Judith Hermann Aller Liebe Anfang

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Inhaltsangabe zu „Aller Liebe Anfang“ von Judith Hermann

Judith Hermann hat einen Roman geschrieben über die Zumutungen der Liebe und die Schutzlosigkeit im Leben. Stella und Jason sind verheiratet, sie haben eine Tochter, Ava, sie leben in einem Haus am Rand der Stadt. Ein schönes, einfaches Haus, ein kleiner Garten, ein alltägliches ruhiges Leben, meist ohne Jason, der viel arbeitet. Aber eines Tages steht ein Mann vor der Tür dieses Hauses, ein Fremder, jemand, den Stella nie zuvor gesehen hat. Er sagt, er wolle sich einfach einmal mit ihr unterhalten, mehr sagt er nicht. Stella lehnt das ab. Der Fremde geht und kommt am nächsten Tag wieder, er kommt auch am Tag darauf wieder, er wird sie nicht mehr in Ruhe lassen. Was hier beginnt, ist ein Albtraum, der langsam, aber unbeirrbar eskaliert. In einer klaren, schonungslosen Sprache und irritierend schönen Bildern erzählt Judith Hermann vom Rätsel des Anfangs und Fortgangs der Liebe, vom Einsturz eines sicher geglaubten Lebens.

Eine Buch, nicht über die Liebe, nicht über das Miteinander, sondern über gestörte Entwicklungen...

— Callso
Callso

Schöne Sprache - aber leider langweilig :-(

— freakyricky
freakyricky

Geht es um Liebe?! Die Autorin hat dem Titel einen tiefliegenden Sinn gegeben, aber ich hab keine Lust, diesen Sinn zu nachvollziehen.

— Ira
Ira

Ruhige, klare, poetische Sprache, die einen gefangen nimmt. Ein wunderbares Leseerlebnis.

— derkleinemaulwurf
derkleinemaulwurf

Der Schrecken des Stalkings in ruhigen, knappen Bildern mit spannender Atmosphäre für mich sehr gut in Szene gesetzt.

— simone_richter
simone_richter

Nicht mein Fall, ich fands langweilig...

— Bibliomania
Bibliomania

Hermanns viel umjubelter Erzählstil wirkt auf mich eher spröde und ihre Subtilität irgendwie wichtigtuerisch.

— CorinnaSmiles
CorinnaSmiles

Hermanns nüchterner Erzählstil wirkt in diesem Roman oft nur flach und mechanisch, so dass er trotz des Themas nicht zu fesseln vermag.

— Schreibschnegel
Schreibschnegel

Atmosphärisch dicht, schöne Sprache und schwieriges Thema.

— clickclackboum
clickclackboum

Ein brisantes Thema spannend und lebensnah umgesetzt! Leseempfehlung!

— freiegedanken
freiegedanken

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  • Die Zumutungen des Lebens....

    Aller Liebe Anfang
    Callso

    Callso

    14. March 2017 um 16:54

    Am Ende war ich enttäuscht über das Buch! Oder sauer? Nein, einfach enttäuscht, es durchgehalten zu haben. Judith Hermann hat diese Geschichte viel zu unterkühlt, viel zu distanziert erzählt. Keine Sympathien, keine größeren Erklärungen für das Handeln. Und auch keine Perspektive oder Entwicklungen. Einigermaßen spät stellt sich heraus, dass es eine Stalking-Story ist, doch da nähert sich das Buch schon dem Ende. Stella lebt dort mit ihrer kleinen Tochter und ihrem Partner Jason, der beruflich viel unterwegs ist. Ein Nachbar (Mister Pfister!) klingelt am Anfang nur vereinzelt und später täglich bei der hilflosen Nachbarin. Ja, die Sprache der Autorin ist ganz okay. Und ja, die Schreiberin hat den Blick fürs Detail. Aber die großen Minuspunkte: Es kommen überhaupt keine Gefühle auf. Emotionen gibt es gar nicht. Selbst ist in der Partnerschaft von Stelle zu Jason wird gerade einmal über das Händchenhalten sinniert. Und Spannung, die vermisst man in dem Werk ebenfalls. Hinten raus hat mir der Roman immer weniger gefallen. Ich habe kleine Herausforderungen mit dem etwas konfusen Schluss und habe das Buch wenig erbaut beendet.

