Joseph Roth Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht

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Inhaltsangabe zu „Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht“ von Joseph Roth

Der neunte Band der Joseph Roth-Edition bei dtv.Erstmals bei dtv: In einem russischen Emigrantenlokal in Paris erzählt der ehemalige Spitzel Semjon Golubtschik seine Lebensgeschichte, berichtet von Leidenschaft, Rache und Mord. Ein Meisterstück über das Ausgeliefertsein und die fatalen Verstrickungen eines Menschen, der sich nach Liebe sehnt.

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  • Ein großes Stück Literatur, damals wie heute

    Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht

    Makollatur

    02. March 2016 um 14:28

    Kaum ein Autor der deutschsprachigen Literatur hat durch sein Werk zu seinen Lebzeiten so viel Aufmerksamkeit und Bekanntheit erlangt wie der aus Galizien stammende Joseph Roth. Und kaum einer ist heute so wenig präsent im literaturhistorischen Diskurs wie eben dieser große kleine Mann. Das erzählerische Werk Roths kann gar nicht hoch genug gepriesen werden; allein durch die Wahl seiner Stoffe und seinen ausdrücklich sachlichen und klaren Stil besticht das Gesamtwerk des in ärmlichsten Verhältnissen im Paris des Jahres 1939 verstorbenen Literaten. Mit „Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht“ liefert der Autor einen Roman, der vor allem durch seine psychologische Diktion besticht. Aus der Sicht eines unehelichen Sohnes des russischen Fürsten Krapotkin wird dessen beinahe manisch anmutender Kampf um die Anerkennung als rechtmäßiger Namensträger geschildert. Da es ihm aber strikt untersagt ist, sich Krapotkin nennen zu dürfen, weicht er, unterstützt durch einen halbseidenen Mentor, auf eine Stelle als Geheimpolizist aus, um seinem Ziel näher zu kommen. Ausgestattet mit sämtlichen Privilegien eines Spitzels, begibt sich Golubtschik, so der Name des Erzählers, im Gefolge eines Modemachers und seiner Models nach Paris. Als Tarnung wählt er den Namen Krapotkins, um als falscher Adliger die Vorteile dieses Standes genießen zu können. Zu aller Unglück verliebt sich Golubtschik in ein Mannequin und versucht eifersüchtig, ihrer vollends habhaft zu werden. Verstärkt wird dieser Drang noch durch den Umstand, dass sich kein anderer als ein weiterer Sohn des Fürsten Krapotkin sehr erfolgreich um das Model, Lutetia, bemüht. Schließlich eskaliert die Situation in einem Pariser Zimmer, in der sich der echte Sohn des Fürsten und das Model aufhalten. Golubtschik gerät in Raserei und schlägt mehrfach äußerst brutal auf das Paar ein. In der Annahme, er habe sie getötet, verlässt er überstürzt das Zimmer und sucht Zuflucht in einer Pariser Kneipe. Hier schließlich erzählt er einer kleinen Schar von Milchbrüdern seine Lebensgeschichte, gleichsam Beicht und Rechtfertigung in einem. Jedoch macht er dabei nicht allein sich für die Tat verantwortlich, sondern gibt auch dem gleichsam teuflischen Wesen der Frauen als auch der Familie Krapotkin eine Mitschuld am Geschehenen. Auch sein Mentor und überhaupt die äußeren Umstände trieben den armen Sohn einer Förstersfrau in die verhängnisvollen Arme des Schicksals. Der Text wirft hier gekonnt die Frage auf, welche Schuld Golubtschik letztlich an dem gewaltsamen Übergriff hat. Und damit, insgesamt, wie sehr sich Menschen in ihren Handlungen von äußeren Umständen treiben lassen. Vor dem Hintergrund der zur Zeit der Erscheinung des Buches bereits fest installierten Gewaltherrschaft der Nazis in Deutschland keine uninteressante Frage. Auch wird das Verhältnis von Mann und Frau im Kontext einer wilden, oberflächlichen Liebe beleuchtet. Freilich sehr zuungunsten der Frauen, die für den Erzähler nicht weniger als seinen persönlichen Untergang symbolisieren. Es wird deutlich, dass Golubtschik in einer extremen Form von der Oberflächlichkeit und dem flüchtigen Glanz eines adligen Lebens angezogen wird. Um so mehr, als er sich selbst diesem Adel zugehörig fühlt. In der Figur des Getriebenen, des zu allen Mitteln greifenden Geheimpolizisten Golubtschik entwirft Roth gleichzeitig aber auch das Bild des Menschen seiner Zeit. Von Parolen, Uniformen und dem Gefühl einer Übermacht gegenüber anderen ethnischen Gruppen verleitet, drängt die Bevölkerung einer Ideologie zu, die in ihrem Innern aber einen ganz anderen, gleichsam zerstörerischen Kern besitzt. Das, was hoffnungsvoll zu erreichen und zu erkämpfen gilt, sei es die Liebe einer Frau, sei es die Anerkennung des Vaters, oder die Zugehörigkeit zu einer ideologischen Gemeinschaft, trägt in sich das Moment der Vernichtung und Zerstörung der bisherigen Ordnung. Damit ist die „Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht“ nicht nur ein großes erzählerisches Werk, sondern auch eine Reflexion der alltäglichen Geschehnisse, welche den Exilanten Roth in seiner Wahlheimat Paris an der Vernunft der Menschheit zweifeln ließen. Vollkommen zu Unrecht wird Joseph Roth in der modernen Literaturlandschaft kaum beachtet, dabei sind seine Bücher viel eher dazu geeignet, moderne Prozesse der Meinungsbildung und –findung in der Gesellschaft zu erklären, als es bei zeitgenössischen Autoren oftmals der Fall ist.

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