Joshua Cohen

 3.9 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Buch der Zahlen, Vier neue Nachrichten und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Joshua Cohen

Er ist sein eigener Ghostwriter: In dem 2018 erschienenen „Buch der Zahlen“ bekommt der gescheiterte Autor Joshua Cohen ein lohnenswertes Angebot: Er soll die Biografie eines Mannes schreiben, der seinen Namen trägt, sonst jedoch nichts mit ihm gemeinsam hat. Denn dieser andere Joshua Cohen ist Multimillionär, durch die Erfindung eines Algorithmus reich geworden. Mit diesem bunten Mix aus Autobiographie und Metafiktion, aus Spannung, Skurrile und Humor ist Joshua Cohen alles andere als gescheitert. Der reale Cohen ist 1980 in New Jersey geboren und in Atlantic City aufgewachsen. Er stammt von deutschen und ungarischen Juden ab und besucht als Jugendlicher eine jüdische Schule, studiert später in Manhattan Komposition. Anfang des neuen Jahrtausends arbeitet er in Berlin für eine englischsprachige Zeitschrift als Osteuropakorrespondent. Zusätzlich veröffentlicht er Literaturkritiken in mehreren bekannten Zeitschriften wie dem Harper’s Magazine und der New York Times Book Review. Nachdem er bereits mehrere Erzählsammlungen veröffentlicht hat, erscheint mit „Solo für Schneidermann“ 2007 sein Romandebüt. Die deutsche Übersetzung entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Autor, um eine möglichst genaue Wiedergabe seines Wortwitzes zu erzielen. Für sein Werk wird Cohen vielfach ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Pushcart Prize 2012 oder dem Matanel Prize für jüdische Literatur 2013.

Alle Bücher von Joshua Cohen

Buch der Zahlen

Buch der Zahlen

 (3)
Erschienen am 23.01.2018
Vier neue Nachrichten

Vier neue Nachrichten

 (3)
Erschienen am 01.09.2014
Solo für Schneidermann

Solo für Schneidermann

 (1)
Erschienen am 02.08.2016
Book of Numbers

Book of Numbers

 (1)
Erschienen am 30.06.2015
Four New Messages

Four New Messages

 (1)
Erschienen am 07.08.2012

Neue Rezensionen zu Joshua Cohen

Neu

Rezension zu "Buch der Zahlen" von Joshua Cohen

Joshua Cohen | BUCH DER ZAHLEN
Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Monaten

Der erfolglose Autor Joshua Cohen, dessen einziges Buch noch vor der Veröffentlichung  in den Trümmern des World Trade Centers untergeht, bekommt den Auftrag, die Lebensgeschichte des CEO der weltweit größten und einflussreichsten Internet-Suchmaschine Tetration niederzuschreiben. Der Name: Joshua Cohen, genannt »der Große Vorsitzende« – Online-Visionär, moderner Heiliger, von Legenden umrankt, von Regierungen gefürchtet.

Um eine erste Audienz beim Großen Vorsitzenden zu bekommen und seinen Auftrag beginnen zu können, muss sich Cohen digital komplett entblättern. Er wird von Tetration technologisch auf den neuesten Stand gebracht, darf nur noch firmeneigene Devices und Apps benutzen und muss seinem mächtigen Namensvetter die nächsten Wochen auf Schritt und Tritt folgen. Nach mehreren Sicherheitsvorkehrungen lernen sich die beiden kennen – der GroVo ist menschenscheu und von schwerer Krankheit gezeichnet – und es beginnt ein Interview, das sie vom kalifornischen Palo Alto über London, Paris und Dubai bis nach Abu Dhabi führt.