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  • Miese Nachbarschaft

    Aller Liebe Anfang
    Buchstabenliebhaberin

    Buchstabenliebhaberin

    01. April 2016 um 17:51

    Stella führt ein absolut durchschnittliches Leben, verheiratet, ein Kind, ein Haus im Vorort, ein Halbtagsjob. Jason, ihr Mann, erfolgreich, brav, berechenbar, wortkarg. Der erste Lack ist ab, der Zauber der aller Liebe am Anfang innewohnt, einem routinierten Schweigen gewichen. Sie träumen von einem besseren Leben, doch es bleibt beim Träumen. Früher war das Leben wild, mit bester Freundin, in Berlin, heute wohnen beide weit entfernt, jede ihr eigenes kleines Familienleben. Friedlich, ja. Dann kommt Mister Pfister, ein Nachbar. Auf Kontaktsuche. Doch etwas stimmt nicht mit ihm. Stella öffnet ihm nicht die Tür. Mister Pfister kommt wieder. Jeden Tag. Er schreibt ihr Briefe, wirft Präsente in den Briefkasten. Immer dann, wenn Ehemann Jason unterwegs ist. Und er ist viel unterwegs, beruflich. Stella versucht dem Nachbarn auszuweichen, doch er bleibt, wird Bestandteil ihres Lebens. Der Mann vor dem Gartenzaun. Wie lange noch? Sie weiht Jason ein, der nicht begeistert ist. Der bei Mister Pfister vorbeigeht. Ihn aber nicht antrifft. Es dauert lange, bis Stella die Hutschnur platzt, sie wutentbrannt den Stalker in seinem eigenen Haus zur Rede stellt. Es verändert: nichts. Sie zeigt ihn an - seine eigene Idee. Auch Jason bleibt nicht untätig. Es eskaliert, die Dinge verändern sich. Endlich. Mein Lieblingssatz: "Veränderung ist kein Verrat." (S.219) Judith Hermanns Sprache muss man mögen, denke ich. Ich liebe ihre Art, beiläufig Sätze hinzuwerfen, Sprache wie echt Sprache, Fragen, die nicht als Frage formuliert sind. Minimalsätze, die nur aus wenigen Worten bestehen. Die sich wie Gedanken aneinander hängen und einen Sog erzeugen. Obwohl kaum etwas passiert, aber das ist für mich die große Kunst des Schreibens, Spannung im Alltäglichen zu erzeugen, durch Weglassen. Karge Sätze, die berichten und beobachten. Die Emotionen fügt meine Fantasie hinzu, ich brauche keine blumigen Satzelemente, keine großen Gefühle. Wer Romantik sucht, ist in diesem Buch absolut fehl am Platz. Dann sind da noch die klugen Alten, die Stella täglich pflegt. "Das ganze Leben ist ein Abgrund, und je weniger Sie sich fürchten, je länger Sie hineinschauen, desto mehr haben Sie davon."(S.200) Judith Hermann inszeniert ein langweiliges, perfektes Leben. Ohne Biss, ohne Aufregung. Ein Leben, das selbst den Protagonisten zu langweilig ist. Dass dann plötzlich aus den Fugen gerät, anders als gewünscht. Und auch nicht plötzlich, sondern ganz langsam. Der komische Nachbar, wer hat ihn nicht? Sehr spooky. Für mich ein sehr kluges Buch, das zum Nachdenken anregt, wahnsinnig toll geschrieben. Dafür kann es nur 5 Sterne geben.

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  • Ein MUSS für jeden Wörterfreund!

    Aller Liebe Anfang
    EdithSenkel

    EdithSenkel

    20. March 2016 um 15:45

    Dieses Buch ist fantastisch. Schlicht und einfach. Ich verstehe gar nicht, dass es keine fünf Sterne hat...
    Judith Hermann glänzt durch sprachliche Brillanz genauso wie durch Spannung sowie die Fähigkeit, Situationen exakt zu erfassen und perfekt zu beschreiben.

