Joseph Roth Radetzkymarsch

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Inhaltsangabe zu „Radetzkymarsch“ von Joseph Roth

<p>In seiner großen Familiensaga <em>Radetzkymarsch</em> erzählt Joseph Roth vom Aufstieg und Untergang der Familie Trotta, deren Lebenswege schicksalhaft verbunden sind mit dem Niedergang der habsburgischen Monarchie. »<em>Radetzkymarsch</em> ist das schönste Buch der Welt. Das traurigste. Sentimentalste. Wundersamste. Es ist ein Wunder.« Volker Weidermann, Frankfurter Allgemeine Zeitung.</p> (Quelle:'Flexibler Einband/25.01.2010')

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    Radetzkymarsch

    Hamlets_Erbin

    23. October 2016 um 19:26

    "Das Leben schien schneller dahinzulaufen als die Gedanken. Und ehe man einen Entschluss gefasst hatte, war man ein alter Mann." (S.116) Inhalt: Es wird vom Aufstieg und Niedergang dreier Männer derselben Familie berichtet, ebenso wie vom Untergang Österreich-Ungarns. Nachdem er dem Kaiser bei einer Schlacht das Leben gerettet hat, wird der von Bauern abstammende Joseph Trotta befördert und in den Adelsstand erhoben. Als er später jedoch feststellen muss, dass seine Tat in einem Schulbuch bis zur Lüge ausgeschmückt wird, nimmt er seinen Abschied vom Militär und nähert sich wieder dem Leben seiner Ahnen an. Seinem Sohn Franz verbietet er den Militärdienst und gibt ihm eine Beamtenlaufbahn vor, die dieser auch erfolgreich absolviert. Franz' Sohn wiederum, Carl Joseph, tritt auf Wunsch des Vaters in den Militärdienst ein, in dem er aber nie glücklich wird. Meinung: Was diesen Roman anbelangt, bin ich zwiegespalten. Es gibt Aspekte, die mich überzeugen konnten: Die Darstellung der Beziehung zwischen Vätern und Söhnen - das Machtgefälle, die Sprachlosigkeit, die Unfähigkeit den Emotionen Ausdruck zu verleihen - war beispielsweise gelungen. Auch die anekdotenhafte Schilderung der militärischen Lebensweise mit ihren strikten Verhaltensvorschriften und ihrem anti-individualistischen Fundament vermochte zu beeindrucken. Allerdings habe ich mich auch an diversen Dingen gestört. Zum einen war ich von der Sprache, die sich besonders in den Beobachtungen und Beschreibungen in Adjektiven verliert (redundant, prätentiös, lächerlich!) und dadurch den Lesefluss extrem behindert, wenig angetan. Für mich erstanden durch die Anhäufung von Adjektiven nämlich keine Bilder im Kopf, sondern ich war gelangweilt, genervt und hegte nur noch den Wunsch, es schnell hinter mich zu bringen (zeitweise spielte ich sogar mit dem Gedanken, das Buch nicht zu beenden, was mir so gut wie nie passiert). Zum anderen ist dieser Roman (was sicherlich seinem Entstehungsprozess anzulasten ist) stilistisch voller Fehler. Die Erzählerstimme ist uneinheitlich, es gibt plötzliche Perspektivwechsel innerhalb eines Kapitels, die nicht sinnvoll sind, und die inkonsequente Verwendung der Zeitformen ließe sich bestenfalls als fragwürdig beschreiben. Dieser Roman hätte definitiv eines Lektors bedurft! Was mich aber regelrecht verärgert hat, ist, dass dieser Roman von etlichen Kritikern als Klassiker angepriesen wird, der die österreichisch-ungarische Gesellschaft wiederspiegelt. Das ist natürlich lächerlich. Denn 50 Prozent der Gesellschaft kommen in diesem Roman einfach nicht vor! Es gibt nämlich im Grunde keine einzige Frauengestalt. Die Frauen, die Roth in Nebensätzen erwähnt, sind entweder Sexgespielinnen ohne Persönlichkeit oder unscheinbare Placebo-Frauen mit der Aura von Möbelstücken.(Und nebenbei gesagt: von Familiensaga kann bei diesem Roman eigentlich auch keine Rede sein, denn die Mütter der Familie Trotta sind nicht existent!) Fazit: Ein Roman, den ich lediglich Männern empfehlen würde. "Er hatte lange genug gelebt, um zu wissen, dass es töricht ist, die Wahrheit zu sagen." (S.316)