Am Ende der Reise hat Cohen etliche Stunden Material zusammen und sitzt mit klaren Anweisungen in Berlin, um das Buch niederzuschreiben, doch die Abschrift gestaltet sich schwierig. Denn was ihm der GroVo in den endlosen Sitzungen geschildert hat, war nicht nur die Lebensgeschichte eines eTech-Milliardärs, sondern auch ein Geständnis, ein Wirtschaftsthriller, ein Testament. Der mächtige Joshua Cohen hat sich über die Jahre ebenso mächtige Feinde gemacht, die die Veröffentlichung seiner Memoiren gar nicht gern sähen – und die stehen jetzt beim kleinen JC auf der Matte…

Was Joshua Cohen (*1980) uns Lesern hier in die Hände zaubert, ist ein irrwitziger Mix aus Sprachgewalt, umfassendem Wissen über die Geschichte des Internets und derbem Humor, gespickt mit jeder Menge metafiktionalen Spielereien. Eigentlich sind es zwei Romane in einem, denn beide Cohens bekommen ihre eigene Geschichte. Im ersten der drei Teile erfahren wir alles über den Leidensweg des Schriftsteller-JCs von der Zerstörung seines ersten Buches bis hin zum Treffen mit dem Milliardär-JC. Seine Geschichte setzt im dritten Teil wieder ein, als er mit den Aufzeichnungen von Berlin über Frankfurt nach Wien türmt. (Ach, und ganz nebenbei hat er auch noch Kleinkriege mit seinem Agenten und seiner Ex-Frau zu führen.)

Im zweiten Teil – dem Glanzstück des Buches – wird die komplette Lebensgeschichte Joshua Cohens, des Großen Vorsitzenden ausgebreitet. Von den Anfängen als Junge, als Schüler und Student, der den Beginn des Internetzeitalters grundlegend mitgestaltet und zum Online-Heiligen gedeiht. Diese satten 320 Seiten wären unter anderen Umständen schon ein eigenes Buch wert, wenn es da nicht so viele Ungereimtheiten gäbe, die sich nur im Kontext mit den anderen Teilen erklären ließen. Der GroVo spricht zum Beispiel nur in der wir-Form von sich und nennt seine Eltern M-Einheit und V-Einheit – dank Teil 1 wissen wir warum.

Stilistisch tobt sich Cohen – der echte jetzt – erschöpfend aus, ganz nach meinem Geschmack. Sehr interessant sind die Perspektivwechsel: mal lesen wir reine Abschriften des Interviews mit zwei Gesprächspartnern, mal erste Versuche einer prosaischen Reinschrift, die erst in Berlin, also in Teil 3 entstanden sein können. Auch textuell wird viel herumgespielt: Ganze Absätze sind gestrichen und es stellt sich die Frage, ob es sich lohnt, die gestrichenen Stellen mitzulesen oder ob sie wirklich vernachlässigt werden können. Auf jeden Fall mitlesen, sage ich da, denn genau hier erfährt man noch viel mehr über die Geschichte. Außerdem laden diese Abschnitte zum Mitlesen geradezu ein, sie sind ja nur gestrichen und nicht geschw████.

Ich habe mir beim Lesen viele Notizen gemacht, seitenweise Stichpunkte, die ich weiterverfolgen, abchecken oder mir einfach merken wollte, aber leider konnten sie nicht davor schützen, dass mir die Geschichte auf den letzten hundert Seiten etwas aus den Händen geriet. Was aber nicht schlimm ist, denn ein Lesegenuss war es auch mit den abschließenden Fragezeichen. Ich bin mir sicher, dass man in diesem Roman bei jedem Re-Read neue Ebenen entdecken, neue Querverweise finden und zu anderen Schlüssen kommen kann. (Allein der Titel schreit ja förmlich nach einer Verbindung mit dem 4. Buch Mose NUMERI, das ich völlig außen vor gelassen habe.) Und vielleicht nehme ich das BUCH DER ZAHLEN in ein paar Jahren nochmal aus dem Regal und freue mich auf die neuen Perspektiven, für heute aber bin ich erstmal satt und vollauf zufrieden und vergebe fünf Sterne.