  • Gut zu lesen, aber nicht gerade mitreißend

    Aller Liebe Anfang
    Lilli33

    Lilli33

    20. January 2016 um 22:01

    Taschenbuch: 224 Seiten Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (22. Oktober 2015) Sprache: Deutsch ISBN-13: 978-3596196418 Preis: 9,99 Gut zu lesen, aber nicht gerade mitreißend Inhalt: Stella lernt Jason im Flugzeug kennen, später heiraten sie, bekommen eine Tochter und ziehen in eine Stadtrandsiedlung. Jason ist beruflich viel unterwegs, Stella mit dem Kind allein. Nur ihre Arbeit als Krankenpflegerin, wo sie drei Patienten stundenweise in deren Zuhause betreut, holen sie ein bisschen aus der Lethargie heraus. Als eines Tages ein Fremder klingelt und einfach mit ihr reden will, beginnt ein Albtraum. Meine Meinung: Wirklich begeistern konnte mich Judith Hermann leider nicht. Das Buch ist gut zu lesen, wenn auch der Schreibstil eher an einen Grundschüler erinnert. Einfache Sätze, viele Aufzählungen. Fragesätze ohne Fragezeichen. Dies führt dazu, dass man wie durch eine Wattehülle auf die Protagonisten und ihr Handeln schaut, alles wirkt gedämpft und farblos. Sicher wird dadurch Stellas Leben gut charakterisiert, denn genau so empfindet sie es wohl: farblos. Selbst als sie es dann mit einem Stalker zu tun bekommt, ändert sich daran nichts. Stella entwickelt Angst vor dem Fremden, doch auch die Angst wirkt farblos und nicht wirklich greifbar. Die Sache eskaliert, doch als Leser beobachtet man alles nur aus weiter Ferne, so wie auch Stella trotz allem sehr distanziert wirkt. Eigentlich hätte man die Geschichte auf wenigen Seiten erzählen können, es passiert nämlich nicht sehr viel. Wahrscheinlich muss man den Großteil dessen, was Judith Hermann uns sagen will, zwischen den Zeilen suchen. Ich habe mich redlich bemüht, aber trotzdem nicht viel gefunden. Mehr als der Stalker scheint Stella ihre allgemeine Unzufriedenheit zu schaffen zu machen. Sie hat eigentlich alles, Mann, Kind, Haus, Anerkennung im Beruf – und doch fehlt ihr anscheinend etwas. Schade, dass sie sich im Verlauf des Romans nicht weiterentwickelt und am Ende so unzufrieden wie zuvor ist. ★★★☆☆

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  • Langweilig und blass

    Aller Liebe Anfang
    Buchfee81

    Buchfee81

    20. January 2016 um 16:38

    Stella lebt mit ihrem Mann Jason und ihrer Tochter in einer ruhigen Vorortsiedlung. Sie führt ein normales Leben, kümmert sich um Kind und Haus und betreut stundenweise alte Menschen. Ihr Mann ist beruflich viel unterwegs und als er eines Tages wieder einmal fort ist, klingelt ein fremder Mann an der Tür. Er sagt, er möchte nur mit Stella reden, aber was führt er tatsächlich im Schilde ? Puh, gerne hätte ich dieses Buch mittendrin abgebrochen , jedoch überwiegte dann doch die Neugierde , ob noch irgendwas in diesem Buch geschieht. Langweilig, ereignislos und in keiner Weise brillant , wie es der Hochkaräter auf dem Cover verspricht, fühlte ich mich regelrecht meiner kostbaren Lesezeit beraubt. Es passierte nichts... Selbst als Stella von dem Unbekannten immer mehr ins Visier genommen und gestalked wurde, blieb die Spannung, die Atemlosigkeit mit der solch eine Geschichte eigentlich einhergeht, völlig aus. Ich frage mich im Nachhinein, ob diese farblose und langweilige Schreibweise bewusst gewählt wurde, um Stellas tristes und belangloses Leben darzustellen. Aber wahrscheinlicher ist es, dass diese Geschichte einfach ein Reinfall ist. Zum Finale hätte ich mir einen richtigen Knaller gewünscht, der vielleicht über die vielen vergeudeten Seiten hinwegtrösten würde, aber nichts dergleichen. Der Stalker kam, wurde endlich etwas forscher und schwups war es auch schon wieder vorbei. Sehr schade, bietet doch dieses Thema eine Vielzahl an Möglichkeiten und ein wahres Gruselpotential. Dies war mein erstes Buch von Judith Hermann und wird auch sicher mein letztes gewesen sein. Fazit Blass, langweilig und nichtssagend. Sehr viel vergeudetes Potential.

