Joseph Lambert

 4.3 Sterne bei 6 Bewertungen

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Sprechende Hände

Sprechende Hände

 (6)
Erschienen am 05.06.2015

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katzenminzes avatar

Rezension zu "Sprechende Hände" von Joseph Lambert

Interessante Biografie über zwei besondere Frauen
katzenminzevor einem Jahr

In dieser Graphic Novel illustriert Joseph Lambert das Leben der jungen Lehrerin Annie Sullivan. Ihre Schülerin ist die sechsjährige Helen Keller, die seit ihrem zweiten Lebensjahr taubblind ist. Schafft Annie es, dieses Mädchen, das nie sprechen lernen konnte mit Hilfe des Fingeralphabets aus seiner Isolation zu befreien und ihr die Welt verständliche zu machen?

Das Besondere an der Umsetzung von „Sprechende Hände“ ist nicht, dass sie besonders ästhetisch oder gestalterisch anspruchsvoll ist – beides ist sie meines Erachtens nämlich nicht. Sondern wie Lambert es schafft, den Leser in die Welt der taubblinden Helen einzuführen. Diese einfachen, groben, dunklen Bilder, die er dazu nutzt, haben mir an der Graphic Novel am besten gefallen. Sich als sehender, hörender und sprechender Mensch in Helens Situation hinein versetzen zu könne ist schon schwer genug. Lamberts Zeichnungen helfen dabei sehr!

Es geht aber nicht nur um die – vor allem zu Beginn fast aussichtslose - Zusammenarbeit von Annie und Helen. Auch aus Annie Sullivans Kindheit wird in Rückblicken erzählt. Wie sie nur mit ihrem Bruder im Armenhaus zwischen Kranken, Verrückten und Sterbenden lebte. Oder über ihre Schulzeit, in der das störrische und verletzliche Mädchen große Schwierigkeiten hatte, sich an Regeln und Vorschriften zu halten. Diese Rückblenden hätte Lambert allerdings deutlicher gestalterisch kennzeichnen können. Auf jeden Fall wird so deutlich, warum Annie so eine Wut und ein grundsätzlichen Misstrauen in sich trägt. Annies Geschichte macht ihre Beziehung zu Helen noch einmal mehr zu etwas besonderen.

Annie Sullivan war für mich aufgrund ihrer rauen Art keine durchweg sympathische Person, aber definitiv eine sehr interessante! Ihr Durchhaltevermögen und ihre Willensstärke sind beeindruckend und der Erfolg ihrer Schülerin, die bald neben dem Fingeralphabet auch Braille lesen, „richtig“ schreiben kann und mehrere Sprachen beherrscht, gibt ihr recht. Auch, dass Lambert teilweise den originalen Wortlaut aus Annies Briefen in die Geschichte einbaut oder den ersten Brief wiedergibt, den Helen geschrieben hat, hat mir sehr gefallen. Ein paar Hintergrundinfos zu Charakteren und Schauplätzen am Ende der Graphic Novel runden die Geschichte ab.

Insgesamt fand ich die Geschichte von Annie und Helen sehr sehr interessant. Auch ihre Beziehung ist rührend beschrieben. Kleiner Minuspunkt war für mich die etwas einförmige Umsetzung bei der vergangenes und aktuelles Geschehen nicht klar genug getrennt wurden. Wenn es um „Helens Welt“ geht habe ich an der Gestaltung rein gar nichts auszusetzen. Ein wenig mehr von dieser künstlerischen Freiheit hätte ich mir aber auch in der Welt der Sehenden gewünscht. Hier folgt fast ausschließlich Bild auf Bild auf Bild. Lambert kann definitiv mehr. An der interessanten Geschichte und der innovativen illustration der Welt eines blinden Mädchens ändert das aber nichts. "Sprechende Hände" ist eine gelungene Biografie, die Lust macht, sich ausführlicher mit Helen Kellen und Blindenbildung auseinanderzusetzen und das rechne ich Lambert hoch an.

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loveisfriendships avatar

Rezension zu "Sprechende Hände" von Joseph Lambert

Beeindruckender Einblick
loveisfriendshipvor 3 Jahren

Diese Graphic Novel erzählt auf berührende und bewegende Art die Lebensgeschichte der taubblinden Helen Keller und ihrer Lehrerin Annie Sullivan.

Einige Monate nach ihrer Geburt wird Helen Keller taubblind, sie sieht und hört nichts von ihrer Umgebung. Ihre Isolation äußert sich in unkontrollierbaren Wutanfällen, die Nachgiebigkeit ihrer Familie hilft ihr nicht weiter. Erst als die fast blinde Annie Sullivan als ihre Hauslehrerin angestellt wird, die genauso stur ist wie Helen und ebenso keine fröhliche Kindheit hinter sich hat, zeigen sich nach anfänglichen Konflikten Fortschritte.

