In Sobols großen Familienroman verfolgt man eine Familie über vier Generationen hinweg, man geht mit ihen durch Höhen und Tiefen. Eingebettet ist das Ganze in den Nahost - Konflikt, der schlussendlich auf zwei Personen, der letzten Generation heruntergebrochen wird.
Libby ist Verhörspezialistin und bei einem ihrer Verhöre begegnet sie Adib, der ihr vorwirft, dass ihr Großvater seine Großmutter aus ihrem Land vertrieben hat. Daraufhin begibt sich Libby zu ihrem Großvater in ein Kibbuz, den sie dort nicht findet, aber viele Tagbücher seiner Mutter, also ihrer Urgroßmutter Eva, die damals nach Deutschland ging, um Tänzerin zu werden, bis die Nazis mit ihrer Ideologie sie wieder in den Kibbuz zurückgezwungen haben.
Diesem Roman in einigen Sätzen eine Inhaltsangabe zu geben, ist gar nicht einfach, da er sehr komplex ist. Die Komplexität schlägt sich auch in den Figuren nieder. Neben Eva und Libby gibt es noch viele andere Figuren in der Familiengeschichte, die ihren Auftritt bekommen. In Erinnerung werden mir allerdings nur diese beiden Frauen blieben und die Cousine von Libby Karin. Sie sind alle drei sehr stark gezeichnete Frauen, die aktuelle Zeitgeschehnisse intensiv und kritisch hinterfragen. Eva den Aufstieg der Nazis und Libby den Nahost - Konflikt, der uns ja bis heute mehr den je begleitet. Auch Karin wirft viele Fragen auf, die ihre Generation prägen sollen. Die Männer hingegen bleiben eher blass. Was sie alle gemeinsam haben - sie sind Suchende und schlussendlich bekommt für mich nur Duvesch (Karins Vater) am Ende des Romans noch ein wenig Kontur.
Der Dreh - und Angelpunkt des Romans war für mich ein Telefongespräch zwischen Libby und Adib. Sie ist jüdische Israelin, er ist muslimischer Palästinenser und sie können sich konstruktiv verständigen und mit der Geschichte ihrer Völker emotional unemotional auseinandersetzen. Da ist Sobol ein ganz großer Clou gelungen und ein Wunschdenken - es bleibt zwar sehr offen, aber aus den beiden könnte ein Liebespaar werden.
Der Schreibstil ist sehr dialoglastig und dabei stellenweise sehr philosophisch. Die Figuren werden nur zu Beginn in einem Personenregister vorgestellt, bekommen aber kaum eine Beschreibung über ihr Aussehen oder ihren Charakter, was es mitunter ein wenig schwierig macht. Ich habe daher mehr als einmal im Personenregister nachschlagen müssen, wer denn nun zu wem gehört und in welche Generation die jeweilige Figur gehört, die gerade erzählt. Die Handlung ist nämlich nicht linear stringent erzählt, sondern in jedem Kapitel gibt es eine andere Stimme und somit springt man auch laufend in den Zeitebenen.
Daher meine Conclusio: Ein fordender Roman, philosophisch angehaucht, mit starken Frauenfiguren. Die Handlung verliert sich aber auch öfter in Nebensächlichkeiten und es braucht dann schon eine gewisse Ausdauerfähigkeit, um dran zu bleiben.





