Judith Hermann Sommerhaus, später

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Inhaltsangabe zu „Sommerhaus, später“ von Judith Hermann

Sie trinken viel. Sie rauchen viel. Sie reden wenig. Sie sind auf der Suche. Sie nennen sich die Pop-Generation. Oft sind es scheinbare Nebensächlichkeiten - eine zufällige Begegnung im Zug oder ein Blick in die Zeitung -, die ihr Leben von Grund auf verändern. Denn eines ist klar: sie haben genug von den Abziehbildern der 90er Jahre. Doch haben sie auch den Mut für ein neues, ein anderes Leben?

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  • Rezension zu "Sommerhaus, später" von Judith Hermann

    Sommerhaus, später

    Atila

    18. October 2009 um 10:00

    – Ist das die Geschichte, die ich erzählen will? ... Ich bin nicht sicher, nicht wirklich sicher. – Ich interessierte mich ausschließlich für mich selbst. – Seit er denken kann sagt Der Geisteskranke: > – Es schien mir wie inzestuös mit ihr zu schlafen. – Er sagte, ich solle meine eigene Geschichte nicht mit denen der Anderen verwechseln. – Ist das die Geschichte, die ich erzählen will? ... Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht wirklich. ************************************************* Dieses Hörbuch umfasst fünf Kurzgeschichten von Judith Hermann, aus denen diese Zitate stammen. Die Autorin liest mit gleichmütiger emotionskarger Stimme aus einer zugleich Innen- und Außenperspektive menschlicher Beziehungen, jede in sich besonders und doch eigenartig ähnlich. Ich lausche fasziniert, wie sie sanft die Vokale dehnt, ohne die Stimme dabei zu erheben: Kiind – sie war üüberhaupt niicht schöön – iich weiß es niicht! – niicht. Abebbende Satzenden, klingende „nnns“ und „nnds“ mit abtropfendem „d“, nahezu perfekt der Anschluss der Zungenspitze hinter den Schneidezähnen, wie bei einem Radiosprecher. Interessant ist, was in den Hörpausen hängt. Sie hält ihre Intonationsbögen flach distanziert selbst bei der größten aller Katastrophen im Plot. Es sind biographisch durchaus plausible und doch ganz einzigartige "westliche" Sujets: Ein aus Ofenbau-Langeweile-Gatten-Abwesenheit schleichend lange mehrfach verübter Ehebruch führt zu einem Satisfaktionsliebesduellmord des Urgroßvaters, was jetzt zwei Generationen später zum Verlust des stets am linken Handgelenk getragenen Korallenarmbands der sich von einem ihrer russischen intellektuellen Liebhaber liebenlassenden Urgroßmutter und beim ersten Besuch vom Psychologen des Fischfreundliebsten der Urgroßenkelin führt; ein wortlos abgelehnter Antrag auf Sommerhausvilla-mit-späterer-Lebensplanungsmöglichkeit des intellektuell und auch sonst nicht als standesgemäßen Taxifahrergeliebten verbrennt mitsamt Haustraum zu Asche; Liebesanspruch und Liebeserpressung einer Zug-um-Zug-Zugelaufenen zigarettenrauchenden Zweitgeliebten; die preis gegebene Musiksammlung als Unterpfand für die eigene Freiheit in einer Hotelanonymität, um nicht Farbe bekennen zu müssen angesichts längst verunsichertem, überaltertem, einsam abgewohnten versponnenen Begehren, angesichts einer viel zu jungen und viel zu sporadischen Frau. Es geht um Liebe. Auch. Es geht um verhinderte Liebe, um verhindernde Liebe. Es geht um irrende Liebesannäherungen, die nicht einleuchtend, die unpassend, zwanghaft, erpresserisch, devot, unmöglich, gefährlich, erdrückend, beispiellos, verwirrend, fast krankhaft, geradezu als lächerlich erlebt werden; ich höre Liebesvollstreckungen am eigenen Sein, die ihren ureigenen rituellen Vollzug finden, unangenehm plausibel, eigentümliche eingeschliffene und müde Alltagsverhaltungen erschütternd, eskalierend, bahnbrechend, frostig, peinlich, gänzlich unschlüssig und doch teilnahmslos am Schicksal des anderen, wenn es letztlich in einem Moment wahrer Präsenz darum geht, sich zu bekennen, unfähig, sich ganz oder gar hinzugeben, dem Begehren des anderen, alptraumhafte sich hinziehende Arabesken in einer verrottenden, vermodernden, unhaltbar dem Verfall anheim gegebenen Zeitlichkeit der Dinge, dem gegenüber auch die Bereitschaft zum unausweichlichen Verzicht der eigenen zerdrückten schmalen Seelenfalten keinen Abbruch tuend oder Aufenthalt mehr bietend. Unerbetene, besitzergreifende Grenzüberschreitungen der Nähe, die wie ein Angriff auf das eigene Unabhängigkeitsbedürfnis erlebt werden, Kontaktstürze, Attacken schmerzlicher, Angst einflößender, intelligenter, menschtriefender Unzufälligkeiten, Anspruchsklammern aus abstoßender nächster Nähe, quälende jedoch solch unaussprechbare Erwartungen wider den stetigen Abgrenzungswunsch, endlich von ihm oder von ihr.... ohne das eigene unzulängliche Sein oder gänzlich den Kontakt mit der Welt zu verlieren! Gibt es Alternativen? Gibt es Anlass zur Hoffnung? Bis etwas unerwartetes geschieht, ausgelöst durch andere Menschen. Etwas und jemand, der ihn oder sie dazu bringt, nur einmal vom eingeschlagenen Weg, der vorherigen Ordnung abzuweichen, gezogen und widerwillig aber mit aller Konsequenz, die zur Bewältigung und zur Aktion aufgeboten werden können. "Manchmal liebten wir uns, und dann..." Die letztlich verunglückenden Beziehungen sind Ursache und Folge von Haltungen unausgewogener, unprätentiös unvollkommener, unparitätisch spannungsreicher Weltbefindlichkeiten, Beziehungskonstellationen, unterkühlt, aus fast gleichgültiger Beobachtung, bestenfalls gelassen, als hätten die Protagonisten oft gar keine andere Wahl und auch kein emotionsreicheres Grundgefühl, das sie nach außen zu zeigen gewillt wären. Mit einem gewissen Hang zum Scheitern begabt handeln sie schlafwandlerisch ihren Impulsen, Sehnsüchten, Lüsten ausgeliefert, die zwar nicht heftig nach außen ausbrechen, sondern implodieren in einem seismographisch unvorhersehbaren, wie unter Hypnose vorprogrammierten Scheitern, sich in Abbrüchen entladend, die den vergangenen Status quo nie wieder herzustellen vermögen. Und das alles, ganz subtil, äußerlich unbemerkt und leise, unmerklich. Ein Psychologe diagnostizierte diese Persönlichkeiten wohl als "schizoid". ******************************************** Dazu fällt mir ein: „Auf, lass’ uns anders werden als die Vielen, die da wimmeln, in dem allgemeinen Haufen.“ SPITTELER Ist das die Rezension, die ich schreiben will? - Ja. Ist das ein Hörbuch, das ich mir kaufen würde? - Nein. ... auch wenn ich die Intensität der entstandenen Sprachbilder wohl lange im Gedächtnis behalten werde. Selbst ein sonniges Gemüt kriegte dabei Schüttelfrost...

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