Juan Pablo Cardenal

 4.3 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor von Der große Beutezug, Freundliche Übernahme und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Juan Pablo Cardenal

Der große Beutezug

Der große Beutezug

 (3)
Erschienen am 03.02.2014
Freundliche Übernahme

Freundliche Übernahme

 (1)
Erschienen am 30.01.2017
China's Silent Army

China's Silent Army

 (0)
Erschienen am 31.01.2013
China's Silent Army

China's Silent Army

 (0)
Erschienen am 30.01.2014

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Rezension zu "Freundliche Übernahme" von Juan Pablo Cardenal

Hintergründe
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Hintergründe

Wenn aktuell in der öffentlichen und politischen Diskussion „Schutzmaßnahmen“ gegen Übernahmen großer, deutscher Konzerne diskutiert werden, dann hat dies einen durchaus realen Hintergrund. Salopp gesagt könnte es sein, dass China auf „große Einkaufstour“ geht und Übernahmen massiv angestrebt werden

Ein Szenario, das Cardenal und Araujo in ihrem gut verständlichen Werk zu „Chinas Griff nach Europa“ fundiert und detailliert angehen und darstellen.

Wobei grundlegend zwei Aspekte von entscheidender Bedeutung sind, was eine eigene Haltung zu diesen Expansionsbemühungen der chinesischen Wirtschaft angeht.

Zum einen sind jene Unternehmen, die „auf die Märkte strömen“ zum überwiegenden Teil reinrassige Staatsunternehmen. Mithin geht es somit nicht allein um ein Bedenken freier Marktkräfte und natürlicher wirtschaftlicher Entwicklungen, sondern um die Frage, wieviel „chinesischen Staat“ die Entscheidungsträger im eigenen Land und in der eigenen Wirtschaft zulassen wollen.

Und zum anderen, daraus folgend, ein Bedenken der dann direkten Einflussmöglichkeiten des chinesischen Staates auf Regierungen und Gesellschaften, wenn ein hoher Anteil wirtschaftlicher Aktivposten sich in der Hand von chinesischen Staatsunternehmen befinden.

Eine Richtung, in die auch ein anderes Indiz spricht. Die Beschwernisse von Wirtschaftsunternehmen im umgekehrten Falle, bei Interesse an Beteiligungen oder einfach nur Erschließung chinesischer Unternehmen oder Märkte.

Hier herrscht ein massives Ungleichgewicht, wie die Autoren überzeugend belegen.

Unter mangelnder Transparenz muss konstatiert werden, dass sich Chinas (wirtschaftliche) Rolle in der Welt gewandelt hat und es angesichts dieser Änderungen auch veränderte Haltungen gegenüber China notwendig werden.

Das „Prinzip des Kotau“ angesichts der finanziellen Möglichkeiten der chinesischen Wirtschaft ist dabei auf keinen Fall zielführend und das eigentliche Kernproblem, das Cardenal und Araujo klar formuliert benennen.

So bietet das Buch, Schritt für Schritt, wichtige Erkenntnisse über „die Chronik des Einzugs eines neuen – und immer mächtiger werdenden – Chinas in die Welt und eine langsame Verschiebung des Mächtegleichgewichts auf dem Planeten. Mit der daraus entspringenden, wesentlichen Frage, ob denn nun China sich an die Welt oder die Welt sich an China anpasst – und welche Zwischenstationen noch denkbar wären.

Dabei bieten die Autoren einen breiten Blick, der sich beileibe nicht nur auf rein wirtschaftliche Überlegungen beschränkt.

Wie es mit der Religionsfreiheit in China ist, wie mit „Widerstand“ dort umgegangen wird, welche Restriktionen digitale Techniken dort immer noch erleiden, all das ermöglicht dem Leser, ein differenziertes Bild der „Grundhaltung“ des chinesischen Staates und weiter Teile der Gesellschaft dort im Buch vorzufinden. Zudem einige exemplarische „Einkaufstouren“ (Griechenland) in Europa nachvollziehen zu können und am Ende sich, gut informiert, der Frage stellen zu können, ob es wünschenswert ist, dass der Einfluss Chinas durch Investitionen größer und größer werden sollte.

Dabei scheint die Rolle Tibets nur eine Nebennotiz zu sein, doch bei näherer Lektüre zeigt sich an der Anerkennung des chinesischen Primats über Tibet das gesamte Dilemma einer westlichen Politik zwischen merkantilen Prioritäten und „Resten“ humanistischer Werte, bei denen bislang weitgehend die merkantilen Interessen letztlich immer die Oberhand erlangt haben.

Eine hoch interessante Lektüre.

