Joseph Mitchell

 3.7 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Joe Goulds Geheimnis, McSorley’s Wonderful Saloon und weiteren Büchern.

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McSorley’s Wonderful Saloon

McSorley’s Wonderful Saloon

 (3)
Erschienen am 19.02.2011
Old Mr. Flood

Old Mr. Flood

 (1)
Erschienen am 31.01.2015
Zwischen den Flüssen

Zwischen den Flüssen

 (0)
Erschienen am 06.03.2012
New York Reporter

New York Reporter

 (0)
Erschienen am 23.08.2013
Old Mr. Flood

Old Mr. Flood

 (0)
Erschienen am 30.05.2005
Le Merveilleux saloon de McSorley

Le Merveilleux saloon de McSorley

 (0)
Erschienen am 12.04.2016
My Ears Are Bent

My Ears Are Bent

 (0)
Erschienen am 08.07.2008

Neue Rezensionen zu Joseph Mitchell

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JimmySalarymans avatar

Rezension zu "Joe Goulds Geheimnis" von Joseph Mitchell

Eigentlich erzählt ...
JimmySalarymanvor 2 Jahren

Mitchell eine Geschichte zweier Männer - die von Joe Gould und die von sich selbst. 

Menschen wie Gould sind in der heutigen Zeit rar geworden. Sie werden in geschlossene Abteilungen gesteckt und mit Medikamenten vollgepumpt. Über ihre Lebensgeschichten und Erfahrungen möchten die meisten nichts wissen. Dieses Buch ist eine Zusammenfassung zweier Porträts, die Mitchell im New Yorker über Gould geschrieben hatte. Sie ergänzen sich, sind nicht redundant, sondern runden das Gesamtbild ab. Mitchell hat hier natürlich mehr als ein Porträt über einen Nomaden oder einen auf der Straße lebenden Exzentriker geschrieben. Er macht es sich nie einfach, bleibt immer auf Distanz, orientiert sich an Fakten (was zunehmend schwieriger wird) und verfasst alles in kühler, sachlicher Sprache. Mitchell lernt Gould als eine Art Gescheiterten kennen - einem Menschen, der sich trotz bester Voraussetzungen - wohlhabendes Elternhaus, Studium in Harvard, nie auf die Verheißungen der modernen Gesellschaft eingelassen hat. Gould lebt auf den Straßen, schnorrt sich durch, gehört nirgends dazu, ist sein eigener König, kommuniziert lieber mit Tauben als mit Menschen. Angeblich arbeitet er seit Jahren an seiner "Oral History", einer Art Enzyklopädie der Zeit. Dieser Text, "länger als die Bibel", soll bereits über mehr als zwanzigtausend Seiten verfügen, eine Melange aus Notizen, mitgehörten Gesprächen und eigenen Verschriftlichungen Goulds. Mitchell kann das alles sehr gut einsortieren, er recherchiert, berichtet über die teilweise enervierenden Gespräche mit Gould, der auch immer mehr zu einem Fixpunkt in Mitchells Leben wird, und über die zwei Gesichter - das eine einfühlsam und mitteilsam, sanftmütig und belesen, das andere krass, drastisch, exaltiert und wütend. Mitchell ist involviert, es sind intime Szenen, die er schildert, wenn Gould über Familie, insbesondere seinen Vater und seine Jugend spricht, aber er begeht nie den Fehler, fasziniert zu sein. Es wird nie anrührend, nie emotional, er erliegt auch nie der Verführung, den Leser irgendwie manipulieren zu wollen, was bei einer Figur wie Gould sicherlich sehr einfach gewesen wäre. Er bleibt immer Journalist, der sich auf der Suche nach Wahrheiten befindet, der ergründet und hinterfragt und sich auch im richtigen Moment zurückziehen kann. Was bleibt von Gould übrig, ist er ein vergessenes Genie, ist er ein Scharlatan, ein Hochstapler? Und ist das noch wichtig?


Im Laufe des Buchs wird die Auseinandersetzung mit Gould und seiner Oral History vertrackter, zäher, langsamer, und es wird auch immer mehr zu einer Auseinandersetzung zwischen Autor und der Person Gould, was alledem zugrunde liegt - das wird nie in aller Deutlichkeit ausgesprochen, aber der Leser spürt förmlich, wie es in Mitchell arbeitet, wie er um eine eigene Position ringt. Was im letzten Drittel des Buches dann folgt, ist an leiser Tragik, meisterhaft, neutral, knapp beschrieben, kaum mehr zu überbieten. 


