Die Farben der Grausamkeit

von Joseph Zoderer 
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Die Farben der Grausamkeit
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eigene schöne Sprache, die Geschichten aber bleiben die selben

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Inhaltsangabe zu "Die Farben der Grausamkeit"

Richard will sich von der Liebe seines Lebens befreien, von der Obsession einer Leidenschaft, die ihn immer noch an Ursula fesselt, seine einstige Geliebte, die ihn verlassen hat. Um sein Familienglück zu retten, kauft er ein Bauernhaus am Berg. Die Umgestaltung des neuen Heimes soll ihn ablenken, erlösen von der Sehnsucht nach
Ursula, soll ihn zurückführen zu seiner Frau Selma, die er immer noch liebt, und zu ihren beiden Söhnen. Richard pendelt zwischen zwei Welten, zwischen Idyll und schmerzender Erinnerung, zwischen der Einsamkeit des Bergdorfs und der Betriebsamkeit der Stadt. Doch dann macht er einen Karrieresprung und wird als Auslandskorrespondent ins Berlin des Jahres 1989 geschickt. Inmitten der weltpolitischen Umwälzungen begegnet er dort ein zweites Mal Ursula und muss sich entscheiden ...
Mit atmosphärischer Dichte und poetischer Klarheit erzählt Joseph Zoderer in seinem neuen Roman eine Geschichte von den Möglichkeiten der Liebe und den Wunden, die sie schlägt, von der Sehnsucht, mehr als ein Leben zu haben, und vom Weg eines Mannes zu sich selbst.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783852186849
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:335 Seiten
Verlag:Haymon Verlag
Erscheinungsdatum:12.05.2011

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    Berndabooks avatar
    Berndabookvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: eigene schöne Sprache, die Geschichten aber bleiben die selben
    Farben der Wiederholungen

    So schön der Autor Zoderer auch schreibt, und das tut er, so wiederholen sich seit Jahren seine Motive, Umschreibungen, Wewechen. Wer seine älteren Bücher auch gelesen hat, der wird irgendwann feststellen, da kommt nicht allzuviel Neues daher. So zumindest ist es mir ergangen, und wenn man sich umhört, auch anderen. Es wird wohl einen Grund haben, warum der alte Verlag das Manuskript nicht so veröffentlichen wollte, woraufhin Zoderer beleidigt den VErlag gewechselt hat. Ich erinnere mich nicht mehr, war es bei diesem Buch oder bei "Schmerz der Gewöhnung". Der Autor jedenfalls kann so fesselnd schreiben, dass es ihm zu wünschen ist, sich zu öffnen für Neues. Ausruhen auf alte Erfolge und sich erfreuen, dass die neuen Bücher sich von alleine verkaufen reicht nicht aus, um Leser zufriedenzustellen, die von so einem Schreiben mehr erwarten dürfen.

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    AennAs avatar
    AennAvor 7 Jahren
    Rezension zu "Die Farben der Grausamkeit" von Joseph Zoderer

    Der Journalist Richard hat Alles. Eigentlich.
    Er hat einen Beruf, der ihn ausfüllt, und eine Familie...
    Da ist Selma, seine Frau, mit der ihn eine tiefe Liebe verbindet. Nicht zu vergessen die beiden Söhne Rik und Tom, die aus dieser Liebe hervorgehen.
    Eine Bilderbuchfamilie.... Eigentlich.
    Denn in Richards Leben gibt es auch noch Ursula. Und auch die liebt er, seit Jahren schon. Trotzdem erfolgt irgendwann die Trennung.
    Um Ursula zu vergessen und sein Leben in Ordnung zu bringen, kauft Richard ein altes Bauernhaus hoch oben in den Bergen, das er gemeinsam mit Selma restauriert.
    Doch er kann nichts tun gegen seine Sehnsucht, kann einfach nicht aufhören, zwei Frauen zu lieben...

    Ich bin mit gewissen Vorurteilen an dieses Buch "Die Farben der Grausamkeit" von Joseph Zoderer herangegangen, ich gebe es zu.
    Ich hatte gerade ein paar Seiten gelesen, da wurde ich gefragt, wovon das Buch denn handeln würde. "Von einem Mistkerl, der sogar noch dann seine Geliebte vö..., als seine Frau im Krankenhaus sein Kind entbunden hat", antwortete ich.
    Meine Sympathie für Zoderers Protagonisten Richard war nicht gerade überwältigend...
    Dazu kommt die Schreibweise des Autors, dieser eigentümliche Stil, der fast gänzlich ohne wörtliche Rede auskommt. Schwierig zu lesen...
    Fast missmutig war ich auf einen Kampf durch 335 Seiten gefasst...

