Juan Moreno Uli Hoeneß: Alles auf Rot

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Inhaltsangabe zu „Uli Hoeneß: Alles auf Rot“ von Juan Moreno

Uli Hoeneß polarisiert, fasziniert und interessiert wie kaum jemand anderes in Deutschland. Hoeneß ist alles – und immer auch das Gegenteil. Er ist der gnadenlose Mr. FC Bayern, der alle und alles dominieren will, der die »Abteilung Attacke« furios führt und vieles nur tut, um anderen Vereinen zu schaden – aber er ist auch der selbstlose Manager, der mit ebendiesem FC Bayern zu Benefizspielen kommt, um zu helfen. Nachdem er seine Verurteilung zu einer Haftstrafe widerspruchslos akzeptiert hat, fragt sich ganz Deutschland: Wer ist Uli Hoeneß? Er hat Millionen gespendet und Millionen hinterzogen, hat Fußballer zu Stars gemacht und andere ruiniert, ist das verehrte Vorbild vieler Manager, nicht nur unter Sportlern, und das Schreckbild anderer. Also, wer ist Hoeneß? Juan Moreno zeichnet ein Porträt, das Tiefenschärfe gewinnt, weil es nichts auslässt, weil er Hoeneß weder zum Helden machen will noch zum Schurken. Mit den neuesten Erkenntnissen aus dem Strafprozess zeichnet der Reporter des SPIEGEL präzise, mit sprachlichem Witz und psychologischem Feingefühl einen Mann, der oft »bigger than life« erschien. Am Ende glaubte Hoeneß wohl selber, dass er immer der Gewinner sein würde, dass ihn nichts aufhalten könne.

Zu wenig Neues in einem kurzweilig zu lesenden Fußballbuch

— Ralphfwild
Ralphfwild
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    Uli Hoeneß: Alles auf Rot
    Ralphfwild

    Ralphfwild

    26. June 2014 um 15:40

    Er gilt als der Macher des deutschen Fußballs - bis der tiefe Fall ihn jäh bremst. Uli Hoeneß ist das, was man einen tragischen Helden nennen kann. Oder aber auch nur einen einfachen Schwerverbrecher. So jedenfalls muss das Urteil lauten, wenn man Juan Morenos Buch über den Zampano des FC Bayern liest. Moreno zieht ihn nicht am Nasenring durch die Manege, aber er lässt Hoeneß auch nicht im schönen Rampenlicht erscheinen. Der Bayern-Boss, der unehrenhaft aus der Riege der Fußballoberen entlassen wurde und inzwischen hinter schwedischen Gardinen sitzt, kommt insgesamt in dieser Biographie jedoch noch glimpflich davon. Moreno nimmt ihn nicht zu hart ran - vor allem, wenn es um die letzten Monate seines Auftretens in der Öffentlichkeit geht. Für mich viel zu kurz findet das eigentlich wichtigste Kapitel, der Steuerfall Hoeneß, Platz in diesem unterhaltsam geschriebenen Buch. Der eigentliche Prozess, auch wenn er nur vier Tage dauerte, wird in wenigen Sätzen behandelt. Dass aus dem so schon unfassbaren Skandal in diesen vier Tagen eines der größten Steuerverbrechen der Bundesrepublik wurde - Moreno reisst es nur an. Dass aus den zunächst angegebenen drei bis vier Millionen hinterzogener Steuern im Endeffekt das Zehnfache wurde und niemand weiß, wieviele Millionen es tatsächlich waren, bleibt nur angetastet. Moreno geht in seinem Schlussresümee sogar so weit, dass er bereits jetzt beschreibt, dass Hoeneß auf die große Fußballbühne zurückkehren wird, wenn er seine Strafe abgesessen hat. Er öffnet ihm die Türen zurück an seinen bisherigen Platz beim FCB. Ob dies so kommen wird, halte ich für reine Spekulation - ob dies die deutsche Öffentlichkeit sich so wünscht, ist umstritten. Jeder mag sich, und dazu lässt Moreno die Luft in seiner Biographie, sein eigenes Bild über die Figur Hoeneß machen. Und zudem auch darüber, ob es für ein Zurück geben kann oder nicht. Während der Steuerfall (und der persönliche tiefe Fall des Uli H.) also nur einen kleinen Teil dieser Lektüre ausmacht, bekommt das unbestrittene Lebenswerk Hoeneß' viel Lob und Lorbeeren. Dabei geht der Autor auf die unterschiedlichen Stationen detailiert ein, beschreibt einzelne Szenen, die Hoeneß geprägt haben, ausführlich und räumt auch seinen Mit- und Gegenstreitern (wie Rummenigge, Breitner, Beckenbauer) Platz ein. Kaum eine Rolle spielt die Familie Hoeneß und auch sein zweites Standbein, die Wurstfabrik, wird kaum angesprochen. Insgesamt liest sich Morenos Biographie sehr flott, spannend und kurzweilig - jedoch kann sie nicht viel Neues bieten, was nicht eh schon durch die Medien gegangen wäre. Wer erwartet, dass er nach dem Lesen dieses Buches ein neues, anderes Bild von Hoeneß (in welche Richtung auch immer) haben wird, wird enttäuscht. "Alles auf rot" frischt Vieles aus den frühen Jahren des Uli H. auf, konzentriert sich auf sein großartiges Lebenswerk als Manager, Gönner und Zampano und lässt ihn in seiner Entwicklung zum Verbrecher vielfach unberührt. Wie Hoeneß beispielsweise zum Zocker an der Börse wird, er fast pleite war, Millionen geschenkt bekommt, um in seiner Sucht weitermachen zu können... alles nur Randnotizen. Wer sich für Fußball interessiert, kann sich aber auf alle Fälle auf interessante Lesestunden einstellen - mit einem Rundumblick auf die 70er, 80er und 90er Jahre beim FC Bayern und auf Hoeneß.  

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