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  • Das wohl beste Buch des Jahres 2014

    Aller Liebe Anfang
    PaulaAbigail

    PaulaAbigail

    Dieses Buch ist  ein Meisterwerk. Judith Hermann ist eine wahre Künstlerin der Worte, sie scheint irgendwie einfach immer ganz genau zu wissen, was passt und sucht sich ihre Worte mit solch einer Sorgfalt aus, dass man sich seit langem mal wieder wünscht, dass das Buch doch bitte nie zu Ende gehen soll. Immer wieder lässt Hermann durch ihre Protagonistin Stella Fragen in den Raum werfen, die mich persönlich auch nach dem Lesen des Buches noch beschäftigen. Ausserdem hat Judith Hermann es geschafft, ein ungeahntes und irgendwo auch fragwürdiges Ende einzubauen und den Leser nichtsdestotrotz zufriedenzustellen. Ich möchte es herausschreien: Das wohl beste Buch des Jahres. Danke!

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    • 2
    Rainebow

    Rainebow

    06. August 2015 um 14:12
  • Die Komplexität des Stalkings.

    Aller Liebe Anfang
    simone_richter

    simone_richter

    28. February 2015 um 18:22

    Dieser Roman  spielt in einer Vorortsiedlung in Deutschland. Stella und Jason wohnen mit ihrer Tochter Ava am Waldrand. Stella ist Krankenpflegerin, Jason Handwerker, der auf dem Bau arbeitet, weshalb er viel weg ist. Ein Nachbar, "Mister Pfister" nutzt die Abwesenheit, um bei Stella zu klingeln. Er bittet sie um ein Gespräch. Sie weist ihn ab. Er lässt nicht locker. Er ist ein Stalker und weiß genau, wann Jason außer Haus ist. Weil Stella nicht mehr öffnet, wirft er Botschaften in ihren Briefkasten, die davon handeln, dass sie beide sich viel zu sagen hätten. Schreiben könne sie nicht, zu sagen habe sie schon gar nichts und den Sog, dem seine Kollegen seit jeher erliegen, kann der Kritiker, dem auch die aktuellen Verrisse noch zu "lau" erscheinen, schon gar nicht verstehen. Solch eine Demontage gab es bei Erscheinen des Buches. Ich kann diese negativen Worte nicht nachvollziehen. Für mich ist der lange ruhige Fluss der Geschichte toll. Die Erzählung entwickelt sich chronologisch, übersichtlich und somit reduziert, was absolut poetisch ist. Deshalb kommt Frau Hermann vielleicht auch arrogant rüber, weil man ein Thema wie Stalking kaum in seinem Schrecken erfassen kann. Judith Hermann spricht vieles nicht aus, und diese unausgesprochene Bedeutung macht den Roman spannend. Halt ein Maximum an Schlichtheit. Die Energie in den unscheinbaren Sätzen ist für mich greifbar und die beklemmende Atmosphäre rund um Stellas Haus. Die Gesichte könnte also schnell zu Ende sein, jedoch wird hier die anhaltende Bedrohung sichtbar gemacht, und wie die Sicherheit in der Vorortsiedlung und der Familie von Stella bröckelt. Vielleicht stellt "Mister Pfister" auch das Leben der Familie in Frage? Das ist eventuell die eigentliche Wahrheit des Romans. Funktioniert hat das für mich sehr gut als bildkräftiger Roman!

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  • Eine schleppende Stalker-Geschichte

    Aller Liebe Anfang
    Bibliomania

    Bibliomania

    11. February 2015 um 19:12

    Judith Hermann ist eigentlich eine Lyrikerin, auch wenn sie schon andere Werke veröffentlicht hat. Dieser Roman jedoch hat mich nicht überzeugt. Stella ist verheiratet und eine 4-jährige Tochter. Am Wochenende kommt ihr Mann Jason, der auf dem Bau arbeitet, nach Hause und sie verbringen eine schöne Zeit. Eines Tages klingelt ein Mann an Stellas Haustür und möchte mit ihr reden. Stella jedoch ist der Mann unheimlich und sie weist ihn ab. Von da an kommt er jedoch täglich, klingelt und hinterlässt sogar Nachrichten in ihrem Briefkasten. Klingt spannend, ist es aber nicht. Hinzu kommen fehlende wörtliche Rede, was ich persönlich nicht so gern mag und jede Frage wird immer nur "gesagt", das finde ich irritierend. Auch ansonsten verläuft die Geschichte eher schleppend. Das wird wohl die einzige Hermann bleiben...

