Radetzkymarsch

von Joseph Roth 
4,3 Sterne bei109 Bewertungen
Radetzkymarsch
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (94):
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Chronik über eine Familie, die den Untergang der Habsburgermonarchie miterlebt und gleichsam mit ihr zu Grunde geht.

Kritisch (6):
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Etwas zum Träumen. Auf Dauer aber träge.

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Inhaltsangabe zu "Radetzkymarsch"

Dieses Werk ist Teil der Buchreihe TREDITION CLASSICS. tredition veröffentlicht mit den TREDITION CLASSICS Werke aus zwei Jahrtausenden, die zu einem Großteil vergriffen oder nur noch antiquarisch erhältlich sind, wieder als gedruckte Bücher. Mit den TREDITION CLASSICS verfolgt tredition das Ziel, 100.000 Klassiker der Weltliteratur verschiedener Sprachen wieder als gedruckte Bücher in den Buchhandel zu bringen - und das weltweit! Die Inhalte für die Buchreihe erhält tredition von größtenteils gemeinnützigen Literaturprojekten, deren Arbeit finanziell aus Buchverkäufen unterstützt wird.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783842420274
Sprache:
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:356 Seiten
Verlag:Tredition
Erscheinungsdatum:07.09.2011
Das aktuelle Hörbuch ist am 04.03.2010 bei Der Audio Verlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Hamlets_Erbins avatar
    Hamlets_Erbinvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Für Männer wohl interessant, für Frauen wohl eher ärgerlich!
    Durchwachsen...

    "Das Leben schien schneller dahinzulaufen als die Gedanken. Und ehe man einen Entschluss gefasst hatte, war man ein alter Mann." (S.116)

    Inhalt: Es wird vom Aufstieg und Niedergang dreier Männer derselben Familie berichtet, ebenso wie vom Untergang Österreich-Ungarns.

    Nachdem er dem Kaiser bei einer Schlacht das Leben gerettet hat, wird der von Bauern abstammende Joseph Trotta befördert und in den Adelsstand erhoben. Als er später jedoch feststellen muss, dass seine Tat in einem Schulbuch bis zur Lüge ausgeschmückt wird, nimmt er seinen Abschied vom Militär und nähert sich wieder dem Leben seiner Ahnen an. Seinem Sohn Franz verbietet er den Militärdienst und gibt ihm eine Beamtenlaufbahn vor, die dieser auch erfolgreich absolviert. Franz' Sohn wiederum, Carl Joseph, tritt auf Wunsch des Vaters in den Militärdienst ein, in dem er aber nie glücklich wird.

    Meinung: Was diesen Roman anbelangt, bin ich zwiegespalten.
    Es gibt Aspekte, die mich überzeugen konnten: Die Darstellung der Beziehung zwischen Vätern und Söhnen - das Machtgefälle, die Sprachlosigkeit, die Unfähigkeit den Emotionen Ausdruck zu verleihen - war beispielsweise gelungen. Auch die anekdotenhafte Schilderung der militärischen Lebensweise mit ihren strikten Verhaltensvorschriften und ihrem anti-individualistischen Fundament vermochte zu beeindrucken.
    Allerdings habe ich mich auch an diversen Dingen gestört.
    Zum einen war ich von der Sprache, die sich besonders in den Beobachtungen und Beschreibungen in Adjektiven verliert (redundant, prätentiös, lächerlich!) und dadurch den Lesefluss extrem behindert, wenig angetan. Für mich erstanden durch die Anhäufung von Adjektiven nämlich keine Bilder im Kopf, sondern ich war gelangweilt, genervt und hegte nur noch den Wunsch, es schnell hinter mich zu bringen (zeitweise spielte ich sogar mit dem Gedanken, das Buch nicht zu beenden, was mir so gut wie nie passiert).
    Zum anderen ist dieser Roman (was sicherlich seinem Entstehungsprozess anzulasten ist) stilistisch voller Fehler. Die Erzählerstimme ist uneinheitlich, es gibt plötzliche Perspektivwechsel innerhalb eines Kapitels, die nicht sinnvoll sind, und die inkonsequente Verwendung der Zeitformen ließe sich bestenfalls als fragwürdig beschreiben. Dieser Roman hätte definitiv eines Lektors bedurft!

