Joshua Sobol

 3,5 Sterne bei 12 Bewertungen
Autor von Der große Wind der Zeit, Schweigen und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Joshua Sobol, 1939 in Tel Mond geboren, lebte in einem Kibbuz und studierte u.a. in Paris Philosophie. Als einer der führenden israelischen Dramatiker lehrte er u. a. an der Universität in Tel Aviv. Weltweit bekannt wurde er mit den Theaterstücken »Weiningers Nacht« (1982) und »Ghetto« (1984), inzwischen hat er über 50 Stücke geschrieben und ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Bei Luchterhand erschienen die Romane »Schweigen« (2001) und »Whisky ist auch in Ordnung« (2005).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Joshua Sobol

Cover des Buches Der große Wind der Zeit (ISBN: 9783630875736)

Der große Wind der Zeit

(7)
Erschienen am 26.04.2021
Cover des Buches Schweigen (ISBN: 9783630620527)

Schweigen

(3)
Erschienen am 01.02.2003
Cover des Buches Whisky ist auch in Ordnung (ISBN: 9783442736614)

Whisky ist auch in Ordnung

(2)
Erschienen am 03.12.2007

Neue Rezensionen zu Joshua Sobol

Cover des Buches Der große Wind der Zeit (ISBN: 9783630875736)
Miamous avatar

Rezension zu "Der große Wind der Zeit" von Joshua Sobol

Miamou
Viele Leben in einem Roman...

In Sobols großen Familienroman verfolgt man eine Familie über vier Generationen hinweg, man geht mit ihen durch Höhen und Tiefen. Eingebettet ist das Ganze in den Nahost - Konflikt, der schlussendlich auf zwei Personen, der letzten Generation heruntergebrochen wird. 

Libby ist Verhörspezialistin und bei einem ihrer Verhöre begegnet sie Adib, der ihr vorwirft, dass ihr Großvater seine Großmutter aus ihrem Land vertrieben hat. Daraufhin begibt sich Libby zu ihrem Großvater in ein Kibbuz, den sie dort nicht findet, aber viele Tagbücher seiner Mutter, also ihrer Urgroßmutter Eva, die damals nach Deutschland ging, um Tänzerin zu werden, bis die Nazis mit ihrer Ideologie sie wieder in den Kibbuz zurückgezwungen haben. 

Diesem Roman in einigen Sätzen eine Inhaltsangabe zu geben, ist gar nicht einfach, da er sehr komplex ist. Die Komplexität schlägt sich auch in den Figuren nieder. Neben Eva und Libby gibt es noch viele andere Figuren in der Familiengeschichte, die ihren Auftritt bekommen. In Erinnerung werden mir allerdings nur diese beiden Frauen blieben und die Cousine von Libby Karin. Sie sind alle drei sehr stark gezeichnete Frauen, die aktuelle Zeitgeschehnisse intensiv und kritisch hinterfragen. Eva den Aufstieg der Nazis und Libby den Nahost - Konflikt, der uns ja bis heute mehr den je begleitet. Auch Karin wirft viele Fragen auf, die ihre Generation prägen sollen. Die Männer hingegen bleiben eher blass. Was sie alle gemeinsam haben - sie sind Suchende und schlussendlich bekommt für mich nur Duvesch (Karins Vater) am Ende des Romans noch ein wenig Kontur. 

Der Dreh - und Angelpunkt des Romans war für mich ein Telefongespräch zwischen Libby und Adib. Sie ist jüdische Israelin, er ist muslimischer Palästinenser und sie können sich konstruktiv verständigen und mit der Geschichte ihrer Völker emotional unemotional auseinandersetzen. Da ist Sobol ein ganz großer Clou gelungen und ein Wunschdenken - es bleibt zwar sehr offen, aber aus den beiden könnte ein Liebespaar werden. 

Der Schreibstil ist sehr dialoglastig und dabei stellenweise sehr philosophisch. Die Figuren werden nur zu Beginn in einem Personenregister vorgestellt, bekommen aber kaum eine Beschreibung über ihr Aussehen oder ihren Charakter, was es mitunter ein wenig schwierig macht. Ich habe daher mehr als einmal im Personenregister nachschlagen müssen, wer denn nun zu wem gehört und in welche Generation die jeweilige Figur gehört, die gerade erzählt. Die Handlung ist nämlich nicht linear stringent erzählt, sondern in jedem Kapitel gibt es eine andere Stimme und somit springt man auch laufend in den Zeitebenen. 

Daher meine Conclusio: Ein fordender Roman, philosophisch angehaucht, mit starken Frauenfiguren. Die Handlung verliert sich aber auch öfter in Nebensächlichkeiten und es braucht dann schon eine gewisse Ausdauerfähigkeit, um dran zu bleiben.

Cover des Buches Der große Wind der Zeit (ISBN: 9783630875736)
esb07s avatar

Rezension zu "Der große Wind der Zeit" von Joshua Sobol

esb07
Großartige Erzählung

Der israelische Dramatiker Joshua Sobol erzählt in seinem neuen Roman über vier Generationen und 100 Jahre hinweg eine humanistische und kritische Familiengeschichte. Dabei werden nicht nur aus viele Lebensgeschichten berichtet, sondern die Geschichte Israels wie auch des Nahostkonflikts gekonnt in Verbindung gebracht.

