*Rezensionsexemplar*
📎 THRILLER
📎 KIDNAPPED CHILD
📎 MORAL DILEMMA
📎 FAMILY DRAMA
Dr. Dave Evans ist erfolgreicher Neurochirurg und alleinerziehender Vater. Seine siebenjährige Tochter Julia wird oft von der Haushälterin betreut - doch als er nach einem anstrengenden Tag nach Hause kommt, ist die Angestellte tot und Julia weg.
Um das Leben seiner Tochter zu retten, soll er den mächtigsten Mann der Welt töten und er hat nur 55 Stunden Zeit, eine Lösung zu finden, während die Entführer ihn auf Schritt und Tritt beobachten…
»Ich war nicht länger ein Mitglied ihrer Familie, das sie grenzenlos enttäuscht hatte. Ich war ein potenzieller Präsidentenmörder.«
Erzählt wird die Story überwiegend aus der Perspektive von Dave, einem Neurochirurg, der im Todestrakt seine Erinnerungen an die dramatischen Ereignisse schildert. Ergänzt wird das Ganze durch Einblicke in die Gedankenwelt des kaltblütigen Entführers Dr. White sowie durch die Sicht von Daves Schwägerin, die verzweifelt nach ihrer Nichte sucht. Diese Wechsel erzeugen Spannung und geben der Handlung zusätzliche Tiefe.
Die Kapitel sind kurz und steigern dadurch das Tempo erheblich. Innerhalb von zwei Tagen entfaltet sich eine Geschichte, die insbesondere für den rechtschaffenen Dave moralische Grundsatzfragen aufwirft. Er ist durch seinen ärztlichen Eid, Leben zu retten, in einer ausweglosen Lage. Seine Trauer über den Verlust seiner Frau wird von Dr. White skrupellos gegen ihn eingesetzt. Die Manipulationen des soziopathischen Entführers sind ebenso beängstigend wie faszinierend, denn er zeigt keinerlei Mitgefühl und kennt keine moralischen Grenzen.
Neben rasanter Action vermittelt der Thriller Einblicke in die Arbeit des Secret Service und regt zum Nachdenken über Schuld, Verantwortung und den Wert des Lebens an. Diese Reflexionen verleihen dem Buch eine unerwartete Ernsthaftigkeit, die es von vielen Thrillern abhebt.
Besonders gelungen ist die Spannungskurve: Mit jeder anonymen Nachricht steigt die Verachtung für Dr. White und gleichzeitig wächst die Hoffnung, dass Dave einen Ausweg findet. Auch wenn manche Szenen nicht vollkommen realistisch wirken, schmälert das die Intensität des Leseerlebnisses kaum.
Zerrissen ist ein mitreißendes Buch, das ich nur ungern aus der Hand gelegt habe. Es überzeugt durch schnelles Erzähltempo, vielschichtige Figuren und eine Handlung, die fesselt und berührt.
Das war mein erstes Buch des Autors, wird aber sicher nicht das letzte bleiben.