    Aber es kam ganz anders. Ich verlor mich in dieser Geschichte.
    Ich versank in der Poesie des Geschriebenen, die für mich ganz neu war und anfangs so ungewohnt.
    Ständig las ich diese besonderen Sätze, Wörter.., wollte mir Marker ins Buch kleben. Das ganze Buch wäre voll davon, wenn ich es nicht irgendwann aufgegeben hätte...
    Da ist die Rede von "sommersüß" schmeckenden Kirschen, die zudem noch "nachtklebrig" sind, von "Weihnachtsbaumäpfeln"...
    Da liest man Sätze wie: "....Ursula war ihm wie eine kleine Blütenstaubwolke zugeflogen..." ( Seite 22) oder: "...Es tat ihm gut, ihre Lippen wieder als eine Heimschwelle zu spüren..." ( Seite 42)

    Zoderer hat eine einmalige Gabe, die Dinge zu beschreiben.
    Ich sah den Berghof vor meinen Augen, die alten Obstbäume, die spielenden Kinder, den rauschenden Wald....
    Aber nicht nur das Optische versteht der Autor zu vermitteln, sondern vor allen Dingen die Gefühle, das Innerste von Richard.
    Seine Zerrissenheit, seine Sehnsucht, seine Folter.
    Vieles bleibt aber auch ungesagt oder wird nur angedeutet, so dass genug Raum bleibt für eigene Gedanken, die sich in meinem Fall viel um Richards Frau Selma drehten...
    "....Wahrscheinlich hielt sie sich für die Stärkere - und trotzdem sagte sie nicht: Ich weiß, daß du eine andere liebst...."
    "Vielleicht liebte sie ihn, weil sie seine Unruhe liebte, die sie fürchtete." (Seite 94)
    Und um die Frage, ob so etwas überhaupt möglich ist...Kann man zwei Menschen gleichzeitig auf diese Weise lieben?

    Mehrfach fragte ich mich, wie man denn so schreiben kann, ohne das Ganze womöglich selbst erlebt zu haben?
    Ich hatte das Gefühl, eine wahre Geschichte zu lesen, zumal auch der zeitliche Rahmen durch die politischen Ereignisse um den Mauerfall genau festgesetzt ist.

    Ich war gespannt, wie das Buch ausgeht, wie Richard sich letztendlich entscheidet, zumal ich selbst kaum in der Lage war, meine Entscheidung zu treffen....

    Als ich nach Ende des Buches erneut gefragt wurde, wovon es denn gehandelt hätte, antwortete ich:
    "Von einem Mann, der einem tiefen, inneren Konflikt ausgesetzt ist, weil er nur ein Leben hat....in dem ihm aber zeitgleich zwei große Lieben begegnen...."

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren
    Rezension zu "Die Farben der Grausamkeit" von Joseph Zoderer

    Kurzbeschreibung:
    Richard will sich von der Liebe seines Lebens befreien, von der Obsession einer Leidenschaft, die ihn immer noch an Ursula fesselt, seine einstige Geliebte, die ihn verlassen hat. Um sein Familienglück zu retten, kauft er ein Bauernhaus am Berg. Die Umgestaltung des neuen Heimes soll ihn ablenken, erlösen von der Sehnsucht nach Ursula, soll ihn zurückführen zu seiner Frau Selma, die er immer noch liebt, und zu ihren beiden Söhnen.
    Richard pendelt zwischen zwei Welten, zwischen Idyll und schmerzender Erinnerung, zwischen der Einsamkeit des Bergdorfs und der Betriebsamkeit der Stadt. Doch dann macht er einen Karrieresprung und wird als Auslandskorrespondent ins Berlin des Jahres 1989 geschickt. Inmitten der weltpolitischen Umwälzungen begegnet er dort ein zweites Mal Ursula und muss sich entscheiden...

    Zum Autor:
    Joseph Zoderer, geboren 1935 in Meran, lebt als freier Schriftsteller in Bruneck. Studium der Rechtswissenschaften, Philosophie, Theaterwissenschaften und Psychologie in Wien. Vom Autor des Romans Die Walsche erschienen zuletzt: Der Schmerz der Gewöhnung. Roman (2002), Der Himmel über Meran. Erzählungen (2005), Liebe auf den Kopf gestellt. Lyrik (2007) sowie bei HaymonTb Das Glück beim Händewaschen. Roman (2009). Zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Ehrengabe der Weimarer Schillerstiftung (2001), Hermann-Lenz-Preis (2003) und Walther-von-der-Vogelweide-Preis (2005).

    Rezension:
    Richard, ein Rundfunkmoderator, betrügt seit einiger Zeit seine Frau Selma mit der jüngeren Ursula. Er führt ein Doppelleben, einerseits genießt er die Aufmerksamkeit der jüngeren Frau in der betriebsamen Großstadt, in der er arbeitet und sich dort heimlich mit ihr trifft, aber andererseits fühlt er sich bei seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn Rik in einem kleinen einsamen Bergdorf, wo sie ein altes Bauernhaus gekauft haben, wohl.