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  • Der fremde Mann vor der Tür

    Aller Liebe Anfang
    Schreibschnegel

    Schreibschnegel

    Stella führt ein beschauliches Leben am Stadtrand: kümmert sich als Krankenpflegerin um alte Menschen, bringt ihre kleine Tochter zum Kindergarten, telefoniert mit ihrer besten Freundin und mit ihrem oft abwesenden Ehemann Jason, liest viel. Sie mag es, allein zu sein. Aber bald ist Alleinsein keine Option mehr. Ein Mann klingelt an ihrer Tür. Er sagt, er will mit ihr reden – Stella lässt ihn nicht rein. Er kommt wieder. Er schreibt ihr Briefe, geht im Kindergarten ihrer Tochter vorbei, taucht auf ihrer Arbeit auf, klingelt jeden Tag an der Tür. Stellas Alltag wird auf einmal löchrig – überall kann der Fremde, Mister Pfister, eindringen und ihr Leben an sich reißen. Jason rät ihr, den Stalker zu ignorieren. Aber Stella wartet nur auf das nächste Klingeln. „Aller Liebe Anfang“ heißt dieser Roman von Judith Hermann, aber von Liebe ist hier nur wenig die Rede. Die Obsession von Mister Pfister wird gespiegelt in der bezugslosen Beziehung zwischen Stella und Jason, der eher ein Gast in ihrem gemeinsamen Haus ist. Stella ist isoliert von ihrer Umgebung, scheint sich aber nicht daran zu stören. Erst durch das Eindringen des Stalkers beginnt sie ihr Leben zu hinterfragen und sich aus ihrer Routine zu lösen. Viel Eigendynamik entwickelt Stella aber trotzdem nicht, und so geht es auch dem Roman. Es passiert recht wenig – das Ausmaß des Stalking steigert sich zwar nach und nach, aber die Konfrontation lässt lange auf sich warten. Wie es typisch für Judith Hermann ist, kreist ihre Protagonistin überwiegend um sich selbst, reflektiert die Ereignisse und ihre eigene Befindlichkeit, bleibt aber eher passiv und abwartend. Die Bedrohung durch den Stalker wird subtil aufgebaut. Es geht nicht um große Gesten, sondern um sich anhäufende Mikroaggressionen, die schnell Stellas Alltag beherrschen. Das ist geschickt gemacht und fängt den Leser schnell in einer resignierten, angespannten Atmosphäre ein. Das wirkt aber auch ermüdend und trostlos und der Roman bietet wenig Anreize dazu, ihn weiterzulesen. Hermanns Erzählstil, diese nüchterne Aneinanderreihung von beschreibenden Hauptsätzen, hat durchaus seinen Reiz – Leser, die mit ihrem Werk vertraut sind, werden ihn wiedererkennen und sich aufs Neue von dem dahinplätschernden Tonfall mitreißen lassen. Aber „Aller Liebe Anfang“ fehlt die Originalität, die die Werke der Autorin sonst auszeichnet, so dass selbst der Erzählstil schnell monoton und langweilig wirken kann. Am Ende bleibt ein unbehagliches Gefühl zurück, aber angesichts des vielschichtigen Themas auch eine vage Enttäuschung: Das hätte man doch auch irgendwie besser machen können.

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    • 5
  • Ich habe immer auf das Treffen gewartet!

    Aller Liebe Anfang
    variety

    variety

    02. December 2014 um 17:05

    Stella, eine einsame Hausfrau, lebt zusammen mit ihrer Tochter Ava und dem Ehemann Jason - dieser allerdings ist kaum anwesend - in einem bürgerlichen Haus. Mister Pfister - was für ein doofer Name - wohnt in der Nachbarschaft und beginnt Kontakt mit Stella aufzunehmen. Zuerst klingelt er und möchte jeweils mit ihr reden. Als sie ihm dies verweigert, beobachtet er sie vor allem und legt ihr Gegenstände in den Briefkasten. Was also in Richtung Stalking geht, könnte richtig spannend werden. Wenn..., ja wenn die beiden sich begegnen würden oder sich die ganzen Annäherungsversuche dramatischer gestalteten. Leider ist dem nicht so. Ich habe bis kurz vor Schluss gewartet, bis die Handlung einigermassen spannend wurde. Die Geschichte selber ist wie bei Hermann gewohnt in kurzen und nüchternen Sätzen erzählt. Trotzdem stellt sich keine grosse Lesefreude ein, denn alles plätschert so vor sich hin - ohne grossen Spannungsbogen.

