"Er [Salinger] schüttelt den Kopf. "Eines Tages, Joyce", sagt er zu mir, "wirst du eine Geschichte erzählen wollen, und zwar nur aus dem einen Grund, weil sie dir wichtiger ist als alles andere. Du wirst damit aufhönre, das zu tun, was andere dir sagen. Du wirst nicht mehr nach anderen schielen und versuchen, es allen recht zu machen, du wirst einfach schreiben, was richtig und wahr ist. Ehrlichkeit beim Schreiben macht die Leute immer nervös, und sie werden alles Erdenkliche tun, um dir das Leben zur Hölle zu machen. Eines Tages in ferner Zukunft wirst du dich nicht mehr darum kümmern, ob andere mit dir zufrieden sind oder was sie über dich zu sagen haben. Dann wirst du endlich das leisten, wozu du fähig bist.""
Rar gesäht ist das Material über J.D. Salinger und es wäre noch zu überdenken, ob dieses Buch, abseits seiner übrigen Qualitäten, dazu gezählt werden sollte. Neben dem eigenen Werk, das realtiv wenig über Salinger auszusagen scheint, zumindest, wenn es um Fakten geht, sind es vor allem die Briefe, anhand derer man Salingers Wesen und seine Biographie noch am ehesten nachvollziehen könnte. So versuchte es Ian Hamilton in Auf der Suche nach J. D. Salinger . Auch die bisher umfangreichste Biographie J. D. Salinger: A Life und viele andere Dokumentsammlungen zu diesem Schriftsteller stützen sich teilweise auf diese Komponente (außerdem ist der Band Letters to J. D. Salinger zu erwähnen).
Lediglich zwei Menschen haben umfangreich Näheres, Persönliches über Salinger niedergeschrieben. Einmal seine Tochter in ihren Kindheitserinnerungen Dream Catcher: A Memoir und Joyce Maynard, im mittleren Teil dieses Buches. Auch ihre Begegnung mit Salinger begann mit einem Brief. Einem Brief unter hundert anderen, welche sie nach einem Artikel im New York Time Magazine bekam. Wie schon tausende Leser seiner Romane zuvor, wird die gerade mal 18jährige Joyce, die als Wunderkind gehandelt wird, von Salingers Worten, der Stimme in den Briefen, gefangen genommen. Bald wird aus dieser Anziehung eine bedeutende Gravitation in ihrem Leben. Schon nach einigen gewechselten Briefen kommt es zu einem Treffen. Und eine ungewöhnliche Liebesgeschichte bahnt sich an...
Erstmal ist ganz klar zu sagen, dass dies nicht nur ein Buch über das Jahr mit Salinger ist. Maynard hat Salinger genau den richtigen Platz darin zugeordnet - den einer Person, die in ihrem Leben eine zeitlang eine wichtige Rolle spielte. Es sind also Memoiren, die ein besonderes Augenmerk auf die Zeit mit Salinger legen, als einem der Fixpunkte der eignen Biographie, statt fachlich und analytisch die Person des Schriftstellers deuten oder erklären zu wollen. Das schadet dem Buch kein bisschen, auch wenn so der deutsche Titel eher unpassend wirkt.
Gut wird das Buch vor allem dadurch, dass Maynard auch abseits ihrer Salinger-Odyssee einiges erlebt hat und auch über den Rest ihres Lebens - vor, während und nach Salinger - mit unvulägerer Offenheit, mit Mut zur schonungslosen, wirklichkeitsnahen, aber nicht überzogen Darstellung und einem guten Gefühl für die Entwicklungen, die wir alle durchmachen, schreibt. Auch jemandem, der kein großes Interesse an Salinger hat, würde ich raten das Buch zu lesen, da es fast wie ein guter Roman ist und zumindest einige sehr interessante Punkte zu den Themen Lebensträume und -ängste, Vorstellungen, Ideale etc. einzubringen hat und dabei das Zeitraffer, den Lauf der Jahre und vieles andere sehr gut darstellt.