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Rezension zu "Der große Beutezug" von Juan Pablo Cardenal

Der Große Beutezug
Badmojo44vor 4 Jahren

Das Buch beschäftigt sich, wie es der Titel schon ausdrücken will, mit China und seinen wirtschaftlich- und politischen Handlungen. Leider muss gesagt werden, dass bei schnelllebigen Themen wie Wirtschaft und Politik, diese deutsche Übersetzung, mit Abstand von 3 Jahren, etwas spät erschien.

 

Themen des Buches:

 

Teil 1. beschäftigt sich mit dem sozialen und wirtschaftlichen Netzwerken, die von emigrierten Chinesen (meist Han-Chinesen), weltweit in verschiedenen Ländern aufgebaut wurden. Die Autoren zeigen, mit Hilfe von Anekdoten, die Mentalität und  Geschäftstüchtigkeit der chinesischen Auswanderer.

 

Teil 2.  beansprucht den Hauptteil des Buches (mehrere Kapitel). Der Leser, soll vermittelt bekommen wie China unter Einsatz von politischen und wirtschaftlichen Handlungen, sich Zugang zu weltweiten Ressourcen verschafft und diese dann sichert. Wie im gesamten Werk, helfen Anekdoten um ein Bild der regionalen Bevölkerung aufzuzeigen.

 

Teil 3. bezieht sich auf die Einstellung Chinas zur Umwelt und ihrer Erhaltung, in den betroffenen Gebieten.

 

Teil 4. beinhaltet das politische agieren Chinas in Bezug auf seine unmittelbaren Nachbarländer.

 

Fazit: Das die Autoren meinen China wird die führende Supermacht des 21. Jahrhunderts, möchte ich nicht bewerten. Über diese These gibt es verschiedenen Meinungen (siehe FAZ Rezension zum Buch).

Wer allerdings Zeitungsberichte über China liest oder Dokumentationen anschaut, denen offenbaren die beiden Autoren nichts Neues.

Die sozialen und wirtschaftlichen Netzwerke der emigrierten Chinesen ist ein sehr interessantes Thema. Der zweite Teil, wie schon geschrieben nichts Neues. Der dritte und vierte Teil sind eindeutig zu kurz gekommen, hier war mehr Potenzial vorhanden.

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Rezension zu "Der große Beutezug" von Juan Pablo Cardenal

Blutrünstige Welteroberung: Das Sachbuch wie ein Thriller
Laupezvor 5 Jahren

Ein Rachefeldzug gegen den Westen, noch immer aus den Wunden des Opiumkrieges blutend?
Großherzigkeit gegenüber Schwellen- und Entwicklungsländern, die dringend Chinas Däumchen für Infrastruktur brauchen? Fest steht, dass Chinas Einfluss sich enorm verbreitet, und schon wir W(r)estler sitzen mit im Boot, scheinbar gefesselt und geknebelt, oft mit einem undurchsichtigen Band, um unseren Kopf gewickelt, unser Augenlicht unnütz machend. 

Es ist nicht nur der Tiger in Sibirien, der seinesgleichen frisst, weil es keine Eichen mehr gibt, die das Wildschwein fressen könnte, welches wiederum vom Tiger gefressen würde - es sind auch Ikea und die westliche Gleichgültigkeit, wenn es um echtes Handeln geht. In Deutschland ist man empfänglich für Skandale und kann wie selten ein anderes Volk über die Verantwortlichen schimpfen. Aber wer denkt schon daran, an sich selbst etwas zu ändern, um wirklich etwas zu bewirken?

Es ist nicht nur der böse chinesische Panda, der die Welt erobern will - dahinter steht ein menschliches Volk mit individuellen Schicksalen, Kämpfern gegen Regime und Willkürherrschaft.

Wenn wir unseren Planeten, seine natürlichen Ressourcen und die Leben unzähliger misshandelter Arbeiter schützen wollen, wäre schon das bewundernswert: Wenn wir unsere Augenbinden abnehmen und versuchten, uns gegenseitig die Fesseln zu zerreißen. 

Die beiden Spanier schaffen Bemerkenswertes: Ganz und gar ohne Seriosität einzubüßen, verwandeln sie von Zeit zu Zeit ein Sachbuch in einen Thriller und wieder zurück. 
Eine (Rück-)Metamorphose, die nicht nur eine gewisse Anerkennung gegenüber den Autoren vertieft, sondern auch einen andersartigen bleibenden Eindruck beim Leser hinterlässt. Die Sicht auf die Welt, globale Ereignisse und Gegebenheiten wird geschärft, wenn auch mit dem Fokus auf mögliche chinesische Interaktion: Da hat China sicher seine Finger mit drin!

