Juan Marsé Liebesweisen in Lolitas Club

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Inhaltsangabe zu „Liebesweisen in Lolitas Club“ von Juan Marsé

Ein Roman über große Gefühle - und gleichzeitig die Bestandsaufnahme einer Gesellschaft, die von Mädchenhändlern, Terroristen, gewalttätigen Polizisten und zwielichtigen Politikern geprägt ist: Juan Marsé, "der beste Schriftsteller der spanischen Nachkriegliteratur" (Manuel Vázquez Montalbán), erzählt in 'Liebesweisen in Lolitas Club' eine raffinierte Dreiecksgeschichte, die sich schon bald als Spiel mit doppelten Boden entpuppt.
Raúl Fuentes, vom Polizeidienst suspendiert, kehrt in sein Elternhaus nach Barcelona zurück. Sein geistig zurückgebliebener Zwillingsbruder Valentín, der dort noch immer wohnt, ist inzwischen erstaunlich selbständig geworden: Zu Raúls Missfallen hilft er in Lolitas Club aus, einem erotischen Etablissement, kauft Nagellack, Feuchtigkeitscremes und Kondome für die Mädchen und backt ihnen süße Kringel. Dabei verliebt er sich in Milena, die mit einem fingierten Arbeitsvertrag von Kolumbien nach Spanien gekommen ist.

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  • Rezension zu "Liebesweisen in Lolitas Club" von Juan Marsé