    Was mich aber regelrecht verärgert hat, ist, dass dieser Roman von etlichen Kritikern als Klassiker angepriesen wird, der die österreichisch-ungarische Gesellschaft wiederspiegelt. Das ist natürlich lächerlich. Denn 50 Prozent der Gesellschaft kommen in diesem Roman einfach nicht vor! Es gibt nämlich im Grunde keine einzige Frauengestalt. Die Frauen, die Roth in Nebensätzen erwähnt, sind entweder Sexgespielinnen ohne Persönlichkeit oder unscheinbare Placebo-Frauen mit der Aura von Möbelstücken.
    (Und nebenbei gesagt: von Familiensaga kann bei diesem Roman eigentlich auch keine Rede sein, denn die Mütter der Familie Trotta sind nicht existent!)

    Fazit: Ein Roman, den ich lediglich Männern empfehlen würde.

    "Er hatte lange genug gelebt, um zu wissen, dass es töricht ist, die Wahrheit zu sagen." (S.316)

    Kommentare: 2
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    PaulTemples avatar
    PaulTemplevor 3 Jahren
    Vom Fall einer Monarchie

    Anfang der 1930er Jahre schreibt Joseph Roth wie besessen an seinem Hauptwerk, welches auch als Parabel auf die untergehende Weimarer Republik verstanden werden kann.
    Von ca 1870 bis 1916 dauert der zeitliche Verlauf, welcher dem Leser insgesamt drei Generationen der Adelsfamilie von Trotta näher bringt, die sich allesamt der Armee des österreichisch-ungarischen  Kaiserreichs verpflichtet haben. Die charakterlichen Eigenschaften  von Großvater, Sohn und Enkel spiegeln dabei den Zustand der Monarchie wieder, die sich zusehends in Dekadenz und Herbeischwören von glorreichen Zeiten der Vergangenheit verwandelt und dabei ihre Schwäche zu verheimlichen sucht. Während der Großvater noch ohne zu zögern sein Leben für den Kaiser zu geben bereit ist, verfällt der Enkel dem Glücksspiel und der Alkoholsucht und versucht der Armee zu entkommen. Mit epischer Breite beschreibt Roth die schicksalhafte Geschichte der Familie Trotta und entwirft dabei wundervolle Vergleiche und symbolträchtige Episoden über eine Monarchie im Niedergang. 

    Ein absoluter Klassiker!

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Jahren
    Kurzmeinung: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“ (zitiert nach Kaiser Franz Joseph I.).
    Die Donaumonarchie

