Joseph Heath Konsumrebellen

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Inhaltsangabe zu „Konsumrebellen“ von Joseph Heath

Wie können so viele Menschen das Konsumdenken ablehnen und trotzdem an einer Konsumgesellschaft teilnehmen? Eine konsumkritische Haltung gehört heute zum guten Ton. Immer mehr Menschen verpönen die Global Player und lehnen all den Verpackungs- und Reklamerummel ab. Die Konsequenz: Bioprodukte boomen, Modelabels, die sich von industrieller Massenfertigung abwenden, feiern Triumphe, und populärwissenschaftliche Gesellschaftskritiken halten sich wochenlang auf den Bestsellerlisten. Das Geschäft mit der Konsumkritik läuft also gut. Und so scheint die vielbeschworene Gegenkultur schon lange nicht mehr revolutionär, sondern purer Mainstream zu sein. In ihrer lebendigen und breit angelegten Analyse entzaubern Joseph Heath und Andrew Potter den Mythos der Gegenkultur. Sie verfolgen dessen Ursprünge von Rousseau über Freud und Marcuse bis zu Jean Baudrillard. Ohne falschen Respekt stellen sie Theorien, die inzwischen zum Common Sense gehören, in Frage und zeigen stattdessen auf, wie sich unser System wirklich verändern lässt. Ein scharfsinniges Buch über Scheinrebellion, falsch verstandenen Individualismus und die Rückkehr zum politischen Handeln.

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  • Der Mythos der Gegenkultur

    Konsumrebellen

    rallus

    23. December 2014 um 16:37

    Die Anhänger der Gegenkultur, wie wir sie kennen, möchten ein neues Leben neben dem System und unserer kaputten kapitalistischen Kultur aufbauen. Doch wie ist unsere 'Kultur' entstanden? Was will die Gegenkultur und wie sind ihre Ziele zu bewerten. In diesem Buch räumen die beiden Autoren (scheinbar) mit dem großen Mythos der neuen heilen Welt, abseits des bürgerlichen Kapitalismus auf.  Nach ihrem Dafürhalten ist die Gegenkultur elitär, naiv und lähmend - in allen Bereichen - und bleibt letztendlich doch nur Teil des Systems, ja ist eine wichtige Stütze davon. Schon der Trugschluss, ein System zu bekämpfen, führt in die Irre: "Die Welt, in der wir leben ist viel unspektakulärer. Sie besteht aus Milliarden von Menschen, die jeweils einem mehr oder minder plausiblen Begriff des Guten folgen, die miteinander zu kooperieren versuchen und dies mehr oder weniger erfolgreich tun. Es gibt kein übergreifendes System, das alles integriert. Die Kultur lässt sich nicht unterlaufen, weil es die Kultur oder das System gar nicht gibt. Konformismus avancierte rasch zur neuen Todsünde unserer Gesellschaft." Im Falle von Rocksänger Cobain zeigt sich, dass gerade die Band Nirvana, die immer den Kapitalismus bekämpfte, doch am Ende selber zu deren größten Verdienern gehörte. "Cobain hatte es nie geschafft, seinen Hang zu alternativer Musik mit Nirvanas Popularität zu versöhnen. Sein Selbstmord war der letzte Ausweg. Lieber Schluss machen, bevor der letzte Rest von Integrität verloren geht. Den totalen Verrat vermeiden." Doch Nonkonformismus ist stressig: "Wenn jeder zur Gegenkultur gehört, wird die Gegenkultur zur Kultur. Der Rebell muss eine neue Gegenkultur erfinden, um wieder für Unterscheidung zu sorgen." Angefangen bei den Hippies der 60er Jahre, die einen Traum von Freiheit und Frieden träumten, aber in ihren Wohngemeinschaften daran scheiterten, wer den Abwasch macht. Heath und Potter erklären das typische Prinzip der Abwärtsspirale. Der Mensch ist von Grund auf faul und denkt nur an sich. In einer Gemeinschaft ohne Regeln lebt er nach seinen persönlichen Interessen. Die Küche einer typischen WG wäre demnach immer dreckiger als der Einzelne es möchte, aber durch die Regellosigkeit entsteht eine Art 'Warten' auf den, der endlich die Spülbürste in die Hand nimmt. Vergleichbar mit dem Gefangenen Dilemma (Gehört zur Spieltheorie. Aufgestellt von Albert William Tucker, wird oft bei soziologischen und ökonomischen Fragestellungen verwendet). Solange nicht jemand nachgibt, entsteht eine Abwärtsspirale, das Geschirr vermodert, bzw. der Rüstungsetat wird erhöht, da man nicht im Nachteil sein will. Das Buch schlägt einen großen Bogen, historisch und ideengeschichtlich (von Rosseau über Freud, Mailer zu Naomi Klein) zu unserer heutigen Gesellschaft: "So sind wir zu einer Gesellschaft von Schlappschwänzen und Jammerlappen geworden: weil wir nämlich im Grunde unseres Wesen unglücklich sind. Es ist dabei völlig belanglos, dass sich unsere äußeren Lebensbedingungen unendlich verbessert haben. Es ist ein inneres, kein äußeres Unglück." Das zeigt uns auch der Film Fight Club: "Wir sind zu Jägern geboren, und wir leben in einer Einkaufsgesellschaft. Es gibt nichts mehr zu töten, es gibt nichts mehr zu bekämpfen, es gibt nichts mehr zu überwinden, es gibt nichts mehr zu erforschen. Aus dieser sozialen Kastration ging der Normalmensch hervor." Auch Heath und Potter waren einmal jung, als Punk haben sie die Gegenkultur am eigenen Leib erfahren, hier lassen sie kein gutes Haar daran. In ihrer Argumentation gehen sie in einigen Beispielen doch um einiges zu weit. Es ist nicht so, dass derjenige, der alternativer Medizin vertraut, Schuld ist am Untergang des gesamten Gesundheitssystems, oder dass man nicht bei McDonalds isst, weil dort die niederen Klassen verkehren. Will man einen Kampf jeder gegen jeden, einen Rückfall in den Naturzustand, oder soll man doch lieber mehr Regeln aufstellen, weil die Gesellschaft komplizierter wurde und es mehr Menschen gibt. Dazwischen gibt es schon mehr, ein Diskussion anfachendes Buch ist ihnen aber in der Tat gelungen, trotz allem Schimpf und Schande über die Gegenkultur in Deutschland bei Rogner & Bernhard (dem Verlag für 2001) erschienen.    

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