Joseph Roth

 4,1 Sterne bei 769 Bewertungen
Autor von Hiob, Radetzkymarsch und weiteren Büchern.
Autorenbild von Joseph Roth (©Gemeinfrei)

Lebenslauf

Joseph Roth wurde im September 1894 in Brody, damaliges Österreich-Ungarn, geboren. Er verlor seinen Vater sehr früh und wuchs daher nur bei seiner Mutter auf. Roth erhielt Violinunterricht und besuchte das Kronprinz-Rudolf-Gymnasium, das er als einziger Jude mit dem Matura abschloss. Er studierte in Lemberg, der Hauptstadt Galiziens, siedelte jedoch früh nach Wien um, da in Lemberg Polnisch als Unterrichtssprache eingeführt wurde und Roth deutschsprachig erzogen wurde. Er bewohnte dort eine Wohnung mit seiner Mutter, die vor dem Ersten Weltkrieg aus Brody geflohen war. Durch sein sehr erfolgreiches Studium der Germanistik und mehreren Hauslehrerstellen konnte sich Roth bald sehr gut selbst finanzieren. 1916 meldete Roth sich freiwillig zum Militärdienst und stand im Spalier der Soldaten entlang des Beerdigungszuges von Kaiser Franz Joseph I., was ihn sehr bewegte. Während und nach seinem Militärdienst schrieb er Artikel für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen. 1920 zog Roth nach Berlin und arbeitete auch dort für verschiedene Zeitungen, bald auch für die "Frankfurter Zeitung", für die er viele Ostländer bereiste und darüber berichtete. Am Tag von Hitlers Machtergreifung verließ Roth Deutschland und emigrierte zuerst nach Paris, später nach Nizza. Mit Roths Gesundheitszustand ging es bergab. 1939 wurde er nach einem Zusammenbruch in das Armenhospital Hôpital Necker eingeliefert, wo er am 27. Mai an einer doppelseitigen Lungenentzündung starb. Joseph Roth wurde am 30. Mai 1939 in Paris beerdigt.

Neue Bücher

Cover des Buches Werke (ISBN: 9783835357853)

Werke

Neu erschienen am 25.03.2026 als Gebundenes Buch bei Wallstein Erfolgstitel - Belletristik und Sachbuch.
Cover des Buches Klassiker / Hiob (ISBN: 9783565308446)

Klassiker / Hiob

Neu erschienen am 10.03.2026 als Taschenbuch bei epubli.

Alle Bücher von Joseph Roth

Cover des Buches Hiob (ISBN: 9783520862013)

Hiob

(210)
Erschienen am 28.05.2018
Cover des Buches Radetzkymarsch (ISBN: 9783843059572)

Radetzkymarsch

(133)
Erschienen am 01.06.2016
Cover des Buches Hotel Savoy (ISBN: 9783866721135)

Hotel Savoy

(49)
Erschienen am 05.01.2018
Cover des Buches Die Kapuzinergruft (ISBN: 9783902950376)

Die Kapuzinergruft

(47)
Erschienen am 24.08.2015
Cover des Buches Die Legende vom heiligen Trinker (ISBN: 9783746715148)

Die Legende vom heiligen Trinker

(42)
Erschienen am 09.04.2018
Cover des Buches Das Spinnennetz (ISBN: 9783866721173)

Das Spinnennetz

(29)
Erschienen am 03.04.2018
Cover des Buches Beichte eines Mörders (ISBN: 9788026823438)

Beichte eines Mörders

(21)
Erschienen am 24.09.2014
Cover des Buches Das falsche Gewicht (ISBN: 9783150188644)

Das falsche Gewicht

(22)
Erschienen am 01.06.2013

Neue Rezensionen zu Joseph Roth

Cover des Buches Hiob (ISBN: 9783865392268)
gsts avatar

Rezension zu "Hiob" von Joseph Roth

gst
Wenn das Leben nicht so läuft wie gewünscht

Moses Joseph Roth (* 2. September 1894 † 27. Mai 1939) stammte aus einem bürgerlichen Elternhaus galizischer Juden. Er galt als einer der wichtigsten deutschsprachigen Erzähler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Roman „Hiob“, dessen Hauptfigur Mendel Singer heißt, spielt in der Zeit von 1894 bis 1919 und beschreibt den Leidensweg des jüdisch-orthodoxen Toralehrers. Diverse Schicksalsschläge erschüttern seine Frömmigkeit und stellen seinen Glauben an Gott auf eine harte Probe. 