Ein Buch, das für mich mehr Fragen als Antworten liefert. Heute werden Charaktere wie Gould in einer überhöhten, romantischen Folklore besungen und dargestellt, weil sie eben nicht mehr in unserer Selbstverständlichkeit, in unserer Realität vorkommen, das kann schnell zum Kitsch ausarten. Mitchell hatte es allerdings mit einer Echtheit, einer Leibhaftigkeit zu tun, mit den alten Fragen nach den Grenzen von Fiktion und Fakt - er hat stellvertretend auch eine Geschichte über nicht erzählte Geschichten geschrieben, über die Lebensgeschichten der Vergessenen nämlich, die sich weder dem Zwang zum sozialen Aufstieg verschworen noch als Konsument in einer bunten, allumfänglichen Warenwelt taugen. 


 

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JohannesGroschupfs avatar

Rezension zu "McSorley’s Wonderful Saloon" von Joseph Mitchell

Meisterhafte Reportagen
JohannesGroschupfvor 5 Jahren

Joseph Mitchells Revier war das New York der 30er, 40er und 50er Jahre, und heute noch gilt er als der beste Reporter, der je für den „New Yorker“ schrieb. Seine Liebe galt den Kaschemmen in der Bowery und am alten Hafen, den Lebensentwürfen der Tagediebe und Habenichtse. „Mein Thema waren nicht die kleinen Leute“, sagte er, „sie sind so groß wie du und ich, ganz egal wer wir sein mögen“.

Mitchell schreibt knapp und präzis. Seine Reportagen, aus denen eine Auswahl nun endlich, elegant übersetzt von Sven Koch und Andrea Stumpf, auch auf Deutsch vorliegt, sind getragen von einem schwarzen Humor, der auf jegliche Wertung verzichtet, und von einer Wertschätzung seiner Gegenüber, die diese niemals bloßstellt.

Mit wenigen Worten führt Mitchell ins McSorley’s, die älteste Bar der Stadt, ein: „Es ist eine ruhige Kneipe; der Barmann macht keinen unnötigen Handgriff, die Gäste halten sich an ihren Ale-Gläsern fest und die drei Uhren an den Wänden können sich schon seit Jahren nicht auf eine gemeinsame Zeit einigen.“ Am Ende der Beschreibung meint der Leser, die ganze Belegschaft der Bar zu kennen, bis hin zu Minnie, der faulen Katze, die in der Kohlenschütte neben dem Ofen schläft.

Mitchell war nicht nur ein genauer Beobachter, sondern vor allem ein begnadeter Zuhörer, der seine Figuren oft seitenlang zu Wort kommen lässt und ihnen in die feinsten Verästelungen ihrer Logik folgt. Zum Verhängnis wurde Mitchell die langjährige Bekanntschaft mit dem Schnorrer und Bohemien Joe Gould, der angeblich an einem riesigen Werk schrieb, einer Mitschrift aus 20 000 Gesprächen, die er auf seinen Streifzügen durch die Stadt aufgeschnappt hatte. Das ominöse Werk, in zahllosen Kladden voller Kaffee-, Fett- und Bierflecken, neunmal so lang wie die Bibel, fand nie einen Verlag.

Sieben Jahre nach Goulds Tod lüftete Mitchell dessen Geheimnis – und verstummte. Die nächsten 31 Jahre und sechs Monate kam er fast täglich zur Arbeit, aber er veröffentlichte keine einzige Zeile mehr. Mitchell starb 1996. Das McSorley’s gibt es übrigens heute noch: 15 East 7th Street.

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JohannesGroschupfs avatar

Rezension zu "McSorley’s Wonderful Saloon" von Joseph Mitchell

Meisterwerke des literarischen Journalismus
JohannesGroschupfvor 5 Jahren

Joseph Mitchell war ein höflicher, unauffälliger Mann mit Anzug, Filzhut und einer Schwäche für Herumtreiber, Trunkenbolde, Exzentriker, Schausteller, Straßenprediger und Schwadroneure. Sein Revier war das New York der 30er, 40er und 50er Jahre, und heute noch gilt er als der beste Reporter, der je für den „New Yorker“ schrieb. Seine Liebe galt den Kaschemmen in der Bowery und am alten Hafen, den Lebensentwürfen der Tagediebe und Habenichtse. „Mein Thema waren nicht die kleinen Leute“, sagte er, „sie sind so groß wie du und ich, ganz egal wer wir sein mögen“.

