Judith Schalansky

 3,9 Sterne bei 352 Bewertungen
Autorin von Der Hals der Giraffe, Atlas der abgelegenen Inseln und weiteren Büchern.
Autorenbild von Judith Schalansky (© Petra Koßmann)

Lebenslauf

Besonderes Design und außergewöhnliche Literatur: Judith Schalansky wurde 1980 in Greifswald geboren. Sie studierte Kunstgeschichte und Kommunikationsdesign. Mit ihrer Diplomarbeit im Studiengang Kommunikationsdesign, dem typografischen Kompendium »Fraktur mon Amour«, wurde sie bekannt. 2006 veröffentlichte sie »Fraktur mon Amour« beim Hermann Schmidt Verlag Mainz. Hinzu kam, dass ihr Buch mit diversen Designpreisen ausgezeichnet wurde. Seit 2008 lehrt sie Typografische Grundlagen an ihrer ehemaligen Hochschule in Potsdam. Im Frühjahr 2008 erschien ihr Debütroman »Blau steht dir nicht« im mare Verlag, gefolgt von einem Stipendium 2009 welches sie von der Villa Aurora in Los Angeles erhielt. Mittlerweile lebt und arbeitet Judith Schalansky als freie Autorin und Gestalterin in Berlin.

Neue Bücher

Cover des Buches Marmor, Quecksilber, Nebel (ISBN: 9783518432013)

Marmor, Quecksilber, Nebel

Neu erschienen am 20.04.2026 als Gebundenes Buch bei Suhrkamp.

Alle Bücher von Judith Schalansky

Cover des Buches Der Hals der Giraffe (ISBN: 9783518467909)

Der Hals der Giraffe

(268)
Erschienen am 08.03.2017
Cover des Buches Atlas der abgelegenen Inseln (ISBN: 9783866481176)

Atlas der abgelegenen Inseln

(34)
Erschienen am 01.01.2009
Cover des Buches Taschenatlas der abgelegenen Inseln (ISBN: 9783596190126)

Taschenatlas der abgelegenen Inseln

(12)
Erschienen am 14.07.2011
Cover des Buches Verzeichnis einiger Verluste (ISBN: 9783518470787)

Verzeichnis einiger Verluste

(15)
Erschienen am 20.05.2020
Cover des Buches Blau steht dir nicht (ISBN: 9783518462843)

Blau steht dir nicht

(6)
Erschienen am 26.10.2011
Cover des Buches Faultiere (ISBN: 9783751802109)

Faultiere

(3)
Erschienen am 28.10.2021
Cover des Buches Symbiosen (ISBN: 9783957573667)

Symbiosen

(1)
Erschienen am 27.02.2017

Neue Rezensionen zu Judith Schalansky

Cover des Buches Verzeichnis einiger Verluste (ISBN: 9783518470787)
WDPs avatar

Rezension zu "Verzeichnis einiger Verluste" von Judith Schalansky

WDP
Lesen, um des Lesens willen

Der Plot:

Einige der Beispiele für die „Verluste“ sind originell gewählt. Einige kennt man, sind aber aus unserem Leben verdrängt worden. Und das ist gut so. Würde uns alles aus der Vergangenheit allgegenwärtig sein, liefen wir mit einem gehörigen Rucksack durch unser Leben. Die Last wäre erdrückend und würde den Platz für neues einschränken.

 

Die Charaktere:

Charaktere zu skizzieren ist nicht Schalanskys Stärke. Sie ergeht sich lieber in den Beschreibungen der Örtlichkeiten oder gibt bringt ihre philosophischen Gedanken zu Papier. Selbst Greta Garbo kenne ich besser aus Wikipedias Berichten über das Leben der Schauspielerin, als durch Schalanskys Beschreibungen.

 

Die Sprache:

Hier liegt eindeutig ihre Stärke. Vor dem Können, Sprache in Worte zu übersetzen, ziehe ich meinen Hut. Der Sprachstil variiert von einem „Verlust“ zum Nächsten. Einmal „verschachtelte“, seitenlange Sätze, dann wieder übersät mit Adjektiven, dass es ein Graus ist. Ich weiß, meine Aussage ist so widersprüchlich wie ihre Textkompositionen. Trotzdem hervorragend.

Die Schauplätze sind detailliert beschrieben, aber lassen keinen Raum für die Fantasie des Lesers, lassen ihn nicht „mitleben“. Dadurch entsteht eine einseitige Kommunikation. Der Leser wird nicht in das Setting gezogen. Andauerndes „tell“ anstelle von „show“. Es kommt mir vor, als würde man einen Film ansehen, dessen Bildern man alles klar gezeichnet ist. Ihre Worte spielen nicht mit der Möglichkeit die Szenen im Kopf des Lesers lebendig werden zu lassen. Damit wird das „Erleben der Geschichte“ sehr erschwert.

Sollte dieser Umstand die Basis der Qualitätsliteratur sein, ohne die Assunzionen des Lesers miteinzubeziehen, so ist das nicht meines.

