Ein treuer Freund

von Jostein Gaarder 
3,5 Sterne bei11 Bewertungen
Ein treuer Freund
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Die Idee der Geschichte ist prinzipiell wirklich gut, was daraus aber gemacht wurde, erreichte mich leider nicht wirklich.

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... weniger ein philosophischer Schelmenroman als eine psychologische Tragödie ...

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Inhaltsangabe zu "Ein treuer Freund"

Jakop Jacobsen ist stets ein Einzelgänger gewesen, seit seiner Jugend in einem abgelegenen Tal in Norwegen. Sein bester Freund Pelle ist eine Handpuppe, mit der er lange Gespräche führt und die deutlich schlagfertiger ist als er selbst. Und er hat ein merkwürdiges Hobby: Jakop geht gern auf fremde Beerdigungen. Er gibt sich dort als Freund des Toten aus, bei den Familien der Toten fühlt er sich wohl. Dumm nur, wenn jemand sein falsches Spiel durchschaut. So wie Agnes. Jakop verliebt sich in sie und hofft, dass sie ihn trotz seiner Eigenart und des vorlauten Pelle erhört. „Ein treuer Freund“ ist ein philosophischer Schelmenroman, eine herrlich schräge Liebesgeschichte und eines von Jostein Gaarders schönsten Büchern.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783446254435
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:272 Seiten
Verlag:Hanser, Carl
Erscheinungsdatum:13.03.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Osillavor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Die Idee der Geschichte ist prinzipiell wirklich gut, was daraus aber gemacht wurde, erreichte mich leider nicht wirklich.
    Als Jostein Gaarder Fan war ich ziemlich enttäuscht

    Mit "Sofies Welt" fing bei mir alles an. Ich wurde Fan von Jostein Gaarder und habe wohl so ziemlich alle seiner Bücher gelesen. Da freute ich mich, als ich von "Ein treuer Freund" erfuhr und es an meinem Geburtstag geschenkt bekam. Leider enttäuschte mich das Buch recht schnell, die Handlung kam nur schleppend in Gang und die Wendung in der Geschichte überraschte mich und weckte bei mir ein eher befremdliches Gefühl.

    Jostein Gaarder (geboren 1952 in Oslo) studierte Philosophie, Theologie und Literaturwissenschaften. Nachdem er zunächst als Lehrer tätig war, konzentriert er sich inzwischen ganz auf das Schreiben. 1993 erschien "Sophies Welt" in deutscher Sprache. Sein Debüt wurde sofort zum Weltbestseller und seine darauf folgenden Romane wie "Der Geschichtenverkäufer", "Das Orangenmädchen" oder "Die Frau mit dem roten Tuch" waren ebenfalls sehr erfolgreich. Gaarders Werke haben einen philosophischen Hintergrund und richten sich oft auch an Kinder und Jugendliche.

    In "Ein treuer Freund" erzählt Jostein Gaarder die Geschichte eines Außenseiters, der seinen Weg im Leben sucht. Jakob Jacobson heißt er. Er ist schüchtern und hat nur wenige Kontakte. Bis auf seinen Freund Pelle, der ihn bereits seit der Kindheit begleitet, lebt er eher einsam. Er war zwar verheiratet, doch die Ehe hielt nicht und so kommt es, dass Jakob fremde Beerdigungen besucht und damit versucht Anschluss zu finden. Als er Agnes kennenlernt, ist er sofort fasziniert und verliebt. Sie ist es, welche er seine Geschichte in einem Brief erzählt.

    Wie bereits zu Beginn erwähnt, fiel mit der Einstieg in das Buch etwas schwer. Die Geschichte wirkte eher langatmig und ermüdend und wäre es nicht Jostein Gaarder, hätte ich das Buch vielleicht sogar zur Seite gelegt.
    Bei wem es sich um Pelle dann genau handelt, überraschte mich und ich war mir zunächst nicht sicher, ob ich vielleicht doch etwas falsch verstanden habe. Damit habe ich absolut nicht gerechnet und der Gedanke daran befremdete mich schon sehr.
    Die sprachwissenschaftlichen und etymologischen Ausflüge hingehend interessierten mich als Geisteswissenschaftlerin sehr und ich las sie mit Spannung. Da waren die Herkünfte der Vor- und Nachnamen (bei denen auch Gaarder – Seite 182 – und Jostein – Seite 194- nicht fehlten) erfrischend und interessant.

