Als der kleine dreibeinige Hund Friedwart Plüschmann von zwei angriffslustigen Waschbären gejagt wird, flüchtet er zu einem abgelegenen Häuschen am Waldrand. Panisch, patschnass und völlig entkräftet versucht er auf sich aufmerksam zu machen. Eine alte Dame öffnet ihm die Tür und will Friedwart erst abweisen. Doch seinem herzerweichenden Flehen und traurigen Hundeblick kann selbst eine so grimmige Person wie Rosa McMill nicht standhalten. Sie gewährt Friedwart Obdach, aber nur für eine Nacht! Doch als sie den Hund am nächsten Morgen wieder vor die Tür setzen will, kommt diesem seine Spürnase zu Gute. Er wittert Blut, eindeutig Menschenblut. Und es kommt aus einem Wandschrank in Rosas Haus. Dort bewahrt sie ein altes Hemd von ihrem verstorbenen Ehemann Red auf. Vor 30 Jahren hatte er einen tragischen Unfall, aber Rose glaubt bis heute nicht daran, dass es ein Unfall war. Laut Polizeibericht soll ihr Gatte 4,2 Promille im Blut gehabt haben – aber Red hat nie Alkohol getrunken. Dieses Rätsel lässt Rosa bis heute nicht los. Gemeinsam mit Friedwart beginnt sie den Cold Case wieder aufzurollen. Darüber sind einige jedoch alles andere als begeistert, angefangen beim Kommissar über den örtlichen Pathologen (der auch Arzt, Tierarzt und Wissenschaftler ist) bis hin zu einem Varieté-Besitzer und seiner eiskalten Bardame. Rosa und Friedwart wird schnell klar: Die Vier versuchen etwas zu vertuschen. Was ist damals nur geschehen? Ob es dem Duo wohl gelingen wird, den rätselhaften Tod von Rosas großer Liebe aufzuklären?
Was habe ich mich auf den neuen Comic von Josephine Mark gefreut! Ihre vorherige Werke habe ich geliebt (wenn ihr sie noch nicht kennt: Unbedingt ändern! Es lohnt sich.)
Nach einer Westernparodie und einem Road-Trip legt die mehrfach ausgezeichnete deutsche Künstlerin nun einen Krimi vor. Und wie nicht anders zu war, brilliert sie mal wieder auf ganzer Linie.
Schon nach wenigen Seiten ist man mittendrin in der Geschichte. Alles beginnt mit einer verschneiten Nacht und einer splitternackten Leiche. Danach folgt ein Sprung und wir befinden uns mit einem dreibeinigen Hund auf der Flucht vor wilden Waschbären. Als dann auch noch eine mürrische alte Dame auf der Bildfläche erscheint, gibt es erst recht kein Halten mehr. Die Comics von Josephine Mark entfalten immer eine Sogwirkung, der man sich nicht mehr entziehen kann – und das gilt für Jung und Alt gleichermaßen. „Red“ mag ein Comic für junge Leser*innen ab 12 Jahren sein, allerdings hat man auch als Erwachsener seine helle Freude daran. Mark erzählt gewohnt witzig, knackig und voller schwarzem Humor, ihre Dialoge sind pointiert, die Anspielungen originell und es bleibt bis zum Schluss unklar, was damals wirklich passiert ist. Viele falsche Fährten und skurrile Twists halten einen in Atem und durch die clever eingestreuten Rückblenden ergibt sich erst nach und nach ein genaues Bild der Ereignisse. Krimifans kommen hier ganz auf ihre Kosten, genauso wie Liebhaber*innen von schrulligen Charakteren. Für letzteres hat Josephine Mark zweifellos ein wahres Händchen, was sie hier mal wieder unter Beweis stellt. Wie bereits in „Trip mit Tropf“ könnten die beiden Hauptpersonen auch dieses Mal unterschiedlicher kaum sein: Während Friedwart ein herziges und quirliges kleines Plappermaul ist, ist Rosa schroff und abweisend. Im Laufe ihrer detektivischen Ermittlungen werden die beiden jedoch zu einem eingespielten Team und die verbitterte alte Frau taut langsam auf. Dieser Comic ist nicht nur eine Mischung aus mitreißender Detektivarbeit und köstlich kauziger Gestalten – er bietet auch berührende Einblicke in die Vergangenheit und zeigt, was Einsamkeit mit Menschen machen kann.
Optisch ist auch dieses Werk von Josephine Mark ein ganz besonderer Genuss. Ihre Figuren sind gewohnt recht simpel gezeichnet und auf das Wenigste reduziert. So besteht die grimmige Mimik von Rosa meist nur aus zwei schwungvollen waagerechten Linien. Trotz aller Einfachheit sind die Zeichnungen aber enorm ausdrucksstark, hier sitzt jeder Strich und jedes Panel. Viele Worte sind meist gar nicht vonnöten, einige Szenen kommen sogar ganz ohne Text aus. Hier gilt definitiv der Spruch, weniger ist oft mehr. Der Stil von Mark ist einfach unverwechselbar und besitzt jede Menge Charme.
Fazit: „Red“ ist ein urkomischer und tragischer Krimi ab 12 Jahren voller spannender Wendungen und herrlich schräger Figuren. Zeitlos gute Krimi-Comic-Unterhaltung vom Feinsten mit einem ungleichen Duo, das man sofort ins Herz schließt. Fesselnd und raffiniert erzählt, liebevoll gezeichnet, sehr gerne mehr davon! Josephine Mark hat hier mal wieder einen echten Volltreffer gelandet! Ich bin begeistert und vergebe gerne 5 von 5 Sternen.
Josephine Mark
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Josephine Mark
Trip mit Tropf
Red
Murr
Ich bin Flocke - Alle Hufe voll zu tun!
Das große Glück der kleinen Dinge ... und wo es sich versteckt
Ich bin Flocke
Mein Leben, manchmal leicht daneben
Murr
Neue Rezensionen zu Josephine Mark
Skurrile Figuren, ein Diebstahl, ein Todesfall, der 30 Jahre zurückliegt, aber nie aufgeklärt wurde...das sind die Zutaten für Marks neues Comicbuch, das mit einem spannenden Cold Case aufwartet, der zu fesseln versteht. Allein Hazel, die Witwe des Toten und Friedwart Plüschmann, ein dreibeiniger Hund, die den Fall gemeinsam neu aufrollen, sind schon echt der Wahnsinn. "Knackig" von der ersten bis zur letzten Seite.
Mehr dazu auf meinem youtube-Kanal "Esses literarischer Salon".
Ich bin ein großer Fan von der Autorin und mein erstes Buch von ihr war "Trip mit Tropf", welches ich und die ganze Familie großartig fanden. Bei "Murr", welches ich nun auch einmal lesen wollte, hatte ich ein bisschen Probleme. Die Story um den Revolverhelden und Gesetzlosen "Murphy", genannt "Murr", der einfach nur böse ist und, als er gehängt werden soll, einen Deal mit dem Tod macht, die Liebe entdeckt zu seinem Pferd "Sam" ist schon gut durchdacht, aber leider wurde ich nicht so richtig warm mit ihr. Die Zeichnungen sind wie immer sehr gut, aber ich würde "Murr" nicht so sehr für Kinder empfehlen, da war "Trip mit Tropf" schon eher etwas. Mir war das auch stellenweise zu brutal und gefiel mir nicht, als "Murr" als Kind eine Bärin und ihr Junges erschießt. Ich verstehe den Ansatz schon, aber so richtig gepackt hat mich die Story leider nicht.
Kurzvorstellung auch auf meinem Kanal "Esses literarischer Salon"- wo? Auf youtube. :)
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