Hiob war mein erster Roman von Joseph Roth. Die für den heutigen Geschmack altmodische Sprache hat mich sofort für sich eingenommen. Gespannt verfolgte ich Mendels Entsetzen über den Verlauf seines Lebens. Vier Kinder hatte er, drei Söhne und eine Tochter. Der Jüngste hieß Menuchim und entwickelte sich nicht so, wie erhofft. Auf der Suche nach Hilfe schwand die Liebe zwischen den Eltern. Ein Rabbi versprach der Mutter, dass er eines Tages ganz groß heraus käme. Das erlebte sie aber nicht mehr.
Die Familie wanderte nach Amerika aus und ließ das kranke Kind bei einem jungen Ehepaar, das dafür das Haus der Singers bekam. Das amerikanische Glück hielt nicht lange an, der eine Sohn wurde als verschollen gemeldet, der andere fiel im Krieg. Und die Tochter wurde verrückt. Allein Menuchim, der in Galizien geblieben war, erfüllte die Prophezeiung des Rabbis: Er mutierte zum musikalischen Wunderkind und brachte Mendel zum Glauben zurück. 

Wie bereits der Titel andeutet, lehnt Roth seinen Roman an die Bibel an. Wie im Alten Testament nachzulesen ist, lässt Gott Hiob trotz seines Glaubens sehr leiden, ehe er für seine Treue belohnt wird. Gleichzeitig knüpft er an die Josephsgeschichte an. Die Geschwister beneiden Menuchim, der wegen seiner Krankheit von den Eltern die meiste Liebe bekommt. Doch schlussendlich ist er derjenige, der seinen Vater wieder aufbaut.  

Meine anfängliche Begeisterung für den Roman wurde durch Mendels Verzweiflung etwas getrübt. Sein ständiges Jammern über das Nachlassen der ehelichen Freude und der Ablehnung seiner ehemals geliebten Frau gefielen mir gar nicht. Auch fand ich seine durchaus zu der Zeit übliche strenge Haltung gegenüber seinen Kinder aus heutiger Sicht übertrieben. Auf der anderen Seite wurde der jüdische Alltag deutlich, ich erfuhr so manches über jüdische Rituale. 


Fazit: Ein lesenswerter Roman aus vergangenen Zeiten

Cover des Buches Hotel Savoy (ISBN: 9783866721135)
Johanna_Bes avatar

Rezension zu "Hotel Savoy" von Joseph Roth

Johanna_Be
Ein Gesellschaftspanorama der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg

Zwischendurch ein Klassiker. 

Ein früher Roth (1924 geschrieben und veröffentlicht), aber schon sein Lebensthema: der Untergang einer Epoche. Gabriel Dan kommt aus der russischen Kriegsgefangenschaft. Er strandet im Hotel Savoy, einer ganz eigenen Welt, einem Mikrokosmos. In den oberen Etagen wohnen die, die nichts haben. Die, die im Varieté arbeiten und ihre Koffer an den Liftboy verpfänden, wenn sie die Rechnung nicht mehr zahlen können. Die, die sich bei Gelegenheitsarbeiten ein paar Zloty verdienen und eigentlich die Revolution ausrufen wollen, Die, die auf dem Schwarzmarkt mit Valuta handeln, geträumte Glückslosnummern verkaufen und auf den Milliardär aus Amerika warten, das personifizierte Glücksversprechen. Weiter unten im Hotel gehen die Uhren in den Gängen langsamer, denn da wohnen die Reichen, die, die Zeit haben. Reichtum und Armut auf engstem Raum.