    Kurz nach dem Umzug in das alte Haus beendet Ursula die Affäre und Richard kniet sich nun als eine Art Therapie in die Renovierung des Gebäudes. Doch die viele Arbeit kann die Gedanken, die immer wieder um Ursula kreisen, nicht vertreiben. Als er zum Auslandskorrespondenten befördert wird und ihn diese Tätigkeit nicht nur nach Berlin, wo gerade die Mauer fällt, sondern auch an andere ausländische Ziele führt, begegnet ihm Ursula, die mittlerweile verheiratet ist, wieder und sie lassen ihre Affäre wiederaufleben...

    Leider hatte ich mit Joseph Zoderers Werk meine liebe Mühe. Das liegt daran, dass im gesamten Roman keine einzige wörtliche Rede vorkommt, vielmehr nur aus der dritten Person erzählt wird. Die Beschreibungen rund um den Hausumbau waren mir zu ausufernd geschildert, dies stockte den Lesefluss für mich nicht unmaßgeblich. Richards Gedankenwelt, die sich immer wieder in kursiv geschriebenen Sätzen zwischen dem Geschehen einfindet, strotzt nur so von Poesie und philosophischen Einflüssen, die sich mir nicht wirklich erschlossen haben.

    Richard selbst konnte ich in seinem Handeln und Denken nicht nachvollziehen, zumal er sich in der Affäre mit Ursula als eine Art Opfer sieht und in der Zeit mit ihr keinen einzigen Gedanken an seine Frau und seine mittlerweile zwei Söhne verschwendet. Ursula ist aus seiner Sicht die Böse, die ihn jedesmal verführt und der er auch die Schuld dafür gibt, fremdzugehen. Trotz allem ist "Die Farben der Grausamkeit" ein Roman, der, hat man sich erst einmal an die sehr bildhafte und detaillierte Schreibweise Joseph Zoderers gewöhnt, sich zu lesen lohnt. Denn man möchte schon gerne wissen, wie sich Richard am Ende des Buches entscheiden wird.

    Zur Gestaltung des Buchs: Der Schutzumschlag zeigt einen hellbraunen Sandstrand und ein Beinpaar, das Fußspuren darauf hinterlässt. Man könnte dies eventuell auf Ursula beziehen, die ihre Spuren in Richards Leben hinterlassen hat.

    Fazit: "Die Farben der Grausamkeit" ist kein einfaches Buch, das man mal auf die Schnelle durchliest. Vielmehr besticht es durch seine poetische und bildgewaltige Sprache, auf die man sich einlassen muss.

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    traumwalds avatar
    traumwaldvor 7 Jahren
    Kurzmeinung: Hinweis zum Gewinnspiel! Es werden insgesamt 3 Buchpakete verlost u.a. mit einem Exemplar "Die Farben der Grausamkeit" von Joseph Zoderer ht...
    Rezension zu "Die Farben der Grausamkeit" von Joseph Zoderer

    Kompliziert finde ich den Sprach- und Schreibstil von Joseph Zoderer nicht - dafür aber sinnlich detailliert.

    Aber vielleicht sollte ich erst mal zum Inhalt kommen, der mir so erschien, als gäbe es stets ein vor und ein zurück. Richard will sich von der Grausamkeit seiner heimlichen Liebe zu Ursula befreien. Obwohl sie ihn verlassen hatte und er von seiner Frau Selma geliebt wird, fühlt er den tiefen Schmerz des Verlustes. Um an sein Familienleben festzuhalten, kauft er auf dem Land eine verlassene Berghütte und restauriert diese. In der ländlichen Idylle wird das Vergessen einfacher sein. Aber er vergisst nicht; er verdrängt nur.
    Vom Radiomoderator gelingt es ihm zum Auslandskorrespondenten aufzusteigen, doch dafür muss er nach Paris und im Jahr 1989 nach Berlin. Was er vorher nicht wußte ist, dass er dort ein zweites Mal vor einer Entscheidung steht. Ursula oder seine Frau Selma mit den beiden Jungen.

    In seiner Tristes wird Richard zum Philosophen und trotz der sprachlichen Ästhetik - wie er die Dinge um ihn herum beschreibt, sein Gefühlswirrwarr mit eingeschlossen - wurde ich mit jedem Wort müder. Zwar hatte man die Umgebung vor Augen, aber Richard blieb mir besonders deswegen so fremd, weil es scheinbar nichts anderes gab, ausser ihn und seine innerliche Zerrissenheit und Unentschlossenheit. Zum Schreibstil muss man hinzufügen, dass der Autor in diesem Roman weitestgehend und fast ganz auf die wörtliche Rede verzichtet. Die Kommunikation untereinander fehlte mir persönlich! Ein ruhiges Buch, das mich zwar sprachlich überzeugte, dafür inhaltlich viel zu einseitig war. In der Lyrik ist es oft so, dass generell mit schwer zu verstehenden Phrasen um sich geschmissen wird. Der Autor beweist, dass dies auch anders geht!

    Fazit:

    >>Laut "Frankfurter Rundschau" ist Zoderers Werk vom "Atem der Dichtung" beseelt.<<
    Diese Zeilen geben meine Gedanken so wider, dass ich keine Worte mehr hinzufügen möchte.
    Philosophen und Romantiker werden hiermit ihre Freude haben!

