Der Hals der Giraffe

von Judith Schalansky 
3,8 Sterne bei228 Bewertungen
Der Hals der Giraffe
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (154):
Jennifer081991s avatar

Wunderbare Sprache: Darwins Survival of the Fittest im Klassenzimmer

Kritisch (20):
Seitengeflatters avatar

Sprachlich top. Inhaltlich flop. Mehr Beschreibung als Handlung.

Alle 228 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Der Hals der Giraffe"

Anpassung im Leben ist alles, weiß Inge Lohmark. Schließlich unterrichtet sie seit mehr als dreißig Jahren Biologie. In einer schrumpfenden Stadt in Vorpommern, in einer Schule ohne Kinder, ist sie die letzte ihrer Art.
suhrkamp.pocket: Große Bestseller im kleinen Geschenkbuchformat

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518467909
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:275 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:06.03.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 16.09.2011 bei Der Audio Verlag erschienen.

Videos zum Buch

Rezensionen und Bewertungen

Neu
3,8 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne58
  • 4 Sterne96
  • 3 Sterne54
  • 2 Sterne17
  • 1 Stern3
  • Sortieren:
    Seitengeflatters avatar
    Seitengeflattervor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Sprachlich top. Inhaltlich flop. Mehr Beschreibung als Handlung.
    Mehr Beschreibung als Handlung.

    Ich muss sagen, dass mir dieses Buch gar nicht gefallen hat. Ich habe das ganze Buch über einen tieferen Sinn oder Wendepunkt gesucht. Doch tatsächlich gibt es in diesem Roman keine wirkliche Handlung in Form von einer weiterführenden Geschichte. Es ist mehr eine Bestandsaufnahme. Es werden der Unterricht und der berufliche Alltag in Form eines Bewusstseinsstromes der Lehrerin gezeigt. Das ganze Buch über. Die Situation in der Schule ist wirklich gut wiedergegeben und auch sprachlich super gelöst. Jedoch ist dies nicht was mich persönlich erwartet habe und liegt absolut nicht in meinem Interesse. Für eine einfache Beschreibung des Schulalltags zu ausgeschmückt, für einen Handlungsroman zu statisch.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    consouls avatar
    consoulvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Öde und sprachlich von kaum zu unterbietender Finesse!
    Der Hals der Giraffe von Judith Schlansky

    Worum geht es und wie war es?
    Ehrlich, ich habe schon lange nicht mehr ein solch schlechtes Buch gelesen. Vielleicht lag es daran, dass ich kein Fan von Ein-Wort-Sätzen am laufenden Band bin, vielleicht daran, dass ich die wirren Gedankengänge der Protagonistin strange fand, vielleicht auch daran, dass ich Biologie abgewählt habe in der Schule... keine Ahnung, aber dieses Buch war wirklich nicht mein Fall und jeder, der es gelesen und toll gefunden hat, verzeihe mir, meine absolute Unbedarftheit in Bezug auf dieses literarische Werk... *seufz*
    Inge Lohmark ist Lehrerin im Osten Deutschlands und nach der Wende hat sich alles verändert, denn ihre Schule wird dicht gemacht, weil es nicht mehr genügend Kinder gibt. Aber unsere Inge Lohmark ist auch ein spezieller Fall von Lehrerin, sehr kalt und abweisend und hat ihre vorgefertigte Meinung über alles und jeden... besonders anhängliche Streber kann sie mal gar nicht ab. Aber sie ist auch - so entpuppt es sich allmählich - auch seelisch auf einem merkwürdigen Trip unterwegs... zu viel möchte ich da auch nicht sagen. 
    Der Schreibstil von Judith Schlansky ist allerdings auch alles andere als literaturnobelpreisverdächtig. Lauter abgehakte Gedanken, aber nicht nur hier und da als Stilmittel, enin, ich glaube, Frau Schalansky denkt, dass so geschrieben werden muss, damit es modern und damit besonders literarisch wertvoll ist. Geht mal wirklich überhaupt nicht. Ich habe mich teilweise als Leserin verar**** gefühlt!! Dafür gibt es nur 2 Sterne und eigentlich sind die auch schon zu viel, aber ich habe mich immerhin durchgequält, dafür sollte ich eigentlich 2 Sterne bekommen. Naja. 