    „Und warum bin ich dermaßen besessen von sprachlichen Verwandtschaftsbeziehungen? Die Antwort ist fast peinlich einfach: Ich selbst habe im Grunde keine Verwandtschaft vorzuweisen. Ich habe keine andere Großfamilie, mit der ich mich auseinandersetzen könnte, als die indogermanische Sprachfamilie.“ (Seite 183)

    Jakob, der Hauptprotagonist des Werkes, ist ein einsamer Mensch, der nie eine richtige Familie hatte und somit auf den Beerdigungen fremder Menschen versucht, Kontakte zu knüpfen und ein Stück weit dazu gehören zu können. Das stimmt den Leser doch sehr traurig und nachdenklich. Jakob lebt in seinen eigenen erfundenen Geschichten, nimmt an dem tatsächlichen Leben dabei nicht mehr Teil. Ob er sich am Ende wirklich selbst gefunden hat, kann ich nicht sagen. Das Ende lässt einen eher traurig zurück.

    "Ein treuer Freund" ist in gewissem Sinne schon ein typischer Gaarder Roman, jedoch überzeugt er nicht mal ansatzweise, wie seine bisher erschienenen Romane. Die Idee der Geschichte ist prinzipiell wirklich gut, was daraus aber gemacht wurde, erreichte mich leider nicht wirklich.

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    Kleine8310s avatar
    Kleine8310vor 9 Monaten
    Ein treuer Freund

    "Ein treuer Freund" ist ein Roman des Autors Jostein Gaarder. Ich habe vor einigen Jahren "Sofies Welt" gelesen und geliebt und da fand ich es wäre mal wieder an der Zeit ein weiteres Buch von Herrn Gaarder zu lesen. Dieses Werk klang für mich nach einer tollen Geschichte und ich war neugierig was mich zwischen den Buchdeckeln letztlich erwarten würde. 

     

    In dieser Geschichte geht es um den Protagonisten Jakop Jacobsen. Jakop ist schon immer ein Einzelgänger gewesen und sein bester Freund Pelle ist eine Handpuppe. Mit Pelle führt er lange Gespräche, aber das ist nicht seine einzige etwas merkwürdige Beschäftigung, denn Jakop geht auch gerne auf fremde Beerdigungen. Dort gibt er sich als Freund des Toten aus, denn inmitten der Familien der Verstorbenen fühlt sich Jakop wohl. 

     

    Doch eines Tages durchschaut eine Frau sein falsches Spiel. Agnes enttarnt Jakop aber nicht nur, sondern weckt auch ganz neuartige Gefühle in ihm. Doch hat er, mit seinen Eigenarten, überhaupt eine Chance auf eine Beziehung mit Agnes?

    Der Einstieg in diesen Roman ist mir gut gelungen. Jostein Gaarder hat mich direkt wieder mit seiner besonderen Art zu schreiben überzeugen können. Ich mag seine sensiblen und liebevollen Beschreibungen sehr gerne und auch, dass sich die Geschichte durchweg flüssig lesen lässt. Auch die Handlung besticht durch wunderbare Elemente, die ich so noch nirgends in einer ähnlichen Form gelesen habe. 


    Aber ich fand nicht nur die Ideen wirklich toll, sondern auch die schöne Umsetzung. Die Ausarbeitung der Charaktere hat mir ebenfalls gut gefallen. Jakop ist schon ein sehr besonderer Protagonist, aber auch die Handpuppe Pelle war ein echtes Highlight für mich. Das Zusammenspiel der beiden bietet dann auch wieder die gewohnte Gaarder'sche philosophische Komponente. Zwar brachte der Autor mich nicht so sehr zum nachdenken, aber die Thematik ist durchaus interessant und vielschichtig gestaltet gewesen.


