Den Einstieg fand ich schon mal sehr originell und ausdrucksstark: Wir sind freie Menschen. Wir können denken, tun und handeln, wie wir wollen - natürlich mit den Konsequenzen, die das mit sich bringt.
Eine Familie kann man allerdings nicht einfach "wegdenken" oder "ignorieren". Doch, werdet ihr sagen, aber die Familie ist dennoch noch da. Ob weit weg, übergangen, vergessen oder verstorben - sie gehört immer zum Leben dazu, ob man will, oder nicht.
Es ist der 23. Dezember.
Esthers Kinder machen sich für den letzten Schultag fertig, ihr Mann fürs Büro und einen letzten kurzen Termin - um dann in die wohlverdienten Feiertage abzutrudeln. Doch Esther hat noch etwas zu erledigen. Einen kurzen Besuch bei ihrer Schwester, die frisch geschieden und alleine in einem Haus im Wald lebt. Weit ist es nicht und Esther möchte diese Sache einfach erledigen und nachmittags wieder zuhause sein, um alle Weihnachtsvorbereitungen fertig zu machen.
Das Haus mitten im Wald liegt sehr einsam. Sue ist nicht gerade erfreut, als ihre Schwester sie überraschend besucht, denn sie liebt es, die menschenleere Natur um sich zu haben und die Ruhe, um mit sich selbst allein zu sein.
Der Besuch wird schwierig und wird in wechselnder Perspektive von den Schwestern erzählt. Dabei gibt es auch Rückblicke auf das letzte Weihnachten und in ihre Kindheit und man merkt recht schnell, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen der beiden sind. Wie die Erinnerung ihre Erlebnisse verzerrt, wie jede aus ihrer Sicht bestimmte Situationen völlig anders eingeschätzt und erlebt haben und wie daraus diese höchst toxische Beziehung entstehen konnte.
Die Autorin versteht es sehr gut, dass man schwankt, wem man glauben soll. Für beide ist ja das wahr, was sie glauben und damit wird es schwer zu trennen, was tatsächlich passiert ist.
Fürsorge kann sich recht schnell in Kontrolle verwandeln - und manchmal sollte man den Wunsch respektieren, dass jemand keine Hilfe annehmen möchte.
Gleichzeitig aber auch, dass nichts ohne Grund passiert bzw. Menschen so sind, wie sie sind, weil sie gewisse Erfahrungen gemacht und Erlebnisse gehabt haben. Trauma können lange nachwirken, ein Leben lang und wie schon gesagt, die Muster stricken sich von selbst und sie wieder aufzutrennen ist eine unglaublich langwierige Prozedur. Vor allem wenn man nicht sieht, dass sich ein "Fehler" in dieses Muster geschlichen hat.
Ein trauriges und erschreckendes Zusammenspiel von Menschen, die sich in ihre Rollen hineingelebt haben und nicht wissen, wie sie entkommen können. Das Drama steigert sich immer weiter, während man dem Gespräch der beiden Schwestern lauscht, die zuerst versuchen, sich so schnell wie möglich wieder voneinander zu lösen, dann aber immer tiefer in ihre Gefühlswelten rutschen und es zu Aussprachen kommt, die besser ungesagt geblieben wären.
Es kommt noch ein dritter Charakter zu Wort - und alle drei hat Judith Merchant wirklich sehr virtuos in Szene gesetzt. Die ganzen tief liegenden Gefühle werden Stück für Stück frei gelegt und offenbaren ein dramatisches Ende, das ich sehr geschickt eingefädelt fand.
Auch wenn ich am Ende noch gehofft hatte, etwas bestimmtes zu erfahren - das war dann zwar nicht so; aber selbst und gerade mit diesem Abschluss hat sie das Tüpfelchen noch aufs i gemacht.
Mit allein zwei Figuren so ein psychologisches Duell hinzulegen ist nicht einfach: die Autorin hat das hier wirklich mit Bravour gemeistert! Super spannend!
Judith Merchant

Lebenslauf
Neue Bücher
Aprikosenkind
Alle Bücher von Judith Merchant
SCHWEIG!
ATME!
Nibelungenmord
Hanni braucht eine Freuschrecke
Loreley singt nicht mehr
Die Lügen jener Nacht
Rapunzelgrab
Holly Holunder und der magische Garten
Interview mit Judith Merchant
Interview zwischen Judith Merchant und LovelyBooks // Mai 2011
1) Wann hast Du mit dem Schreiben angefangen und wie kam es zur Veröffentlichung Deines ersten Buches?
