Joseph Sheridan Le Fanu

 4 Sterne bei 77 Bewertungen

Lebenslauf von Joseph Sheridan Le Fanu

Sheridan Le Fanu wurde 1814 in Dublin geboren. Er gilt als einer der bekanntesten Autoren klassischer Gruselgeschichten. Er studierte Jura am Tirinty College und wurde später Herausgeber des Dublin University Magazine. Sein Interesse galt vor allem den Phänomenen des Unbewussten: Geister und andere unheimliche GEstalten dienten ihm als Möglichkeit, die biedere Welt des Viktorianischen Zeitalters zu demaskieren. Er starb 1873 in seiner Geburtsstadt.

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Rezension zu "Carmilla, die Vampirin" von Joseph Sheridan Le Fanu

Das Dunkel der Nacht
annluvor 15 Tagen

*Ich sah jenes Gesicht vor mir, welches mich einst nachts in meiner Kindheit heimgesucht, das Gesicht, das so fest in meinem Gedächtnis haftengeblieben war und das ich in all den Jahren so oft im Geiste entsetzt angestarrt hatte, wenn niemand ahnte, woran ich dachte.*


Ein Schloss in der Steiermark, abseits von Dörfern und anderer Gesellschaft, bewohnt von der jungen Laura, ihrem Vater und den Bediensteten. Eines Nachts – gerade als Laura und ihr Vater die Nachricht über den Tod einer jungen Bekannten bekommen hatte – bringt ein Zufall die wunderschöne junge Frau Carmilla in ihr Leben. Bald schon wird sie für Laura eine gute Freundin. Diese ahnt nicht, was hinter dem Geheimnis der jungen Frau steckt und so wendet sie sich ihr vertrauensvoll zu.



Die Geschichte entspringt der Feder des Iren Sheridan Le Fanu und ist im Stile klassischer englischer Schauergeschichten geschrieben. Das Mädchen Laura erzählt die Ereignisse selbst, wobei schnell klar wird, dass sie zwar in der Steiermark lebt, mit ihrem englischen Vater aber den Lebensstil englischer Wohlhabender pflegt. Ob in ihrer Erziehung oder der Tatsache, dass sie abgeschieden aufgewachsen ist, begründet, zeigt sie sich sehr naiv und gutgläubig.


Die Novelle deutet die Schauermomente nur leicht an, spricht von Geistern und seltsamen, traumhaften gefährlichen Szenen. Der Titel nimmt allerdings etwas Spannung aus der Geschichte. Interessant am Thema der Vampire ist hier, dass die Geschichte bereits fünfundzwanzig Jahre vor Bram Stockers Dracula geschrieben wurde und damit auch Merkmale der Wesen angibt, die nicht dem klassischen Bild entsprechen.


Fazit: Eine Schauergeschichte im klassische englischen Stil, die mir gut gefallen hat.

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Rezension zu "Carmilla, der weibliche Vampir (Nr.189)" von Joseph Sheridan Le Fanu

Dracula's lesbische Mutter - Carmilla
TheSaintvor 2 Monaten

Die hier rezensierte Geschichte des Iren Joseph Sheridan Le Fanu (1814-1873) über den ersten lesbischen Vampir der Literaturgeschichte ist die 1968 im "Diogenes"-Verlag erschienene Übersetzung.
Die Novella erschien erstmals 1871-1872 als Fortsetzungsgeschichte in "The Dark Blue" und beeinflusste einen anderen Iren sehr beim Schreiben seiner Geschichte namens "Dracula" (1897)...
Man darf also "Carmilla" als "Mutter" der literarischen Vampire bezeichnen... wenn sie auch eher dem eigenen Geschlecht zugetan war...

Le Fanu erzählt von einem pensionierten Beamten der österreichisch-ungarischen Monarchie und seiner Tochter, die in einem kleinen Schloss inmitten eines Waldes im Bundesland Steiermark leben.
Laura - so der Name der Tochter und Erzählerin dieser Geschichte - ist sechs Jahre alt, als sie eines Nachts vermeint, Besuch von einer wunderschönen weiblichen Gestalt, die sie mit spitzen Zähnen in ihre Brust beißt, erhalten zu haben. Als sie ihre Geschichte dem Vater und der Gouvernante erzählt, will ihr keiner glauben - zumal es keine sichtbaren Wunden gibt.

12 Jahre später hat eine dahin preschende Kutsche mit zwei Frauen darin einen Unfall vor dem Schloss. Die ältere Frau muss dringend weiterreisen und bittet den Schloßbesitzer, sich ihrer von einer Krankheit geschwächten Tochter während der Abwesenheit anzunehmen.
Das junge Mädchen heißt Carmilla und hat eine erschreckende Ähnlichkeit mit jener nächtlichen Vision Laura's in ihrer Kindheit. Die Beiden vertragen sich auf Anhieb.
Gerade erst war ein Mädchen, welches für einige Zeit im Schloß zu Gast sein sollte und zur Unterhaltung für Laura gedacht war, unter mysteriösen Umständen verstorben und so gibt der Witwer dem Drängen seiner euphorischen Tochter nach... und Seltsames im Schloss und in der näheren Umgebung nimmt seinen Lauf.