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Jennifer081991s avatar
    Jennifer081991vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Wunderbare Sprache: Darwins Survival of the Fittest im Klassenzimmer
    Survival of the Fittest im Klassenzimmer

    Bildungsroman
    Beschrieben werden drei Tage (in drei langen Kapiteln) aus dem Leben der Biologie- und Sportlehrerin Inge Lohmark. Diese sieht sich mit dem Ende ihres Berufslebens konfrontiert, folgt aber ihren Tagesabläufen stur. Ihre Schüler sind für sie austauschbar, denn die unterschiedlichen Schülertypen hat sie im Laufe ihres Lebens immer wieder in gleichen oder ähnlichen Situationen erlebt. Der Schulalltag, die Handlung, die sie schildert, kommt und geht, und verschwimmt meist ganz mit ihren inneren Gedanken.

    Meine Meinung
    Normalerweise mag ich Romane nicht, deren Handlung sich in sehr wenige, dafür sehr lange Kapitel gliedert. Dies ist hier sehr krass, da das Buch nur aus drei Kapiteln besteht, welche die drei Tage schildern. Die Handlung ist zwar chronologisch, allerdings wird sie immer wieder durch innere Gedanken von Frau Lohmark unterbrochen, es gibt Erinnerungsrückblenden oder auch philosophische Fragen über den Sinn des Lebens. Dies ist besonders spannend, weil sie als Biologielehrerin eine sehr starre Sicht auf vieles hat. Alles ist bei ihr evolutionär bedingt, Abweichungen sieht sie nicht. Die Beschreibungen ihrer Schüler oder auch ihrer Lehrkollegen wirken immer sehr abstrakt, sie beschreibt eher Schülertypen als einzelne Individuen. Auch springt die Handlung manchmal um mehrere Stunden, da vor allem ihr Schulalltag und weniger Frau Lohmark als Person beschrieben wird. Durch diese Brüche in der Erzählung konnte ich trotz der langen Kapitel gut pausieren und den Erzählfluss auch nach einigen Tagen ungehindert wieder aufnehmen (das ist es, was mich sonst an langen Kapiteln stört. Wird man unterbrochen, kommt man nur schwer in die Handlung zurück). Ich mochte auch die Sprache, die etwas irgendwie Entrücktes hat.

    "Und was passiert am Ende mit denen?"
    "Die sterben aus." Seine Stimme war sachlich, aber voller Anteilnahme. Wie ein Bestatter.
    "Richtig." Mehr als neunundneunzig Prozent aller Arten, die jemals auf der Erde existiert hatten, waren ausgestorben. Aber alle dachten nur an diese lächerlich großen Vierzigtonner mit tennisballkleinen Gehirnen, die nicht mal imstande waren, ihre Körpertemperatur zu regulieren.
    "Ja, das war ein richtiges Massensterben! Drei Viertel aller Tier- und Pflanzenarten verschwanden. Aber Sie wissen ja: Der Tod des Einen ist die Geburtsstunde des Anderen. Und dass Lebewesen aussterben, ist eines der wichtigsten Merkmale des stammesgeschichtlichen Prozesse." Die Geschichte des Lebens war im Grunde eine Geschichte des Sterbens. Und jeder Krieg, jede Katastrophe der Beginn von etwas Neuem.
    Der Hals der Giraffe, S. 231