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  • Rezension zu "Radetzkymarsch" von Joseph Roth

    Radetzkymarsch

    Sokrates

    15. April 2011 um 08:43

    "Der Radetzkymarsch" ist mein erster Roman, den ich von Joseph Roth gelesen habe. Und ich war positiv überrascht. Roth schreibt sehr charakteristisch. Wenige wiedergegebene Gespräche, fast nur Beschreibungen, vorgenommen durch einen auktorialen Erzähler, der in recht fatalistisch-unemotionaler Weise die Handlungsabläufe und Charaktere beschreibt. Die Dramatik der Einzelschicksale bekommt auf diese Weise eine fast gleichgültig anmutende Traurigkeit; die Auswegslosigkeit mancher Lebenswege, die zunächst hoffnungsvoll begannen, enden als versiegender Strom. Und: die Veränderungen der Gesellschaft sind rasant, dem gegenübergestellt die Menschenbilder einer vergangenen Epoche, die etwas antiquiert, wie Fossilien anmuten, wenn sie in der neuen Welt in irgendeiner Form Fuß fassen wollen. Und die Zeit (scheint) sie zu überholen... Das Buch endet tragisch; Sprachstil und Fatalismus des Erzählers künden hiervon bereits sachte. Ein Buch, dass meiner Meinung nach die Zeit zwischen 1890 und 1930 in bester Form wiedergibt, vor allem das Lebensgefühl all derer traditionell-konservativen Geister, die mit dem Ende des Kaiserreichs und der anbrechenden Demokratie nicht zurechtkommen wollten/konnten.

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  • Rezension zu "Radetzkymarsch" von Joseph Roth

    Radetzkymarsch

    Monsignore

    30. January 2010 um 21:59

    Zu den 20 besten Roman deutscher Sprache zählt Reich-Ranicki den "Radetzskymarsch", Joseph Roths erfolgreichstes und vermutlich bestes Werk. 1932 erschienen, wird der Untergang der österreichisch-ungarischen Monarchie vielschichtig in Szene gesetzt. Mehr noch: Für Roth war es der Untergang einer intakten Welt, die für ihre Menschen verläßlich sorgte. Die k.u.k.-Monarchie integrierte viele Völker, Religionen und Weltanschauungen unter dem Diktat des Doppeladlers. Ihr Zerfall geht für Roth Hand in Hand mit dem Zerfall der Welt. Über drei Generatioen erzählt er eindringlich und menschennah. Da ist ein gefühlloser Bezirkshauptmann, der die Sensibilität seine Sohnes nicht sieht und ihn zur Offizierlaufbahn zwingt. Da ist der fast schon existentialistisch angehauchte Regimentsarzt, der im Duell fällt. Ruthenische Bauern, aufgeblasene Militärs, ein hilfloser Kaiser mit tadelloser Haltung, ein Held der keiner sein will ... usw... Wie immer bei Roth wird dem Leser spielend leicht und mit sicherer Hand eine hoch differenzierte Personengesellschaft vor Augen geführt, die eine alte Zeit begreiflich macht.