Andersherum wäre es schon schwieriger. Ich glaube, jemandem der unbedingt etwas über Salinger lesen/erfahren will, würde ich jedes der oben aufgeführten Bücher eher empfehlen als dieses. Nicht weil die Darstellung von Salinger mir hier schon zu persönlich oder unbequem wäre. Nein, vielmehr, weil 1. diese Erinnerungen aus einer Zeit stammen als Salinger bereits über 50 war, seit langer Zeit nichts mehr veröffentlicht hatte und sein Exil in Cornish bereits schon eine lange Weile währte, was den Eindruck von ihm unabgeschlossen lässt und 2. die Darstellung in diesem Buch viel über den Mensch Salinger aussagt, aber kaum etwas über den Autor aussagen kann. Die alles ist wenig bis gar nicht kritisch gemeint - ich finde dieses Buch so gelungen, wie es ist. Aber für alle, die das Buch aus sehr bestimmen Gründen lesen, möchte ich nur einmal diese Einschätzung abgegeben haben.
Viele haben schon versucht über Salingers Werk zu schreiben und bis heute ist wenig dabei herausgekommen. Es gibt zwar Salinger: The Classic Critical and Personal Portrait und tausende Eindrücke zu seinem Werk in Kolumnen, Rezensionen, Essays, aber Erfahren muss man seine Bücher bis heute immer noch selbst; so deutlich, wie das Werk keines anderen amerik. Schriftstellers - was auch daran liegen mag, dass der lebensbezügliche Einschlag, das biographie Hintergrundleuchten, bei seinen Werken nicht auftritt und sie ganz für sich gelesen werden können, was beispielsweise bei Hemingway fast schon nicht mehr möglich ist; zumindest beeinflusst es die Meinung über das Gelesene.
Am besten, würde ich sagen, hat noch Philip Djian in In der Kreide über Salingers Schreiben und dessen Magie geschrieben. Mit The Private War of J. D. Salinger kommt im September ein neues Buch über ihn heraus. Und angeblich sollen ja noch 3-40 abgeschlossene Prosa-Manuskripte in seinem Safe gelegen haben. Ob die jemals das Angesicht von Salingers treuer Leserschaft erblicken, steht weiterhin in den Sternen.
Joyce Maynard

Lebenslauf
Alle Bücher von Joyce Maynard
Der Duft des Sommers
Das Leben einer anderen
Gute Töchter
Das Hotel am Fuße des Vulkans
Die Guten
Labor Day
After Her
Neue Rezensionen zu Joyce Maynard
Diese Frau- die Ich-Erzählerin der Geschichte- erzählt von ihren dunkelsten Stunden, und dann von ihrer eigentümlich märchenhaften Freundschaft mit einem tollen Paar. Doch die Autorin schafft es dabei, eine Atmosphäre der leisen Bedrohung zu schaffen. Kann das gutgehen, oder wird etwas schlimmes passieren? Ich habe praktisch bis zum Schluss nicht gewusst, wie die Geschichte jetzt wirklich enden wird und habe gerade deshalb sehr mitgefiebert- ohne dass dieses Buch in der Nähe eines Krimis wäre. Und ich finde, das Ende enttäuscht nicht! In der ersten Hälfte gibt es kleine Längen, doch am Ende wird jeder Faden, den die Autorin im Laufe der Geschichte auslegt, wieder aufgenommen.
Irene, mit einigen Widrigkeiten aufgewachsen, die sie besonders prägten, hat einen harten Schicksalsschlag erlitten, der ihr Vertrauen in die Menschen und ihre Umgebung stark erschüttert. Sie steigt in einen Hippiebus und kommt nach einer langen Fahrt, die durch einige Zufälle bestimmt wird, in einem kleinen Dorf in Mittelamerika, abseits des Mainstreams, am Rande eines Sees und gegenüber eines Vulkans an. Hier lernt sie nicht nur neue Menschen kennen, sondern soll sogar das kleine Hotel übernehmen. Sie lernt so einige Gäste und auch die Dorfbevölkerung kennen und sie schöpft nach langer Zeit wieder Vertrauen. Auf ihrem Weg der Selbstreflektion und -findung begleiten wir sie.