    Was mir nicht ganz so gut gefallen hat war, dass ich manchmal das Gefühl hatte, dass der Autor bei den philosophischen Überlegungen ein kleines bisschen den roten Faden verloren hat. Das fand ich ab und an ein bisschen anstrengend. Ein kleines Manko war für mich auch die Vielzahl der Namen, die, in meinen Augen, ein bisschen zu hoch war.

    Positiv: 

    * schöne Buchidee

    * gute Ausarbeitung der Charaktere

    * toller, philosophischer Schreibstil


    Negativ: 

    * etwas zuviele, verschiedene Namen

    * ab und an fehlte mir der rote Faden


    "Ein treuer Freund" ist ein schöner Roman, mit kleinen Schwächen, der mir nette Lesestunden beschert hat!

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    jenvo82vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Einzelgänger in seiner eigenen Welt - traurig aber nicht sentimal. Eine Geschichte die das Herz berührt und Wärme ausstrahlt.
    Ein Einzelgänger und sein redseliger Freund

    „Warum erzählen Sie mir nicht Ihre Geschichte?“, fragte sie dann, und die meisten der notorischen Fragesteller könne sie dazu verleiten. Jeder hat nun mal eine Lebensgeschichte; vom Genre her gesehen, ist das Leben ein Epos.

    Inhalt

    Jakop Jacobsen hat ein sehr ungewöhnliches Hobby auserkoren, welches ihn in manch heikle Situation manövriert und von Außenstehenden gar nicht als das erkannt wird, was es für Jakop eigentlich ist. Der Norweger, der durchaus auch mit seinen schwedischen Nachbarn kommuniziert, lebt zurückgezogen mit seinem Freund Pelle, nachdem seine freudlose Ehe beendet wurde und besucht immer wieder diverse Beerdigungen, obwohl er die Verstorbenen überhaupt nicht kannte.

     Bereits im Vorfeld jeder Beisetzung sammelt er Daten und Fakten zu der Person, zu Hobbys, beruflichen Werdegängen und natürlich Informationen zu den Hinterbliebenen. Gut vorbereitet mischt er sich im öffentlichen Teil der Beisetzung unters Volk und hofft auf einen gemütlichen Ausklang der Feier in einem Restaurant. Dort bringt er sich ein und blüht auf, zeigt, wie gut er sich mit dem Verstorbenen verstanden hat, was sie verband und welch nachdrückliche Erinnerung bleiben wird. Für Jakop ersetzen diese wenigen Stunden im Kreis fremder Familien eine eigene Familie, ein Zugehörigkeitsgefühl, welches er in seinem Leben nicht empfinden kann. Doch eines Tages deckt Agnes, eine direkte Angehörige sein falsches Spiel auf, denn ihre Verwandte konnte keine endlosen Wanderungen mit besagtem Jakop unternommen haben, weil sie Zeit ihres Lebens an den Rollstuhl gefesselt war. Aber Jakops Reden berühren Agnes dennoch. Mit seiner ausgezeichneten Beobachtungsgabe, seiner Leidenschaft und seinem Esprit noch dazu von Erzählungen über eine Person die er überhaupt nicht kannte, hinterlässt er einen bleibenden Eindruck und sie beschließt, herauszufinden, was es mit seinem falschen Spiel tatsächlich auf sich hat …

    Meinung

    Dies ist mein zweiter Roman des norwegischen Autors Jostein Gaarder, der mich mit seinem Weltbestseller „Sophies Welt“ bereits vor 20 Jahren überzeugen konnte. Auch in seinem neuen Roman schlägt er stille Töne an und setzt sich sehr intensiv und überschaubar mit der Problematik des Einzelgängers, mit unfreiwilligem Alleinsein und daraus resultierenden Verhaltensweisen auseinander.