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    depe58s avatar
    depe58vor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Farben der Grausamkeit" von Joseph Zoderer

    "Die Farben der Grausamkeit" ist ein, wie kann ich es ausdrücken, ein etwas "anderes" Buch" für mich.

    Anfangs hatte ich meine Schwierigkeiten es lesen zu können, da der Auto "Joseph Zoderer" einen sehr eigenen Schreibstil hat, was nichts schlechtes ist.

    Man gewöhnt sich nach den ersten Kapiteln an die Zeitsprünge und die denkweise/monologe des Protagonisten. Ich fand es anfangs recht kompliziert, jedoch versteht man den Sinn dahinter im Laufe der Geschichte.
    Desweiteren find ich die Wortwahl des Autors gut. Die Geschichte wird meiner Meinung nach zu einer Art Drama/Poesie (von den Worten her).

    Wenn man sich allein nur den Titel anguckt "Die Farben der Grausamkeit", so hat man eventuell im ersten Augenblick eine andere Vorstellung vom Buch. Der Titel spiegelt, so wie man es den Klappentexten entnehmen kann, das Leben/Leiden des Protagonisten wieder.

    Ich lese eher Thriller/Krimis, aber ich fand, dass dieses Buch sehr gelungen ist, da es mich auf eine bestimmte Art und Weise berührt hat.

    Jeder, der mal etwas anderes lesen will, empfehle ich dieses Buch sehr.
    Man sollte jedoch auch für andere Genres offen sein ;)

    lg.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Farben der Grausamkeit" von Joseph Zoderer

    Remigius, den Ofenbauer, kannte in dieser Gegend jeder. Richard tat es weh, den uralten Kachelofen abbrechen zu müssen, doch die Jahrhunderte, in denen er seinen Dienst tat, hinterließen deutliche Spuren. Es wäre zu gefährlich gewesen, ihn weiter zu betreiben, also musste ein neuer gebaut werden, aber ein traditioneller Tiroler Bauernofen sollte es schon sein. Schließlich war das Haus 400 Jahre alt und man wollte ihm nicht die Seele herausreißen.

    Richard sah dem Ofenbauer bei der Arbeit zu, wie er in dem engen Ofenloch verschwand, und da war er wieder, dieser Traum, der immer wiederkehrte. Richard sah seinem eigenen Begräbnis zu. Es war im Süden, dort wo man die Toten in Wandschächte schiebt. Mit dem Kopf voran schob man ihn in den engen Schacht, doch er war gar nicht tot! Keinen Finger konnte er rühren, nicht schreien und sich nicht wehren. Selbst ersticken konnte er nicht, denn der Betondeckel, der ihn vom Leben da draußen trennte, schloss nicht luftdicht ab und verhinderte so einen schnellen Tod.

    Das Leben schlägt tiefe Wunden. Es sind die Erinnerungen. Die Zeit mit Ursula war eine andere. Eine Parallelwelt, eine Welt in der Welt. Die "Erinnerungswunden" schienen sich zu schließen, doch Richard hatte die Macht der Zeit und der eingebrannten Lebensbilder unterschätzt. Die Zeit mit Ursula begleitet ihn immer und überall. Immer ist er auf der Flucht, und sei es nur aus Furcht vor der Schuld und aus Scham. Richard, der rasende Reporter, stürzte sich in eine unglückseelige Ambivalenz. Auf der einen Seite wollte er nicht verantwortungslos sein, doch andererseits war er unterwegs, ohne ein genaues Ziel zu kennen.

    Das Haus am Berg war als Fluchtburg geplant. Der Umbau des heruntergekommenen Bauernhauses eine Ablenkung. 400 Jahre stand es nun schon da und musste von Grund auf saniert werden. Eine Lebensaufgabe. Etwas Gegenständliches, das man mit allerlei Werkzeug angehen konnte. Konkret und greifbar. Ein "romantischer Zukunftstempel der Liebe, ein Bollwerk der Geborgenheit" sollte es werden. In den ersten Frühlings- und Sommermonaten schliefen Richard und Selma mit ihren beiden Kindern im Heustadel. Noch war das Haus unbewohnbar. Sie erlebten, endlich fern von Stadt und Krach, die Jahreszeiten pur und unverfälscht. Doch Richard macht es traurig und er sieht in der Schönheit der Natur auch gleichzeitig die Vergänglichkeit und die Endlichkeit allen Seins.

    Ohne Macht zur Gegenwehr verfällt Richard unaufhaltsam seiner melancholischen Ambivalenz. Für eine Rückkehr ist es längst zu spät. Befreit aus dem Paradies mit Baugerüst, fährt er in die Stadt, in seine "Angstfreiheit", doch gleichzeitig sehnt er sich nach Gras- und Holzgeruch, nach Selma und den Kindern. Das Verlangen nach Ursula nimmt ihm die Luft zum Atmen, und gleichzeitig verzehrt ihn die Sehnsucht nach seiner Frau. Er schwankt ziel- und konzeptlos durch die Trümmer seiner Unerfüllbarkeiten, ist ein Spielball seiner selbst und donnert von einer Bande zur nächsten, getäuscht von seiner "Lustfreude" und einer selbstzerstörerischen Trägheit.