Erzählt wird aus der Perspektive des jüdischen Kriegsheimkehrers Gabriel. Er ist heimatlos, will nach Westen, vielleicht zurück in die Leopoldstadt, obwohl er dort niemand mehr hat. Vorerst bleibt er aber im Hotel hängen, verliebt sich, macht kleine Geschäfte. 

Ein Gesellschaftspanorama der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Ganz wenig Handlung, viele farbige Charakterskizzen, viel szenisches Erzählen. Und vor allem eine so schöne Sprache.

„Es ging ihnen schlecht, den Menschen. Das Schicksal bereiteten sie sich selbst und glaubten, es käme von Gott. Sie waren gefangen in Überlieferungen, ihr Herz hing an tausend Fäden, und ihre Hände spannen sich selbst die Fäden. Auf allen Wegen ihres Lebens standen die Verbotstafeln ihres Gottes, ihrer Polizei, ihrer Könige, ihres Standes. Hier durften sie nicht weitergehn und dort nicht bleiben. Und nachdem sie so ein paar Jahrzehnte gezappelt, geirrt hatten und ratlos gewesen, starben sie im Bett und hinterließen ihr Elend ihren Nachkommen.“

Nicht ganz so eindrucksvoll wie der „Radetzkymarsch“, aber allemal lesenswert.

Cover des Buches Die Beichte eines Mörders (ISBN: 9783988280909)

Rezension zu "Die Beichte eines Mörders" von Joseph Roth

Ein LovelyBooks-Nutzer
Kein sehr gefälliges Werk

Dieses Buch hätte ich glatt für eine noch sehr frühe Entwicklung des Autors gehalten, in der sich sein eigentlich sehr blumiger Erzählstil quasi noch in der Anfangsphase befindet. Dem ist jedoch nicht so, eher gehört es schon zu den letzten Lebenszeichen des Autors. Ich persönlich habe besonders die wunderbar bildhaften Vergleiche, wie Roth sie in "Radetskymarsch" gleichsam auf die Seiten gemalt hat, vermisst. Zwar kommen sie vor, allerdings spärlich gesät. Golubtschik, der Protagonist und vermeintliche Mörder, entzaubert sich und seinen Lebenswandel als Spion des Zaren in einer einzigen, atemlosen Nacht selbst. Sein Charakter ist schwierig und baut sich aus einem Minderwertigkeitsgefühl heraus auf, das er sich als Kuckukskind eines Fürsten im Grunde selbst auferlegt. Dementsprechend konstruiert wirkt sein weiterer Werdegang, Rachegedanken sind im Prinzip sein einziger Antrieb. Die Lektüre gestaltet sich mitunter anstrengend und am Ende ist man als LeserIn vermutlich froh, dass das Werk nicht mehr Seiten umfasst. Interessant ist der Einblick in eine Epoche der Veränderung, doch die Identifizierung mit dem Protagonisten oder dem Erzähler ist nicht darauf angelegt, zu gefallen.

Gespräche aus der Community

Ab 5. Februar 2024 lesen wir - jede/r mit eigenem Exemplar - Joseph Roths bekanntesten Roman

281 Beiträge
Nosimis avatar
Letzter Beitrag von  Nosimi
Ich glaube, ich habe noch nie so ein tief trauriges Buch gelesen.

Ja mir fällt spontan jetzt auch nicht unbedingt ein anderes derartig trauriges Buch ein. Da Stimme ich dir zu.

Ab 5. Januar 2024 lesen wir gemeinsam - jede/r mit eigenem Exemplar - Joseph Roths kurzen Roman.

250 Beiträge
Nosimis avatar
Letzter Beitrag von  Nosimi

Es gibt ja noch dir vermögenden Gäste in den unteren Etagen! Da hatte ich such von einigen den Eindruck,.dass sie schon lange dort wohnen.

Zusätzliche Informationen

Joseph Roth wurde am 01. September 1884 in Brody (Österreich) geboren.

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