Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus hieß es einst im kommunistischen Manifest. Heute scheint es die Gender Theorie zu sein die diese Rolle eingenommen hat und die gleichen Geisterjäger wie einst der Antikommunismus generiert. Wie konnte es soweit kommen dass ein wissenschaftlicher Fachbegriff zum Feindbild für Massen von Menschen wurde? Diese Frage stellt und beantwortet eine der Ikonen eben dieser Studien an der Schnittstelle von Philosophie, Psychologie und Politik. Stark ist dieses Buch immer wenn es auf universitärem Niveau zitiert, analysiert und kritisiert. Dann zeigt es wie schwergewichtig, fruchtbar und interdisziplinär dieses Thema sein kann. Schwächer ist es immer wenn es aktivistisch versucht möglichst breite Allianzen zu bauen. Das weitet sich aus in endloses Name-dropping progressiver Schlagwörter von Kolonialismus und Ökologie bis zu Sozialismus. Dann wirkt es fast so phantasmagorisch wie es dies der Gegenseite attestiert. Dennoch zeigt sich Butler hier wieder einmal am Puls der Zeit und der ist ziemlich unruhig und ungesund. Gute Besserung uns allen.
Judith Butler
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Judith Butler
Das Unbehagen der Geschlechter
Haß spricht
Antigones Verlangen: Verwandtschaft zwischen Leben und Tod
Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen
Psyche der Macht
Gefährdetes Leben
Kritik der ethischen Gewalt
Körper von Gewicht
Neue Rezensionen zu Judith Butler
Judith Butler, amerikanische Professorin für Rhetorik, Komparatistik und Gender studies, hat mit Das Unbehagen der Geschlechter ihr bekanntestes Buch vorlegt. Hier erörtert sie ihre Forschungsergebnisse zum Thema Geschlechterrolle und Geschlechtsidentität. Butler geht davon aus, dass Geschlechterrollen und die Identifikation mit diesen Rollen durch gesellschaftliche Prägung erfolgt, also nicht aus unserer Biologie des Menschen folgt, sondern einem jeden durch Prägung und Erziehung erworben wird. Damit sind natürlich auch Vorbehalte (Homosexualität, Bisexualität) eine Frage der kulturellen Prägung. Damit ist aber auch – so Butler – bewiesen, dass Geschlechterrollen veränderbar sind, indem kulturelle Vorbehalte überwunden werden. Ein Ablegen vorhandener Vorurteile scheint daher möglich, da lediglich zwingende Folge aus einer Konstruktion. - - Die Idee kann überzeugen; mir war sie nachvollziehbar und logisch. Allerdings waren Sprache und Schreibstil sehr komplex, zuweilen musste man Passagen mehrmals lesen, sehr viele Fremdwörter wurden verwandt, zudem eine hochkomplexe Argumentationsweise. Wer sich daher an dieses Buch wagt – immerhin der Klassiker der Gender Studies – sollte Zeit, Geduld und Vorwissen mitbringen, um das Buch in seiner ganzen Tiefe verstehen zu können.
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