    Ich fand es spannend, welche Verwicklungen ihre Gedanken immer wieder nehmen. Besonders, weil dadurch ein solcher Bruch zu der Handlung (sie steht ja meist vor ihrer Schulklasse) entsteht. Was mich eher irritiert hat, war die angedeutete homosexuelle Neigung, die sie zu einer ihrer Schülerinnen entwickelt. Diese wird weder ausgebaut, noch reflektiert Frau Lohmark sie in irgendeiner Form (alles andere wird von ihr immer biologistisch untersucht, hier nicht so). Frau Lohmark entwickelt Gedanken, die sie jedoch nicht in Handlung umwandelt, da sie Konsequenzen bei einer Aufdeckung ihrer Gefühle fürchtet. Ihre Gefühle sind jedoch so subtil, dass sie im Buch selbst eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Vielleicht habe ich aufgrund der Verlagsbeschreibung hier einfach mehr Fokus erwartet. Jedenfalls habe ich immer auf einen Ausbau des Konfliktes gewartet, bzw. auf eine Reflexion durch Frau Lohmark.
    Insgesamt lässt mich das Buch ein wenig ratlos zurück. Die Sprache hat mir, wie gesagt, sehr gefallen und ich mochte auch die Mischung von biologischen Fakten mit philosophischeren Überlegungen. Dennoch hatte ich, die sich entwickelnde Beziehung zu ihrer Schülerin betreffend, etwas mehr erwartet.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    The iron butterflys avatar
    The iron butterflyvor 2 Jahren
    Stillarbeit!

    Inge Lohmark ist Biologielehrerin an einem Gymnasium irgendwo im vorpommerschen Landstrich. Mangels Schülern werden ihre zwölf Schülerinnen und Schüler in vier Jahren den letzten Abiturjahrgang bilden. Aber Inge will sich nicht mit der Fortsetzung ihrer beruflichen Laufbahn an irgendeiner Grundschule beschäftigen. Und doch treibt sie mehr und mehr ihre Lebenssituation um. Ihre Ehe mit Wolfgang, der mittlerweile Strauße züchtet, wirkt eher zweckmäßig als von Gefühlen getragen. Der Kontakt zu ihrer einzigen Tochter ist bereits vor Jahren abgerissen und jetzt da Claudia in den USA wohl ohne weiteres geheiratet hat, scheint sie umso mehr für Inge verloren. Das mag auch daran liegen, dass Inge rein gar nichts von Auslandsreisen hält.

    Aber nicht nur die Beziehung zu ihrer Familie ist so dermaßen unterkühlt, die Distanz zu ihren Schülern pflegt sie regelrecht. Mit eiserner Strenge regiert sie die Unterrichtsstunden und analysiert kontinuierlich ihre Schutzbefohlenen, die sie treffsicher in diverse Katagorien unterteilt. Die Schülerin Erika weckt seltsamerweise ihr Interesse, aber als das introvertierte Mädchen einer Mobbingattacke zum Opfer fällt, greift Lohmark nicht ein…ähnlich einer Situation, als ihre Tochter Claudia vor Jahren in ihrer Klasse war und augenscheinlich auch gemobbt wurde. Inge Lohmark bleibt ihren Prinzipien eisern verpflichtet, schließlich ist sie zu allererst Lehrerin.

    Judith Schalansky besticht mit einer bissigen Innenansicht dieser Inge Lohmark, die man nicht kennenlernen möchte und doch zu kennen scheint. Eine Person, die die Spitze der Evolution symbolisieren möchte und vor Sarkasmus nur so strotzt und alles und jeden um sich herum mit nüchterner Verächtlichkeit bestraft. Diese nicht zusammenhängenden drei Tage im Schuljahr werden vom inneren Monolog der Frau Lohmark bestimmt. So darf der Leser der Protagonistin und ihren Gedanken, denn Gefühle gesteht sich die Biologielehrerin nicht zu, beinahe hautnah kommen. Dabei streift man durch Gegenwart und Vergangenheit, Privatleben und vornehmlich den Unterricht und Schulalltag. Kollegen werden genauso wie Schüler oder Nachbarn mit analytischem Verstand und ohne Gefühlsregung auf die große Schautafel des Lebens geheftet und beurteilt. Beachtlich geschrieben und mit scharfem Verstand strukturiert. Unterteilen sich die Kapitel Naturhaushalte, Vererbungsvorgänge und Entwicklungslehre in zahlreiche Unterkategorien. Immer wieder mit Grafiken aufgelockert, wirkt das Lohmarksche Stakkato schließlich wie ein Schul- oder Lehrbuch. Auf das der Leser sich bildet und entwickelt!