    Eine untergegangene Epoche, erzählt von einem fast vergessenen Schriftsteller am Beispiel einer Beamten- und Offiziersfamilie, deren Schicksal sich über drei Generationen erstreckt. Joseph Roth schildert stellvertretend an der Familie Trotta den langsamen, aber unaufhaltsamen Zerfall des österreichisch-ungarischen Vielvölker-Staates, wobei im Mittelpunkt das Geschehen jener Trottas steht, die über mehrere Generationen hinweg mittel- und unmittelbar die Ereignisse in der letzten Phase der Habsburger Donaumonarchie durchleben.
    Dabei sollte der Leser aber keinesfalls den Fehler begehen, das süßlich-klebrige Bild, welches die Sissi-Filme mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm zeichneten und das immer noch in den Köpfen vieler herumspukt, zum Vorbild zu nehmen.
    Roth schildert dem Leser eine vergangene Epoche, in dem er uns über seine Schultern schauen und daran teilhaben läßt. In einem sich kontinuierlich entwickelnden Erzählton, der ruhig und flüssig seine Fäden mit beinahe kindlicher Freude spinnt, wird man in ein Reich mit seinen Untertanen, ihren Prinzipien sowie Moralvorstellungen entführt, dessen Protagonisten zwar schon längst von der Bühne abgetreten sind, deren morbider Faszination sich man aber keineswegs entziehen kann; man wird in die Geschichte derer von Trotta förmlich hineingesogen. Man spürt Roths leise Sehnsucht, die aber nie sentimental wirkt und die Trauer um jene Epoche, die als k.u.k.-Monarchie in die Geschichtsbücher eingegangen ist (der Österreicher Karl Kraus sprach immer etwas despektierlich von „Kakanien“) und deren Verkörperung die Figur und Herrschergestalt von Kaiser Franz Joseph I. darstellte. Der kompositorische Stil der unaufgeregten, entwickelnden Darstellung steht in einem auffälligen Gegensatz zum gehetzten Leben des Joseph Roth gerade in seinen letzten Lebensjahren (das Buch wurde in Deutschland 1932 kurz vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten veröffentlicht), der 1933 aus Deutschland emigrierte und 1939 in Paris fast mittellos verstarb.
    Dem Autor ist eine leise Huldigung nicht nur eines von ihm im Rückblick betrauerten Systems gelungen, sondern hier wurde ebenso eine exzellente Komposition deutscher Sprache zu Papier gebracht, einer Sprache, derer sich die Exilanten durch die nationalsozialistische Diktatur zunehmend beraubt sahen, da ihnen im Ausland die Möglichkeit genommen wurde, sich an ihre Leserschaft in der Heimat zu richten und ihr Publikum zu gewinnen. Es ist ein sentimentales, ein schönes, ein wunderbares Buch !

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    Sokratess avatar
    Sokratesvor 8 Jahren
    Rezension zu "Radetzkymarsch" von Joseph Roth

    "Der Radetzkymarsch" ist mein erster Roman, den ich von Joseph Roth gelesen habe. Und ich war positiv überrascht. Roth schreibt sehr charakteristisch. Wenige wiedergegebene Gespräche, fast nur Beschreibungen, vorgenommen durch einen auktorialen Erzähler, der in recht fatalistisch-unemotionaler Weise die Handlungsabläufe und Charaktere beschreibt. Die Dramatik der Einzelschicksale bekommt auf diese Weise eine fast gleichgültig anmutende Traurigkeit; die Auswegslosigkeit mancher Lebenswege, die zunächst hoffnungsvoll begannen, enden als versiegender Strom. Und: die Veränderungen der Gesellschaft sind rasant, dem gegenübergestellt die Menschenbilder einer vergangenen Epoche, die etwas antiquiert, wie Fossilien anmuten, wenn sie in der neuen Welt in irgendeiner Form Fuß fassen wollen. Und die Zeit (scheint) sie zu überholen... Das Buch endet tragisch; Sprachstil und Fatalismus des Erzählers künden hiervon bereits sachte. Ein Buch, dass meiner Meinung nach die Zeit zwischen 1890 und 1930 in bester Form wiedergibt, vor allem das Lebensgefühl all derer traditionell-konservativen Geister, die mit dem Ende des Kaiserreichs und der anbrechenden Demokratie nicht zurechtkommen wollten/konnten.

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    Katrin1966s avatar
    Katrin1966vor 8 Jahren
    Rezension zu "Radetzkymarsch" von Joseph Roth

    Ein Klassiker.

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    Monsignorevor 9 Jahren
    Rezension zu "Radetzkymarsch" von Joseph Roth

    Zu den 20 besten Roman deutscher Sprache zählt Reich-Ranicki den "Radetzskymarsch", Joseph Roths erfolgreichstes und vermutlich bestes Werk. 1932 erschienen, wird der Untergang der österreichisch-ungarischen Monarchie vielschichtig in Szene gesetzt. Mehr noch: Für Roth war es der Untergang einer intakten Welt, die für ihre Menschen verläßlich sorgte. Die k.u.k.-Monarchie integrierte viele Völker, Religionen und Weltanschauungen unter dem Diktat des Doppeladlers. Ihr Zerfall geht für Roth Hand in Hand mit dem Zerfall der Welt. Über drei Generatioen erzählt er eindringlich und menschennah. Da ist ein gefühlloser Bezirkshauptmann, der die Sensibilität seine Sohnes nicht sieht und ihn zur Offizierlaufbahn zwingt. Da ist der fast schon existentialistisch angehauchte Regimentsarzt, der im Duell fällt. Ruthenische Bauern, aufgeblasene Militärs, ein hilfloser Kaiser mit tadelloser Haltung, ein Held der keiner sein will ... usw... Wie immer bei Roth wird dem Leser spielend leicht und mit sicherer Hand eine hoch differenzierte Personengesellschaft vor Augen geführt, die eine alte Zeit begreiflich macht.

