Judith Lewis Herman

 5 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Die Narben der Gewalt, Father-daughter Incest und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Judith Lewis Herman

Cover des Buches Trauma and Recovery (ISBN: 0465087302)

Trauma and Recovery

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Erschienen am 29.05.1997
Cover des Buches Father-daughter Incest (ISBN: 0674002709)

Father-daughter Incest

 (0)
Erschienen am 05.05.2000

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Rezension zu "Die Narben der Gewalt" von Judith Lewis Herman

Unglaublich wichtiges Buch aus der Traumaforschung
Bookishvor 5 Monaten

Judith Herman's Buch "Die Narben der Gewalt" ist ein Sach- bzw. Fachbuch über Traumata, ihre Entstehung, die damit einhergehenden Persönlichkeitsstörungen, die Fähigkeit der Resilienz und die dafür notwendigen Umweltbedingungen sowie die Möglichkeiten der Therapie.

Eine Besonderheit dieses Buches ist es, dass es Frauen und Männer miteinbezieht; bei den Frauen geht es vorwiegend um durch sexuelle Gewalt ausgelöste Traumata, bei den Männern beispielsweise um Kriegsveteranen. Wer sich bislang noch nie wirklich etwas unter Posttraumatischen Belastungsstörungen, Dissoziation oder Persönlichkeitsstörungen vorstellen konnte, ist hier an der richtigen Adresse.

Das Buch ist in zwei Teile unterteilt, der erste beschäftigt sich traumatischen Störungen und daher mit den Themen: "Eine vergessene Geschichte", "Angst", "Gefangenschaft", "Nichtzugehörigkeit", "Kindesmißbrauch" sowie den Notwendigkeiten einer neuen Kategorie für Diagnosen.

Die vergessene Geschichte ist der sozialkritische Anfang des Buches und historisch; in diesem geht es um die Verleugnung der sexuellen Gewalt bereits zu Beginn der Psychologie durch Sigmund Freud und auch in den darauffolgenden Jahrzehnten. Besonders kritisch geht sie dabei auf die sogenannte "Hysterie" ein, die insbesondere missbrauchten Frauen diagnostiziert wurde.

Im zweiten Teil geht es um "Stationen der Genesung", darunter heilende Beziehungen, "Sicherheit", "Erinnern und Trauern", "Wiederanknüpfung" sowie "die therapeutische Gruppe".

Das Buch ist in weiten Teilen fachsprachlich, aber nicht übertrieben, sondern so, dass es auch noch für den gut belesenen Laien verständlich ist. Das Buch arbeitet insbesondere bei den Persönlichkeitsstörungen mit Beispielen bzw. Originalzitaten von Überlebenden, die wirklich haarsträubend und schwer verdaulich sind und gleichzeitig dazu geeignet sind zu zeigen, wie sich eine solche Störung auf ganz banale Aspekte des Alltags (zB Autofahren) auswirken kann, ohne, dass die/der Betreffende es merkt, denn für sie/ihn ist es ja Normalität.

Das Buch ist aufgrund dieser Beispiele für Traumatisierte vermutlich eher weniger geeignet, insbesondere ist es definitiv kein Selbsthilfe-Ratgeber für Menschen mit erlittenem Trauma - daher ist hier Vorsicht angebracht!

Das Buch bietet nicht nur einen relativ umfassenden Überblick zu Persönlichkeitsstörungen und Trauma sowie den damit oft einhergehenden Symptomen; es ermöglicht einem ein grundlegendes Verständnis von Traumata. Besonders eindrücklich in Erinnerung geblieben ist mir der Aspekt Dissoziation - ein Punkt, den ich vorher nie verstanden geschweige denn mir vorstellen konnte - sowie die Integration des Traumatischen in die eigene Geschichte als Teil des Heilungsprozesses.

Das Buch ist definitiv nicht nur für diejenigen hilfreich und wichtig, die sich berufsbedingt mit Traumata beschäftigen müssen, sondern auch für den Laien, und sei es nur, um ein grundlegendes Verständnis psychologischer Vorgänge rund um Traumata zu erlangen. Ich bin überzeugt davon, dass sich das immer lohnt: Für mich ist es definitiv eines der wichtigsten Fach-/Sachbücher, die ich jemals gelesen habe und mir damit ein grundlegendes psychologisches Verständnis überhaupt erst ermöglicht hat.

Denn psychische Störungen und die ihnen vorausgegangenen Traumata begegnen einem auch im eigenen Familien- oder Bekanntenkreis früher, als man glauben mag. Und dann gibt es nur eine Möglichkeit: Das Dunkle ans Licht bringen und dem Opfer zur Seite stehen, denn Neutralität gibt es hier nicht!

Abschließend noch einmal der Hinweis: Ist man selbst Überlebende/r oder traumatisiert, könnte das Buch aufgrund der Beispiele und Berichte Überlebender re-traumatisierend wirken - hier sollte man also vorsichtig sein, zumal das Buch kein Ratgeber oder Selbsthilfe-Buch ist.

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