Mitchell schrieb knapp und präzis. Seine Reportagen, aus denen eine Auswahl nun endlich, elegant übersetzt von Sven Koch und Andrea Stumpf, auch auf Deutsch vorliegt, sind getragen von einem schwarzen Humor, der auf jegliche Wertung verzichtet, und von einer Wertschätzung seiner Gegenüber, die diese niemals bloßstellt.

Mit wenigen Worten führt Mitchell ins McSorley’s, die älteste Bar der Stadt, ein: „Es ist eine ruhige Kneipe; der Barmann macht keinen unnötigen Handgriff, die Gäste halten sich an ihren Ale-Gläsern fest und die drei Uhren an den Wänden können sich schon seit Jahren nicht auf eine gemeinsame Zeit einigen.“ Am Ende der Beschreibung meint der Leser, die ganze Belegschaft der Bar zu kennen, bis hin zu Minnie, der faulen Katze, die in der Kohlenschütte neben dem Ofen schläft.

Mitchell war nicht nur ein genauer Beobachter, sondern vor allem ein begnadeter Zuhörer, der seine Figuren oft seitenlang zu Wort kommen lässt und ihnen in die feinsten Verästelungen ihrer Logik folgt. So setzte er Mazie ein Denkmal, der resoluten Kartenverkäuferin eines heruntergekommenen Kinos, die tagsüber die schnarchenden Gäste aus dem Publikum scheuchte, nach Mitternacht aber die Penner auf der Straße mit Decken, Seife und Lebensmitteln versorgte.

Er besuchte Arthur Colborne, den Gründer und Vorstand eines Vereins gegen das Fluchen („Sie werden es kaum glauben, aber die Frauen sind noch schlimmer als die Männer“) und porträtierte den extravagantesten Bettler New Yorks, der nicht Almosen nahm, sondern Beiträge kassierte: „Commodore Dutch ist ein schnoddriger kleiner Mann, der in den letzten vierzig Jahren seinen Lebensunterhalt damit verdient hat, dass er jährlich einen Ball zu seinen Gunsten veranstaltet.“ Lady Olga hingegen hat sich ihr Leben lang auf Jahrmärkten ausstellen lassen: „Miss Barnell ist eine Bartfrau. Ihr dichter, krauser Bart ist heute fast fünfunddreißig Zentimeter lang, so lang wie noch nie. Seit er ergraut ist, trägt sie ihn nach alttestamentarischer Art ungestutzt.“

Mitchell schrieb eine fast ethnologische Studie über die Mohawks im Stahlbau, Indianer, die als Bauarbeiter auf Brücken und Wolkenkratzern stets begehrt – da schwindelfrei – waren, und mit akribischer Geduld schildert er die Betrugsmasche, mit der alte Wahrsagerinnen ihren Kundinnen das Geld aus der Tasche zogen. Zum Verhängnis wurde Mitchell die langjährige Bekanntschaft mit dem Schnorrer und Bohemien Joe Gould, der angeblich an einem riesigen Werk schrieb, einer Mitschrift aus 20 000 Gesprächen, die er auf seinen Streifzügen durch die Stadt aufgeschnappt hatte. Seinen Ehrentitel „Professor Möwe“ verdankte er der Behauptung, die Sprache der Möwen zu verstehen und selbst zu sprechen, was er auf Partys gern unter Beweis stellte. Das ominöse Werk, in zahllosen Kladden voller Kaffee-, Fett- und Bierflecken, neunmal so lang wie die Bibel, fand nie einen Verlag. Sieben Jahre nach Goulds Tod lüftete Mitchell dessen Geheimnis – und verstummte. Die nächsten 31 Jahre und sechs Monate kam er fast täglich zur Arbeit, aber er veröffentlichte keine einzige Zeile mehr. Mitchell starb 1996. Das McSorley’s gibt es übrigens heute noch: 15 East 7th Street.   

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Joe Goulds Geheimnis Autor: Joseph Mitchell (New Yorker Autor, aber schon vor 30 Jahren geschrieben) * Ich bin auf das Buch über die »Rory Liste« gestoßen, also den gelesenen Büchern von Rory aus »Gilmore Girls«. Mir hat das Buch super gefallen, allerdings scheint es keine weiteren »deutschen« Werke des Autors zu geben, weiß da jemand mehr?
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