Joseph Roth Hotel Savoy

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Inhaltsangabe zu „Hotel Savoy“ von Joseph Roth

Das Hotel Savoy mit seiner prunkvollen Fassade scheint den Ersten Weltkrieg unbeschadet überstanden zu haben. Doch wer, am livrierten Portier vorbei, durch seine Eingangstür tritt, trifft im Inneren auf die bunten Existenzen einer durcheinandergeratenen Zeit: Soldaten, Millionäre, Bankrotteure, Variété-Tänzerinnen und Devisenschieber. Gabriel Dan, nach fünf Jahren Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrt und einquartiert im 6. Stock des Hotels, gerät auch im Frieden zwischen die Fronten.

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  • Rezension zu "Hotel Savoy" von Joseph Roth

    Hotel Savoy
    HeikeG

    HeikeG

    15. August 2008 um 18:19

    Verworrene Zeiten "Ich komme um zehn Uhr vormittags im Hotel Savoy an. Ich war entschlossen, ein paar Tage oder eine Woche auszuruhen. In dieser Stadt leben meine Verwandten. Meine Eltern waren russische Juden. Ich möchte Geldmittel bekommen, um meinen Weg nach dem Westen fortzusetzen. Ich kehre aus dreijähriger Kriegsgefangenschaft zurück..." So beginnen die schleppenden - von Hans Korte intonierten - Worte des 1924 geschriebenen Romans "Hotel Savoy" von Joseph Roth. Ein frühes, aber ebenso eindrucksvolles Werk des ostgalizischen Autors. Und in diesem Hotel, in einer nicht benannten Stadt, aber alles deutet auf das (damals) ostpolnische Łódź hin, spielt die gesamte - ungekürzt vorgetragene - Erzählung, die mit dem Vorlesenden eine wunderbare akustische Aufwertung erfährt. Der Ich-Erzähler Gabriel Dan macht auf seiner Heimreise Zwischenstopp. "Zum ersten Mal nach fünf Jahren stehe ich wieder an den Toren Europas." Das Hotel verspricht ihm den lang vermissten europäischen Luxus: "Wasser, Seife, englisches Klosett, Lift, Stubenmädchen in weißen Hauben, freundlich blinkende Nachtgeschirre (...) und Betten, daunengepolsterte, schwellend und freudig bereit den Körper aufzunehmen." Doch so glanzvoll wie es von außen scheint, so armselig ist sein Innerstes, zumindest je höher man in seinen "Himmel" steigt. Eine eigene Welt im Kleinen Unterschiedlichste Menschen beherbergt es. Die Gutsituierten bewohnen die Zimmer in den ersten Etagen. Hier scheinen die Wunschträume Gabriels Realität zu sein. Doch je höher der Lift den Gast trägt, desto schäbiger ist das Ambiente. In den obersten Stockwerken wohnen ähnliche Heimkehrer wie er: Menschen die nach Hause gekommen sind, ohne zu Hause zu sein. Wünsche, Sehnsüchte und Erwartungen bestimmen ihr Leben und begleiten ihren Tagesablauf. In Erfüllung gehen sie allesamt bei den wenigsten. Charaktere aller Couleur prallen im wahrsten Sinne des Wortes aufeinander. Gabriel begegnet Halbkünstlern, Kommunisten, Soldaten, Bankrotteuren, Devisenschiebern und einer Tänzerin. Immer mehr gleicht das Hotel einer Wartehalle für bunte Existenzen in einer aus den Fugen geratenen Zeit. Den Hotelbesitzer Kaleguropulos hat noch niemand gesehen. Er steuert den Betrieb scheinbar durch Zettel an den Türen. Eine zwielichtige Gestalt scheint auch der Liftboy Ignatz zu sein, der die Koffer der Gäste pfändet, wenn diese ihre Miete nicht zahlen können. Ein Hotel als Metapher für eine verworrene Zeit und ihre sonderbaren Existenzen Alles, womit sich der Ich-Erzähler Gabriel Dan auch auseinandersetzt, erweist sich am Ende als Illusion, und jeder, mit dem er in Berührung kommt und auf den er seine Hoffnungen setzt, enttäuscht ihn letztendlich. Die angekündigte Ankunft des Millionärs Bloomfield aus Amerika, der allerorts als Hoffnungsträger der Armen und Unglücklichen verkündet wird, scheint die letzte Rettung zu sein. Doch auch sein Besuch erfüllt die Hoffnungen nicht. So bringt der Romanschluss zwar letztendlich eine "Erlösung", doch die Grundlage ist eine Apokalypse. Hans Korte, der renommierte Schauspieler, bekannt unter anderem aus Dieter Wedels "Der große Bellheim", verleiht diesem ohnehin schon eindringlichen Roman eine ungeheure Intensität. Der Schauspieler liest nicht nur, seine Stimme spielt mit den Worten, hat für jede Stimmung, für jeden kleinen Aspekt eine eigene Nuance. Er trifft mit seiner rauen und belegten, zuweilen lethargisch schleppenden, manchmal feisten Erzählweise Roths hoffnungslos-melancholischen Ton trefflich. Aber auch das von Zeit zu Zeit Schneidende und Aufbrausende, das freudig Erregte, Spannende oder Todtraurige weiß er vortrefflich zu intonieren. Die Empfindungen Gabriel Dans und letztendlich des Autors macht er dadurch für den Hörer begreifbar, intellektuell und emotional. Korte liefert mit seiner Stimme ein beeindruckendes Charakterbild der damaligen Zwischenwelt. Er gibt dieser Erzählung den notwendigen akustischen Tiefgang. Fazit: Europa zwischen den beiden Weltkriegen, eine Welt, die aus den Fugen geraten ist, so dass ihre Bewohner sich unversehens an immer neuen Orten finden, immer wieder neu flüchten, sich in immer neuen Konstellationen wieder finden - ein eindringliches Frühwerk von Joseph Roth, hervorragend intoniert von Hans Korte. Und gibt es nicht auch heute noch an einigen Ecken Europas dieses Hotel Savoy?

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