    Unfähig, eine Entscheidung zu treffen, stürzt er sich und die, die ihm nahestehen, in ein stilles Leiden. Ahnt Selma etwas? Sie sagt nichts und doch ist ihr Schweigen so vielsagend. Weiß sie, was in ihm vorgeht? Kennt sie sein Doppelleben und spürt ihr Gegenüber?

    Wenn ich es nicht selbst erfahren hätte, könnte ich nicht mit Bestimmtheit sagen: ja, genau so ist es! Ich kenne das Haus am Berg, ich kenne die Wiesen und den angrenzenden Wald. Und ich kenne die Ambivalenz der Sehnsucht und des schlechten Gewissens. Ein Rettungsring kann nur die Entscheidung sein, doch dazu ist Richard nicht fähig. Selma scheint sich ebenfalls in ihr Schicksal zu ergeben ... doch darum geht es ja gar nicht. Die Geschichte spielt sich täglich ab und passiert genau zu dieser Stunde vielfach. Lug und Trug sind an der Tagesordnung. Man akzeptiert es stillschweigend, bricht aus, wehrt sich, oder geht daran zugrunde.

    Entscheidend ist bei "Die Farben der Grausamkeit" nicht die Geschichte an sich. Sie mag gar banal und alltäglich sein, in Heftchenromanen tausendfach erzählt und heruntergeleiert. Beweint von unzähligen Leserinnen (Männer lesen so etwas doch nicht!), denen es selbst vielleicht nicht anders geht. Nein, es ist die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt wird! Joseph Zoderer komponiert mit wenigen Hauptdarstellern eine Sinfonie der Gegensätzlichkeiten. Er zeichnet die Melodie eines rastlos Reisenden, der mit zwei selbstentworfenen Welten korrespondiert und sich scheinbar willenlos dem Diktat seiner eigenen Unzulänglichkeit unterwirft.

    Diese monumentale Persönlichkeitsstudie entwirft ein zutiefst emotionales Psychogramm eines Menschen und lässt einem beim genaueren Studium schier die Atemluft etwas knapp werden. Man möchte vergehen in dieser Oper aus Worten. Jede einzelne Seite ist ein Kunstwerk, dazu noch ständig verbunden mit dem Wandel der Jahreszeiten, ihren Gerüchen, ihren Farben und Stimmungen. Hier verwandeln sich geläufige Leseerfahrungen in Bewunderung.

    Schon jetzt gehört "Die Farben der Grausamkeit" zu meinen Büchern des Jahres 2011!

    © Thomas Lawall - www.querblatt.com

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    NiliBine70s avatar
    NiliBine70vor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Farben der Grausamkeit" von Joseph Zoderer

    Farbiger Selbstbetrug
    Das Buch spielt zum Ende der 80er Jahre. Überall befindet sich die Welt im Umbruch. Und auch Richard, der „Held“ der Geschichte, scheint sich an einem Punkt seines Lebens zu befinden, an dem es Zeit für einschneidende Umwälzungen zu sein scheint.
    Vor Jahren hatte er, als Radiomoderator tätig, bei der Arbeit die junge Ursula kennen gelernt. Lebhaft, wild, zu allem bereit und sich hoffnungslos in sie verliebt. Eine verhängnisvolle Liebe. Er, verheiratet mit Selma, eigentlich glücklich mit zwei kleineren Kindern, hatte versucht, dieser Liebe zu entfliehen, indem er für sich und seine Familie eine Zuflucht in den Bergen schafft. Er hatte krampfhaft versucht, durch harte und verbissene Arbeit an dem verfallenen Berghof Ursula und alles, was sie für ihn bedeutet, zu vergessen. Doch dies misslingt. Er wird befördert, bekommt die Möglichkeit, als Auslandskorrespondent in die Welt an die Orte zu reisen, wo Geschichte gemacht wird, auch während des Zusammenbruchs der DDR. Und bei dieser Tätigkeit begegnet ihm Ursula wieder, die sich jetzt Manuela nennt und mit einem Spanier, einem Zwitter, verheiratet ist. Und alles beginnt von vorn, ja wird noch viel schlimmer. Richard weiß, er muss sich entscheiden…

    Joseph Zoderer hat gemäß des Titels seines Buches sehr viel mit Farben gearbeitet. Poetisch, virtuos beschreibt er die Geschichte einer lange Jahre andauernden Affäre eines Familienvaters, der sich nicht scheut, seinen Betrug an seiner Ehefrau und seinen Kindern vor sich selbst immer wieder zu verteidigen. Er, der Unschuldige, der sich nicht wehren konnte vor den „Angriffen“ Ursulas.

