Der Plot:
Einige der Beispiele für die „Verluste“ sind originell gewählt. Einige kennt man, sind aber aus unserem Leben verdrängt worden. Und das ist gut so. Würde uns alles aus der Vergangenheit allgegenwärtig sein, liefen wir mit einem gehörigen Rucksack durch unser Leben. Die Last wäre erdrückend und würde den Platz für neues einschränken.
Die Charaktere:
Charaktere zu skizzieren ist nicht Schalanskys Stärke. Sie ergeht sich lieber in den Beschreibungen der Örtlichkeiten oder gibt bringt ihre philosophischen Gedanken zu Papier. Selbst Greta Garbo kenne ich besser aus Wikipedias Berichten über das Leben der Schauspielerin, als durch Schalanskys Beschreibungen.
Die Sprache:
Hier liegt eindeutig ihre Stärke. Vor dem Können, Sprache in Worte zu übersetzen, ziehe ich meinen Hut. Der Sprachstil variiert von einem „Verlust“ zum Nächsten. Einmal „verschachtelte“, seitenlange Sätze, dann wieder übersät mit Adjektiven, dass es ein Graus ist. Ich weiß, meine Aussage ist so widersprüchlich wie ihre Textkompositionen. Trotzdem hervorragend.
Die Schauplätze sind detailliert beschrieben, aber lassen keinen Raum für die Fantasie des Lesers, lassen ihn nicht „mitleben“. Dadurch entsteht eine einseitige Kommunikation. Der Leser wird nicht in das Setting gezogen. Andauerndes „tell“ anstelle von „show“. Es kommt mir vor, als würde man einen Film ansehen, dessen Bildern man alles klar gezeichnet ist. Ihre Worte spielen nicht mit der Möglichkeit die Szenen im Kopf des Lesers lebendig werden zu lassen. Damit wird das „Erleben der Geschichte“ sehr erschwert.
Sollte dieser Umstand die Basis der Qualitätsliteratur sein, ohne die Assunzionen des Lesers miteinzubeziehen, so ist das nicht meines.
Natürlich steht dem der Inhalt gegenüber das es um das Thema Verluste geht. Gut, sie muss mich ebenfalls zu den „Verlusten“ zählen, was wie die Geschichte(n) zeigt, auch irgendwie egal ist.
Fazit:
Leider hat das Buch nicht meinen Geschmack getroffen, was durchaus schwer zu sein scheint. – eben Belletristik. Ich gehöre zu der Schicht, die mit einem Text unterhalten werden, oder aus dem ich etwas lerne. Neues hat mir Schalansky nicht gezeigt. Selbst lesbische Männer sind mir nicht fremd - bin ja schließlich selbst lesbisch: Ich stehe auf Frauen! Gendern und sensitive writing ist für mich die Vergewaltigung der Gesellschaft, der Untergang unserer Sprache. Warum gerade Schalansky ihr Riesentalent – nein nicht richtig – ihr Können so vergeudet, verstehe ich nicht.
Mein Urteil: Ein Buch für Leute, die lesen, um des Lesens willen. Die sich gerne mit anscheinend vernünftig klingenden Argumenten einlullen lassen und die sonst keine Sorgen haben, als sich um lesbische Anliegen unterschwellig kredenzen zu lassen. Es lebe die Vulva.























