Es gibt Bücher, bei denen man schon nach wenigen Seiten merkt, dass sie etwas Besonderes sind. Bücher, die man nicht einfach nur liest, sondern in die man hineinsinkt – Seite für Seite, wie in eine Welle, die einen immer weiter hinaus aufs offene Meer trägt. „Calling Oceans“ von Josephine Cantrell ist für mich genau so ein Buch.
Und ich sage es direkt vorweg: Dieses Buch bekommt von mir ganz klar 5 von 5 Sternen und ist ein absolutes Jahreshighlight. Vielleicht sogar eines dieser Bücher, bei denen man am Ende ein bisschen traurig ist, dass die Geschichte vorbei ist.
🌊 Das Cover
Das Cover hat für mich schon vor dem Lesen perfekt eingefangen, was die Geschichte ausmacht. Es vermittelt diese besondere Mischung aus Weite, Sehnsucht, Tiefe und einer gewissen Melancholie, die sich auch durch die Handlung zieht.
Dabei wirkt es nicht überladen, sondern lässt Raum für die eigene Fantasie – und genau das passt unglaublich gut zu einer Geschichte, in der das Meer nicht einfach nur Kulisse ist. Es ist vielmehr ein Gefühl. Ein Symbol. Fast schon eine eigene Figur.
Für mich passt das Cover deshalb wunderbar zum Inhalt und zu dieser ganz besonderen Atmosphäre, die „Calling Oceans“ von der ersten bis zur letzten Seite begleitet.
✍🏻 Der Schreibstil
Was ich an Josephine Cantrells Schreibstil ganz besonders liebe, ist ihre Fähigkeit, Atmosphäre zu erschaffen.
Ihre Beschreibungen haben etwas unglaublich Bildhaftes. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, nicht nur über Irland und die Küste zu lesen, sondern tatsächlich dort zu stehen: den Wind auf der Haut zu spüren, das Meer rauschen zu hören und die salzige Luft einzuatmen.
Gleichzeitig schreibt Josi emotional, ohne dass es für mich jemals künstlich oder übertrieben wirkt. Sie schafft es, Gefühle zwischen den Zeilen entstehen zu lassen und ihren Figuren Raum zu geben.
Besonders schön fand ich die wiederkehrenden Wellenrauschen-Passagen, die für mich wie kleine Atempausen innerhalb der Geschichte funktioniert haben. Sie verstärken die Verbindung zwischen der Handlung, den Figuren und dem Meer und tragen ganz wesentlich zur besonderen Stimmung des Buches bei.
Der Schreibstil ist für mich genau das, was ich mir von einem Buch wie diesem wünsche: emotional, atmosphärisch, intensiv und mit einem wunderbaren Gespür für die leisen Zwischentöne.
🤍 Die Charaktere
Besonders Nola und Aidan sind zwei Figuren, die mir unglaublich gut gefallen haben.
Nola ist keine Protagonistin, die einfach nur in eine romantische Geschichte hineinstolpert. Ihre Reise ist viel größer. Sie trägt eine Vergangenheit mit sich herum, die sie nicht loslassen kann, und die Suche nach Antworten auf das Verschwinden ihrer besten Freundin Emma ist für sie mehr als bloße Neugier.
Ich mochte sehr, dass Nola nicht perfekt ist. Sie zweifelt, sie trägt ihre eigenen Päckchen und muss sich mit Dingen auseinandersetzen, die lange verdrängt oder nicht ausgesprochen wurden. Gerade dadurch wirkt sie für mich greifbar und menschlich.
Und dann ist da Aidan.
Alleinerziehender Vater, Surfbrett-Shaper und ein Mann, der auf den ersten Blick genauso wirkt wie das Meer, mit dem er so eng verbunden ist: rau, manchmal schwer zu durchschauen und gleichzeitig faszinierend und tiefgründig.
Die Dynamik zwischen Nola und Aidan hat mir unglaublich gut gefallen. Die beiden begegnen sich nicht einfach nur romantisch – zwischen ihnen entsteht eine Verbindung, die sich langsam entwickelt und gleichzeitig von all den Dingen beeinflusst wird, die sie jeweils mit sich herumtragen.
Auch die Nebenfiguren haben für mich dazu beigetragen, dass sich die Geschichte so lebendig angefühlt hat. Besonders die familiären Beziehungen und die Verbindungen zwischen den einzelnen Figuren geben der Handlung zusätzliche Tiefe.