    Der Stil ist gewöhnungsbedürftig, nichts, was man zwischendurch liest, aber mit viel Tiefgang. Das Buch löst vielerlei Gefühle beim Leser hervor. Bei mir wuchs mehr und mehr die Wut auf Richard. Mehrmals habe ich gedacht, klar, Du armer Tor, konntest Dich nicht wehren! Mir hat das Herz manchmal bis zum Hals geschlagen vor lauter Ärger über diesen Mann, der für so viele andere steht, die es genauso handhaben. Da nutzen die wirklich künstlerisch ausgesuchten Worte des Autors wenig!

    Aber genau das ist es, was es zu einem guten Buch macht. Ich habe nicht aufgehört zu lesen, ich musste es bis zum Schluss lesen, wollte wissen, wie entscheidet Richard sich. Kommt er zur Vernunft? Oder hat er nur wieder blumige, bunte Ausreden, verknüpft mit Bildern, warum er von Ursula/Manuela nicht lassen kann…

    Wer mutig genug ist, sollte sich auch auf diese Reise begeben.

    Was ich nur schade fand, bedingt durch die Kurzbeschreibung hatte ich gehofft, dass die Geschichte mehr mit dem Fall der Berliner Mauer und der neueren deutschen Geschichte verstrickt wäre, was leider nicht der Fall war.

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    sarahsbuecherwelts avatar
    sarahsbuecherweltvor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Farben der Grausamkeit" von Joseph Zoderer

    Richard ist verheiratet, Vater zweier Söhne und stolzer Besitzer eines Bauernhauses in einer atemberaubenden Bergkulisse. Doch diese idyllische Kulisse wird von quälenden Schmerzen getrübt. Schmerzen, die den Namen Ursula tragen. Viele traumhafte Stunden liegen hinter ihm und Ursula bis ihn seine Geliebte verlässt. Das Bauernhaus soll ihn ablenken und ihn zu seiner Familie zurückführen. Schließlich liebt er auch seine Frau. Als ihn seine Tätigkeit als Auslandskorrespondent ins geteilte Berlin 1989 führt, trifft er erneut auf Ursula.

    Genau diese Situation spiegelt sich im Cover wieder. Ein Sandstrand mit einer Fußspur und Beinen, die den unberührten Sand mit Spuren versorgen. Für mich stellt dies perfekt die Gefühlswelt von Richard dar. Genauso passend ist der Titel. Grausam ist die Situation und sie wird von den unterschiedlichsten Seiten beleuchtet. Zum einen ist die Grausamkeit, wie der Mann leiden muss. Zum anderen ist die Grausamkeit, wie er die Frauen dabei behandelt.

    Die Thematik ist sehr interessant. Bücher aus der Sichtweise von betrogenen Partnern gibt es genüge. Joseph Zoderer hat sich mit der anderen Seite, einer solche Affäre beschäftigt. Gefühlvoll, poetisch und trotzdem lebendig wurde ich in die Welt von Richard geführt. Glaubwürdig, authentisch und bildhaft beginnt er seine Geschichte zu erzählen. Zwischen der Liebe zu seiner Familie und der Trauer durch den Verlust seiner Geliebten, versucht er den Weg zurück zu sich selbst und der Familie zu finden. Immer wieder tauchen neue Fragen auf. Wer ist Ursula, wie lange kennt er sie schon, wie konnte es dazu kommen? Mit diesen Fragen befasst sich Joseph Zoderer in immer neuen Rückblenden. Ich durfte als Leser von kleinen Abenteuern, Reisen oder Besuchen im Restaurant ein Bild vom gesamten Umfang machen. Zwar musste ich mir jedes neue Teil, wie ein Puzzle in die richtige Reihenfolge setzen, aber nach und nach wurde die gesamte Dramatik deutlich.
    Trotz des Vertrauensbruch sind gewisse Sympathien für den Protagonisten vorhanden. Schließlich gelingt es dem Autor die Emotionen so authentisch zu vermitteln, als wäre ich selbst in dieser Situation.
    Der Autor verwendet einen kurzen, knackigen Stil, der auf eine direkte wörtliche Rede verzichtet. Seine Wortwahl ist leicht, aber jedes Wort trifft genau ins Herz und hallt poetisch nach. Es ist dadurch leicht zu lesen, aber die Worte hinterlassen eine Menge zum Nachdenken.
    Das Besondere an dieser Geschichte ist der Schauplatz vor dem geteilten Berlin 1989. So wie Deutschland damals noch in zwei Länder geteilt war, so ist auch die Situation von Richard. Zwei Frauen, ein Mann und eine Vereinigung. Seine Rückkehr zu seiner Ehefrau, erinnerte mich während des Lesens immer wieder an die Wiedervereinigung von Deutschland.

    Am Anfang ist die Umsetzung gewöhnungsbedürftig. Die Sprünge und der poetische Stil sind nicht alltäglich. Dies macht das Buch jedoch zu etwas Besonderem. Während des Lesens wurde ich so in die Handlung einbezogen, dass ich gar nicht merkte, wie schnell ich zum Schluss der Lektüre kam. Dieser Schluss zeigt das ganze Können von Joseph Zoderer. Logisch, alle restlichen Fragen klärend und es wird jeden Leser bewegen. Es ist ein schönes, aber irgendwie auch trauriges Ende. In meinen Augen ein krönender Abschluss für dieses Buch.