    Kommentare: 3
    48
    Teilen
    franzzis avatar
    franzzivor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Schonungslos. Bissig. Weltklug. Eine Antiheldin, deren Lebensblindheit und als Arroganz getarnte Hilflosigkeit wortgewaltig erzählt wird.
    Der blinde Fleck des Beobachters ist er selbst

    Eine Lehrerin wie aus dem Gruselkabinett. Als hätte Judith Schalansky sie irgendwo verstaubt in der Ecke einer alten DDR-Plattenbau-Schule entdeckt. Längst vergessen wie die alten, gemalten Schaubilder auf Leinwand und die Einführung in die sozialistische Produktion. Einfach aus der Zeit gefallen. Von ihr überholt. Vergessen. Verstaubt. Diese Lehrerin, die irgendwie die Wende nur auf dem Papier hinter sich gebracht hat, ist die Anti-Heldin in Judith Schalanskys „Bildungsroman“. 


    Der heißt in echt „Der Hals der Giraffe“ und hat einiges zu bieten. Schon rein formal und optisch. Vollgestopft mit Abbildungen von Vogelflügen, Qualleninnenleben, Embryostadien, Vererbungsschemata, alles dreht sich um Biologie, klar, weil sich auch Inge Lohmarks Denken nur um Biologie dreht. Das ist ihr Fach, das der Lohmark, in einem Gymnasium, das passenderweise Darwin-Gymnasium heißt und das, haha, aussterben wird. Es hat sich nämlich die falsche Ecke von Deutschland ausgesucht, um zu den Gewinnern der Bildungsevolution zu gehören. Es liegt in der ostdeutschen Pampa, wo der Wegzug das einzig Dynamische ist, das die Region noch prägt. Keine Kinder mehr, keine Zukunft für die Schule. Ausgedarwint. 

    Ende des Lebensraums.

    Anpassung, Frau Lohmark, Anpassung oder Untergang. Dass Frau Lohmark nicht zu den Fitten gehört, die diese Anpassungsleistung an die sich verändernde Welt vollbringen, wird dem Leser binnen weniger Seiten klar. Sie erkennt nur das Versagen der anderen. Sie bleibt auf ihrem alten Standpunkt stehen, guckt von dort verkniffen in die Welt, bewirft sie mit Häme und hält das für einen Schutzmantel.


    Sie kategorisiert alles in ihr Lehrwissen. Wenn die Welt um sie herum in eine Schublade passt, in ein Naturgesetz, dann hat Inge Lohmark sie auch im Griff. Die durchkategorisierten Schüler, die sie hasst (was, fast schon naturgesetzgleich auf Gegenseitigkeit beruht), die besserwisserischen Kollegen, der entfremdete Mann, die verlorene Tochter, der Wendeverlierernachbar, die verschüttete Vergangenheit. Alles passt in Schemata, allem kann man einen klugen Begriff aus der Biologie aufpfropfen. Alles sezieren, analysieren, zerlegen; dann tut es nicht weh, dann bleibt die forschende Distanz des Wissenschaftlers erhalten, dann bleibt der Selbsterhaltungstrieb der Frau Lohmark bestehen. Allein, Lohmark vergisst ein Naturgesetz: Der blinde Fleck des Beobachters ist er selbst. Sie sieht nicht, dass sie selbst längst aus allen Schubladen gefallen ist.