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    firlefanzvor 9 Jahren
    Rezension zu "Radetzkymarsch" von Joseph Roth

    Das Buch hatte schon vorab große Chancen, sich in meiner persönlichen Bücherhitliste recht weit oben einzuordnen. Wie bei meinen Lieblingsbüchern Die Buddenbrooks und Brideshead Revisited geht es nämlich auch hier um Aufstieg und Fall einer Familie. Solche Geschichten liegen mir einfach.
    Ich muss ja eigentlich gar nicht mehr erwähnen, dass Joseph Roth großartig schreibt. Dazu muss man sich ja nur mal das obige Zitat durchlesen. Kurz: Es hat mich umgehauen. Die ersten paar Seiten war ich fast gerührt, einfach nur wegen der Schönheit der Sprache, ihrem Detailreichtum und ach, ich kann's nicht beschreiben.
    Die Geschichte handelt von der Familie der von Trottas. Der Joseph Trotta rettete dem jungen österreichischen Kaiser Franz Joseph in der Schlacht von Solferino das Leben. Daraufhin wurde er geadelt und mit höchsten militärischen Ehren ausgezeichnet. Später konnten Schulkinder im Unterricht von den Taten des "Helden von Solferino" lesen, in etwas abgewandelter Form, gegen die Joseph von Trotta und Sipolje, wie er nun hieß, persönlich beim Kaiser Einspruch einlegte. Er sah sich nämlich immer noch als Nachfahre eines Bauerngeschlechts und die Verherrlichung war ihm zuwider. So verließ er das Militär auch bald und ließ sich auf dem Land nieder, wo er als einfacher Mann lebte. Sein Sohn wurde Beamter, Bezirkshauptmann. Ausgestattet mit dem guten Willen des Kaisers. Dessen Sohn wiederum, Carl Joseph von Trotta, soll seinem Großvater nacheifern und wird deshalb von klein auf für das Militär erzogen. Der Schwerpunkt des Romans liegt auf der Entwicklung dieser dritten Generation der von Trottas (Frauen spielen hier übrigens keine große Rolle. Die sterben alle recht bald...). Carl Joseph tritt in die Kavallerie ein, es schadet ihm nicht, dass er kein besonders begabter Reiter ist, der Ruf des Großvater eilt ihm voraus. Doch trotz seiner Erziehung ist Carl kein Soldat. Er ist weichherzig, unglücklich und nicht aus dem passenden Holz geschnitzt. Liebe lernt er nur kurz kennen, zuerst, als er eine Affäre mit einer verheirateten Frau hat, später bei seinem besten Freund Demant. Demant ist Regimentsarzt und stirbt bald in einem Duell. Ja, es gibt auch ein zünftiges Duell! Ich weiß wirklich nicht, wo meine Vorliebe für Duelle herkommt. Nun, das Militär meint es nicht gut mit dem jungen Trotta. Er wird zum Trinker, gerät in eine Schuldenaffäre hinein und anstatt endlich herausgeschmissen zu werden, kommt ihm die schützende Hand des Kaisers immer wieder "zu Gute". Dann als es endlich scheint, als könne seinen Frieden finden, bricht Krieg aus. Und naja, es ist wohl keine Überraschung, dass er stirbt.
    Es ist schrecklich traurig dieses Buch (wie bei jedem traurigen Buch gibt es auch ein paar komische Stellen, wodurch das ganze natürlich noch trauriger wird). Das Unglück des jungen Trotta ging mir an die Nieren, vergleichbar mit dem Schicksal des Hanno Buddenbrook. In der ganzen Geschichte wird die Familie der Trottas mit der Habsburger Dynastie verknüpft und so heißt es am Ende, bei der Beerdigung des Bezirkshauptmanns Trotta:
    "Ich hätte gern noch erwähnt", sagte der Bürgermeister, "dass Herr von Trotta den Kaiser nicht überleben konnte. Glauben Sie nicht, Herr Doktor?"
    "Ich weiß es nicht", erwiderte der Doktor Skowronnek, "ich glaube, sie konnten beide Österreich nicht überleben."