    Joseph Zoderer achtet bei seiner Geschichte darauf, dass der Leser genügend Pausen hat, um den Inhalt verdauen zu können. Schließlich ist der eigentliche Betrug seiner Frau gegenüber schon schockierend. Dies darf man gegenüber der Trauer nie gänzlich vergessen. Daher empfinde ich es als ein gelungener Aufbau, dass der Autor sein Werk in viele einzelne Kapitel unterteilt. Dadurch kann man ideal pausieren und noch darüber nachdenken.

    Wer auf der Suche nach einem Buch ist, welches das Herz berührt und dabei keine triviale Kost lesen möchte, der wird mit „ Die Farben der Grausamkeit“ genau richtig liegen.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Farben der Grausamkeit" von Joseph Zoderer

    Die Farben der Grausamkeit ist eine Geschichte über das Leben und darüber, Entscheidungen zu treffen die dieses beeinflussen, jedoch nicht nur das eigene, sondern auch das Leben anderer Personen, solche, die man liebt.

    Richard liebt seine Frau und seine zwei Söhne, davon ist er überzeugt. Doch um endlich das Familienglück genießen zu können, muss er es schaffen von seiner Geliebten Ursula wegzukommen. Dies soll ihm gelingen, in dem er ein Bauernhaus in den Bergen kauft. Völlig verfallen, wird es die Aufgabe der Familie sich daraus gemeinsam ein Heim zu schaffen. Die damit verbundene Ablenkung soll ihn Ursula vergessen lassen, doch nach einem scheinbaren Karrieresprung sieht er sie wieder und muss sich entscheiden zwischen Geliebter und Familie.

    Dieses Buch überzeugt weniger durch seine ungewöhnliche Geschichte, was ist schon heutzutage besonders an der Erzählung über einen Mann, der eine Affäre hat, sondern es besticht ganz eindeutig mit seiner Umsetzung, mit dem Schreibstil und auch der Wortwahl. Joseph Zoderer hat sich hierbei ein ganz besonderes Konzept ausgedacht und umgesetzt.
    Immer wieder tauchen kursivgedruckte Textpassagen auf, die durch Lyrik die aktuellen Gefühle des Protagonisten Richard zur jeweiligen Situation wiedergeben. Aber auch die vorherrschenden 'normalen‘ Textstücke sind auf eine wunderbar poetische Art und Weise verfasst, die das Lesen sehr angenehm machen.

    Was die Wortwahl betrifft, so hätte wohl kaum ein besserer Titel gefunden werden können, da Zoderer seine Gefühlsbeschreibungen immer wieder mit den Schilderungen der Landschaft und besonderes deren Farbenpracht verdeutlicht.
    Auf ganz besondere Art und Weise wird hier also beschrieben, wie Richard versucht, endlich glücklich zu werden, zufrieden mit sich und seinem Leben.

    Dabei fällt es nicht schwer seine Handlunge nachzuvollziehen, da die Ereignisse zwar nicht direkt aus seiner Sicht beschrieben sind, sich das Buch jedoch vollständig nur auf ihn und seine Gefühle konzentriert, Gefühle und Handlungen anderer Personen, wie etwa seine Frau, werden somit fast vollständig in den Hintergrund gerückt und ausgelassen.

    Ein negativer Aspekt war für mich allerdings das ständige Hin und Her seiner Gefühle. Zu jedem Zeitpunkt, zu dem man glaubte, Richard habe es geschafft, er habe endlich die richtige Entscheidung für sich getroffen, geht es ihm plötzlich scheinbar völlig grundlos wieder schlechter.
    Durchgehend wird dieses Buch von einer derart düsteren Stimmung erfasst, die das Lesevergnügen leider eindämpft und so die Möglichkeit auf ein entspanntes Lesen vieler Kapitel an einem Stück unmöglich macht. So wurden auch die Beschreibungen schöner Momente durch diese negative Atmosphäre gedämpft und brachten somit keine Abwechslung.

    Letztlich kam es am Ende zwar noch einmal zu einem für mich etwas unerwartetem Ende, blieb jedoch alles in allem der Eindruck der drückenden Stimmung hängen, den auch der Schreibstil leider nicht mehr wettmachen konnte.