Der steinige und mühsame Prozess, wie Helen sich mithilfe Annies zunehmend aus ihrer Abschirmung durch die Stille und Schwärze befreien und mit ihrer Umwelt in Kontakt treten, sich ihr begreifbar machen und die Welt erfahren kann, ihre Entwicklung wird hier einfühlsam, glaubhaft und nachvollziehbar von Joseph Lambert im Comicformat geschildert. Er hat die Thematik bildnerisch umgesetzt. Wenn er in Helens Wahrnehmung wechselt, sind die Bilder schwarz und man sieht nur die Konturen der Gegenstände und Personen als einfarbige Fläche, was ihre Abgrenzung zu der von anderen Menschen farbig und geräuschvoll erlebten Realität ausdrückt. Es wird nicht nur Helen beleuchtet, sondern auch das Leben Annie Sullivans, was ihre Wichtigkeit für die Entwicklung Helens unterstreicht. Auszüge aus tatsächlich verfassten Briefen Annies fließen ein, was einen authentischen Einblick in ihre Sicht ermöglicht. Es ist unglaublich spannend und ergreifend mitzuerleben, wie sich das Band zwischen Annie und Helen festig, Annie Zugang zu Helen findet und eine tiefe Verbundenheit zwischen den beiden entsteht. Anfangs begreift Helen nicht, dass die Wörter des Fingeralphabets die Welt beschreiben. Bis es bei ihr *klick* macht und sie wissbegierig immer mehr entdecken will und Vorstellungsvermögen für ihre Umwelt entsteht. Dies hat Lambert mit seinen Illustrationen einfühlsam eingefasst. Er hätte Helens Entwicklung nicht besser darstellen können.

Fazit: Mit „Sprechende Hände. Die Geschichte von Helen Keller“ hat Joseph Lambert einen eindrucksvollen und bereichernden Comic erstellt, der Verständnis und Einfühlungsvermögen fördert, und zeigt, wie Hindernisse überwunden werden können und wie viel möglich ist. Ich spreche eine klare Empfehlung für dieses künstlerisch hochwertige Werk aus, das Dir zwei historische, Mut-machende Persönlichkeiten näherbringt und einen beeindruckenden Einblick in das Leben einer taubblinden Person im späten 19. Jahrhundert gibt.

 

Auch zu lesen unter:

https://jubiwi.wordpress.com/2016/03/01/buchvorstellung-sprechende-haende/

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elane_eodains avatar

Rezension zu "Sprechende Hände" von Joseph Lambert

Rezension zu "Sprechende Hände" von Joseph Lambert (Graphik Novel)
elane_eodainvor 3 Jahren

INHALT: Alabama, 1887. Das Mädchen Helen ist seit ihrer früher Kindheit taubblind, sie lebt in Dunkelheit und Stille und kann nicht mit ihren Mitmenschen kommunizieren, sie zeigt wütendes und trotziges Verhalten.
Als Helen 6 Jahre alt ist, holen ihre Eltern Hilfe: Annie Sullivan, selbst an den Augen erkrankt, kommt als Hauslehrerin zu ihnen, um Helen zu unterrichten. Sie möchte Helen ein Fingeralphabet beibringen, um ihr so die Welt zu eröffnen. Eine anstrengende Arbeit, aber auch der Beginn einer lebenslangen Freundschaft …

GEDANKEN: Der Stoff, den Joseph Lambert in seiner Graphic Novel verarbeitet, beruht auf der wahren Geschichte von Helen Keller (Informationen bspw. auf wikipedia.de) und ihrer Lehrerin Anne Sullivan. Schon entweder taub oder blind zu sein, stellt die Betroffenen vor Herausforderungen und Probleme im Alltag, und auf beide Sinne nicht zurückgreifen zu können isoliert, damals wie heute. Doch es gibt Möglichkeiten, Betroffene zu befähigen aus dieser Isolation zu entkommen. Von einem solchen Beispiel erzählt „Sprechende Hände“.

Annie Sullivan, die Hauslehrerin, griff in der Arbeit mit Helen auf Erfahrungen und Gelerntes aus ihrer Zeit im Perkins-Institut für Blinde zurück. Sie wollte dem Mädchen die Welt eröffnen, indem sie Helen Gegenstände berühren ließ und ihr gleichzeitig mithilfe eines Fingeralphabets den Namen dessen in die freie Hand buchstabierte. Zunächst mit wenig Erfolg, doch dank ihrer Geduld und ihrer Konsequenz drang sie irgendwann zu Helen durch und konnte so einen hellwachen Verstand endlich nähren.

Beindruckend sind die Isolation und die "Eröffnung" der Umwelt in Bildern dargestellt. Ist es anfangs um Helen herum völlig schwarz, sogar sich selbst scheint sie nur schemenhaft wahrzunehmen, so nehmen Gegenstände um sie herum langsam Gestalt an, wenn sie sie berührt und ihren Namen durch die Finger der Lehrerin ertastet, wenn sie sie „ergreift“.


So kann das Mädchen immer mehr teilhaben, lernt Lesen und schreibt selbst Geschichten. Wegen einer dieser Geschichten geraten Helen Keller und ihre Lehrerin Annie Sullivan später in Bedrängnis, wodurch die Stärke ihrer Beziehung auf die Probe gestellt wird.

Mir gefallen Geschichte und Stil sehr gut, die bildliche Umsetzung von Helens Empfinden und Wahrnehmen ist großartig gemacht, wie ich finde.
Sprechende Hände“ war ein Zufallsfund im Comicladen meines Vertrauens und ich bin froh darüber die Lebensgeschichte der beiden starken Protagonistinnen so kennenglernt zu haben. Die Graphic Novel bildet zwar nur einen Ausschnitt davon ab, in einem Nachwort wird aber noch einmal auf die realen Personen und ihr Leben Bezug genommen.

Der junge Zeichner Joseph Lambert studierte am Center for Cartoon Studies. Für die ins Deutsche übersetzte Ausgabe seiner Geschichte zeichnete er die Hände der Figuren neu, damit die Gebärdensprache Sinn ergibt.

FAZIT: Die Isolation des Mädchens und der beschwerliche Weg aus der Isolation heraus sind von Joseph Lambert sehr gut bildlich dargestellt. Es eröffnet eine Sichtweise auf Helens Welt und auf die mühevolle Arbeit, die ihre Lehrerin geleistet hat. Eine Graphic Novel, die mich bereichert hat!

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