Joy Jelica

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Autor von Verborgene Glut.

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Verborgene Glut
Verborgene Glut
 (1)
Erschienen am 20.01.2016

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Rezension zu "Verborgene Glut" von Joy Jelica

Spannender Liebesroman aus München
SylviaFuehrervor 4 Jahren

 

„Verborgene Glut“ ist die unlängst erschienene Neuauflage des Romans von Joy Jelica mit dem ursprünglichen Titel „Tanz der Gefühle“. Die Autorin ist gleichzeitig Leiterin von „Caminando“ in München. Dieser unabhängige Verlag hat es sich zum Ziel gesetzt, den Themenkreis Liebe und ihre Irrungen und Wirrungen sowie die Fähigkeit des Menschen zur Vergebung und Versöhnung zu beleuchten. Mit dem vorliegenden Buch wurde das gestellte Ziel dank ausgeprägter Erzählgabe in hoher literarischer Qualität erreicht.

Die junge serbische Germanistikstudentin Lauren kommt nach München, um vor Ort ihre Sprachkenntnisse zu vervollkommnen und um mit ihren Eltern zusammenzuleben, die bereits vor ihr eingewandert waren. Sie lernt Samir, einen attraktiven Bosnier kennen, mit dem sie bald eine innige Leidenschaft verbindet, die das Paar jedoch auch immer wieder in heftige Eifersuchtsdramen stürzt. Lauren arbeitet als Lektorin in einem Verlag. Nach ihrer Eheschließung lehnt Samir Laurens Kinderwunsch vorerst ab und besteht darauf, dass sich zunächst ihre finanzielle Situation zu bessern habe. Leider gerät er auf die völlig schiefe Bahn, als er sein Ziel heimlich mittels Drogenhandel zu verwirklichen sucht. Ein V-Mann überführt ihn bei der Anbahnung des vermeintlichen „Geschäfts seines Lebens“, und Samir wird zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Die von den Ereignissen überrumpelte Lauren hält dennoch heroisch zu ihrem Mann, ist ihm in den ersten Jahren vollkommen treu, steht ihm bei, besucht ihn, sooft sie die Erlaubnis dazu bekommt. Auch beginnt sie eine neue Arbeit als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei, wo sie streng darauf achtet, dass niemand etwas von ihrem quälenden Geheimnis erfährt. In der Kanzlei befreundet sie sich mit einer jüngeren Kollegin, von der sie große Unterstützung erfährt. Laurens innere Spaltung – einerseits verlässliche Büroangestellte und andererseits zutiefst verletzte, hilfsbedürftige Ehefrau eines Delinquenten – lässt sie psychische Grenzerfahrungen erleben, die sich letztlich auch an ihrem Arbeitsplatz nicht mehr verheimlichen lassen.

Lauren durchlebt Abgründe, in denen sie vor allem von ihrer Freundin aus der Kanzlei sowie von ihrem Vater große Hilfestellungen bekommt. Gleichzeitig versucht ihre Mutter auf wenig einfühlsame Weise, Laurens Lebensstil grundlegend umzubiegen.

Ihr Warten auf Samir entwickelt sich immer mehr zur fixen Idee, die sie bis in den Wahnsinn zu treiben vermag. Als er schließlich bereits nach fünf Jahren vorzeitig entlassen wird, muss das Paar bestürzt feststellen, dass mittlerweile obendrein ihre Liebe füreinander erloschen ist.

In Lauren hat sich jedoch durch all die Wirrungen hindurch eine innere Reifung vollzogen, die es ihr nach einiger Zeit ermöglicht, bei einem Auslandsaufenthalt jemanden kennenzulernen, der ihr charakterlich ebenbürtig ist.  Dieser Mann wirbt unaufdringlich um sie, benimmt sich als echter Kavalier und liest ihr fortan die Wünsche von den Augen ab. Mehr sei hier nicht verraten...

Die Beschreibung von Gefühlen, besonders gegen Ende des Buches, geht sehr zu Herzen. Joy Jelica versteht es, gemeinsame Erfahrungen in der Natur sowie Empfindungen der Liebe in einer zeitlosen, schlichten, feinfühlig gewählten Sprache zu vermitteln. Die Handlung drängt nach vorne, das Buch ist spannend geschrieben und zugleich von hoher Wortkunst geprägt. Es wirkt authentisch und gut recherchiert. Orte und Handlung sind recht glaubwürdig, wenngleich in großen Teilen außerhalb des alltäglichen Erlebnisradius‘.

Hervorragend gelungen ist die Beschreibung von Laurens innerer Zerrissenheit, als ihr das Ausmaß der Spannung bewusst wird, welches ihre erste Beziehung mit sich bringt. So lesen wir beispielsweise: „Dass sie sich in einem mit Samir häufig auch äußerst schmerzvollen Beziehungslabyrinth nach und nach verirrte, hatte sie viel zu spät erkannt, als sie bereits gefangen war in einem aus Emotion und Ekstase gewobenen Netz, das sich unaufhaltsam um ihre Individualität schnürte, bis es sie schließlich eng umschlungen hielt.“ (S. 12)

Besonders für junge Leser ist dieses Buch eine einfühsam geschriebene Aufklärung darüber, wie extreme Formen von Leidenschaft die Vernunft verdunkeln können. Und es zeigt auf, was passieren kann, wenn jemand in ein Verbrechen hineinrutscht und unschuldige Angehörige die Konsequenzen mittragen müssen. Zudem schenkt es einen Blick hinter die Kulissen einiger eher tabuisierter Bereiche der Gesellschaft in der Zeit vor der Jahrtausendwende, an denen sich bis heute wohl noch nicht viel geändert hat. Viele Beschreibungen von Personen der Handlung zeigen eine Orientierung hin zum Menschlichen, Guten, Nachahmenswerten, wie beispielsweise die Darstellung der serbischen Großmutter der Protagonistin, die niemals Groll in ihrem Herzen hegt, was auch immer geschieht (Kapitel 11). 

Für mich als Kennerin der ersten Auflage des Buches (damals: „Tanz der Gefühle“) war die überarbeitete und erweiterte Neuauflage dennoch interessant zu lesen. Ich habe sie als Einladung empfunden, tiefer in Details der Erzählung vorzudringen. In vielen Dialogen ist der Bezug zum Vorredner nun noch prägnanter geworden, Reaktionen werden genauer beschrieben, darüber hinaus sind weitere Nebenhandlungen eingeflochten. So lässt sich auch problemlos darüber hinwegsehen, dass sich der Druckfehlerteufel in den fast 400 Seiten starken Roman immer mal wieder eingeschlichen hat.

Es verbleibt eine Menge Lesevergnügen, eine nachdenkliche Stimmung, und als letztliche Quintessenz so etwas wie die Fähigkeit zur „Aussöhnung mit den Herausforderungen des Lebens“ (S. 395). „Verborgene Glut“ schenkt neue Sichtweisen, die jeden innerhalb seiner eigenen Lebenssituation bereichern, unterhalten oder auch ermutigen können.

 

Sylvia Führer

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