Ich habe als Kind sehr gerne geschrieben. Je älter ich wurde, desto kritischer wurde ich als Leserin, und deswegen waren mir meine literarischen Versuche bald entsetzlich peinlich. Das führte dazu, dass ich schließlich nur noch Briefe und Hausarbeiten schrieb – also Texte mit einem klaren sachlichen Ziel. In einer Schreibkrise meiner Doktorarbeit entwickelte ich dann eine regelrechte Schreibtischflucht und wollte gar nicht mehr schreiben. Da kam ich auf die Idee mich mit etwas zu locken, was kurz ist und Spaß macht. So entstand die erste Kurzgeschichte (mit gleich zwei Leichen). Dann schrieb ich noch eine und noch eine. Und da ich gleich ziemlich gutes Feedback in Form von Preisen bekam, traute ich mich auch an einen Roman. Dessen Veröffentlichung ging dann ganz klassisch über meine Agentin, die ihn einem Dutzend Verlage anbot. Die Hälfte wollte ihn haben.
2) Wie lang hast Du an Deinem ersten Buch geschrieben – wie viel Zeit hast Du für die Recherche und wie viel für die Ausarbeitung gebraucht?
Insgesamt waren es etwa 15 Monate. Ich kann Recherche und Schreiben nicht voneinander trennen, das fließt bei mir ineinander. Ein Beispiel: Als ich den Anfang des Romans schon geschrieben hatte, besuchte ich die Ausstellung „paralysed spaces“. Dort lernte ich die Künstlerin Andrea Lehmann und ihre Bilder kennen, in denen sie neben Acryl auch eigene Haare verwendet. Als Krimiautorin dachte ich sofort: „Wow! Lauter biologische Spuren!“ Diesen Gedanken habe ich dann weiterverfolgt, was damit endete, dass ich mich mich der Frage beschäftigen musste, wie unsere Bonner Museen eigentlich an ihre Künstler kommen und wie der Lebenslauf eines Künstlers auszusehen hat, damit er als erfolgreich gilt. Dieser ganze Exkurs über die Kunstszene war nicht geplant, passte aber im Nachhinein sehr gut – eben weil Museen in Bonn ein ganz wichtiger Bestandteil des öffentlichen Lebens sind. (Und natürlich auch, weil mein Kommissar sich immer so schön über die ganzen Künstler aufregt).
3) Du hast für Deine Kurzgeschichten bereits viele Preise bekommen – wie aufgeregt bist Du jetzt bei Erscheinen Deines ersten Romans?
Das ist eine ganz andere Nummer, stelle ich fest. Vor meiner Premierenlesung traf es mich wie ein Schlag: Aus einem Roman zu lesen ist viel, viel schwieriger als eine Kurzgeschichte zu lesen! Eine Kurzgeschichte hat einen eigenen Spannungsaufbau, das Publikum darf bis zur Pointe folgen. Bei einem Roman liefert man ja nur Appetithäppchen. Das kommt mir als einer, die vorher immer Kurzgeschichten vorgelesen hat, geradezu unfair vor, so, als ob ich einem Gast einen halbvollen Teller wegnehme!
4) Welche Vorteile bietet für Dich das Internet und wie nutzt Du hier den Kontakt zum Leser, wie z.B. in einer Literaturcommunity wie LovelyBooks.de
Ich mache das gerade zum ersten Mal und bin sehr gespannt!
5) Bei LovelyBooks tauschen sich Leser und Autoren direkt aus - hiermit ist ein weiterer Platz für Lob und Kritik geschaffen. Wie gehst Du damit um?
Nach inzwischen jahrzehntelanger Erfahrung als Leserin weiß ich: Es gibt für jedes Buch einen bestimmten Leserkreis. Ich selbst zum Beispiel mag keine Bücher mit Serienmördern. Das ist keine Kritik am Buch, denn ein Serienmörderbuch kann ja nichts dafür, dass ich keine Serienmörder mag. Insofern bin ich da entspannt.
6) Welche Bücher/Autoren liest Du selbst gern und wo findest bzw. suchst Du Empfehlungen für den privaten Buchstapel?
Ich vertraue auf die Empfehlung von Freunden, die ähnliche Bücher mögen wie ich: psychologische Krimis, bei denen die Figuren im Zentrum stehen. Ich liebe Tana French, Gisa Klönne, Oliver Bottini, Sandra Lüpkes, Helen Fitzgerald, Silvia Roth, um mal einige wenige zu nennen. Natürlich lese ich auch aufmerksam Rezensionen im Internet und in Print.
7) Von welchem Autor würdest Du Dir mal ein Vorwort für eines Deiner Bücher wünschen und warum?
Oh, das ist schwer. Das käme dann sehr auf den Roman an. Für „Nibelungenmord“: Ein Nibelungenlied-Experte wäre schmeichelhaft, aber es ist unwahrscheinlich, dass so jemand sich mit meiner Version Siegfrieds abfinden kann ...