    Sie ist die letzte ihrer Art. 


    Sie passt nicht mehr in das Schulsystem, ihre Methoden sind seit der tiefsten DDR unverändert, ihre Anpassungsleistung gleich null. Sie benimmt sich wie die Strauße, die sich ihr Mann inzwischen als Hobby hält: Inge Lohmark verkriecht sich in ihren Kategoriekisten in dem Irrglauben, niemand könne sie sehen. Wenn nur ihre Weltsicht in Ordnung sei, könne die Welt sie nicht anders sehen. Und so lange sie die Distanz wahrt, bleibt der Schmerz wo er hingehört, nämlich weg. Bleibt alles dort, wohin sie ihre Erinnerungen, ihre Träume und Ziele von einst verbuddelt hat: weit, weit weg. 

     Ein kluges Buch. Witzig, steht auf dem Klappentext – bissig trifft es wohl eher. Gewaltig ist es. Schonungslos. Es dekonstruiert die Denkfehler des Alltags an einer Frau, der man keine Rettung wünschen kann, weil sie selbst niemanden retten will. Am wenigsten sich selbst.

    Kommentare: 3
    17
    Teilen
    J
    jahfabyvor 3 Jahren
    Erst Begeisterung, dann Ernüchterung und am Ende Enttäuschung.


    Ein Buch über eine Lehrerin in einer Schule, die in vier Jahren schließt, weil es in der Gegend nicht genügend Kinder gibt. Ein spannendes Thema, ein toller Titel und sehr schön gelayoutet.

    Also her damit. Die ersten Seiten spannend und ich will weiterlesen über diese Lehrerin und was ihr passiert in dieser Schule. Aber nach kurzer Zeit setzt dann Ernüchterung ein, denn es passiert eigentlich gar nichts. Der Roman beschreibt drei Tage aus dem Leben von Inge Lohmark, etwa über ein halbes Jahr verteilt und diese sind eher ein Stillleben, als eine Geschichte. Und der nüchterne, zackige und immer wieder zynische Ton, der anfangs noch fasziniert hat, zieht sich durch, verliert aber schnell an Reiz.

    Wäre Inge Lohmark eine Person an einem Tisch mit mir, die mir diese Geschichte erzählt, irgendwann wäre ich gegangen, weil es mich nicht interessiert. 

    Was wirklich Schade ist, den sowohl dem Cover, dem Satz und den Illustrationen im Buch sieht man an, mit wieviel Liebe sie gemacht sind, Judith Schalansky hat das Glück, selbst Buchgestalterin zu sein und ihre Bücher selber machen zu können und zu dürfen. Es ist ein unglaublich schönes Buch und die ersten Seiten der Geschichte machen mich begeistert. Nur dann setzte Ernüchterung ein und am Ende war ich enttäuscht. So sehr, dass es einen Schatten auf das ganze Buch wirft.
    Die allgemeine Rezeption scheint eine andere zu sein, und das ist das Schöne an Meinungen, dass jeder eine Andere hat. Mein Buch war es nicht.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    dominonas avatar
    dominonavor 4 Jahren
    So will man später nicht werden!

    Als Biologielehrerin im Fach aufzugehen ist sicher nicht verkehrt, aber bitte nicht so. Sich die Brutalität der Natur so zu eigen machen, dass man weder mit Schulkindern noch mit seinem eigenen Kind Mitleid hat, Empathie gar nicht an sich heran lässt und dabei nicht merkt, wie man selbst verkrüppelt. Nur um ein autoritäres Bild aufrecht zu halten.
    Die Art, wie die Protagonistin die Schulkinder charakterisiert und sich über Kollegen auslässt, ist regelrecht widerwärtig. Nur bei der Beschreibung biologischer Vorgänge und Verfahrensweisen lässt sie in ihrem Sinne Gnade walten. Das Buch wirkt beklemmend. Ich habe mir die ganze Zeit gesagt: so kann ein Mensch doch nicht wirklich denken, aber wahrscheinlich wird es auch das geben. Gruselig, ganz gruselig.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    fraeuleinbuecherwalds avatar
    fraeuleinbuecherwaldvor 5 Jahren
    Ein Buch, auf das man sich einlassen muss

    Die ersten 10 Seiten dieses Buches war ich wie vor den Kopf gestoßen. „Das ist doch Verarschung“, schoss mir durch den Kopf.

