Joseph Roth Die Geschichte der 1002. Nacht

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Inhaltsangabe zu „Die Geschichte der 1002. Nacht“ von Joseph Roth

Wien um 1880: Der persische Schah besucht die Hauptstadt. Gelangweilt von seinen Haremsdamen verlangt er die verheiratete Gräfin W. als Gespielin für eine Nacht. Ein moralisches und diplomatisches Dilemma, für das der anwesende Baron von Taittinger zum Glück eine Lösung kennt: Er lässt die Prostituierte Mizzi Schinagl, die der Gräfin stark ähnelt, fürstlich ausstaffieren und präsentiert sie dem persischen Herrscher. Der Schah ist zufrieden, das Problem scheint gelöst, doch die 1002. Liebesnacht der Prostituierten bleibt nicht ohne skandalöse Folgen. Gustl Weishappel liest Roths fesselnden Roman, der die Doppelmoral seiner Zeit gekonnt unter die Lupe nimmt. Ungekürzte Lesung mit Gustl Weishappel 1 mp3-CD | 7 h 20 min

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  • Rezension zu "Die Geschichte von der 1002. Nacht" von Joseph Roth

    Die Geschichte der 1002. Nacht

    Günter Landsberger

    21. February 2011 um 12:30

    Joseph Roth - Die Geschichte von der 1002. Nacht. Gelesen von Michael Heltau. Diese Box enthält 8 CDs. Eine erotische Komödie. (Diogenes) - Diese Ankündigung führt ein wenig auf eine falsche Fährte. Die Rückseite der Box präzisiert zu Recht: „Die erotische Komödie kippt in tödlichen Ernst.“ Eine Joseph-Roth-Hörbibliothek ist bei Diogenes Hörbuch im Entstehen begriffen. Einiges ist schon erschienen („Hotel Savoy“, „Das falsche Gewicht“, „Die Legende vom heiligen Trinker“, „Radetzkymarsch“, „Die Kapuzinergruft“, „Die Geschichte von der 1002. Nacht“), anderes er­scheint noch in diesem Jahr („Tarabas“, „Hiob“, „Triumph der Schönheit“/ „Der Leviathan“). Nam­hafte Sprecher sind dafür gewonnen worden: Peter Matic, Mario Adorf, Hans Korte, Josef Lorenz, Senta Berger, Peter Simonischek und Michael Heltau, der nach dem berühmtesten und vielleicht besten Roman Roths, „Radetzkymarsch“, nun auch Roths vorletzten und bei Lebzeiten zuletzt veröffentlichten Roman „Die Geschichte von der 1002. Nacht“ als Hörbuch gestaltet hat. Wenn man Roths Roman nicht kennt, kann man ihn - auf diese Weise gelesen - gut kennenlernen. Weil das Rothsche Erzählen dem mündlichen Erzählen durchaus noch nah ist, – und zwar sogar ziemlich genau zu dem Zeitpunkt, da Walter Benjamin klagt, dass das Erzählen unter den Be­dingungen der modernen Welt an ein Ende geraten sei, während er (W. B.) beinahe nostalgisch auf das Erzählwerk von Nikolai Lesskow zurückblickt -, mag sich dieses Rothsche Erzählen dem Medi­um Hörbuch bei kongenialen Erzähl-Sprechern heutzutage geradezu anbieten. Wer den österrei­chischen Tonfall beim Lesen selber noch gut im Ohr hat und die Abtönungen schon von sich aus auch im Stillen mitzulesen vermag, wird ein derartiges, von Michael Heltau sprachlich gestaltetes Hörbuch nicht unbedingt brauchen. Jene aber, die der (alt)österreichischen Schattierungen nicht ganz so mächtig sind, werden diese Romane in Hörbuchform dankbar als ohrenöffnend begrüßen. Michael Heltau hat dabei die Entscheidung getroffen, dass der Erzählduktus durchgängig österrei­chisch timbriert zu sein habe, auch da, wo Joseph Roth vom Wortlaut her grundlegend hochdeutsch schreibt. Allerdings ist dieses Hochdeutsch auch bei Roth selber immer wieder von typisch österrei­chischen Ausdrücken durchsetzt, so dass der Übergang zur leisen Dialektfärbung plausibel er­scheint, zumal es Michael Heltau durchweg gelingt, die Nuancen auch des von Roth stellenweise direkt vorgegebenen kräftigeren Dialekts dagegen abzuheben. Leuten, die ähnlich wie ich schon seit langem eingeschworene Roth-Leser sind, vermag eine der­artige, sich Zeit lassende und den Originaltext erfreulich ernst nehmende Romanlesung wieder Lust zu machen auf die eigene Lektüre und das eigene Verstehen-Wollen. Andere mögen durch diese gut verstehbare Lesung auf den Geschmack kommen. Ja, und was passiert denn in diesem Roman des Exils mit dem seltsamen, an Tausendundeine Nacht und die gegen den drohenden Tod anerzählende Scheherezade erinnernden Titel? Mit dem Titel, der sich anders als der Hofmannsthalsche des „Märchen(s) der 672. Nacht“ außerhalb der orientalisch vorgegebenen 1001 hält und fast schon zur Tausendunddrei, dem „mille tre“ der Leporelloschen Registerarie aufschließt? In einem Bildband zu Joseph Roths Leben und Werk habe ich folgende kurze Inhaltsangabe gefunden, die den Vorteil hat, dass sie gute Aufschlüsse gibt und doch nicht allzuviel verrät: „Das Wien der Gründerzeit ist der Schauplatz turbulenter Ereignisse um einen Be­such des Schahs von Persien. Eine Intrige zur Erfüllung der frivolen Wünsche des Potentaten stellt alle Beteiligten zunächst zufrieden. Langfristig gesehen offenbart sich jedoch sein Geschenk an die Geliebte einer Nacht als eine Büchse der Pandora, die den in die „persische Geschichte“ verstrick­ten Personen nach Wechselfällen des Glücks Kriminalität und Tod bringt.“ (Heinz Lunzer & Victo­ria Lunzer-Talos: „Joseph Roth“, Köln 1994, S. 247)