    Im Zentrum dieser herzerwärmenden Geschichte steht ein Mann, dem man deutlich anmerkt, wie traurig und unzufrieden sein tatsächliches Leben verläuft. Immer wieder bemühte er sich in der Vergangenheit Anschluss zu finden, doch nie ist ihm die richtige Person begegnet, die sein Innerstes seine Besonderheiten erkannt und wertgeschätzt hätte. Und so entscheidet sich Jakop lieber für seinen imaginären Freund Pelle, der zwar nur eine Handpuppe ist, ihm aber dennoch die Treue hält und die stillen Stunden mit langen Gesprächen füllt. Der Autor entwirft ein bewegendes, sehr gut greifbares Bild des Protagonisten, den man sich ausgesprochen gut vorstellen kann, über dessen Tun man aber den Kopf schüttelt. Gaarder gleitet nie in die Sentimentalität ab, hält Distanz und beleuchtet auch die Gedankengänge hinter den eigentlichen Handlungen.

     Philosophieren kann man sehr gut über diesen Roman, weil er eigene Überlegungen fördert und den Leser mitnimmt auf eine Reise zum Außenseiter per se. Fast scheint Jakop zu fragen: „Warum verstehst Du mich nicht?“ oder „Was stört dich eigentlich an mir?“ Plötzlich sieht man den Menschen hinter der erbärmlichen Figur, die mutterseelenallein auf der Parkbank sitzt und laut mit einer Handpuppe spricht und stellt fest, dass man sich selbst wahrscheinlich auch keine Gedanken über denjenigen gemacht hätte, obwohl gerade dies bitter nötig wäre.

    Ein kleiner Kritikpunkt waren für mich die etwas künstlich eingeflochtenen Episoden über die Etymologie der norwegischen Sprache, über alte Volksweisheiten und historische Schriften bzw. Mythologien. Zwar lernt man dadurch Jakop und sein anderes Steckenpferd (die Liebe zur Sprache) kennen, doch bringen die ausufernden Ausflüge zu Lehnwörtern und gemeinsamen Wortstämmen nur wenig Lesefreude und Gewinn für die Geschichte.

    Fazit

    Ich vergebe 4 Lesesterne für diese phantasiereiche Geschichte, die den Leser dazu bringt über Wahlverwandtschaften, Familienbande und Einzelgängertum nachzudenken. Die ihn dazu motiviert, hinter die Fassade eines offensichtlichen Eremiten zu schauen und möglicherweise dazu anregt, vorschnelle Urteile abzubauen. Ein Roman am Rande des Mainstream ist es ganz sicherlich und man sollte auch die leisen Erzähltöne mögen, um mit der Geschichte warm zu werden. Doch gerade nach dem Lesen stellen sich hier viele Gedankengänge ein, die der Geschichte auch im Nachgang zu Herzblut und Stärke verhelfen, man legt das Buch zwar beiseite, aber Jakop und Pelle würde man nun doch zu gerne kennenlernen.

     

    Kommentare: 8
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    JulesBarroiss avatar
    JulesBarroisvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Buch über Anderssein und Einsamkeit, über sprachliche und emotionale Bindungen, die Menschen zusammen über Zeit und Geographie haben
    Außenseiter mit zusammengekniffenen Augen

    Ein treuer Freund - Jostein Gaarder (Autor), Gabriele Haefs (Übersetzer), 272 Seiten, Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (13. März 2017), 22 €, ISBN-13: 978-3446254435

     

    Jostein Gaarder, der Autor von dem beeindruckenden Buch „Sofies Welt“, lässt diesen Roman mit dem Nachdenken der Hauptfigur Jakop Jakobsen beginnen, der in einem Hotel auf Gotland sitzt, weil er darauf „angewiesen“ ist, aufzuschreiben, um seine Geschichte einer gewissen Agnes darzulegen. Er beginnt mit der Beerdigung von Eric Lundin.