Natürlich steht dem der Inhalt gegenüber das es um das Thema Verluste geht. Gut, sie muss mich ebenfalls zu den „Verlusten“ zählen, was wie die Geschichte(n) zeigt, auch irgendwie egal ist. 

 

Fazit:

Leider hat das Buch nicht meinen Geschmack getroffen, was durchaus schwer zu sein scheint. – eben Belletristik. Ich gehöre zu der Schicht, die mit einem Text unterhalten werden, oder aus dem ich etwas lerne. Neues hat mir Schalansky nicht gezeigt. Selbst lesbische Männer sind mir nicht fremd - bin ja schließlich selbst lesbisch: Ich stehe auf Frauen! Gendern und sensitive writing ist für mich die Vergewaltigung der Gesellschaft, der Untergang unserer Sprache. Warum gerade Schalansky ihr Riesentalent – nein nicht richtig – ihr Können so vergeudet, verstehe ich nicht. 

Mein Urteil: Ein Buch für Leute, die lesen, um des Lesens willen. Die sich gerne mit anscheinend vernünftig klingenden Argumenten einlullen lassen und die sonst keine Sorgen haben, als sich um lesbische Anliegen unterschwellig kredenzen zu lassen. Es lebe die Vulva. 

 

Cover des Buches Der Hals der Giraffe (ISBN: 9783518467909)

Rezension zu "Der Hals der Giraffe" von Judith Schalansky

Ein LovelyBooks-Nutzer
Ohne das sprachliche Vergnügen wäre es eine Tortur

Auf Der Hals der Giraffe bin ich durch das Interview mit Carolin Hagebölling aufmerksam geworden. Leider kann ich ihre Begeisterung nicht in Gänze teilen, dazu ist das Leseerlebnis zu ambivalent. Es beginnt bereits mit dem Untertitel: Bildungsroman. Der ist schlichtweg irreführend, denn hier entwickelt sich niemand, nicht einmal der geneigte Leser. Und auch in einem übertragenen Sinne ist es kein Bildungsroman, also kein lehrendes Buch, denn dazu sind sowohl die vermittelten biologischen Grundlagen zu banal und vor allem teilweise schlichtweg überholt und damit falsch. Um dies zu erkennen, muss man allerdings schon minimale Kenntnisse in Biologie haben, womit sich das Vermitteln von Grundlagen aufheben würde. Hinzu kommt, dass der Roman ohne echte Handlung auskommt, was bereits nach wenigen Seiten zu einer gewissen Eintönigkeit führt. Und dann ist da noch die Protagonistin, deren Gedankenwelt dermaßen abstoßend ist, dass ich mich durchgängig gefragt habe, warum irgendjemand das überhaupt lesen wollen würde. Nun kommt aber leider hinzu, dass Judith Schalansky eine großartige Schriftstellerin ist. Leider? Ja, denn sonst hätte ich den Roman zerreißen können, was er inhaltlich auch verdient hätte. Aber sprachlich ist der Hals der Giraffe herausragend, so dass ein Verriss nicht im Ansatz in Frage kommt.

Ohne das sprachliche Vergnügen wäre es eine Tortur Inge Lohmark, Mittfünzigerin und Gymnasiallehrerin für Biologie und Sport im ländlichen Vorpommern, länger als ein paar Seiten zu begleiten. Nun mag man die drei Kapitel, die drei Tagen im Schuljahr entsprechen, als satirisch, spritzig oder gar witzig verklären, dazu muss man dann aber auch Vergnügen an Abwertung und Demütigung haben. Denn Lohmark, deren Gedanken wir ertragen müssen, macht nichts anders als andere Menschen in bester Misanthropie stereotyp wahrzunehmen und dann abzuwerten. Das macht in etwa so viel Vergnügen wie einem Wutbürger zu lauschen. Nun gut es gibt natürlich auch Menschen die finden Don Alphonso von der FAZ, Henryk Broder oder Dieter Nuhr witzig. Mir geht das ständige Erheben über andere, das „lustig machen“, was nichts anderes ist als Polemik und damit die Waffe der geistig Schwachen, ziemlich auf die Nerven.

Sprachliches Highlight – Inhaltliches Nogo

Natürlich sind dann schnell die wertkonservativen Verständigen zur Hand. Das ist doch eine psychologische Studie, die Schalansky hier vorlegt. Das will ich ja auch gar nicht in Abrede stellen. Das Psychogramm ist hervorragend und erschreckend real. Aber es bleibt dabei: Warum soll ich so etwas lesen? Was habe ich davon? Wer das unterhaltend findet, findet wohl auch GNTM spaßig. Bildet es mich? Nicht mehr als irgendwelche Äußerungen von AfD Anhängern. Ich fand auch Sarrazin oder Pirinçci weder bildend noch unterhaltsam. Geht es darum mein Mitgefühl zu schulen? Sollen wir Leser lernen die Sorgen und Nöte der „Abgehängten“ zu verstehen? Nun ja. Niemand wird gezwungen ein Sozialdarwinist und Chauvinist zu werden. Das würde diejenigen abwerten, die in den gleichen Verhältnissen leben und nicht zum Hassmenschen werden. Soll ich lernen wie solch „verknöcherte“ Persönlichkeiten mit mangelnder Sozialkompetenz zu dem werden, was sie sind? Das sei vorweggenommen, das lernt man nicht. Denn wie bereits erwähnt: es ist kein Bildungsroman. Lohmark ist, wie sie schon immer war.

