Juan Rulfo

 4,2 Sterne bei 37 Bewertungen
Autor*in von Pedro Paramo, Der Llano in Flammen und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Der mexikanische Schriftsteller Juan Rulfo wurde 1917 in Sayulo geboren. Schon im Alter von zehn Jahren wurde er zur Vollwaisen und verbrachte seine restliche Kindheit in einem Internat in Guadalajara. Nach zahlreichen Reisen durch Mexiko und kleinen Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften erschien 1953 sein Erzählband Der Llano in Flammen und bald darauf sein Roman Pedro Páramo, der seinen Ruhm als einer der bedeutendsten Schriftsteller Lateinamerikas begründete. Der Roman gilt als ein Schlüsseltext der lateinamerikanischen Literatur. Nach seinen Veröffentlichungen zog sich Rulfo vom Schreiben zurück und arbeitete bis zu seinem Tod als Fotograf und als Herausgeber verschiedener Forschungsbände am Instituto Nacional Indigenista de México in Mexiko-Stadt, wo er 1986 verstarb.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Juan Rulfo

Cover des Buches Der Llano in Flammen (ISBN: 9783518015049)

Der Llano in Flammen

(6)
Erschienen am 05.07.1980
Cover des Buches Pedro Páramo (ISBN: B001KS4B6U)

Pedro Páramo

(2)
Erschienen am 01.01.1976
Cover des Buches Unter einem ferneren Himmel (ISBN: 9783446270923)

Unter einem ferneren Himmel

(0)
Erschienen am 27.09.2021
Cover des Buches Pedro Paramo (ISBN: 9783856164201)

Pedro Paramo

(2)
Erschienen am 01.10.2009
Cover des Buches Pedro Paramo (ISBN: 9780802143518)

Pedro Paramo

(27)
Erschienen am 06.12.2012
Cover des Buches Pedro Páramo (ISBN: 9780525566526)

Pedro Páramo

(0)
Erschienen am 23.04.2019
Cover des Buches Pedro Paramo / Der Llano in Flammen (ISBN: 9783446138995)

Pedro Paramo / Der Llano in Flammen

(0)
Erschienen am 01.06.1986

Neue Rezensionen zu Juan Rulfo

Cover des Buches Pedro Paramo (ISBN: 9780802143518)
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Rezension zu "Pedro Paramo" von Juan Rulfo

winniccxx
Anfänge des magischen Realismus

Juan Rulfos Roman "Pedro Paramo" handelt von Juan Precadio, der nach dem Tod seiner Mutter sich auf die Suche nach seinem Vater Pedro Paramo begiebt. So gelangt er in das Örtchen Comala, in dem er immer mehr Spuren seines Vater findet. Dort beginnen jedoch auch Realität und Fiktion zu verschwimmen.

Genau dieses Verschwimmen von Realität und Fiktion war etwas, das mich vor Beginn des Lesens durchaus interessiert hat, da ich es schon aus anderen Büchern kenne. In dieser Erzählung äußert sich das durch Geister, die erscheinen, ohne dass sie jedoch zwingend als Geister wargenommen werden. Was mich beim Lesen jedoch sehr gestört hat, ist die Erzählstruktur. Das Buch folgt keiner linearen Erzählung, vielmehr werden episodische Geschichten scheinbar zusammenhangslos in verschiedenenen Zeitebenen hintereinander erzählt. Dies hat es sehr schwer gemacht, einen Überblick über die Geschichte zu behalten. Auch innerhalb eines Kapitels wurde teilweise mehrmals zwischen den Erzählebenen hin und her gewechselt.

Das Schicksal des Dorfes Comala während des Mexikanischen Bürgerkrieges, der eine wichtige Rolle im Roman einnimmt, sowie die verschwimmende Grenze zwischen dem Reich der Lebenden und der Toten, fand ich jedoch zwei sehr spannende Themen, die der Autor hier in seinem Roman aufgegriffen hat. Insofern gibt es von mit 3/5 Sterne. Wenn man mit der etwas wirren Erzählstruktur klarkommt kann das Buch auch sehr gelungene Einblicke liefern.