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  • Rezension zu "Radetzkymarsch" von Joseph Roth

    Radetzkymarsch

    firlefanz

    29. January 2010 um 13:26

    Das Buch hatte schon vorab große Chancen, sich in meiner persönlichen Bücherhitliste recht weit oben einzuordnen. Wie bei meinen Lieblingsbüchern Die Buddenbrooks und Brideshead Revisited geht es nämlich auch hier um Aufstieg und Fall einer Familie. Solche Geschichten liegen mir einfach. Ich muss ja eigentlich gar nicht mehr erwähnen, dass Joseph Roth großartig schreibt. Dazu muss man sich ja nur mal das obige Zitat durchlesen. Kurz: Es hat mich umgehauen. Die ersten paar Seiten war ich fast gerührt, einfach nur wegen der Schönheit der Sprache, ihrem Detailreichtum und ach, ich kann's nicht beschreiben. Die Geschichte handelt von der Familie der von Trottas. Der Joseph Trotta rettete dem jungen österreichischen Kaiser Franz Joseph in der Schlacht von Solferino das Leben. Daraufhin wurde er geadelt und mit höchsten militärischen Ehren ausgezeichnet. Später konnten Schulkinder im Unterricht von den Taten des "Helden von Solferino" lesen, in etwas abgewandelter Form, gegen die Joseph von Trotta und Sipolje, wie er nun hieß, persönlich beim Kaiser Einspruch einlegte. Er sah sich nämlich immer noch als Nachfahre eines Bauerngeschlechts und die Verherrlichung war ihm zuwider. So verließ er das Militär auch bald und ließ sich auf dem Land nieder, wo er als einfacher Mann lebte. Sein Sohn wurde Beamter, Bezirkshauptmann. Ausgestattet mit dem guten Willen des Kaisers. Dessen Sohn wiederum, Carl Joseph von Trotta, soll seinem Großvater nacheifern und wird deshalb von klein auf für das Militär erzogen. Der Schwerpunkt des Romans liegt auf der Entwicklung dieser dritten Generation der von Trottas (Frauen spielen hier übrigens keine große Rolle. Die sterben alle recht bald...). Carl Joseph tritt in die Kavallerie ein, es schadet ihm nicht, dass er kein besonders begabter Reiter ist, der Ruf des Großvater eilt ihm voraus. Doch trotz seiner Erziehung ist Carl kein Soldat. Er ist weichherzig, unglücklich und nicht aus dem passenden Holz geschnitzt. Liebe lernt er nur kurz kennen, zuerst, als er eine Affäre mit einer verheirateten Frau hat, später bei seinem besten Freund Demant. Demant ist Regimentsarzt und stirbt bald in einem Duell. Ja, es gibt auch ein zünftiges Duell! Ich weiß wirklich nicht, wo meine Vorliebe für Duelle herkommt. Nun, das Militär meint es nicht gut mit dem jungen Trotta. Er wird zum Trinker, gerät in eine Schuldenaffäre hinein und anstatt endlich herausgeschmissen zu werden, kommt ihm die schützende Hand des Kaisers immer wieder "zu Gute". Dann als es endlich scheint, als könne seinen Frieden finden, bricht Krieg aus. Und naja, es ist wohl keine Überraschung, dass er stirbt. Es ist schrecklich traurig dieses Buch (wie bei jedem traurigen Buch gibt es auch ein paar komische Stellen, wodurch das ganze natürlich noch trauriger wird). Das Unglück des jungen Trotta ging mir an die Nieren, vergleichbar mit dem Schicksal des Hanno Buddenbrook. In der ganzen Geschichte wird die Familie der Trottas mit der Habsburger Dynastie verknüpft und so heißt es am Ende, bei der Beerdigung des Bezirkshauptmanns Trotta: "Ich hätte gern noch erwähnt", sagte der Bürgermeister, "dass Herr von Trotta den Kaiser nicht überleben konnte. Glauben Sie nicht, Herr Doktor?" "Ich weiß es nicht", erwiderte der Doktor Skowronnek, "ich glaube, sie konnten beide Österreich nicht überleben."