    Liebesweisen in Lolitas Club

    HeikeG

    15. August 2008 um 12:33

    Gefährliche Unabhängigkeit - Wenn persönliche Freiheit unterschiedliche Bedeutungen erhält - Juan Marsé, der Altmeister der katalanischen Literatur, inszeniert mit "Liebesweisen in Lolitas Club" eine moderne "Pretty Woman", die alles andere als romantisch ausgeht: eine eindringliche, tief berührende Erzählung. Marsé hat seinen jüngsten Roman an Spaniens Costa del Garraf, in den winterleeren Küstenort Castelldefels, gesetzt. Doch die landschaftlich reizvolle Mittelmeerküste ist bei dem katalanischen Autor alles andere als eine idyllische Hommage an seine Heimat. In unverwechselbar bildhaftem, geradezu cineastischem Stil, berichtet er über die schmutzige Welt der Mafia und ihren untrüglichen Begleiterscheinungen: Prostitution, Drogen, Gewalt und Geldwäsche. Dreh- und Angelpunkt ist "LOLITA'S CLUB", ein an der Schnellstraße nach Barcelona liegendes Animierlokal. Prostituierte verkaufen hier Abend für Abend ihre Körper an Männer auf der Durchreise. Darunter auch die kolumbianische Milena, eine von vielen jungen Frauen, die vor der Misere ihres Landes geflohen sind und schließlich in der Prostitution landen, weil sie sich verpflichtet fühlen, die beträchtlichen Schulden abzuzahlen, die ihnen durch die Schleuser-Mafia entstanden sind. "Pretty Woman" auf Katalanisch Die Idee zu diesem Roman kam Marsé, als er vor einigen Jahren gemeinsam mit einer jungen Kolumbianerin in einem Lokal in Castelldefels einige Gläschen trank. Ursprünglich als kurze Erzählung geplant, arbeitete der Autor sie auf Anregung des spanischen Filmproduzenten und Regisseurs Fernando Trueba zu einem Drehbuch um, um letztendlich doch noch einen Roman daraus zu stricken. Ein Roman, dessen Szenen große Bildhaftigkeit ausstrahlen und der "mehr mit dem Herzen, als mit dem Kopf geschrieben sei", so der Autor. Doch seine katalanische "Pretty Woman" deckt sich in kaum mit Garry Marshalls Film aus dem Jahr 1990, der für Julia Roberts der Beginn ihrer Karriere als Starschauspielerin bedeutete. Statt zu verzücken, erschüttert die Erzählung den Leser tiefgreifend. "Fiktion möchte die Wirklichkeit repräsentieren, nicht sie verdrängen", sagte Marsé in einem Interview. "Doch mit diesem Buch will ich nicht irgend jemanden anklagen und kritisieren, sondern nur versuchen, Gefühle zu vermitteln". Und das gelingt dem Autor großartig. Denn trotz aller Härte und dem Leid der jungen Frauen, gibt er in seinem Roman der Liebe, Güte, Zuneigung und Freundschaft eine Chance. Zwillingsbrüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten Temporales Rahmenkonstrukt ist die Geschichte von den dreißigjährigen Zwillingsbrüdern Fuentes. Beide sehen zwar fast identisch aus, könnten aber unterschiedlicher nicht sein. Der eine - Raúl -, ist ein trinkender, gewalttätiger, mit Worten eher sparsamer Polizist, der die brutale Sprache der Fäuste besser beherrscht. Eingeschleust als verdeckter Ermittler bei der ETA, ermittelte er für das Drogendezernat. Von seiner Kollegin Maria wird er zu Recht als "Hurensohn" bezeichnet, denn Frauen verachtet er fast genauso wie ETA-Angehörige oder die piekfeinen Sprösslinge der Mafia-Clans, deren "Scheißkerle" er gern krankenhausreif schlägt. Jetzt ist ihm ein Disziplinarverfahren anhängig und er wird vorläufig vom Dienst suspendiert. Nach langer Zeit kehrt er aus dem Baskenland in seine Heimat zurück. Hier in Katalonien lebt sein Vater, ein früherer Widerstandskämpfer gegen Franco, mit seiner jungen zweiten Frau und Raúls Zwillingsbruder Valentín. Dieser zwar geistig zurückgebliebene, aber charmant-liebenswerte und verträumte junge Mann, hat während der langen Abwesenheit seines Bruders einen großen Schritt in die eigene Selbstständigkeit getan. Valentín arbeitet in "LOLITA'S CLUB" als "Mädchen für alles", ist Kellner, Koch und Bote für die Prostituierten und bringt mit seiner unschuldigen Großherzigkeit und Lebenslust, Wärme, Zärtlichkeit und so etwas wie Liebe in den traurigen Alltag der gestrandeten Frauen. "Das wenige reichte ihm aus, um ein besserer Mensch zu sein" als sein Bruder, stellt Milena, die junge Kolumbianerin, fest. Sie hat es ihm besonders angetan: Er ist verliebt ihn sie. Die Maske einer Obsession Raúl ist schockiert, als er davon erfährt. Ihm gefällt die Arbeit seines Bruders in diesem Lokal nicht. Er will, wie schon in gemeinsamen Kindertagen, seinen Bruder beschützen; meint, dass er von den "elenden Nutten" nur ausgenutzt wird. Doch in Wahrheit müsste "er sich vielmehr vor sich selbst schützen", wie sein Vater feststellt. Im "Innersten trostlos", sind die Fasern seines unsichtbaren "Wäschedrahts aus Alkohol und Verzweiflung, der in seinem Gewissen gespannt ist", kurz vor dem Zerreißen. Seine Bitternis rührt vor allem aus Erinnerungen an seine Kindheit und seine Mutter. Sie verließ die Familie, um sich zu prostituieren. Raúl unternimmt alles, um Valentín aus diesem Etablissement und vor allem von Milena zu trennen, für die er eine eigene Obsession entwickelt. Ein ungleicher Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung beginnt. Doch die Vergangenheit holt Raúl in seiner Heimat wieder ein. Erl wird von den Terroristen und den Mafiosi, die er einst zur Strecke brachte, verfolgt. Eine tragische Wendung des Schicksals wird am Ende Raúl begünstigen, der sich auf Kosten seines Bruders schließlich befreien wird. Er will alles das gerade richten, was er einst verbogen hat. "... Früher oder später würde er Milena finden, wo auch immer sie jetzt ist, denkt er, und das ist vielleicht nicht so weit weg. Gerade mal zwanzig oder dreißig Kilometer könnten ihn von ihr trennen, gewiß, aber ein Gefühl, das er sich jetzt nicht zu analysieren traut, diktiert vom Willen, etwas wiedergutzumachen oder von der Erinnerung an Valentín, von der ganz neuen Erfahrung der Zuneigung oder einfach vom Begehren..... " Dialogreich, hart und schnell, mal stürmisches, dann wieder atemporal und voll von subtilen Zwischentönen führt Juan Marsé trotz aller Brutalität und brachialer Gewalt vor, wozu Liebe imstande ist. Ein äußerst frisches und lebendiges Werk des 74jährigen Autors, in einer hervorragenden, flüssigen deutschen Übersetzung von Dagmar Ploetz. Für die Literatur ist "Liebesweisen in Lolitas Club" ein ausgemachter Glücksfall. Und das Drehbuch wurde Marsé wohl letztendlich doch noch aus der Schublade gezogen. Mit Eduardo Noriega und Flora Martínez in den Hauptrollen, kommt der Film Ende November 2007 in die spanischen Kinos. Das deutsche Kinopublikum darf gespannt sein. Fazit: Mit einem beweglichen Rhythmus, der Schnörkel vermeidet und dem der Leser das ursprüngliche Drehbuch von Zeit zu Zeit anmerkt, konstruiert Marsé die Geschichte einer persönlichen Selbstbefreiung. Gleichzeitig zeichnet er ein klares und ungeschöntes Panorama der aktuellen spanischen Gesellschaft mit all ihren Problemen um Mafia, Terrorismus, Einwanderung; verwoben in einem komplizierten Spiel persönlicher Beziehungen.

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