    Die Eröffnung des Romans erscheint etwas chaotisch und richtungslos. Jakop ist ein einsamer, gelehrter Mann von mehr als 60 Jahren, der zu Beerdigungen von Bekannten und auch weniger Bekannten geht. „Ich genieße es, zu beobachten, ohne beobachtet zu werden.“ (Seite 8) Hinter ihm liegt eine zerbrochene Ehe. Er hat keine nahen Verwandten. Nur ein ganz besonderer besten Freund, Peter Ellingsen Skrindo, genannt Pelle. „Er kann Dinge sagen, die ich selbst verschweigen würde, weil ich sie nicht sagen will und nicht zu sagen wage.“ (Seite 117) und später im Roman wird er noch eine große Rolle spielen.

    Bei Beerdigungen hält Jakop sich in den hinteren Bänken. Aber bei dem Leichenschmaus gerät er oft an einen Tisch mit den engsten Verwandten des Verstorbenen. Hier erzählt Jakop über seine Beziehung zu dem Verstorbenen. Oft haben sie eine ganz besondere Geschichte zusammen. Darüber hinaus gibt Jakop ständig jedem, den er trifft, eine Einführung in die indogermanischen Sprachen und lässt seine seiner Begeisterung für die Etymologie, die Ableitung eines Wortes aus seiner Wurzel u. Nachweisung seiner eigentlichen, wahren Bedeutung, freien Lauf

    Jakop schwelgt in den Geschichten und Menschen, die er trifft, hört aufmerksam zu und überlegt genau, was er sagt. Aber er ist ein einsamer Mann. In Abwesenheit von seiner eigenen Familie, erlebt er eine starke Bindung an die Familie der indogermanischen Sprache. Hier sucht er eine tiefere Identität und Zugehörigkeit.

    Zwei clevere Wendungen im Buch lässt uns plötzlich verstehen, warum er zu all diesen Beerdigungen geht, warum er seine Geschichte für Agnes aufschreibt und was es mit der Rolle seines Freundes Pelle auf sich hat.

    Ein treuer Freund ist ein überraschender Roman und auch ein gewagtes Projekt, spannend und faszinierend, aber auch sehr unkonventionell. Wir Leser werden immer hin und hergerissen zwischen den Fragen, was wahr ist und was fiktiv ist. Und existiert Agnes, für die die Geschichte geschrieben wurde, wirklich?

    Es ist ein Buch über Anderssein und Einsamkeit, über die sprachlichen und emotionalen Bindungen, die Menschen zusammen über Zeit und Geographie haben. Was ist ein Mensch, und was ist die Sprache?

    Ein großartiges Leseerlebnis für Menschen, die ihre Freude auch an nicht ganz so einfachen Büchern haben. Und die einen Eigenbrötler und Außenseiter auf seiner Suche nach irgendeiner Form der Gemeinschaft begleiten wollen.

    Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Hanser Verlages

    https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/ein-treuer-freund/978-3-446-25443-5/

    Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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    M
    michael_lehmann-papevor einem Jahr
    Niemand ist nur eins

    Niemand ist nur eins

    Was würde Jakop nur machen, hätte er nicht Pelle zur Seite.

    Peder Skrindo. Mit dem es eine besondere Bewandtnis hat (die jeder Leser selber herausfinden sollte). Der aber vor allem „sich was traut“.

    Wer sonst (Jakop aber auf keinen Fall!) hätte denn diese attraktive, anregende Agnes so unverblümt auf ihren Familienstand angesprochen? Und mal nebenbei mitgeteilt, dass der „Mann am Steuer“, Jakop eben, da durchaus Interessen haben könnte.

    „Man glaubt es nicht. Der da auch (war mal verheiratet). Inzwischen aber ist er wieder zu haben. Und was ist mit ihnen“?

    Jener Jakop dessen Hobby es unter anderem ist, sich bei Trauerfeiern gleich selbst mit einzuladen. Und der das so perfektioniert hat, dass die anwesenden Angehörigen tatsächlich meinen, Jakop wäre einer der engsten Freunde oder Bekannten des oder der Verstorbenen gewesen.