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  • Stalking in der Nachbarschaft

    Aller Liebe Anfang
    jenvo82

    jenvo82

    07. November 2014 um 20:52

    Die 37-Jährige Stella lebt mit Mann und Tochter in einer beschaulichen Vorstadtsiedlung und arbeitet als Krankenpflegerin. Aus unerfindlichen Gründen gerät sie in das Visier eines Stalkers und fühlt sich fortan gedemütigt und verfolgt. Ein stilistisch ganz hervorragendes Stück: mit Hilfe kurzer, prägnanter Sätze und der Zeitform des Präsens fühlt man sich als Leser der Protagonistin und ihren Gefühlen sehr nah. Immer wieder wird der normale Alltag der Familie unterbrochen, weil der Nachbar vor nichts zurückschreckt, selbst vor Kindergarten und Arbeitsstelle nicht Halt macht. Neben diesem erschreckenden Szenario entwirft die Autorin ganz subtil das Bild einer Ehe, die auf Grund der Umstände ihre wahren Schwächen offenbart: Entfremdung und Beklemmung.

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  • Was tun, wenn ein Fremder von deinem Leben Besitz ergreift?

    Aller Liebe Anfang
    Esme--

    Esme--

    02. November 2014 um 11:39

    Die Charaktere: Jason ist unzufrieden mit seinem Job und dennoch gibt er ihn nicht auf. Stella ist froh, dass Jason so vernünftig ist. Zum einen sorgt er so für die Familie und das Haus, zum anderen ermüdet die Arbeit ihn; denn Stella ist nicht sicher, ob Jason ohne diese Tätigkeit bei Ava und ihr bleiben würde. Ja, ob er überhaupt eine Beziehung zu ihr eingegangen wäre, wenn er diese ständige Müdigkeit nicht empfunden hätte. Stella ist oft alleine. Sie hat ein geregeltes Leben, ein Haus, ein Kind, einen Mann, eine beste Freundin. Dennoch ist sie nicht erfüllt oder glücklich. Sie sehnt sich nach einer Veränderung, die sie allerdings nie in Angriff nehmen wird, denn sie ist sich auch der Zerbrechlichkeit des Lebens bewusst. Die Story: Es beginnt mit einem Klingeln an der Hauspforte und einem vagen Gefühl von Bedrohlichkeit. Es folgen private Botschaften und Fotos in ihrem Briefkasten. Langsam aber sicher geht der unbekannte Mann aus der Nachbarschaft einen Schritt nach dem anderen - hinein in Stellas Leben. Schreibstil und Plot: Judith Hermann hat einen ganz besonderen Schreibstil. Sie wiederholt ihn ihren Texten gerne einmal ein Wort oder einen Teil des vorhergegangenen Satzes und verleiht damit dem wichtigen Teil ihrer Aussage noch mehr Bedeutung. Ihr Schreibstil ist ruhig und ausführlich. Gerade Szenarien werden detailliert beschrieben und strahlen eine eigene Stimmung aus, die sich gut mit der Geschichte verbindet. Bei der wörtlichen Rede verzichtet die Autorin auf die Verwendung von Anführungszeichen. Sie nimmt den Sätzen somit ein Stück Lebendigkeit und haucht dem Text durch solche Feinheiten eine subtile Bedrohlichkeit und Spannung ein. Dieser Roman ist in der Zeitform Präsens verfasst worden. Gerade bei dieser Thematik gerät der Leser also unmittelbar noch etwas tiefer in das Geschehen hinein. Fazit: Judith Hermann bringt die bedrückende Stimmung näher und lässt das Geschehen ganz langsam eskalieren. Zum Schluss weiß man, dass man einen Stalker nicht in seinem Verhalten stoppen kann. Subtile Spannung, ruhige Erzählweise und individuelle Charaktere konnten mich begeistern. Vielleicht habe ich mich sogar auf den letzten Seiten ein wenig in Esther verliebt, die alte Frau, um die Stella sich als Pflegekraft kümmert und die kein Blatt vor den Mund nimmt. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen und für mich hat es nicht weniger als fünf Sterne verdient. Zitate aus dem Buch: Jason hat Ava ein Stück Holz mitgebracht, in das ein Kienapfel eingewachsen ist, er hat ihr ein Heft voller glitzernder Abziehbilder mitgebracht. Das Stück Holz und dass Heft liegen auf dem Küchentisch wie Beweise für seine Rückkehr. … sie wollen die Spuren anderer Leute Arbeit sehen, wenn sie sich abends vor den Kamin setzen. Jason denkt, sie würde ihr wahres Gesicht in dem Moment zeigen, in dem sein Blick sie loslässt. Sie empfindet etwas von früher, aus den ersten Monaten – Angst und Unsicherheit, den Zweifel an Gefühlen des anderen, am eigenen Gefühl. Sie fragt sich erst später, wie sie sich aus was raushalten kann, das sie selbst gar nicht veranlasst hat, wie soll sie was steuern, das jemand anders steuert. Sie liebt einfache Sätze, Stella weiß, dass Ava am zufriedensten ist, mit einer Geschichte in der eigentlich nichts passiert. Eine Geschichte ohne Aufregung, einer Geschichte, die vom Gleichmaß aller Tage erzählt, davon, dass alles bleibt, wie es ist. Er legt einen ganzen Tag lang nichts in den Briefkasten, ein Nichts voller Andeutungen, eine pulsierende Zäsur. Sie versucht, ihn umzubringen, indem sie nicht an ihn denkt, ihn aus dem Haus rauszukriegen, indem sie nicht an ihn denkt. Ich kann mir schon vorstellen, dass er kein Nein akzeptieren kann, er ist aus der Übung, er hat nicht viel mit anderen Menschen zu tun. Veränderung setzt Energie frei. Eine Energie von der sie jetzt vielleicht noch nichts wissen. Stella hat den Eindruck, dass Ava plötzlich alt genug ist, um zu wissen, dass es schön sein kann, guten Morgen zu sagen.