Cover des Buches Pedro Paramo (ISBN: 9783856164201)
Dietrich07s avatar

Rezension zu "Pedro Paramo" von Juan Rulfo

Dietrich07
Poetisch, hintergründig, verwirrend

Ich habe den einzigen Roman des Mexikaners Juan Rulfo (1917-1986) in Deutsch (6. Auflage suhrkamp Taschenbuch) gelesen. Sein Roman „Pedro Paramo“, 1955 erstmals erschienen, ist keine einfache Kost. Realität und Traum vermengen sich zu einem verwirrenden Mosaik, surrealistische Elemente dominieren und die Erzähl- und Zeitebenen wechseln innerhalb weniger Seiten. Die Erzählung erfolgt überwiegend in wörtlicher Rede. Rulfos Roman ist kurz (ca. 160 Seiten), aber derartig vielschichtig, dass das Verstehen der literarischen Experimente und phantastischen Wendungen zur mühsamen Arbeit für den Leser wird. Die übermäßige Verschmelzung von scheinbarer Wirklichkeit und halluzinatorischen Elementen macht das Werk zu einem Wegbereiter des magischen Realismus, zugleich aber auch zu einem Roman, der eine gewisse Zeit des geduldigen Einlesens erfordert


Cover des Buches Pedro Paramo (ISBN: 9783856164201)
sabatayn76s avatar

Rezension zu "Pedro Paramo" von Juan Rulfo

sabatayn76
‚Nein, ich meine das Dorf. Es sieht so einsam aus, als sei es verlassen, als ob da niemand wohnte.‘

‚Nein, ich meine das Dorf. Es sieht so einsam aus, als sei es verlassen, als ob da niemand wohnte.‘ - ‚Das sieht nicht nur so aus, es ist so. Hier lebt niemand.‘ - ‚Und Pedro Páramo?‘ - ‚Pedro Páramo ist vor vielen Jahren gestorben.‘

‚Pedro Páramo‘ ist der einzige Roman des mexikanischen Autors Juan Rulfo, der als Wegbereiter des Magischen Realismus gilt. ‚Pedro Páramo‘ erschien in Mexiko bereits im Jahre 1955 und wurde 1958 erstmals von Mariana Frenk-Westheim ins Deutsche übersetzt.

Ich habe den Roman bereits vor mehr als 15 Jahren in der oben genannten Übersetzung gelesen, und ich weiß noch genau, dass ich ihn aufgrund eines Zitats von Gabriel García Márquez auf dem Umschlag gekauft habe:

‚Ich konnte nicht einschlafen, bevor ich das Buch nicht zum zweiten Mal gelesen hatte. Ich habe Rulfos Werk nun ganz wiedergelesen, und ich bin wieder das unschuldige Opfer meiner ersten Erschütterung geworden.‘

Nun habe ich ‚Pedro Páramo‘ in der Übersetzung von Dagmar Ploetz, deren großartige Neuübersetzung von García Márquez‘ ‚Hundert Jahre Einsamkeit‘ im Juni 2017 erschienen ist, als Hörbuch gehört, und ich bin nach wie vor von diesem magisch-realistischen Roman fasziniert und begeistert.

Rulfo erzählt in ‚Pedro Páramo‘ von Juan Preciado, der seiner Mutter Dolores Preciado auf dem Totenbett versprochen hat, sich auf den Weg nach Comala zu machen, um seinen Vater, den Großgrundbesitzer Pedro Páramo, zu suchen, der dort leben soll.

Juan macht sich auf den Weg in das von seiner Mutter als blühend und bevölkert beschriebene Comala, doch er findet nur ein heruntergekommenes, verlassenes Dorf, in dem er überall auf tote Menschen trifft, die ihm die Geschichte von Pedro Páramo und seinen Untaten erzählen.

Beim Lesen des Romans spürt man von der ersten Seite an eine gewisse Beklemmung, und die düstere Stimmung, die über Comala liegt, die Hoffnungslosigkeit und die unheimliche Szenerie im Dorf greifen auf den Leser über und versetzen ihn an diesen gespenstischen Ort, an dem Rulfo die Toten zum Leben erweckt und so die Grenzen zwischen den Toten und den Lebendigen verwischt.

Die Zeitsprünge durch die Vermischung der beiden Handlungsstränge (Juans Besuch im Dorf versus Comalas Vergangenheit als blühender Ort unter der Tyrannei Pedro Páramos) sind anfangs zwar etwas verwirrend, machen ‚Pedro Páramo‘ jedoch zu einer komplexen Geschichte und den Roman zu einem wahren Meisterwerk der lateinamerikanischen Literatur im Allgemeinen und des Magischen Realismus im Besonderen.

So stimmungsvoll ich die Lesung durch das eingespielte Glockenläuten und die insgesamt gelungene Interpretation durch Urs Widmer fand, würde ich eher das Buch als das Hörbuch empfehlen, denn der Schweizer Zungenschlag Widmers passt meiner Meinung nach überhaupt nicht zur Geschichte und zum Handlungsort Comala.

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