Das Cover mit Frauenbeinen irritiert, macht neugierig, ist es doch seltsamerweise auf die Seite gedreht. Der Buchtitel „Babysitter“ ist trotz des harmlosen Wortes kein Cozy-Read. Kunstvoll verwebt sind hier Fakten und Fiktion.
Es ist ein verstörender, oft erschreckender, aber auch spannend geschriebener Thriller, der sich auf Rassismus, sexuelle Gewalt in der Schwulenszene, Frauenfeindlichkeit und gesellschaftskritische Belange konzentriert, die unter der Oberfläche eines wohlhabenden amerikanischen Vororts Detroits verborgen liegen. Auf zwei düsteren Handlungsebenen inmitten eines schockierenden Thrillers rund um den tatsächlich damals existenten Serienkiller genannt „Babysitter“ spannt sich das feinsinnig gewobene Spinnennetz um die 39-jährige Hannah Jarrett. Sie ist eine gelangweilte, gutsituierte Hausfrau, Mutter und vernachlässigte Ehefrau auf der Suche nach Liebe und Vertrauen. Mit dem ihr unbekannten, mysteriösen Mann Y.K. entspinnt sich eine gefährliche, gewalttätige Affäre incl. massiver Vergewaltigung, in ihrer Brutalität ebenso detailliert beschrieben wie die Kindermorde des Serienkillers nach Perspektivwechseln. Schockwirkung haben die Schilderungen der getöteten 10-12-jährigen Jungen.
In die düstere Atmosphäre um Hannah, sie voller Angst, Scham und unter Realitätsverweigerung, drängt sich die Problematik des Rassenhasses: ein unschuldiger Schwarzer wird erschossen Außerdem spielt die katholische St. Vincent Mission für Kinder unter Father McKenzie und seinen schwulen Daddy-Freunden nicht nur auf Drogen-Partys mit hübschen Jungen in den 1970-er Jahren eine wichtige Rolle. Ein aufrüttelnder Schreibstil mit Interpretationsspielraum in geschickt konstruiertem Thriller mit Diskussionspotential!
Viele Problematiken wie Rassendiskriminierung, sexuelle Gewalt aus damaliger Zeit existieren weiterhin, auch wenn sich vor allem das normale Frauenbild gewandelt hat zu mehr beruflicher, finanzieller und rechtlicher Unabhängigkeit.





