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  • Das Ende hat mich als Leser regelrecht befreit

    Aller Liebe Anfang
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    20. August 2014 um 12:07

      Mit den beiden Erzählungsbänden „Sommerhaus, später“ (1998) und „Nichts als Gespenster“ (2003) katapultierte sich die damals noch sehr junge Judith Hermann nicht nur in die Herzen des Feuilletons, sondern auch in die einer großen Zahl von Lesern: Leser, die üblicherweise lieber zu Romanen greifen und die literarische Qualität von Erzählungen selten zu schätzen wissen.   Ich selbst habe zum ersten Mal etwas von Judith Hermann gelesen, als ich 2009 ihren dritten Erzählungsband Alice las und auch rezensierte. Sehr enttäuscht habe ich damals resümiert: „….sonst wird von dieser schemenhaften Frau nichts deutlich. Dort, wo sie hinkommt, herrscht der Tod, dem sie nicht ausweicht, mit dem sie sich aber auch nie wirklich auseinandersetzt. Da ist keine Trauer spürbar, keine Wut, kein Aufbegehren gegen ein unerbittliches Schicksal. Nein, da wird anekdotenhaft ein Tod an den anderen gereiht und am Ende fragt man sich, aus was das Leben dieser nun um fünf Männer ärmeren Frau besteht, Männer, die sie aber nicht zu vermissen scheint. Und so plätschern die in teilweise sehr knappen Sätzen verfassten Geschichten an einem vorbei und hinterlassen einen schalen, einsamen, seltsam melancholischen Eindruck, ohne jedoch in der Lage zu sein, ein einziges wirkliches Gefühl hervorzurufen. Ob Judith Hermann beim Schreiben Gefühle hatte? Man wünscht sich, nach nunmehr drei Erzählungsbänden einmal einen Roman, in dem die mittlerweile Vierzigjährige ein Thema aufgreift, das einen wirklich angeht.“   Man kann sich deshalb vorstellen, wie gespannt ich auf den hier vorliegenden Roman war. Judith Hermann hat sich daran an ein Thema gewagt, das in den letzten Jahren für immer mehr Menschen, vor allem Frauen von einer schmerzhaften und dramatischen Aktualität geworden ist, dem Stalking und wie es nicht nur die gestalkte Person betrifft, sondern auch ihr persönliches Umfeld.   Stella ist eine junge Frau und hat einen befriedigenden Beruf als Pflegerin alter Menschen. Sie ist verheiratet mit Jason, einem Mann, den sie unspektakulär in einem Flugzeug kennengelernt hat und der immer wieder für viele Tage auf Montage fährt. Dann ist Stella mit ihrer kleinen Tochter Ava allein in ihrem schönen Haus am Rande der Stadt.   So wie sich Stella und Jason kennengelernt haben, verläuft auch ihr Leben. Zufrieden, ökonomisch abgesichert, aber ohne große Höhepunkte.   So lange, bis eines Tages ein Mann an ihrem Gartentor steht, nachdem er geklingelt hat: Er sagt durch die Sprechanlage: „Guten Tag. Wir kennen uns nicht. Sie kennen mich nicht. Ich kenne Sie aber vom Sehen, und ich würde mich gerne mal mit Ihnen unterhalten. Haben Sie Zeit.“   Stella wehrt erschrocken ab. Nein, sie habe keine Zeit, auch morgen nicht. Doch das, was der Stalker als ersten Schritt beabsichtigt, ist schon geschehen. Er hat sich in die Gedanken seines Opfers eingeschlichen und lässt es nicht mehr los. Zumal er in den nächsten Tagen immer wieder kommt, klingelt, etwas in den Briefkasten wirft und dann wieder geht. Er stellt sich schriftlich als Mister Pfister vor und wohnt nur einige Häuser weiter in der Nachbarschaft.   Stella erzählt ihrer Freundin Clara am Telefon davon. Auch Jason weiht sie ein. Doch alle Ratschläge helfen ihr nicht wirklich weiter. Als eines Tages Jason einen Brief von Mister Pfister aus dem Briefkasten holt, ihn liest und sie auffordert es auch zu tun, da passiert in ihrem Kopf etwas, wovon viele Opfer berichten: sie versucht zu verstehen: „Sie sieht Jason an und fragt sich plötzlich, ob es nicht doch möglich wäre, Mister Pfister zu verstehen. Für Jason vielleicht unmöglich, für sie aber möglich? Sie versteht Dermot, sie verseht Julias endgültiges Schweigen, sie versteht Esthers Gereiztheit und Walters undeutliches Sprechen (ihre Patienten und deren Angehörige,d.R.), sie versteht doch dieses und jenes, vielleicht sollte sie sich einfach auf Mister Pfisters Gedankenwelt einlassen? Auf die Andeutungen, auf den Chor der Stimmen, der aus dem Karton (in ihm hat sie alle Botschaften Pfisters gesammelt) heraus zu vibrieren scheint. Um zu wissen, wie Mister Pfister tickt, wie er funk-ti-o-niert.“   Sie meldet das Stalking der Polizei und holt sich Rat bei einem älteren Mann, der ihr Fahrrad repariert und direkt neben Mister Pfister wohnt. Doch alles hilft nicht wirklich weiter. Mister Pfister setzt sein Stalking fort, spricht Ava in der Schule an und will Stella zur Pflege seiner Mutter beim Pflegedienst buchen, bei dem Stella arbeitet.   Eine Lösung kommt erst ganz am Ende durch Jason, von dem man es niemals erwartet hätte. Während Stella eher passiv alles über sich ergehen lässt, wählt er eine radikale Lösung. Und öffnet so seiner Liebe zu Stella einen neuen Anfang ….   Mit einer knappen und dennoch reichen und schönen Sprache hat Judith Hermann die Klippe des ersten Romans souverän gemeistert. Man mag kritisieren, dass ihre weibliche Protagonistin (wieder einmal?) eher passiv als aktiv ihr Leben lebt, doch das Ende des Romans, Hermanns radikale Lösung des Problems provoziert. Es hat mir nicht nur gefallen, sondern mich als Leser regelrecht befreit.        

