Juan Gabriel Vásquez

 3.8 Sterne bei 50 Bewertungen

Lebenslauf von Juan Gabriel Vásquez

Von Südamerika nach Europa und dabei erfolgreich: Juan Gabriel Vásquez ist 1973 in Bogotá, Kolumbien geboren. Er studierte in Paris, an der Sorbonne, lateinamerikanische Literatur. Bekannt geworden ist er vor allem für seine Übersetzungen bekannter Autoren wie Victor Hugo, John Hersey und E. M. Forster. 2001 veröffentlichte er sein erstes literarisches Werk, die Geschichtensammlung „Die Liebenden von Allerheiligen“. Sein Romandebüt erschien 2004, die deutsche Übersetzung, „Die Informanten“, folgte jedoch erst 2010. Besonders erfolgreich war sein Roman „“El ruido de las cosas al caer“ von 2011, mit dem er sowohl in der Originalfassung, als auch für seine Übersetzung ins Englische mit Preisen ausgezeichnet worden ist. Er erhält den International IMPAC Dublin Literary Award, der mit einhunderttausend Euro einer der höchstdotierten Literaturpreise der Welt ist. Die deutsche Übersetzung wurde 2014 unter dem Titel „Das Geräusch der Dinge beim Fallen“ veröffentlicht. Vásquez lebt seit 2012 wieder mit seiner Familie in Bogotá.

Alle Bücher von Juan Gabriel Vásquez

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Das Geräusch der Dinge beim Fallen

Das Geräusch der Dinge beim Fallen

 (17)
Erschienen am 26.01.2017
Die Gestalt der Ruinen

Die Gestalt der Ruinen

 (9)
Erschienen am 04.09.2018
Die geheime Geschichte Costaguanas

Die geheime Geschichte Costaguanas

 (7)
Erschienen am 15.02.2011
Die Informanten

Die Informanten

 (8)
Erschienen am 15.02.2010
Die Reputation

Die Reputation

 (4)
Erschienen am 01.03.2016
Die Informanten

Die Informanten

 (4)
Erschienen am 09.12.2011
Die Liebenden von Allerheiligen

Die Liebenden von Allerheiligen

 (0)
Erschienen am 28.11.2018
Das Geräusch der Dinge beim Fallen

Das Geräusch der Dinge beim Fallen

 (0)
Erschienen am 01.10.2014

Neue Rezensionen zu Juan Gabriel Vásquez

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Rezension zu "Die Gestalt der Ruinen" von Juan Gabriel Vásquez