Es gibt jedenfalls Grund genug, warum man sich das Lesen des Romans sparen kann. Wäre da nicht, ja, wäre da nicht dieses grandiose Sprachvermögen von Judith Schalansky. Ich habe selten diese Authentizität von Gedanken gelesen, inklusive assoziativer Abschweifungen. Wir sitzen im Kopf von Lohmark. Wir bekommen keine Essenz ihrer Gedanken geliefert, sondern das Rohmaterial. Es hätte eigentlich nur noch gefehlt, dass zwischendurch einfach nur gesummt wird oder die Gedanken kurz ganz weg sind. Diese sprachliche Meisterleistung verbunden mit der präzisen Einfühlung und Beobachtungsgabe von Schalansky (so sie sich denn hoffentlich nicht lediglich selbst beobachtet hat) macht aus einem langweiligen misanthropen Egotrip eines der außergewöhnlichsten weil ambivalentesten Bücher der letzten Jahre.

Cover des Buches Der Hals der Giraffe (ISBN: 9783862311293)
Jorokas avatar

Rezension zu "Der Hals der Giraffe" von Judith Schalansky

Joroka
Wie sie die belebte Welt sieht

So unendlich Vielfältiges kreucht und fleucht in Gottes schöner Schöpfung. Und auch die Flora geizt nicht mit überströmender Verschwendung. Inge Lohmark hat sich der Biologie verschrieben.


Doch im Laufe der vielen Jahre als Lehrerin hat sich ihre Passion verflüchtigt. Und jetzt steht das Ende ihrer beruflichen Laufbahn an, da ihre Schule mangels Schüler geschlossen werden soll.


Schon ihre jetzige Klasse ist umfassend überschaubar. Die Distanz zu ihren Schülern ist ihr immer wichtig gewesen. Sie betrachtet sie wie Studienobjekte und fürchtet sich vor persönlicher Beziehung wie der Teufel das Weihwasser.


Doch jetzt im fortgeschrittenen Alter kommt sie ins Nachdenken und vielleicht sogar zum Umdenken. Ihre einzige Tochter hat sich ihr gänzlich entfremdet. Sie lebt schon lange in den Staaten und die Kontakte zu ihr gestalten sich auf ein Mindestmaß. Als sie statt des eigenen Autos den öffentlichen Bus zu ihrem Arbeitsplatz nimmt, begegnet sie zwangsläufig ihren Schülern und beginnt sich über eine spezielle Schülerin intensivere Gedanken zu machen.....


Der demographische Wandel hinterlässt im Osten langsam aber sicher seine Spuren. Eine Schule muss mangels fehlendem Nachwuchs abgewickelt werden. Was geschieht mit den Lehrern? Der Blick fällt auf eine spezielle, und wir tauchen ein in die Gedankenwelt einer Frau Mitte 50. Sie möchte nicht mehr wechseln, sie möchte einfach ihren Schulalltag fortsetzen, obgleich sie nicht glücklich in ihrem Beruf erscheint. Doch was wäre die Alternative? Zudem in ihrem Alter? Sicherlich stellt sie sich auf den ersten Blick nicht gerade als Sympathieträgerin in den Raum. Zu abwertend ihre Äußerung gegenüber ihrer jungen Mitmenschen. Doch vielleicht könnte dieser emotionale Schutzpanzer durchaus seine Berechtigung haben und ihr spröder Blick auf die Umwelt eine gewachsene Notwendigkeit sein?


Bedenkenswert sind viele ihrer Beobachtungen allemal. Sie lenken die Sichtweise des Lesern auf neue, tendenziell unbekanntere Terrains.


Ich habe gelesen, dass die Autorin des Romans Jahrgang 1980 ist, was ich sicherlich so nicht vermutet hätte, da der Stil der Geschichte mich an den einer langjährig renommierten Schriftstellerin erinnert. Wir aber sicherlich nicht jedermann gefallen.


Das Hörbuch: 4 CDs mit ca. 5 Stunden Laufzeit; charmant gelesen von Dagmar Manzel. Tolle Gestaltung des Pappschubers.


Fazit: Für mich eine Entdeckung!



Gespräche aus der Community

Wer hat den Roman "Der Hals der Giraffe" gelesen? Meinungen?
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1 Beiträge
S
Letzter Beitrag von  SuSanne
Wird just heute um 23.00 Uhr im ZDF bejubelt http://dasblauesofa.zdf.de/ZDFde/inhalt/18/0,1872,8312242,00.html - die Sendung kann man jetzt schon im Netz sehen

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