🔎 Das Thema
„Calling Oceans“ verbindet für mich mehrere Themen, die auf den ersten Blick vielleicht gar nicht selbstverständlich zusammenpassen: Freundschaft, Verlust, Schuld, Geheimnisse, Trauma, Liebe und die Suche nach Wahrheit.
Im Zentrum steht die Frage, was passiert, wenn ein Mensch verschwindet – aber die Menschen, die zurückbleiben, niemals wirklich aufhören können, nach Antworten zu suchen.
Nolas Suche nach Emma ist dabei nicht nur eine Suche nach der Wahrheit über eine verschwundene Freundin. Sie ist auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und mit der Frage, wie sehr ungelöste Geheimnisse einen Menschen über Jahre hinweg begleiten können.
Dabei behandelt das Buch auch schwerere Themen und scheut sich nicht davor, die dunkleren Seiten zwischenmenschlicher Beziehungen zu zeigen. Körperliche und psychische Gewalt sowie toxische Beziehungsdynamiken sind Teil der Geschichte und werden entsprechend nicht romantisiert.
Gerade diese Mischung aus emotionaler Tiefe, Spannung und Romance hat für mich unglaublich gut funktioniert.
🇮🇪 Das Setting
Und dann wäre da natürlich Irland.
Ich glaube, ich habe selten ein Setting erlebt, das sich so stark mit einer Geschichte verbunden angefühlt hat.
Arancór an der irischen Südküste ist für mich weit mehr als ein Ort, an dem die Handlung stattfindet. Das Anwesen, die Küste, die Klippen, das Meer und die raue Landschaft bilden eine Atmosphäre, die die gesamte Geschichte trägt.
Das Meer zieht sich dabei wie ein roter Faden durch das Buch. Es steht für Freiheit und Sehnsucht, aber genauso für Tiefe, Gefahr und Dinge, die sich nicht kontrollieren lassen.
Ich liebe Geschichten, in denen ein Setting nicht einfach nur hübsche Kulisse ist, sondern einen eigenen Charakter bekommt. Und genau das ist hier für mich der Fall.
Beim Lesen hatte ich immer wieder dieses Gefühl von rauer irischer Küste, Wind, Wellen und diesem ganz besonderen melancholischen Fernweh.
Und ganz ehrlich: Josi hat es geschafft, dass ich mich beim Lesen gleichzeitig unglaublich wohl und ein bisschen sehnsüchtig gefühlt habe. Was vermutlich die perfekte Kombination für ein Buch ist, das so eng mit dem Meer verbunden ist.
💙 Mein Fazit
„Calling Oceans“ ist für mich ein absolutes Jahreshighlight.
Es ist eine Geschichte über Geheimnisse und die Suche nach Wahrheit. Über Freundschaft und Verlust. Über Menschen, die versuchen, mit ihrer Vergangenheit zu leben. Über Liebe, die dort entsteht, wo man sie vielleicht am wenigsten erwartet.
Aber vor allem ist es für mich ein Buch mit einer ganz besonderen Atmosphäre.
Ein Buch, das ich nicht nur gelesen, sondern gefühlt habe.
Ich habe mich in die raue irische Küste, das Meer und die Stimmung dieser Geschichte verliebt. Ich mochte die Charaktere, die emotionalen Themen, die Spannung und natürlich die Liebesgeschichte. Und ich liebe es, wie all diese Elemente miteinander verbunden wurden.
Josephine Cantrell ist für mich nicht ohne Grund meine absolute Lieblingsautorin. Josi schafft es immer wieder, Geschichten zu schreiben, die mich emotional erreichen und in denen ich mich verlieren kann.
Und ich sage es wirklich von Herzen: Diese Frau verdient so viel mehr Aufmerksamkeit! 🥹
Wenn ihr atmosphärische Geschichten liebt, die Romance mit Spannung, Geheimnissen und emotionalen Themen verbinden und euch dabei gedanklich direkt an die raue irische Küste entführen, dann solltet ihr „Calling Oceans“ unbedingt auf eure Wunschliste setzen.
Für mich ganz klar:
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ / 5 Sterne
Ein Jahreshighlight. Ein Herzensbuch. Und eine absolute Leseempfehlung. 🌊🤍
Wer einmal den Ruf des Ozeans hört, wird ihn vielleicht nie wieder vergessen.
























