lesezeit mit Putzen, Fernsehen usw. verbracht. Natürlich müsst ihr nicht die gesamten 4 Tage durchlesen, sondern es ist so gedacht, dass jeder mitmachen kann, wann und wie er möchte. Hier haben wir einen gemeinsamen Platz, an dem wir uns über unsere Lesefortschritte und die gelesenen Bücher austauschen können.Wie kann man mitmachen?Jeder ist herzlich willkommen hier jederzeit mitzumachen. Einfach drauflosschreiben und dabei sein – wir freuen uns über jeden, der uns ein kleines oder auch großes Stück unseres Lesemarathons begleiten möchte. Für die Abwechslung zwischendurch, werden wir hier im Zeitraum der 4 Tage kleine Fragen oder Aufgaben stellen, bei denen ihr gern mitmachen könnt. Natürlich ist das kein Muss, aber es macht immer wieder viel Spaß, auf diese Weise andere Leser kennen zu lernen, neue Bücher zu entdecken und sich sein eigenes Leseverhalten näher anzuschauen. Selbstverständlich könnt ihr gern auch über eure Blogs und Social Media Kanäle teilnehmen. Verwendet hierbei bitte den Hashtag #lblm - so können wir unsere Beiträge leicht wiederfinden.Jetzt heißt es nur noch, ein paar Tage warten und schon ist unser Lesemarathon da. Wir freuen uns auf viele schöne Lesestunden mit euch!

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  • "man sagt ja, Algerien sei auch Frankreich, aber das ist nicht dasselbe, das muss man schon sagen."

    Die Wunden unserer Brüder

    leselea

    04. March 2018 um 16:22

    Ich gestehe, dass mich dünner Bücher häufig abschrecken. Zum einen ist es meiner Meinung nach eine hohe, nicht von vielen Autoren beherrschte Kunst, in wenigen Worten und auf wenigen Seiten eine packende Geschichte zu erzählen, die den Leser über die kurze Dauer der Lektüre hinaus fesselt und beschäftigt; zum anderen habe ich einfach einen Faible für dicke detailliert erzählte Wälzer, in deren Kosmos ich über viele Lesestunden verschwinden kann. Daher ist es schon häufiger vorgekommen, dass ich potentiell interessant klingende, aber nur wenige Seiten umfassende Bücher in der Buchhandlung zurückgelassen und stattdessen ein anderes, umfangreicheres Buch gekauft habe. Glücklicherweise haben mich dieses Mal die mageren 160 Seiten von Joseph Andras Debütroman Die Wunden unserer Brüder nicht davon abgehalten, mir das Büchlein zuzulegen – andernfalls wäre mir nämlich eine literarische Perle verborgen geblieben, die nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch auf ganzer Linie überzeugt! Joseph Andras erzählt in Die Wunden meiner Brüder die wahre Geschichte des Algerierfranzosen Fernand Iveton, der sich in den 1950er Jahren dem Befreiungskampf der FLN anschloss und am 11. Februar 1957 vom französischen Staat – als einziger Europäer während des Algerienkriegs – hingerichtet wurde. Andras nimmt dieses tatsächlich gelebte Schicksal zum Ausgangspunkt seiner Erzählung und gibt es einer höchst gelungenen literarischen Verformung bei: Er schildert nicht nur Ivetons politische Aktivitäten, seine Verhaftung und Verurteilung, sondern rekonstruiert auch sein Leben vor und neben der Politik, erinnert an die Liebe zu seiner Frau Hélène und an seine Kindheit in Algerien – einem Land, in dem Araber und Europäer, Moslems und Juden durchaus friedlich und respektvoll miteinander leben konnten. Er kreiert so nicht nur ein Denkmal für das politische Opfer Iveton, sondern darüber hinaus auch einen höchst intensiven, mitreißenden und auf unbestimmte Weise packende Text – auch wenn das Ende der Geschichte schon mit Beginn der Lektüre unumkehrbar ist. Dies liegt vor allem an Joseph Andras großartigem Erzählstil. Abwechselnd stellt er in aufeinanderfolgenden Kapitel Ivetons Gerichtsprozess und seine Haft im Gefängnis Szenen seiner Vergangenheit – primär der Beginn seiner Liebesbeziehung mit Hélène – gegenüber. Die so erstehende Geschichte besticht nicht nur durch ihren Kontrastreichtum, sondern auch durch eine hohe Erzähldynamik. Das Geschilderte wirkt so ungemein dicht und eindringlich auf den Leser, als wäre jede Szene mit mehreren unsichtbaren Ausrufezeichen und Unterstreichungen versehen, die die Wichtigkeit jedes Wortes, jeder Beschreibung, jedes Erzählmoments hervorheben. Dieses Gefühl wird durch Andras lakonische und verkappte Sprache noch verstärkt: Hier wird kein Wort zu viel gesetzt, sondern auf weitschweifende Erklärungen und Überleitungen verzichtet, sodass Szenen ineinanderfließen, Dialogpartner manchmal im Unbestimmten bleiben und Interpretationen vom Leser selber, ohne Unterstützung des Textes, unternommen werden müssen. Gleichzeitig sind die von Andras gewählten Worte von so einer Zartheit und Klarheit, dass Die Wunder unserer Brüder immer wieder Züge von Lyrik annehmen: Neben der interessanten und lehrreichen Thematik wartet der Roman also auch mit einer ansprechenden, ja begeisternden sprachlichem Umsetzung auf. Ohne langes Nachdenken kann ich Die Wunden unserer Brüder als erstes Lesehighlight 2018 bezeichnen. Joseph Andras hat mich mit seinem anspruchsvollen und einnehmenden Debütroman vollends überzeugt, gelingt hier doch nicht nur, was erzählt, sondern auch wie erzählt wird. Ich wünsche dem Buch viele Leser und hoffe, dass nur wenige ein ähnlich zweifelhaftes Verhalten wie ich aufzeigen und dünne Büchlein unbeachtet im Bücherregal liegen lassen. Hier entgeht einem sonst ein sattmachender Literaturhappen, von dem man auch nach der Lektüre noch lange zehrt!

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