Joyce Maynard hat hier einen außergewöhnlichen Roman geschaffen. Sie erzählt mit blumiger Sprache die Geschichte. Am Anfang dachte ich noch, ob dieses Buch tatsächlich etwas für mich ist, da ich den Einstieg etwas komisch fand. Nachdem die Geschichte fortschritt und spätestens im Bus, hatte sie mich aber gefangen und ich befand mich in einem farbenprächtigen, ganz wundervollen Roman. Jede der Personen, die im Buch beschrieben wird, hat ihren eigenen Charakter, es hat Spaß gemacht diesen herauszufinden. Die Autorin hat in besonderer Weise den Werdegang von Irene bei ihrer Selbstfindung beschrieben, dieses in einem farbenprächtigen, aussergewöhnlichen Ambiente, was jetzt noch -nach Tagen seitdem ich das Buch beendet habe- in mir nachhallt. Eine ganz großartige Geschichte, die mich wunderbar unterhalten hat, mich manchmal traurig, aber zumeist sehr lebendig und auch fröhlich stimmte. Den Ort und alles drumherum kann ich - ohne dass ich jemals dort war- geradezu plastisch beschreiben. Ganz großes Kopfkino. Für mich ein ganz toller Roman, den ich nur empfehlen kann.
Gespräche aus der Community

Nach einem Schicksalsschlag steht Irene am Tiefpunkt ihres Lebens. Spontan steigt sie in einen Bus ohne zu wissen, wohin er sie führt. Als sie schließlich in einem kleinen Dorf in Mittelamerika landet, quartiert sie sich in einem Hotel am Fuß eines Vulkans ein, wo sie sich zum ersten Mal nach einer langen Zeit zu Hause und geborgen fühlt.
Wir verlosen 20 Exemplare. Macht mit bei dieser Leserunde!

Wir von HarperCollins Germany laden euch herzlich zur Leserunde des neuen Romans
"Die Guten" von Joyce Maynard
ein. Bitte bewerbt euch bis zum 20.10.2016 für eines von 15 Leseexemplaren (E-Book) und zur gemeinsamen Diskussion sowie Rezension des Romans.
Über den Inhalt:
Nach dem Ende ihrer Ehe fühlt Helen sich einsam, selbst zu ihrem kleinen Sohn findet sie keinen Zugang mehr. Dann lernt sie Ava und Swift Havilland kennen. Das charismatische Paar heißt Helen mit offenen Armen in ihrer Welt willkommen - einer Welt von interessanten Menschen, ausgelassenen Partys und Wohlstand. Immer stärker gerät die junge Frau in den Bann ihrer neuen Freunde. Bis sie feststellen muss, dass diese Freundschaft an Bedingungen geknüpft ist. Und dass sie dadurch im Begriff ist, zu verlieren, was sie am meisten liebt.
Du möchtest "Die Guten" von Joyce Maynard lesen?
Dann bewirb dich jetzt um eines der 15 Leseexemplare und teile uns bitte mit, welches Format du im Gewinnfall benötigen würdest (epub oder mobi)..
Wir sind gespannt auf dich, deine Fragen und Leseeindrücke und würden uns freuen, wenn du deine Rezension dann auf Amazon & Co und auf harpercollins.de teilst.
Viel Glück und ein tolles Leseerlebnis wünscht dir das Team von HarperCollins Germany
Zusätzliche Informationen
Joyce Maynard wurde am 05. November 1953 in Durham, New Hampshire (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.
Joyce Maynard im Netz:
Welche Genres erwarten dich?
Community-Statistik
222 Bibliotheken
42 Merkzettel
1 Leser*innen


