Im Mittelpunkt der aschkenasisch-jemenitische Familie Ben-Chaim stehen zwei starke Frauen. Eine davon Offizierin der israelischen Armee und Verhörspezialistin Libby. Nach einer beunruhigenden Begegnung mit einem mutmaßlichen Terroristen nimmt sie sich Auszeit und fährt zu ihrem Großvater Dave der - seit Tagen verschwunden ist - in der Kibbuz. Dort stößt sie auf die Tagebücher ihrer Urgroßmutter Eva und taucht fasziniert beim Lesen in ihr völlig unbekannte Welt ein. Eva Ben-Chaim lässt ihren Mann und Sohn in Kibbuz und reist in den frühen dreißiger nach Berlin, um Tänzerin und Choreografin aufzutreten. Dabei lernt sie viele jungen Nazis, revolutionären Theaterleute und den Dramatiker Bertolt Brecht kennen und geniest ihr Freiheit und pflegt freie Liebe. Sie erlebt, wie die Nazis an die Macht kamen und gerade rechtzeitig bringt sie sich in Sicherheit.

Der Roman ist eine gut gelungene, vor allem sehr vielschichtige israelische Familiensage. In 47 Kapitel und 520 Seiten lang habe ich die Familie Ben-Chain bei all den Höhen und Tiefen begleitet und dabei nicht nur Libby und Eva kennengelernt, sondern gesamte Großfamilie. Sobols Figuren sind lebensnah und facettenreich. Die sind wie Fingern am Hand, gehören zwar zusammen und doch zu sehr verschieden. Man feiert und leidet mit allen aber die Kopfschüttelmomente sind auch nicht wenig. Besonders seine Dialoge waren für mich ein Genuss. Man merkt schnell, dass der Autor langjährige Erfahrung als Theaterregisseur hat.

Mit seiner lebendige aber definitiv nicht einfacher Sprache hat mich Joshua Sobol nach heutigen und damaligen Israel mit genommen. Die Reise war nicht so einfach, viele detailreiche Charaktere/Nebencharaktere haben mein Weg erschwert, doch zum Glück gibt es eine Personenauflistung, die ich immer wieder nachgeschlagen hab.

„Der große Wind der Zeit“ ist ganz sicher kein Schmöker, welche in einem Rutsch lesen lässt. Doch dafür ist es eine sehr authentische, atmosphärische Werk. Wer an israelische Geschichte Interesse hat oder einfach in einer anderen Welt eintauchen möchte, kann ich dieses großartig erzähltes Buch nur ans Herz legen.

Cover des Buches Der große Wind der Zeit (ISBN: 9783630875736)
N

Rezension zu "Der große Wind der Zeit" von Joshua Sobol

nonostar
Familien

Libby, Offizierin der israelischen Armee und Verhörspezialistin, begegnet bei einem ihrer Verhören einen jungen Mann, der behauptet ihr Großvater hätte seine Großmutter aus ihrem Land vertrieben. Dieser Satz bringt ein Gespräch ins rollen nach dem Libby Urlaub von der Armee nimmt und zu ihrem Großvater Dave in den Kibbuz fährt. Doch der ist spurlos verschwunden und niemand weiß wo er sich aufhält. Stattdessen findet Libby das Tagebuch ihrer Urgroßmutter Eva, die in den frühen 30er Jahren Kibbuz, Mann und Kind verließ um in Berlin als Tänzerin aufzutreten, bevor sie fliehen musste.

Leider muss ich direkt sagen, dass ich so meine Schwierigkeiten mit dem Buch hatte. Joshua Sobol hat eine sehr gehobene und literarische Sprache, fast schon philosophisch. Das klingt wunderbar und seine Protagonistin reden führen regelmäßig sehr tiefgründige Gespräche. Doch das wirkte auf mich manchmal zu gewollt oder zu viel. Es fiel mir schwer zu glauben, dass in einer Familie dauerhaft so geredet wird.

Auch der Aufbau des Buches macht es einem nicht gerade leicht. Denn man begleitet beim Lesen nicht nur Libby auf ihrer Reise in die Vergangenheit der Urgroßmutter, sondern auch die restlichen Familienmitglieder. Alle drehen sich um ihre eigenen Probleme, da gibt es den Onkel der an der Politik zweifelt, einer der hoch hinaus will in der Politik, einer der gerade seinen Job verloren hat und das Internet zerstören will, da ist der verschwundene Großvater Dave, der selbst auch manchmal zu Wort kommt, da sind betrogene Ehefrauen und Geliebte, da ist eine Nichte die aufräumen will mit den Lügen in der Familie. Das alles ist so unglaublich viel, dass ich kaum den Überblick behalten konnte. Hinzu kommt, dass die einzelnen Bereiche untergehen in der Masse und ich so schnell das Interesse verlor. Sicher habe ich auch nicht alles 100% richtig eingeordnet oder verstanden. Am interessantesten waren für mich die Passagen mit Dave, doch diese leider viel zu selten. Libby beginnt zu Zweifeln an dem was sie tut und verfolgt gebannt das Leben ihrer Großmutter. Aber auch hier fiel es mir schwer, mich darauf einzulassen, da man gleich wieder unterbrochen wird durch einen der anderen Erzählstränge.

Joshua Sobol hat einen sehr durchdachten und sprachlich ansprechenden Schreibstil. Doch "Der große Wind der Zeit" war mir zu überladen mit Themen, so dass ich mich auf keines richtig einlassen konnte. Mein Blick wurde stets abgelenkt von der Fülle an Personen. Dennoch greift er hier viele interessante Themen auf und vielleicht hätte das ganze als Bühnenaufführung noch besser funktioniert hätten um die verschiedenen Szenen und Momente klarer voneinander abzugrenzen.

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Zusätzliche Informationen

Joshua Sobol wurde am 24. August 1939 in Tel Aviv (Israel) geboren.

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