Als ich für zwei kurze Wochen Tourist in China war, oder Austauschschülerin, oder eine Marionette der chinesisch-deutschen Freundschaft, bekam ich denselben Eindruck wie die beiden Autoren, was insbesondere die fehlende Transparenz der Chinesen angeht. Bei den Schülern war es wie ein unverschuldetes Unwissen, bei den Dolmetschern, Direktoren, Lehrern jedoch schien es mir ein durchdachte Strategie zu sein. Während die Chinesen uns gegenüber vollkommen undurchsichtig sind, bewerkstelligen sie es, uns für sie zu einem offenen Buch zu machen. Der Dolmetscher verstand Deutsch sehr viel besser, als er vorgab, es sprechen zu können. 

Kleinste Informationen, so unwichtig sie uns erscheinen mögen, erreichten in Lichtgeschwindigkeit die Ohren der Einflussreichen. 

Wir schliefen (manchmal) in den besten Hotels, erfuhren den besten Service, und doch wirkte es nicht gastfreundlich. Lag vermutlich an dem gruseligen, prüfenden Blick, der stets auf allem lag, was die seltsamen Westler so taten. Als die jungen Chinesen in Deutschland waren, konnte plötzlich jeder, selbst das Mädchen, dessen Familie sich keine Dusche leisten konnte,  über Tausend Euro für Uhren aufbringen, vermeintliche Geschenke für die Familie. Mag sein, dass extra für diesen Augenblick gespart wurde (jahrzehntelang), es kann aber auch sein, dass das Image Chinas im Westen ebenso beeinflusst wird wie im fernen Osten. Von ganz oben.

Und doch täuschte all das nicht über die enorme Armut im eigenen Land hinweg, verbunden mit einer ebenso enormen Arbeitskraft - paradox?

Genauso konsequent vermied es zumindest meine chinesische Mitbewohnerin, irgendwie Kontakt zu westlichem Sein zu bekommen - abgesehen vom Bier, von dem sie dachte, dass auch dreizehnjährige Deutsche ihn wie Wasser trinken. Was wohl in manchen Städten zutrifft, aber davon ist hier nicht die Rede. Ich weiß schon, dass meine Ansichten mit Vorurteilen behaftet sind, die meine Meinung beeinflussen.
  Mein Abschweifen sollte verdeutlichen: Chinas Elite ist auf Macht und Einfluss aus. Überall; auch im Westen. Auf persönlicher Ebene ist das durch geplantes Schauspiel zu beobachten. Der große Beutezug beleuchtet das Thema auf einer globaleren, sehr wirtschaftlichen Ebene, die jedoch auch für einen Wirtschaftsunwissenden wie mich durchaus lesens- und begreifenswert ist. 

Fast jeder Buchautor, egal welchen Genres, steckt oft Jahre in seine Projekte, wenn man beispielsweise auch die Recherche miteinbezieht. 

Die Autoren sind europäische Journalisten und leben in China. Das reicht für gewöhnlich schon für eine gewisse Glaubwürdigkeit. Die Arbeit, die in diesen Enthüllungen steckt, auch wenn diese nicht ganz unbekannt waren, ist unfassbar. Wie oft hätte man die Señores einfach erschießen und dieser gefährlichen Recherche ein Ende bereiten können? Und wie oft wäre es beinahe dazu gekommen? 

Zahlreiche Interviews, ein Beleuchten beider, positiver sowie klar negativer Seiten, Mut zum Risiko zeichnen den Informationsfluss aus. Manchmal fühlt es sich nicht wie ein Sachbuch an. Wie schon erwähnt, eher wie ein Thriller, der unterschiedlichste Gefühle, vor allem aber Wut auslöst. Manchmal wirkt es wie ein Reiseführer oder ein Roman, in welchem Orte und Momente und Menschen sehr persönlich, fast poetisch beschrieben werden. Detaillierte Anmerkungen vertiefen die unterschiedlichsten Themenbereiche und verlocken den Leser zu weiterem eigenen Nachforschen. In ihnen wird wiederum die Gründlichkeit der Journalisten widergespiegelt. 

Ich habe ja tatsächlich jede einzelne Anmerkung durchgelesen und mir fiel auf: Es gibt ja schon so viel Literatur zu dem Thema. Ich kannte nichts davon.
 Jeder Autor muss diese mindestens kleine Hoffnung in sich tragen, die Welt aufmerksamer machen zu wollen, vielleicht ein wenig zu verändern. Ich muss zugeben, ich habe nicht die geringste Ahnung, ob sich inzwischen wirklich etwas verändert hat (und wenn doch, dann weiß ich nicht, ob zum Guten oder Schlechten oder einfach anders). Eines weiß ich. Dass ich dieses Buch einfach jedem empfehle, egal, wie teuer es ist und egal, wie wenige Leser sich wirklich für Sachliteratur interessieren.

Ich bin nur eine einzige Person, aber ich habe das Buch gelesen, wurde wütend, habe meinen Eltern und Freunden davon erzählt und diesen vermutlich viel zu langen Text geschrieben - vielleicht hat es sich dafür schon gelohnt.

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