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    muprlvor 9 Jahren
    Rezension zu "Radetzkymarsch" von Joseph Roth

    Ein tolles Buch über den Untergang des Österreichisch-ungarischen Kaiserreichs! Der Zerfall und die Untergangsstimmung in der KuK-Monarchie werden mit der Geschichte einer Familie parallelgesetzt, bzw. anhand dieser Familiengeschichte erzählt und verdeutlicht. Die "Familie" um die es geht, beschränkt sich allerdings auf Väter und Söhne - es ist also kein breites Szenario, sondern ein konzentrierter Einblick in die Seele von Beamten und Soldaten unter dem letzten Österreichischen Kaiser.
    Roth erzählt mit viel leise spottendem Humor vom Kaiser und seinem Militär und bleibt dabei zutiefst menschlich. Das erste Kapitel ist ein furioses Feuerwerk an Witz und Klugheit. An diesen Esprit und auch dieses geraffte Erzähltempo reicht der Rest des Romans nicht ganz heran und zum Ende hin zieht es sich auch ein wenig. Daher ein Sternchen Abzug. Trotzdem ein absolut lohnenswerter Klassiker.

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    Gretas avatar
    Gretavor 9 Jahren
    Rezension zu "Radetzkymarsch" von Joseph Roth

    "man muss ihm was nettes sagen, dachte er aufgeregt. das schnitzel war heute ausgezeichnet! fiel ihm in der eile ein. und er sagte es. der doktor lächelte. er lächelt ganz zivilistisch, der kerl! dachte der oberst. (...)
    "alles weiß er, unser doktor!" rief der oberst. "er ist ein bücherwurm!"
    und zum erstenmal in seinem leben gefiel ihm das verdächtige wort bücherwurm so gut, dass er es noch einmal wiederholte: "ein bücherwurm!" in dem liebkosenden ton, in dem er sonst nur zu sagen pflegte: "ein ulane!"
    .
    "und wo man sagte, er sei kalt: da tat ihm das herz weh. er hatte lang genug gelebt, um zu wissen, dass es töricht ist, die wahrheit zu sagen. er gönnte den leuten den irrtum, und er glaubte weniger als die witzbolde, die in seinem reich anekdoten über ihn erzählten, an den bestand seiner welt. aber es ziemt einem kaiser nicht, sich mit witzbolden und weltklugen zu messen. also schweig der kaiser."
    .
    "ein einziges mal, eben in jenem unglücklichen italienischen feldzug, hatte er zum beispiel einen echten, lebendigen floh in seinem bett gesehen, aber niemandem was davon gesagt. denn er war ein kaiser, und ein kaiser spricht nicht von insekten. das war damals schon seine meinung gewesen."
    .
    "er war nicht erfahren genug, der leutnant trotta, um zu wissen, dass es auch in der wirklichkeit ungeschlachtete bauernburschen mit edlen herzen gab und dass viel wahres aus der lebendigen welt in schlechten büchern abgeschrieben wurde; nur eben schlecht abgeschrieben."
    .

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    kleinechaotins avatar
    kleinechaotinvor 10 Jahren
    Rezension zu "Radetzkymarsch" von Joseph Roth

    Ich habe dieses Buch verschlungen, denn mir gefiel die Schreibweise von Joseph Roth unheimlich gut... leider wurde es zwischendurch immer wieder etwas langatmig und zäh, weshalb ich diesem Werk nur 4 Sterne geben kann.

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