Ruinierte Hoffnungen
aus-erlesenvor 6 Monaten

Verbrannte Erde hinterlassen oder dass nur Sieger die Geschichte schreiben, kann einen schon manchmal in den Wahnsinn treiben. Die Wahrheit über ein Ereignis zu erfahren ist immer mit einem gewissen Beigeschmack gefüllt. 
Carlos Carballo will einen Anzug aus einem Museum in Kolumbien stehlen. Für viele Redaktionen nicht mal eine Meldung auf der letzten Seite wert. Doch wenn es sich um ein historisches Zeitdokument handelt, werden viele hellhörig. Am 9. April 1948 wurde der liberale Politiker Jorge Eliécer Gaitán ermordet. Er galt vielen als Hoffnungsträger. Sein rhetorisches Geschick war legendär. Der Mörder, Juan Roa Sierra, wurde mehr oder weniger an Ort und Stelle gelyncht. Das ist schon eine Meldung wert. Doch warum wollte Carlos Caballo den Anzug stehlen, den Jorge Eliécer Gaitán am Tage seiner Ermordung trug? Fetisch? Oder wollte er damit etwas beweisen? Gut, dass er bewusst einen weiteren Interessenten mit ins Boot holt: Juan Gabriel Vásquez. Den Autor dieses Buches. 
Da wird also der Autor eines Buches in sein eigenes Werk hineingezogen ohne dabei groß die Biographie-Keule zu schwingen. Natürlich hat der Roman weitreichende autobiographische Züge, ist aber im Großen und Ganzen fiktional. 
Kolumbien ist das Heimatland des Autors. Erst als er ins Ausland geht, erkennt er tiefer gehende Zusammenhänge. Als Kolumbianer in Bogotá weiß er um die besonderen Verhältnisse in seinem Land, die aus der Ferne jedoch viel stärker hervortreten. Das Land ist nicht erst seit dem hinterhältigen Mord an dem liberalen Politiker Jorge Eliécer Gaitán im Umbruch, in einer verzwickten Lage, sondern eigentlich schon länger. Verschwörungstheoretiker stoßen in dem südamerikanischen Land auf fruchtbaren Boden. 
Als in Europa der Große Krieg wütete bzw. seine Schatten auch über die Grenzen des Kontinentes  warf, fiel Rafael Uribe Uribe einem Attentat zum Opfer. Einfacher Mord zweier Fehlgeleiteter oder von langer Hand geplantes Attentat? Franz Ferdinand und der Beginn des Ersten Weltkrieges – hier sind sich aber nun mal alle Historiker einig – das war von langer Hand geplant. Doch welche langfristigen Ziele damit einhergingen, kann bis heute nicht vollständig geklärt werden. Der Anschlag auf Kennedy – hier sind wilden Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Und zwischendrin die nachträglichen – fiktionalen – Ermittlungen zum Tode von Jorge Eliécer Gaitán. 
Juan Gabriel Vásquez begegnet den Verschwörungstheorien mit der einzigen Art und Weise, die es gibt: Mit der Macht der Phantasie und der Literatur. Er befeuert keineswegs  neue Theorien oder behauptet neue – wahrhafte – Erkenntnis zu besitzen. Er lässt Zeugen zu Wort kommen und erlaubt ihnen ihren Gedanken nachzuhängen und sie laut zu äußern. Dem Leser wird schon bald klar, dass Juan Gabriel Vásquez nicht allein mit seinem Dilemma steht. Man selbst ist in einer Geschichte gefangen, die man nur schwer einordnen kann. Mit jeder Zeile dringt man weiter in ein Dickicht vor, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Doch Vásquez kennt einen Ausweg…

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Rezension zu "Die Gestalt der Ruinen" von Juan Gabriel Vásquez

Verschwörungstheorien
Buecherschmausvor 8 Monaten

„Zum letzten Mal hatte ich Carlos Carballo gesehen, als er gerade in einen Polizeiwagen kletterte, die Hände in Handschellen auf dem Rücken, den Kopf eingezogen; am Bildschirmrand gab eine Textzeile Auskunft über die Gründe seiner Verhaftung: Er hatte versucht, den Anzug eines ermordeten Politikers zu stehlen.“
„Ich kann nicht behaupten, dass ich ihn gekannt hätte, aber wir waren so vertraut miteinander, wie es nur die sein können, die einander täuschen wollten.“
Die Begegnung mit Carlos Carballo lässt den Ich-Erzähler tief in die politische Vergangenheit eintauchen, wird seine Arbeit als Schriftsteller über Jahre bestimmen und führt letztendlich zu dem vorliegenden Buch. Juan Gabriel Vásquez ist Ich-Erzähler des Romans „Die Gestalt der Ruinen“ und gleichsam sein Autor – was wirklich autobiografisch und was Fiktion ist, kann der Leser nur mutmaßen. In einer „Anmerkung des Autors“ betont dieser allerdings, dass es sich um ein „fiktives Werk“ handelt.
„Der Leser, der in diesem Buch Übereinstimmungen mit dem realen Leben sucht, tut dies auf eigene Verantwortung.“
Dabei sind die historischen Ereignisse, von denen erzählt wird, gut dokumentiert und alles andere als fiktiv.
Am 9. April 1948 wurde der liberale Präsidentschaftskandidat in Bolivien, Jorge Eliécer Gaitán, ein im Volk äußerst populärer Reformpolitiker, vor seiner Anwaltskanzlei in Bogotá erschossen. Der psychisch verwirrte Täter, Juan Roa Sierra, wurde direkt nach der Tat von aufgebrachten Passanten brutal zu Tode geprügelt und seine Leiche geschändet. Seine Alleintäterschaft wurde sofort in Zweifel gezogen und von den Anhängern Gaitáns wurden sehr bald die Konservativen als die Verantwortlichen beschuldigt. Folge war der „Bogotazo“, anfängliche Schießereien, die sich im Laufe des Tages zu einem unkontrollierten Blutvergießen steigerten. Dabei ging das Zentrum von Bogotá vollständig in Flammen auf, mehr als 3000 Menschen verloren ihr Leben. Im sich anschließenden Bürgerkrieg zwischen Liberalen und Konservativen, der von 1948 bis 1958 andauerte, verloren mehr als 200.000 Menschen ihr Leben. Durch den Tod Sierras blieben die Tathintergründe für immer im Verborgenen, das lieferte schon bald Material für Verschwörungstheorien.
In Kolumbien sind die Ereignisse nach dem 9. April sehr präsent. Juan Gabriel Vásquez kam 1991 das erste Mal in direkte Berührung mit ihnen, als er Zeuge eines Mordes auf offener Straße wurde, fast genau an der Stelle, an der einst Gaitán sein Leben verlor. Daraus entstand eine frühe Erzählung, in seinem Roman „Die Informanten“ von 2004 wurden die Ereignisse erneut thematisiert.
In „Die Gestalt der Ruinen“ kommt der Ich-Erzähler, Juan Gabriel Vásquez, durch eine zufällige Begegnung mit Dr. Francisco Benavides ins Gespräch, dessen Vater einst die rechtsmedizinischen Untersuchungen zu Gaitáns Tod leitete, und über diesen macht er die Bekanntschaft mit Carlos Carballo. Dieser ist nicht nur von der Ermordung Gaitáns nahezu besessen, sondern bringt sie auch in Verbindung mit anderen ungeklärten Morden an Politikern und sogar mit dem 11. September 2001. Ähnlich wie beim Attentat auf J.F. Kennedy geht er von einem zweiten Schützen aus und von der „Opferung“ des vorgeblichen Alleintäters, um die wahren Hintergründe eines Komplotts zu verschleiern. Carballo ist ein wahrer Paranoiker und lebt praktisch für seine Verschwörungstheorien. Wie diese entstehen und wie man in sie hineingezogen wird, macht Vásquez mit seinem Roman auf packende Weise deutlich.
Der zeitlich am weitesten entfernte Mord in der an politischen Morden reichen, brutalen Geschichte Kolumbiens, auf den sich Carballo bezieht, ist der an General Rafael Uribe Uribe im Jahr 1914. Auch er war Anführer der liberalen Partei und stand Gabriel Garcia Márquez Pate für seinen Oberst Aureliano Buendia in „Hundert Jahre Einsamkeit“. Auch bei diesem Attentat kam der Verdacht auf, dass die zwei verhafteten Handwerker nur Handlanger waren, dass hinter der Tat die Konservativen, die Jesuiten, die Oligarchen und Militärs standen. Der junge Anwalt Marco Tulio Anzola verfolgte diese Theorie vehement, aber letztlich erfolglos. Wir als Leser werden in dessen Nachforschungen, Gedankengänge, Beweisführungen hineingezogen, folgen Carballos Schlussfolgerungen und Recherchen. Und am Ende denkt man: Ja, so könnte es gewesen sein. Die Obsessionen Carballos erscheinen gar nicht mehr so abwegig.
Gerüchte, dunkle Treffen, forensische Untersuchungen, Spekulationen – Klatsch steht neben wissenschaftlichen Dokumentationen. Vásquez unterstreicht dies noch, indem er seinem Roman mit seiner Fülle an Informationen und Details noch Bildmaterial beifügt, meist schlecht und unscharf reproduzierte Fotos, die zur Verunsicherung mehr beitragen als zur Klärung. Was ist Wahrheit? Was ist Wahn? Was Lüge?
Vásquez treibt dabei auch die Frage nach der Belastbarkeit von Erinnerungen um, von verschiedenen Interpretationen der geschichtlichen Wahrheit, letztlich um die Möglichkeit jeder Geschichtsschreibung, aber auch ihrer Notwendigkeit.
Ein Shakespeare Zitat, gesprochen kurz nach der Ermordung Julius Caesars, war Inspiration für den Titel des Romans.
„Ruine bist du des edelsten der Männer, der jemals lebt im Wechsellauf der Zeit.“
Daraus ergibt sich für den Autor ein Auftrag:
„Diese menschlichen Ruinen gemahnten uns an vergangene Irrtümer und waren einmal auch Prophezeiungen gewesen.“
Juan Gabriel Vásquez schreibt einen Geschichtsroman, eine fiktive Autobiografie, einen Detektivroman, einen Thriller, mischt essayistische Passagen und Gedanken über den Schreibprozess in einer enormen Detailfülle und Sorgfalt. Und dennoch bleibt man als Leser mit gespanntem Atem an der Lektüre. Der Argentinier Marcelo Figueras hat das unlängst in seinem Roman „Das schwarze Herz des Verbrechens“ auf ähnliche Weise getan.
Eine ganz große Leseempfehlung gilt für beide.

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Rezension zu "Die Gestalt der Ruinen" von Juan Gabriel Vásquez

Historische (Un-)Wahrheiten Kolumbiens
Orishavor 8 Monaten

Als der Anzug des ermordeten Politikers Jorge Elicier Gaitan vermeintlich gestohlen werden soll, beginnt sich Vasquez zu erinnern: an längst vergangene Ereignisse und Begegnungen. An die Geburt seiner Töchter, an die Bekanntschaft mit dem Arzt Benavides und einen Mann namens Carballo. Besonders letzterer wühlt sein Leben auf und Vasquez beginnt sich mit den Geschichten seines Landes auseinandersetzen

Juan Gabriel Vasquez hat ein gutes Buch geschrieben. Ein Buch, das die Geschichte Kolumbiens im 20. Jahrhundert durchkämmt und zwei Ereignisse ans Licht bringt, die Kolumbien umwälzten: die Ermordung von Rafael Uribe Uribe 1914 und den Mord an Jorge Elicier Gaitan 1948. Beide Männer standen für ein liberaleres Kolumbien,  beide wurden getötet. Und bei beiden ranken sich Mythen um ihren Tod. Diese nimmt sich Vasquez vor und nimmt den Leser mit in die Welt der Verschwörungstheorien. ‚Wer sind die?/ Quienes son?‘ das ist die zentrale Frage.

Dabei bedient sich Vasquez historischer Fakten, die er geschickt mit diesen Theorien verknüpft. Das erzeugt einen Sog, dem ich mich als Leserin nicht entziehen konnte. Man kann nun sicher über Verschwörungstheorien denken, was man mag – sie faszinieren und bergen gleichzeitig Gefahr sie für die Wahrheit zu halten.  Und das nutzt Vasquez für sich. Für mich – subjektiv – war das Buch sprachlich und inhaltlich ein Vergnügen, das mir die Geschichte eines Landes näher brachte, mit dem ich mich nur bedingt auskannte und das hat Spass gemacht. Das tröstet auch über ein paar Längen hinweg, die das Buch aufweist.

Fazit: Ein tolles Buch, spannend, gut geschrieben, mit Lerneffekt und ein paar Längen. 4 Sterne. Lesenswert.

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Neu

Liebe LovelyBooks-Freunde,

 

wir laden Euch herzlich ein, an unserer Leserunde zu Juan Gabriel Vásquez’ neuen Roman Die Gestalt der Ruinen teilzunehmen!

 

Carlos Carballo ist ein seltsamer Mann, der eines Tages durch einen Museumseinbruch Schlagzeilen macht. Doch hinter seiner Tat, so stellt sich heraus, steckt eine besessene Logik: Sein ganzes Leben hat er der Aufklärung politischer Morde gewidmet, unter denen das Attentat auf einen liberalen Politiker im Jahr 1948 eine zentrale Rolle spielt. Es hat Kolumbien in eine bis heute anhaltende Krise gestürzt. Überzeugt von einer Verschwörung, bedrängt Carballo den Schriftsteller Juan Gabriel Vásquez, seine Recherchen fortzusetzen.

 

Teils Politthriller, teils Autobiographie, deckt Die Gestalt der Ruinen die Wurzeln der Gewalt auf, die Kolumbiens Geschichte bis heute prägt, und stellt zugleich die Frage nach der Wahrheit der Literatur.

 

Wenn Ihr an intellektuellen Romanen interessiert seid, dann bewerbt Euch bis zum 26. August 2018 für die Leserunde und gewinnt mit etwas Glück eines von 10 Exemplaren! Beantwortet dafür einfach folgende Frage:

 

Welche/n lateinamerikanische/n Autor/in habt Ihr zuletzt gelesen?

 

Eine Leseprobe findet Ihr hier.

 

Viel Erfolg wünscht Euer

 

Verlag Schöffling & Co.

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