Der Schreibstil von Judith Hermann hat mir wirklich gut gefallen. Er ist angenehm, ruhig und flüssig, sodass sich das nur rund 160 Seiten lange Buch in einem Rutsch lesen ließ.
Trotzdem bin ich nach dem Lesen etwas irritiert zurückgeblieben. Aufgrund des Titels und der Thematik hatte ich erwartet, tiefer in die Familiengeschichte einzutauchen und vor allem mehr über Hermanns Großvater zu erfahren. Stattdessen erfährt man im Grunde nur, wo ein Foto entstanden ist, auf dem er auf einem SS-Motorrad sitzt. Danach verlagert sich der Fokus auf Hermanns Schwester in Italien und ihr Leben dort, was für mich nicht zu den Erwartungen passte, die das Buch zuvor geweckt hatte. Am Ende hatte ich das Gefühl, nicht wirklich schlauer geworden zu sein – im Gegenteil: Mich beschäftigen heute sogar mehr Fragen als vor der Lektüre. Für mich wirkte es stellenweise so, als würde einfach alles aufgeschrieben, was die Autorin beschäftigt, obwohl nicht jeder Gedanke automatisch ein ganzes Buch trägt. Schade, denn aus dem Thema hätte man meiner Meinung nach deutlich mehr machen können.





















