Judith Merchant

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Interview mit Judith Merchant

Interview zwischen Judith Merchant und LovelyBooks // Mai 2011

1) Wann hast Du mit dem Schreiben angefangen und wie kam es zur Veröffentlichung Deines ersten Buches?

Ich habe als Kind sehr gerne geschrieben. Je älter ich wurde, desto kritischer wurde ich als Leserin, und deswegen waren mir meine literarischen Versuche bald entsetzlich peinlich. Das führte dazu, dass ich schließlich nur noch Briefe und Hausarbeiten schrieb – also Texte mit einem klaren sachlichen Ziel. In einer Schreibkrise meiner Doktorarbeit entwickelte ich dann eine regelrechte Schreibtischflucht und wollte gar nicht mehr schreiben. Da kam ich auf die Idee mich mit etwas zu locken, was kurz ist und Spaß macht. So entstand die erste Kurzgeschichte (mit gleich zwei Leichen). Dann schrieb ich noch eine und noch eine. Und da ich gleich ziemlich gutes Feedback in Form von Preisen bekam, traute ich mich auch an einen Roman. Dessen Veröffentlichung ging dann ganz klassisch über meine Agentin, die ihn einem Dutzend Verlage anbot. Die Hälfte wollte ihn haben.

2) Wie lang hast Du an Deinem ersten Buch geschrieben – wie viel Zeit hast Du für die Recherche und wie viel für die Ausarbeitung gebraucht?

Insgesamt waren es etwa 15 Monate. Ich kann Recherche und Schreiben nicht voneinander trennen, das fließt bei mir ineinander. Ein Beispiel: Als ich den Anfang des Romans schon geschrieben hatte, besuchte ich die Ausstellung „paralysed spaces“. Dort lernte ich die Künstlerin Andrea Lehmann und ihre Bilder kennen, in denen sie neben Acryl auch eigene Haare verwendet. Als Krimiautorin dachte ich sofort: „Wow! Lauter biologische Spuren!“ Diesen Gedanken habe ich dann weiterverfolgt, was damit endete, dass ich mich mich der Frage beschäftigen musste, wie unsere Bonner Museen eigentlich an ihre Künstler kommen und wie der Lebenslauf eines Künstlers auszusehen hat, damit er als erfolgreich gilt. Dieser ganze Exkurs über die Kunstszene war nicht geplant, passte aber im Nachhinein sehr gut – eben weil Museen in Bonn ein ganz wichtiger Bestandteil des öffentlichen Lebens sind. (Und natürlich auch, weil mein Kommissar sich immer so schön über die ganzen Künstler aufregt).

3) Du hast für Deine Kurzgeschichten bereits viele Preise bekommen – wie aufgeregt bist Du jetzt bei Erscheinen Deines ersten Romans?

Das ist eine ganz andere Nummer, stelle ich fest. Vor meiner Premierenlesung traf es mich wie ein Schlag: Aus einem Roman zu lesen ist viel, viel schwieriger als eine Kurzgeschichte zu lesen! Eine Kurzgeschichte hat einen eigenen Spannungsaufbau, das Publikum darf bis zur Pointe folgen. Bei einem Roman liefert man ja nur Appetithäppchen. Das kommt mir als einer, die vorher immer Kurzgeschichten vorgelesen hat, geradezu unfair vor, so, als ob ich einem Gast einen halbvollen Teller wegnehme!

4) Welche Vorteile bietet für Dich das Internet und wie nutzt Du hier
 den Kontakt zum Leser, wie z.B. in einer Literaturcommunity wie LovelyBooks.de

Ich mache das gerade zum ersten Mal und bin sehr gespannt!

5) Bei LovelyBooks tauschen sich Leser und Autoren direkt aus - hiermit ist ein weiterer Platz für Lob und Kritik 
geschaffen. Wie gehst Du damit um?

Nach inzwischen jahrzehntelanger Erfahrung als Leserin weiß ich: Es gibt für jedes Buch einen bestimmten Leserkreis. Ich selbst zum Beispiel mag keine Bücher mit Serienmördern. Das ist keine Kritik am Buch, denn ein Serienmörderbuch kann ja nichts dafür, dass ich keine Serienmörder mag. Insofern bin ich da entspannt.

6) Welche Bücher/Autoren liest Du selbst gern und wo findest bzw. suchst Du
 Empfehlungen für den privaten Buchstapel?

Ich vertraue auf die Empfehlung von Freunden, die ähnliche Bücher mögen wie ich: psychologische Krimis, bei denen die Figuren im Zentrum stehen. Ich liebe Tana French, Gisa Klönne, Oliver Bottini, Sandra Lüpkes, Helen Fitzgerald, Silvia Roth, um mal einige wenige zu nennen. Natürlich lese ich auch aufmerksam Rezensionen im Internet und in Print.

7) Von welchem Autor würdest Du Dir mal ein Vorwort für eines Deiner 
Bücher wünschen und warum?

Oh, das ist schwer. Das käme dann sehr auf den Roman an. Für „Nibelungenmord“: Ein Nibelungenlied-Experte wäre schmeichelhaft, aber es ist unwahrscheinlich, dass so jemand sich mit meiner Version Siegfrieds abfinden kann ...

8) Man wird als Autor schnell in Schubladen gesteckt.
 Würdest Du gerne mal das Genre wechseln und Deine Leser mit einer 
völlig neuen Seite überraschen, z.B. einen historischen Roman schreiben – oder liegt Dir Mord einfach mehr?

Ich bin eindeutig der Typ für Morde! Wenn ich mal etwas ganz anders versuchen würde, dann wäre das etwas ohne Genrekorsett, also weder Liebes- noch historischer Roman, sondern ein klassischer Gegenwartsroman. Vermutlich würden mir dort dann aber die Morde fehlen!

9) Wo holst Du Dir die Ideen und Inspiration für Deine Arbeit?

Ideen liegen auf der Straße! Und „Straße“ meine ich beinahe wörtlich, ich spaziere viel herum, durch Königswinter, Bonn, am Rhein, durch das Siebengebirge. Da sehe ich viele Details, die etwas in mir in Gang setzen, eine seltsame Wurzel, eine deprimierte Weide, eine Höhle. Eine andere Quelle sind Bücher. Viele Teile meines Romans sind entstanden durch Gedanken, die ich mir zu anderen Büchern gemacht habe.

10) Welche Wünsche hast Du im Bezug auf Deine Bücher und Deine 
Arbeit für die kommenden Jahre?

Im Moment will ich nur den Abgabetermin für Jan Seidels zweiten Fall schaffen! Und dann würde ich gern mal einen Roman schreiben, in dem die Sonne scheint. Irgendwie regnet es bei mir immer und alle frieren. Aber auf Petrus hat man ja keinen Einfluss, nicht einmal als Autorin ... ;-)