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    Bellexrs avatar
    Bellexrvor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Farben der Grausamkeit" von Joseph Zoderer

    Die zwei Welten eines Mannes
    .
    Der Radiomoderator Richard ist mit Selma und seinem kleinen Sohn Rik glücklich. Ihr gemeinsamer Traum ist es, an den Waldrand zu ziehen, um dem hektischen Stadtleben zu entfliehen. Doch dieses Glück wird gestört als Richard die junge Ursula kennenlernt. Nie hatte er daran gedacht, Selma zu betrügen, doch nun ist es wie selbstverständlich. Richard beginnt ein Doppelleben zu führen. Auf der einen Seite das ruhige, besinnliche Familienleben mit Selma, auf der anderen Seite das turbulente , aufregende Leben an der Seite von Ursula. Doch nach einiger Zeit beendet Ursula die Beziehung. Zu dieser Zeit haben Selma und Richard bereits ein Berghaus in den Tiroler Alpen gekauft. Die Renovierung des herunter gekommenen Hauses hilft Richard, die Beziehung mit Ursula zu verarbeiten, doch heilen kann sie ihn nicht. Da erhält er ein Angebot als Auslandskorrespondent, welches er annimmt. Seine Arbeit führt ihn nach Paris, London und im Jahr 1989 nach Berlin. Dort trifft er Ursula wieder.
    .
    Richard ist ein innerlich zerrissener Mann. Er liebt Selma und seine mittlerweile zwei Söhne. Die Renovierung des Berghauses in den Tiroler Alpen ist für ihn wie eine Therapie, eine versuchte Heilung von den Wunden, welche die Trennung von Ursula ihm verursacht haben. Doch diese Wunden lassen sich nie ganz heilen, ständig sind seine Gedanken bei Ursula. Und doch gelingt es ihm scheinbar mühelos, im Zusammensein mit Selma und den Kindern den Schalter umzulegen und den treusorgenden Ehemann und Vater zu spielen. Der Job als Auslandskorrespondent kommt ihm daher mehr als gelegen, bietet sie doch Ablenkung und Flucht und führt ihn an Orte, die er mit Ursula nicht besucht hat. Doch selbst hier verfolgen ihn seine Gedanken an Ursula. Seine Beziehung zu Selma erkaltet schleichend durch die ständige Trennung. Und er weiß auch, dass er für seine Kinder ein schlechter Vater ist, doch ändern kann oder will er auch nichts an dem gegenwärtigen Zustand.
    .
    Und so wie die Berliner Mauer im Jahr 1989 immer mehr Risse bekommt, so bekommt auch die Ehe von Selma und Richard immer mehr Sprünge und droht an der ständigen Abwesenheit von Richard zu zerbrechen. Beide spüren dies und genau in diesem Moment tritt Ursula wieder in sein Leben. Nicht nur eine weltpolitisch aufregende Zeit beginnt, auch für Richard kehrt wieder Aufregung in sein Leben zurück. Kaum noch interessiert ihn das aktuelle Geschehen in Berlin, in seinem Blickfeld befindet sich nur noch Ursula, wie besessen ist er von ihr. Doch kann diese Beziehung ein gutes Ende finden?
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    Richard ist in meinen Augen ein sehr selbstsüchtiger Mensch. Er vermutet zwar, dass Selma etwas von seiner Beziehung zu Ursula ahnt, ist aber nicht fähig, diese zu beenden oder eine Entscheidung zu treffen. Viel zu sehr genießt er diese zwei so unterschiedlichen Leben mit den beiden Frauen, die er beide auf ihre Art gleich stark liebt. Er weiß sehr genau, dass Selma unter der Einsamkeit der Bergwelt leidet, sich ein glückliches Familienleben wünscht, doch für eine Entscheidung ist er nicht bereit. Bei Ursula lebt er nur im Hier und Jetzt, genießt das aufregende Leben mit ihr wie auch ihre Unbekümmertheit. Sie ist für ihn die Gegenwart, mit Selma plant er die Zukunft und er kommt nicht auf den Gedanken, dass es für Selma vielleicht gar keine gemeinsame Zukunft geben könnte. Und so habe ich mich über das Verhalten von Richard des Öfteren ziemlich geärgert, da es für mich absolut nicht nachvollziehbar ist.
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    Aber eigentlich war dies nur nebensächlich, denn wichtig ist hier die Sprache von Joseph Zoderer. Diese ist so kraftvoll, poetisch, nachdenklich, stellenweise melancholisch, dann wieder euphorisch, dass man schon nach kurzer Zeit von seiner Erzählweise gefangen ist. Hinzu kommt, dass seine Geschichte atmosphärisch sehr dicht umgesetzt ist und man bei seinen Beschreibungen der Bergwiesen, der Wälder oder der doch recht ausführlich beschriebenen Renovierung des Berghauses dies praktisch alles sofort vor Augen hat und hinzu kommt die Geschichte an sich. Der Autor beschreibt seinen Protagonisten und dessen Gefühlswelt sehr plastisch und stellt auch bewusst dessen innere Zerrissenheit in den Vordergrund. Man weiß bis zum Schluss nicht, wie sich das Leben von Richard weiter entwickeln wird, welches Schicksal Joseph Zoderer für seinen Protagonisten vorgesehen hat.
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    „Die Farben der Grausamkeit“ ist kein einfaches Buch und man muss sich für dieses wirklich viel Zeit nehmen, aber man wird belohnt. Belohnt mit einer fantastischen Sprache und einer Geschichte, die einen fesselt, auch wenn man – wie ich – das Verhalten des Protagonisten absolut nicht nachvollziehen kann.

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