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  • Rezension zu "Die Geschichte von der 1002. Nacht" von Joseph Roth

    Die Geschichte der 1002. Nacht

    HeikeG

    12. August 2008 um 12:43

    Die verruchten Perlen des Orients Der Schah von Persien macht während seines Besuchs in der Donaumetropole Wien einer Dame der Gesellschaft ein unmoralisches Angebot. "Die Geschichte von der 1002. Nacht" ist ein Buch, das an den berühmten gleichnamigen Film mit Robert Redford und Demi Moore erinnert, nur das es über fünfzig Jahre früher geschrieben wurde und mit Sicherheit keine "Goldene Himbeere" - mit der der Film in drei Kategorien "ausgezeichnet" wurde - verdient hat. Der Diogenes Verlag hat es im Rahmen seiner Joseph Roth-Reihe mit einem großartigen Michael Heltau vertonen lassen. Als der Autor 1939 seinen letzten Roman schreibt, ein Buch zwischen Märchen und Desillusion, hat er sein Leben bereits hinter sich. Hoffnungslos und sturzbetrunken, wie immer in letzter Zeit, kann man den emigrierten, heimatlosen, jüdischen Romancier aus Galizien in Paris auf dem Rinnsteig hocken sehen. Seinem Kollegen Walter Mehring, der ihn in diesem erbärmlichen Zustand von der Straße aufliest, antwortet er auf dessen Feststellung, dass er sich auf Grund seines exorbitanten Alkoholkonsums ruinieren würde, nur: "Und warum trinken Sie nicht, Mehring? Glauben Sie, dass Sie davonkommen werden? Auch Sie werden zugrunde gehen." Kurze Zeit später ist Roth tot. Zum letzten Mal ist dem Meister der Sprache ein großartiges Werk gelungen. Warum es bis dato kaum bekannt ist, ist eigentlich nicht nachvollziehbar. "Mit Menschenkenntnis, Sprachgewalt und echter, liebesgieriger Verzweiflung schafft Roth die stummen Tragödien der schlichten Herzen, die intelligente Poesie im Dasein der Einfältigen, das wundervolle Leben der Leute von der Straße, in den abgelegenen kleinen Städten. Er malt einen alt-österreichischen Exotismus, eine Art von verschollenem und märchenhaftem Wild-Ost.'' findet Roth-Kenner Hermann Kesten die treffenden Worte. Dem Tod die Tür geöffnet Der Titel und die Rahmenhandlung seines letzten Buches muten märchenhaft an und wecken Assoziationen an die berühmte Sammlung aus dem Orient. Doch was so zauber- und mythenhaft beginnt, endet alles andere als romantisch, sondern eher irreal und desillusioniert. Der Schah von Persien - seines Harems und dessen 365 Frauen überdrüssig -, verspricht sich im Kaiserreich der Habsburger Abwechslung. "Alle Freuden, die ihm das Geschlecht der Frauen gewähren konnte, hatte er ja bereits genossen. Ihm fehlte nur noch eins: der Schmerz, den nur die Einzige bereiten kann." Auf einem ihm zu Ehren gegebenen Ball findet die Gräfin W. sein ausnehmendes Interesse. Er bedingt sich ihre "Anwesendheit" für eine Nacht aus, was jedoch der Moral im Lande keineswegs entspricht. Rittmeister Taittinger, Vertreter des österreichischen Militärs, weiß die höchste Peinlichkeit gerade noch abzuwenden. Eine ehemalige Geliebte - Mizzi Schinagl, die mittlerweile im "professionellen Rotlichtmilieu" ihr Dasein fristet und mit der er ein uneheliches Kind hat -, sieht der Gräfin W. verblüffend ähnlich. Die Mogelpackung fliegt nicht auf, offenbart sich