Alle paar Jahre kommt ein Ami daher und zeigt uns, wozu Literatur fähig ist, in welche Höhen man Prosa stemmen kann. In Zukunft sollte auch hierzulande die Reihe Gaddis-Pynchon-DeLillo-Wallace um den Namen Cohen erweitert werden.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich auf Euren Besuch ***

Kommentare: 1
11
Teilen
miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Buch der Zahlen" von Joshua Cohen

Joshua Cohen - Buch der Zahlen
miss_mesmerizedvor einem Jahr

All seine Erwartungen und Hoffnungen stürzen mit den Türmen des World Trade Centers in sich zusammen. Sein neues Buch ist einfach uninteressant ob der Entwicklungen und seine Frau hat sich auch endgültig von ihm verabschiedet. Joshua Cohen ist am Tiefpunkt seiner Karriere und seines Privatlebens angekommen. Dass zeitgleich alte Freunde so richtig durchstarten, macht es auch nicht besser. Ein unerwarteter Auftrag scheint die Rettung zu sein: sein Namensvetter und Gründer von „Tetration“ engagiert ihn als Ghostwriter, um seine Autobiographie zu verfassen. Während die beiden um die Welt jetten, erzählt der Millionär in zahlreichen Interviews von seinem Aufstieg vom kleinen Mathematikstudenten zum Herrscher über das Internet.

Joshua Cohen zählt unbestritten zu einer der wichtigsten jungen Stimmen Amerikas. In seinem „Buch der Zahlen“ hat er sich für ein gewagtes Konstrukt entschieden, das sicherlich für nicht wenige Leser eine Herausforderung stellen wird. Schaut man jedoch unter die Oberfläche der Erzählung, finden sich zahlreiche interessante und kritische Momente, bisweilen sogar geradezu zynische Kommentare. In Anbetracht des Verfassungszeitraums muss man anerkennen, dass Cohen viele der Wikileaks Enthüllungen vorwegnahm und die Gefahren, die uns Nutzern erst mit den Veröffentlichungen bekannt wurden, sehr klar formulierte.

Die Figur des Firmengründers Cohen ist ohne große Schwierigkeiten als Kopf hinter dem Google Konzern zu erkennen. Die Entstehungsgeschichte der die Welt beherrschenden Suchmaschine, die aus einer Idee von Studenten entstand und sich zum gigantischen Unternehmen entwickelte, nimmt den Hauptteil der Handlung ein. Immer wieder unterbrechen Nebenhandlungen, Einwürfe und Kommentare den Erzählfluss, was eine mehrschichtige Erzählstruktur schafft. Vor allem die technischen und mathematischen Hintergründe, die detailliert seitenweise aufgeführt werden, machen es nicht ganz einfach am Ball zu bleiben – zugegebenermaßen: ich habe weder Ahnung noch Interesse an Algorithmen und habe die ausufernden Erklärungen bisweilen nur noch überflogen.

Spannender sind die Passagen über das Internet und wie die Nutzer es zum einen durch ihr Verhalten formten, nun aber umgekehrt durch selbiges beschränkt und gelenkt werden. Und vor allem: was macht das Unternehmen mit den Informationen, die es von den Nutzern erhält? Gibt es moralische Verpflichtungen zu hinterfragen, weshalb sie nach bestimmten Begriffen suchen? Wie einfach sich Cohen der Millionär aus der Verantwortung stiehlt, dürfte symptomatisch für viele Unternehmer dieser Branche stehen. Gleichzeitig sehen sich die Riesen einer neuen Konkurrenz ausgesetzt: jeder private Blog kann frei alles veröffentlichen – ob es richtig ist oder nicht. Das Phänomen der „Fake News“ wird hier schon lange vor seiner globalen Popularität thematisiert.

Die langsame Entwicklung hin zu einem durch und durch technologisierten Leben wird im „Buch der Zahlen“ nachgezeichnet, sogar ein Vorreiter von Alexa und Cortana tauchen bereits auf. Obwohl es ein Roman ist, oder gerade weil es ein Roman ist, kann Cohen seine Kritik und Warnung geschickt platzieren. Der Titel ist hierfür ausgesprochen treffend gewählt. Die Numerologie, die den Zahlen Bedeutung zuweist, ist in ein neues Zeitalter eingetreten: die Algorithmen und Codes hinter dem Internet sind die Zahlen, die unser Wissen und unseren Glauben bestimmen. Ob dieses für die Ewigkeit sein wird, darf bezweifelt werden.