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  • Die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2014 steht fest

    Poesiesoso

    Poesiesoso

    Am 13. August hat die Jury die Longlist für den Deutschen Buchpreis bekannt gegeben. Im nächsten Schritt werden sechs dieser Titel für die Shortlist nominiert, die am 10. September veröffentlicht wird. Der Gewinner wird dann am 6. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse verkündet.  Ich habe einige Titel so gar nicht auf der Longlist erwartet, andere wiederum hätte ich gern darauf gesehen. Wie geht es euch? Welches Buch ist euer Favorit? Was glaubt ihr, wer auf der Shortlist stehen wird? Hier nun die Kandidaten: Franz Friedrich: Die Meisen von Uusimaa singen nicht mehr, Sasa Stanisic: Vor dem Fest  , Heinrich Steinfest: Der Allesforscher , Thomas Hettche: Pfaueninsel , Lukas Bärfuss: Koala , Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand , Feridun Zaimoglu: Isabel , Ulrike Draesner: Sieben Sprünge vom Rand der Welt , Antonio Fian: Das Ploykrates-Syndrom , Esther Kinsky: Am Fluss , Angelika Klüssendorf: April , Martin Lechner: Kleine Kassa , Gertrud Leutenegger: Panischer Frühling , Charles Lewinsky: Kastelau , Thomas Melle: 3000 Euro , Matthias Nawrat: Unternehmer , Christoph Poschenrieder: Das Sandkorn , Lutz Seiler: Kruso , Marlene Streeruwitz: Nachkommen. , Michael Ziegelwagner: Der aufblasbare Kaiser

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