8) Man wird als Autor schnell in Schubladen gesteckt. Würdest Du gerne mal das Genre wechseln und Deine Leser mit einer völlig neuen Seite überraschen, z.B. einen historischen Roman schreiben – oder liegt Dir Mord einfach mehr?
Ich bin eindeutig der Typ für Morde! Wenn ich mal etwas ganz anders versuchen würde, dann wäre das etwas ohne Genrekorsett, also weder Liebes- noch historischer Roman, sondern ein klassischer Gegenwartsroman. Vermutlich würden mir dort dann aber die Morde fehlen!
9) Wo holst Du Dir die Ideen und Inspiration für Deine Arbeit?
Ideen liegen auf der Straße! Und „Straße“ meine ich beinahe wörtlich, ich spaziere viel herum, durch Königswinter, Bonn, am Rhein, durch das Siebengebirge. Da sehe ich viele Details, die etwas in mir in Gang setzen, eine seltsame Wurzel, eine deprimierte Weide, eine Höhle. Eine andere Quelle sind Bücher. Viele Teile meines Romans sind entstanden durch Gedanken, die ich mir zu anderen Büchern gemacht habe.
10) Welche Wünsche hast Du im Bezug auf Deine Bücher und Deine Arbeit für die kommenden Jahre?
Im Moment will ich nur den Abgabetermin für Jan Seidels zweiten Fall schaffen! Und dann würde ich gern mal einen Roman schreiben, in dem die Sonne scheint. Irgendwie regnet es bei mir immer und alle frieren. Aber auf Petrus hat man ja keinen Einfluss, nicht einmal als Autorin ... ;-)
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Neue Rezensionen zu Judith Merchant
Es ist ein magisches Abenteuer voller Herz! Holly ist eine tolle Heldin, die zeigt, dass man mit Mut und guten Freunden alles schaffen kann. Der Schreibstil ist super flüssig und die Welt so liebevoll beschrieben, dass man direkt mitzaubern möchte. Man kann das Buch garnicht mehr aus der Hand legen. Ein Muss für alle Fantasy-Fans!
Themen:
unzuverlässige Erzählerinnen, Lügen, Geheimnisse, toxische Beziehung, Weihnachstwahnsinn
Rezension:
Ich bin mit anderen Erwartungen an das Buch herangegangen, denn der Klappentext hat sich spannender angehört, als es anfangs tatsächlich ist. Nichtsdestotrotz hat mich das Buch gleich zu Beginn eingenommen.
Zunächst wird aus den beiden Perspektiven der Schwestern Esther und Sue erzählt. Ab und zu gibt es Auszüge aus ihrer Kindheit und erst später kommt die Erzählperspektive von Esthers Mann Martin hinzu. Es ist sehr geschickt aufgebaut und die Perspektiven ergänzen sich gut, sodass ich mir immer wieder die Frage gestellt habe, wer tatsächlich zurechnungsfähig ist oder ob möglicherweise alle drei verdrehte Wahrnehmungen haben. Die Spannung steigt nur langsam, manchmal war das Hin und Her der Schwestern etwas frustrierend, aber es gab einige überraschende Wendungen.
Die Unbeholfenheit zwischen den Schwestern ist so greifbar. Obwohl sie zusammen aufgewachsen sind, können die beiden nicht miteinander umgehen. Auch wenn ich diese Distanz privat nicht nachvollziehen kann, beschreibt Judith Merchant so realistisch, dass ich den Zwist doch verstehen konnte.
Wer einen spannenden Thriller erwartet, ist hier, denke ich, leider falsch. Insgesamt war das Buch teilweise repetitiv, aber trotzdem gerade durch die verschiedenen Perspektiven interessant.
Gespräche aus der Community

Holly und Arwids magische Geschichte geht weiter!
Euch erwartet eine zauberhafte Freundschaft, ein spannender Fall und ganz viel Magie - Das neue erzählende Kinderbuch von Bestsellerautorin Judith Merchant!

Ungewöhnliche Freundschaften, ein Rätsel, das es zu lösen gilt und ein magischer Twist. Die neue Geschichte von Arwid und seinen übernatürlichen Freunden garantiert ein spannendes Abenteuer für den Sommer.
Eine Welt voller liebenswerter Charaktere und Zauber für alle ab 8 Jahren.
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Mit einer Flasche Rotwein und einem Geschenk im Gepäck macht sich Esther zu ihrer geschiedenen Schwester Sue in den Wald auf. Doch statt einer willkommenen Überraschung scheint sie der ungebetene Gast zu sein, den ihre Schwester unbedingt wieder loswerden will. Als dann auch noch ein Schneesturm einsetzt, markiert das den Beginn einer Nacht, von der es kein Zurück gibt ... Wir
verlosen die spannendsten KiWi-Krimis 2021: "SCHWEIG!" von Judith
Merchant ist unser neuer Spannungsroman im Crime Club!
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