jedoch als eine Büchse der Pandora. Zwar findet man Mizzi noch mit einer sündhaft teuren Perlenkette ab, aber fortan geht es bergab, mit allen, die in dieses unsaubere Geschäft involviert waren. Das Bordell verliert nach und nach seine Kundschaft, Mizzi landet im Frauengefängnis und der Rittmeister wird unehrenhaft entlassen. Die schöne Scheherazade hat nach 1001 Nacht mit ihren Geschichten den wilden Sultan gezähmt und ihren Tod abgewendet, Joseph Roth jedoch lässt ihn in der 1002. hinein. Der Autor hat mit seinem letzten Roman erneut ein für ihn so typisches Werk geschrieben. Ein Buch, das jede Menge tiefer Verstrickungen deutlich werden lässt, die jenseits der so genannten angeblichen Moral, in einer frivolen Welt verkommener Eleganz liegen. Er erzählt von Menschen, ihren Träumen, Sehnsüchten, Nöten, aber auch ihren Fehlern, Makeln sowie den daraus erwachsenden Selbstlügen und einer großen Verlorenheit: "Verloren, Herr Baron, das ist es nicht. Sie kennen nicht Verlorene. Die Welt, in der Sie leben, verzeihen Sie, ist nicht die Welt, in der man wirklich verloren sein kann. Die wirkliche Welt ist sehr groß, und sie hat ganz andere Möglichkeiten der Verlorenheit." (Baron Taittingers Untergebener Zenower) Gelebte Interpretation Einzigartig ist erneut seine Sprache - geistreich-klangvoll wie Beethoven und melancholisch-elegisch wie Franz Schuberts Kompositionen, geprägt von einer großen nostalgischen Sehnsucht nach der untergegangenen Doppelmonarchie und einer fein nuancierten genauesten Beobachtungsgabe. Ein (Hör-)Buch mit weichen Farben, aber harter Kontrastierung gemalt. Seine "Helden" wirken bindungsunfähig und entwurzelt wie ihr Verfasser: "Für die Dauer einer Stunde oder zwei sah der Rittmeister a. D. die ganze Vergeblichkeit seines Lebens." Erneut analysiert der Schriftsteller Hermann Kesten Joseph Roth am besten: "Durch seine Romane schreiten Verzweifelte, besonders Jünglinge, in den Untergang. Er liebte die Leidenschaften. Wahrheit und Gerechtigkeit, Maß und Melodie, Vernunft und Reinheit sind die Merkmale seiner Schriften. Er war ein Romantiker, aber mit den Augen eines Realisten. Er kam aus dem Osten und ging in den Westen." Mit dem österreichischen Schauspieler und Wienerlied-Interpret Michael Heltau hätte keine bessere Besetzung gefunden werden können. Er scheint mit seinem unnachahmlichen Wiener Dialekt und dem kräftigen rollenden R wie aus der damaligen Zeit entstiegen. Heltaus Stimme offenbart einen nahezu magischen Klang, seine Intonation erweckt die k.u.k.-Zeit zum Leben. Seine gelebte Interpretation, die mit unglaublichem Charme, Einfühlungsvermögen und Empathie für ihre "armen Helden" vorgetragen wird, lässt das Hörbuch zu einem auditiven Erlebnis par excellence werden. Fazit: Trotz seines Lebensüberdrusses und des bevorstehenden Todes ist Joseph Roth mit "Die Geschichte von der 1002. Nacht" ein wahres Meisterwerk der Liebenswürdigkeit gelungen, dem bis heute nichts Verstaubtes anhängt. Das Hörbuch ist durch die hervorragende Interpretation ein zusätzlicher Anreiz, sich dem Werk des Österreichers zu nähern. Es wird nicht nur gelesen, es wird durch Michael Heltau gelebt.

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