Der Autor schreibt sehr präzise und dicht und man fühlt sich tatsächlich etwas an Stoker's Roman erinnert - er war anscheinend schon sehr von dieser Erzählung fasziniert... das posthum publizierte erste Kapitel aus "Dracula" - "Dracula's Gast" - ist dieser Geschichte hier sehr nahe.
Sehr subtil (der damaligen Zeit geschuldet) schildert Le Fanu Carmilla's Vorliebe für junge Mädchen und Frauen, die zahlreich während ihres Aufenthalts in dem Schloss Karnstein sterben. Auch Laura's Zuneigung zu dieser mysteriösen - manchmal schwächelnden, manchmal sehr starken - Frau wird dezent aber unverkennbar beschrieben.

Ein schön straff gehaltener Spannungsbogen mit stimmungsvollen Szenen - wie zum Beispiel ein Freund der Familie von seiner Begegnung mit einer wunderschönen maskierten Frau samt Tochter während eines Balles berichtet und sich dann herausstellt, daß die Tochter Carmilla gewesen sein muss - und einem interessanten Finale, welches das vom Tod gepeinigte Land um das Schloss endlich von der Quelle des Übels befreit.

Für Freunde des Vampir-Genres beinahe eine Pflichtlektüre, zumal diese Geschichte eng mit Stoker's Arbeit zu diesem Thema verwoben ist.




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Rezension zu "Carmilla, die Vampirin" von Joseph Sheridan Le Fanu

Noch vor Dracula gab es Carmilla ...
Azraelvor 4 Jahren

Laura wohnt mit ihrem Vater abgeschieden auf einem alten Schloss, zusammen mit wenigen Bediensteten. Als dann auch noch ein lang ersehnter Besuch aufgrund eines Todesfalles ausfällt, ist sie sehr enttäuscht. General Spielsdorf Mündel ist einer dunklen Macht zum Opfer gefallen. Kurz darauf werden Laura und ihr Vater Zeugen eines Unfalls und finden sich direkt danach in Gesellschaft eines Gastes wieder. Laura schwebt zwischen Entsetzen und einer seltsamen Anziehung, erkennt sie in ihrem weiblichen Gast doch jenes Gesicht wieder, dass sie seit einem albtraumhaften Erlebnis aus ihrer Kindheit verfolgt. Die junge Dame nennt sich Carmilla und gibt nichts Genaueres über ihr Leben preis. Kurz nach ihrer Ankunft kommt es in der Umgebung des Schlosses zu mysteriösen Todesfällen unter jungen Frauen. Als die Seuche auch Laura befällt und diese gepeinigt von Albträumen immer mehr dahinsiecht, taucht plötzlich General Spielsberg auf und erzählt ihr und ihrem Vater eine unheimliche Geschichte ... kommt er bereits zu spät?!

Carmilla ist ein Vampirroman und stammt bereits aus dem Jahre 1872. Er war Bram Stokers Inspiration für Dracula. Deshalb verwundert es auch nicht, wenn es zwischen beiden durchaus Parallelen gibt. Unter anderem, die als Bericht abgefasste Form. In diesem Fall erzählt Laura uns ihre Geschichte. Der Roman ist eher ein kurzes Vergnügen und umfasst in dieser Ausgabe lediglich 128 Seiten. Die Sprache wirkt längst nicht so altbacken, wie viele vermuten. Carmilla schaft es auch heute noch zu begeistern.

Die Geschichte ist als Schauerroman angelegt, ohne dabei großartig mit Horror oder Grauen zu arbeiten.

Zitat: »Am Fußende des Bettes bewegte sich etwas, das ich anfangs nicht genau erkennen konnte. Dann sah ich, daß es ein kohlschwarzes Tier war, ähnlich einer riesigen Katze. Es schien vier bis fünf Fuß lang zu sein, genau so lang wie der Kaminvorleger, über den ich es schleichen sah. Unheimlich ruhelos wie ein wildes Tier im Käfig lief es ständig hin und her.«

Sie ist recht still, ohne jedoch langweilig zu wirken.
Es macht Spaß, selbst zu kombinieren und die dezenten Hinweise, die in die Geschichte mit einfließen zu deuten. Besonders gelungen fand ich die Stelle mit dem Gemälde und später die Sache mit den Namen. Der Roman spielt in der Steiermark, was zur damaligen Zeit wohl als recht exotisch galt.

Wer Carmilla jedoch liest, weil es oft als "Carmilla, der lesbische Vampir" betitelt wird, dem sei gesagt, dass dies nur bedingt zutrifft. Sicher gibt es einige etwas entfernt erotische Szenen, doch liefert der Schluß hierfür eine eher nüchterne Erklärung.
Der Schluss selbst ist zwar keineswegs überraschend, aber trotzdem spannend und schlüssig. Lediglich eine Frage bleibt offen, wer sind der seltsame Mann und die Frau, in deren Gesellschaft Carmilla auftritt.
Es ist interessant zu sehen, wie sich das Bild des Vampirs im Laufe der Jahrhunderte verändert hat und wie wenig teils von dem sich darum rankenden ursprünglichen Aberglauben übrig geblieben ist.

Alles in allem ein gelungener Schauerroman für alle, die auch bereits Dracula kennen und lieben oder Fans echter Klassiker sind.

4,5/5 Sternen

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Joseph Sheridan Le Fanu wurde am 18. August 1814 in Dublin (Irland) geboren.

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