Kommentare: 1
3
Teilen

Rezension zu "Solo für Schneidermann" von Joshua Cohen

Joshua Cohen | SOLO FÜR SCHNEIDERMANN
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

INHALT: Volles Haus in der ehrenwerten Carnegie Hall in New York City. Gespielt wird ein Violinkonzert, bei dessen letzten Akt eine Kadenz – ein freies Solo der Ersten Geige – zu hören sein soll. Doch statt sein Solo zu spielen und so sein Können zu demonstrieren, steht der Virtuose auf, legt seine Geige zur Seite und beginnt einen Monolog über Schneidermann, den Komponisten des Konzerts, der Jahrzehnte lang sein Freund und Mentor war und jetzt verschwunden ist. Vor dem erstaunten Publikum breitet Laster – so der Name des Violinisten – das komplette Leben Schneidermanns aus. Von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, über die gemeinsamen Jahre als Juden im amerikanischen Exil, mit einem Streifzug durch die Welt der Komponisten, Künstler und Philosophen, bis hin zu den unzähligen Kinobesuchen und der kritischen Bewertung des Gesamtwerkes Steven Spielbergs – Laster redet sich in eine Rage, hält sein Publikum die ganze Nacht gefangen und lässt niemanden gehen, bevor er seinen Nachruf beendet hat.

FORM: Mein lieber Mann! Was uns Joshua Cohen (*1980) hier in seinem Debütroman vor den Latz knallt, ist ein mächtig schwerer Brocken. Der Endlos-Monolog Lasters – den ich mir die ganze Zeit über als eine Art Woody Allen vorgestellt habe – beginnt eigentlich ganz locker und witzig. Cohen holt seine Leserschaft gut ab, indem er seine Hauptfigur kauzig und etwas verwirrt darstellt, was sich in Lasters Sprechweise niederschlägt: Viele Sätze werden nicht beendet, er springt von einem Thema zum anderen, die ganze Rede wirkt frei und assoziativ.

Doch im Laufe des Romans ändert sich der Ton vom charmanten Entertainer zu einem vom Leben Gepeinigten, der um seinen Freund trauert und sich seinen Weltschmerz von der Seele schreien will. Am Ende halten wir Leser eine fünfhundertseitige Publikumsbeschimpfung in Händen, die in ihrer Schreibwut und ihrem Zynismus einen Vergleich mit Thomas Bernhard nicht zu scheuen braucht. Kaum zu fassen, dass dieser Roman ein Debüt ist und sein Autor beim Schreiben erst Mitte zwanzig war.

FAZIT: Letztes Jahr habe ich mit VIER NEUE NACHRICHTEN – ebenfalls bei Schöffling erschienen – einen Kurzgeschichtenband von Joshua Cohen gelesen, der mir sehr gefallen hat. Sein überbordener Schreibstil und die verquere Art zu erzählen, haben mich sehr an Thomas Pynchon erinnert. Bei SOLO FÜR SCHNEIDERMANN war ich also schon etwas vorbereitet und bin – wie erwartet – begeistert. Der Roman verlangt sehr viel – in erster Linie Durchhaltevermögen –, belohnt aber auch übermäßig. Ich vergebe fünf blank polierte Sterne und lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster, indem ich behaupte: Joshua Cohen ist einer der Autoren über die man in hundert Jahren noch reden wird.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich auf Euren Besuch ***

Kommentieren0
13
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Joshua Cohen wurde am 06. September 1980 in Somers Point (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

Joshua Cohen im Netz:

Community-Statistik

in 32 Bibliotheken

auf 9 Wunschlisten

von 5 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks