Juan Luis Arsuaga , Juan C Sastre Die Welt des Neandertalers

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Inhaltsangabe zu „Die Welt des Neandertalers“ von Juan Luis Arsuaga

Lange glaubteman, das menschliche Bewusstsein beginne erst mit dem Homo sapiens, unserem direkten Vorfahren. Neue Funde beweisen aber, dass die Neandertaler viel größer waren als bisher vermutet und fast so intelligent wie der Homo sapiens. Während des Jungpleistozäns entwickelten sie sich unabhängig von unseren direkten Vorfahren, ehe sie vor etwa 30 000 Jahren verschwanden. Fachkundig und verständlich lässt Juan Luis Arsuaga fünf Millionen Jahre Erdgeschichte Revue passieren, vor allem aber beschreibt er die faszinierende Lebenswelt der Neandertaler.»Mit vielen Details und noch mehr Leidenschaft gelingt es Arsuaga, mit seinem Buch gleichzeitig kompetent zu informieren und zu begeistern.«Financial Times Deutschland

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  • Rezension zu "Die Welt des Neandertalers" von Juan Luis Arsuaga

    Die Welt des Neandertalers

    sturlu

    01. December 2010 um 09:31

    Wer dieses Buch mit Gewinn lesen will, sollte einen Atlas (mit guter Spanien-Karte), eine Tafel der Erdzeitalter sowie Papier und Stift für Notizen bereit halten, sonst verliert man an vielen Stellen den Überblick. Dieses Buch bräuchte DRINGEND mehr (und bessere) erläuternde Abbildungen. Auch sonst ist die Form der Wissensvermittlung etwas sperrig; so hätte die Sprache an vielen Stellen ein wohlwollendes Lektorat vertragen (und/oder einen besseren Übersetzer?). Die häufigen Abschweifungen, die der Autor sicher als Auflockerung gedacht hat, führen oft mäandernd in alle möglichen Richtungen. Detaillierte Analysen wie die Beschreibung der Pflanzenarten in den verschiedenen Regionen Spanien während des letzten Interstadials sind für Fachleute sicher hochinteressant, für ein populärwissenschaftliches Buch scheinen sie mir doch etwas übertrieben. Wenn man sich aber darauf einlässt, erhält man einen (in meinen Augen eines interessierten Laien) guten Abriss der Entwicklung der menschlichen Vorfahren, ausgehend vom letzten gemeinsamen Ahnen mit den Schimpansen bis hin zum Auftauchen von homo sapiens sapiens in Europa. Dieser breite Ansatz führt freilich dazu, dass der Neandertaler selbst erst ziemlich spät im Buch auftaucht, so gegen Seite 230. Wer Informationen spezifisch zum Neandertaler sucht, wird davon wohl etwas enttäuscht werden.

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  • Rezension zu "Die Welt des Neandertalers" von Juan Luis Arsuaga

    Die Welt des Neandertalers

    serpent

    21. April 2010 um 19:03

    „Die Welt des Neandertalers“ handelt von den Ursprüngen des modernen Menschen und seinen Verwandten, den Neandertalern. In drei große Abschnitte gegliedert erzählt Arsuaga vom Stammbaum der „Affenmenschen“, ihren Lebensräumen- und Umständen sowie von der Entwicklung eines Bewusstseins und der Sprache. An sich ein hoch interessantes Thema… aber bei Gott, bin ich froh das Buch endlich wieder ins Regal stellen zu können! Zunächst einmal muss ich bemängeln, dass Arsuagas Schreibstil einfach unendlich ermüdend ist: er verliert sich in endlosen Aufzählungen (ganz besonders gerne von Fundorten einzelner Skelette) und klatscht Informationen so langweilig wie nur möglich in ellenlangen Schachtelsätzen aneinander. Ein Beispiel: „Dagegen kennt man schon eine Hand voll Moustérien-Fundorte aus dieser Zeit, die also 30000 Jahre oder noch etwas jünger sind: Cova Negra (Valencia), Cova Beneito (Alicante), Carihuela (Granada), Zafarraya (Málaga) und die Fundorte des portugiesischen Küstenstreifens, nämlich Figueira Brava, Lapa dos Furos, Pedreira das Salemas, Gruta do Caldeirão und, mit unsicherer Datierung, Gruta Nova da Columbeira.“ (S. 306) Und wer meint, dass das jetzt nur ein gemeines Beispiel war, liegt falsch. Solche – oder so ähnliche – Aufzählungen durchziehen das gesamte Buch und haben mich beim Lesen so ermüdet, dass ich einmal sogar eingeschlafen bin. Desweiteren hatte ich das Gefühl, dass der Paläonthologe öfters mal vom Thema abgeschweift ist. Oder habe ich beim Titel des Buches etwas falsch verstanden? Mir ist klar, dass für die umfassende Besprechung eines Themas wie der Entwicklung der Neandertaler und der Menschen, sehr viel Wissen „drum herum“ nötig ist… aber ein ganzes Kapitel über die Vegetation von der Kaltzeit der Iberischen Insel bis zur Vegetation des heutigen (!) Spaniens, ist überflüssig. Gerade letzteres finde ich etwas… merkwürdig. Unangenehm zu lesen waren dann auch solche trockenen Fachbegriffe wie die Einteilung der Erde in die „Grenzen der geozoologischen Reiche und Regionen der Arctogäa“. Und damit komme ich zum nächsten Punkt: Ich bin definitiv nicht vom Fach, aber ich studiere Biologie (und nein, nicht mehr im 1. Semester ;)) und habe ein einigermaßen gutes Verständnis für Fachbegriffe. Das kam mir auch in diesem Buch zu Gute – ein Laie hat aber meiner Meinung nach kaum eine Chance sich durch den Wust an Begriffen im Buch zu kämpfen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Arsuaga ein mir unverständliches System hat Fremdwörter zu erklären. Ab und zu schafft er es einen dieser Begriffe nicht zu lang und nicht zu knapp zu erklären, meistens aber wirken die weiteren Ausführungen nur konfus. Dann wiederum erklärt er Begriffe, die nicht unbedingt von Nöten sind (z.B. Inuit = Eskimo), lässt aber Wörter wie „Epiglottis“ und „bakterizid“ im Raum stehen. Wäre ich jetzt ganz, ganz furchtbar pingelig und kleinkarriert, würde ich sogar ein Beispiel nennen können, in dem seine Erklärung schlichtweg falsch ist („Es gibt Pflanzen, wie beispielsweise unsere Zistrosen, die pyrophil sind, die also das Feuer anziehen; […]“. Da dachte ich mir nur: ernsthaft? Also besser nicht neben das Haus pflanzen, ansonsten zahlt die Versicherung nicht mehr bei Brandschäden!) aber das ignorieren wir jetzt mal und haken es als Fall von „frustiert zurückgebliebener Leser“ ab. Arsuagas Ausflüge in Belange eher philosophischer als biologischer Themen, finde ich auch nur begrenzt sinnvoll. Zur Auflockerung des schwierigen Textes eigentlich sehr gut geeignet (endlich Passagen, die man auch lesen kann!) – wirken hier aber leider oft deplaziert, überdramatisiert und peinlich. Beispiel: „Wird der Mensch eines Tages so weit sein, dass er den ständigen Widerstreit zwischen dem Individuum und der Gruppe überwinden kann? Hat uns die Evolution etwa in eine auswegslose Sackgasse geführt? Die Antwort, lieber Leser, weiß ganz allein der Wind.“ (S. 325) Mittlerweile ist wohl meine Meinung deutlich geworden: ein hoch interessantes Thema, leider unleserlich verpackt. Juan Luis Arsuaga scheint sein großes Wissen jedenfalls nicht mit uns normalsterblichen teilen zu können oder zu wollen. Wer mehr über seine Ursprünge erfahren möchte ohne sich beim Lesen zu quälen, dem kann ich Richard Dawkins oder gleich Charles Darwin empfehlen.

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