    Nur Agnes, die durchschaut ihn, als die beiden sich auf einem Traueressen kennenlernen. Und sagt nichts, sondern schützt diesen merkwürdigen Norweger noch. Mit seiner untrennbaren Begleitung Pelle.

    Wobei der Kern des Buches einerseits dieses zaghafte, sich annähernde, für Jakob nie ganz einschätzbare, zarte Liebesgeschichte ist, bei der Jakop das ein oder andere an „klarer Kante“ schon verdauen muss.

    „Denn auch als Psychotherapeutin hattest du ein gewisses Interesse an mir“.

    Wer hört das schon gerne, wenn die Schmetterlinge sich gerade im Bauch regen.

    Wobei dabei umgehend der zweite Kern des Romans zum Tragen kommt. Dieser Pelle eben. Mit der Frage an den Leser versehen, ob nicht jeder eigentlich einen solchen Pelle benötigen würde. Denn so viele Seiten an sich zeigt der Mensch meist nicht offen, sondern hält sie ungelebt im Inneren verborgen, dass es überaus hilfreich wäre, der ein oder andere beste „Freund“ würde da mal Luft reinlassen,

    „Es komme vor, dass ein Schauspieler eine Rolle spielt, die großartiger sei als er selbst….könne es um vieles mehr gehen als das Thema, das es vordergründig behandelt“.

    Dieses „vieles mehr“ ist es, das Gaarder ein um das andere mal klar und anregend zu Wort kommen lässt durch Pelle. Das diesem Jakop eine Vielschichtigkeit gibt, die jeder an sich entdecken könnte und die Gaarder mit sensibler Sprache und sehr flüssig erzählt, wie das ist, wenn einer aus den verschiedenen Seiten und Stimmen in ihm ein Ganzes versucht, zu entfalten.

    „Ich war nur die Voraussetzung für Pelles überbordende Lebendigkeit und Spontaneität…….das schwarze Erdreich für den Rosenstrauch“.

    Aber da täuscht Jakop sich, denn blühen, das kann er schon auch selbst.

    Eine interessante, abwechslungsreiche, poetische Lektüre, die das Lesen lohnt.

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    DoreenGehrkes avatar
    DoreenGehrkevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: ... weniger ein philosophischer Schelmenroman als eine psychologische Tragödie ...
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    Sookie70s avatar
    Sookie70vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Vereinsamter Akademiker besucht fremde Beerdigungen und begegnet dabei seiner großen Liebe - teilweise berührend, teils etwas langatmig...
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    JayTis avatar
    JayTivor 6 Monaten
    PrinceXLs avatar
    PrinceXLvor 6 Monaten
    Tauns avatar
    Taunvor 7 Monaten

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    Pressestimmen

    Originell, witzig, phantasievoll – Jostein Gaarders neuer Roman.

    "Sein jüngstes Buch macht süchtig." Margarete von Schwarzkopf, BücherMagazin, Mai 2017
    "'Ein treuer Freund‘ ist das zarte Porträt eines Außenseiters, der die Suche nach Nähe noch nicht aufgegeben hat." Hannelore Schlaffer, Süddeutsche Zeitung, 20.04.17
    "Gaarder hat hier wieder einen klugen, freundlichen Roman vorgelegt. Der Briefschreiber Jakop ist manchmal etwas betulich, er doziert und diskutiert sehr viel (…), aber dann wird man während der Lektüre wieder versöhnt durch Gaarders warmherzige und witzige Figurenzeichnung, durch die schrägen Fantasien des Helden und seiner aufmüpfigen Handpuppe." Sabine Peters, Deutschlandfunk "Büchermarkt", 17.04.17
    "Ein neues, liebenswertes Werk mit philosophischem Anspruch." Brigitte, 12.04.17
    „Wunderbar leise und unprätentiös. (.) Ein Aufruf, selbst nachzudenken, sich über die Welt Gedanken zu machen, seine Mitmenschen nicht zu vergessen, und sich einen liebevollen Blick für die eine oder andere Eigenheit zu bewahren.“ Irene Binal, MDR Kultur "Buch aktuell", 13.03.17

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