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  • Rezension zu "Radetzkymarsch" von Joseph Roth

    Radetzkymarsch

    muprl

    15. August 2009 um 22:04

    Ein tolles Buch über den Untergang des Österreichisch-ungarischen Kaiserreichs! Der Zerfall und die Untergangsstimmung in der KuK-Monarchie werden mit der Geschichte einer Familie parallelgesetzt, bzw. anhand dieser Familiengeschichte erzählt und verdeutlicht. Die "Familie" um die es geht, beschränkt sich allerdings auf Väter und Söhne - es ist also kein breites Szenario, sondern ein konzentrierter Einblick in die Seele von Beamten und Soldaten unter dem letzten Österreichischen Kaiser. Roth erzählt mit viel leise spottendem Humor vom Kaiser und seinem Militär und bleibt dabei zutiefst menschlich. Das erste Kapitel ist ein furioses Feuerwerk an Witz und Klugheit. An diesen Esprit und auch dieses geraffte Erzähltempo reicht der Rest des Romans nicht ganz heran und zum Ende hin zieht es sich auch ein wenig. Daher ein Sternchen Abzug. Trotzdem ein absolut lohnenswerter Klassiker.

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  • Rezension zu "Radetzkymarsch" von Joseph Roth

    Radetzkymarsch

    Greta

    30. June 2009 um 16:49

    "man muss ihm was nettes sagen, dachte er aufgeregt. das schnitzel war heute ausgezeichnet! fiel ihm in der eile ein. und er sagte es. der doktor lächelte. er lächelt ganz zivilistisch, der kerl! dachte der oberst. (...) "alles weiß er, unser doktor!" rief der oberst. "er ist ein bücherwurm!" und zum erstenmal in seinem leben gefiel ihm das verdächtige wort bücherwurm so gut, dass er es noch einmal wiederholte: "ein bücherwurm!" in dem liebkosenden ton, in dem er sonst nur zu sagen pflegte: "ein ulane!" . "und wo man sagte, er sei kalt: da tat ihm das herz weh. er hatte lang genug gelebt, um zu wissen, dass es töricht ist, die wahrheit zu sagen. er gönnte den leuten den irrtum, und er glaubte weniger als die witzbolde, die in seinem reich anekdoten über ihn erzählten, an den bestand seiner welt. aber es ziemt einem kaiser nicht, sich mit witzbolden und weltklugen zu messen. also schweig der kaiser." . "ein einziges mal, eben in jenem unglücklichen italienischen feldzug, hatte er zum beispiel einen echten, lebendigen floh in seinem bett gesehen, aber niemandem was davon gesagt. denn er war ein kaiser, und ein kaiser spricht nicht von insekten. das war damals schon seine meinung gewesen." . "er war nicht erfahren genug, der leutnant trotta, um zu wissen, dass es auch in der wirklichkeit ungeschlachtete bauernburschen mit edlen herzen gab und dass viel wahres aus der lebendigen welt in schlechten büchern abgeschrieben wurde; nur eben schlecht abgeschrieben." .

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  • Rezension zu "Radetzkymarsch" von Joseph Roth

    Radetzkymarsch

    kleinechaotin

    05. August 2008 um 12:47

    Ich habe dieses Buch verschlungen, denn mir gefiel die Schreibweise von Joseph Roth unheimlich gut... leider wurde es zwischendurch immer wieder etwas langatmig und zäh, weshalb ich diesem Werk nur 4 Sterne geben kann.

  • Rezension zu "Radetzkymarsch" von Joseph Roth

    Radetzkymarsch

    ChiefC

    09. October 2007 um 19:00

    Niemand hat das verfallende österreichisch-ungarische Reich besser beschrieben als Joseph Roth - zu einer Zeit, als diek.u.k.-Monarchie längst untergegangen war. Mit Wehmut und Nostalgie, doch ohne Kitsch, lässt Roth sie wieder auferstehen. Er war an ihrem östlichsten Rand, in Galizien aufgewachsen und fand danach nie wieder eine neue Heimat.

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