    Die nächsten 10 Seiten dieses Buches dachte ich an Satire.

    Ab der 21. Seite wusste ich: diese Hauptperson, diese Inge Lohmark, meint das ernst.

    Sehr ernst sogar. Die alternde Biologielehrerin aus dem vorpommerschen Hinterland unterrichtet tagein, tagaus an einer Dorfschule. Nun soll die Schule in vier Jahren geschlossen werden, die 9. Klasse, die sie unterrichtet wird die letzte ihrer Art sein.

    Aber über die Zukunft will Inge Lohmark noch nicht nachdenken.

    Stattdessen werden drei Tage ihres Lebens geschildert. (Einer im September, kurz nach Schuljahresbeginn, einer im November, einer im März).

    Ihr Leben vor der Schulklasse, vor der sie ihre knallharten Prinzipien durchsetzt. Gefühle kennt Inge Lohmark nicht, ganz die Biolehrerin glaubt sie an das Recht des Stärkeren. Auch im Sportunterricht setzt sie auf Konkurrenzverhalten zwischen den Schülern.

    Doch dumm oder gänzlich unsympathisch wirkt sie dabei nicht. Eher analysiert sie messerscharf die Eigenheiten ihrer Schüler, spielt damit und ordnet sie in ihr eigenes kleines Biosystem ein.

    Für ihre Kollegen hat sie lediglich Verachtung übrig, ebenso für ihren Ehemann, der in der DDR früher Kühe besamt hat und heute Straße züchtet. Zu sagen haben sie sich nichts mehr.

    Mit der Zeit entwickelt Inge Lohmark so etwas wie Gefühle für eine ihrer Schülerinnen. Diese Gefühle (die man in keinster Weise mit etwas wie Liebe gleichsetzen kann) scheinen sie so zu überfordern, dass sie stetig andauernd über ihre Tochter nachdenkt, die den Kontakt zu ihr abgebrochen zu haben scheint. Selbst über ihre Heirat wird sie lediglich per E- Mail informiert.

    Es stellt sich heraus, dass sie nicht in der Lage war, ihrer Tochter mütterliche Gefühle entgegenzubringen, sie sogar, als sie von der Klasse (die Inge Lohmark unterrichtet hat!) aufs Heftigste gemobbt wurde, im Stich gelassen hat.

    Die Geschichte wiederholt sich: auch eines der Mädchen aus ihrer Klasse wird von den anderen Schülern drangsaliert und misshandelt. Inge Lohmark fühlt sich nicht zuständig – das Ende bleibt offen.

    Es fällt schwer, sich eine Meinung über dieses Buch zu bilden. Sagt man, man findet es gut, muss man zwangsläufig auch Inge Lohmarks Lebensanschauung gutheißen. Sagt man, man findet das Buch schlecht, wird man dem hervorragenden Stil und Sprachniveau der Autorin nicht gerecht. Die kurzen, klaren Sätze, die unendlichen Vergleiche mit der Biologie, all das ist herausragend für eine so junge Autorin (31 Jahre beim Erscheinungsdatum).

    Über den Biologieunterricht und seine Inhalte kommt Inge Lohmark in einer Art Bewusstseinsstrom immer wieder zu den essentiellen Dingen des Lebens, die sie ihrem Leser auf ihre Weise erklärt.

    Das ganze Buch wirkt dabei etwas wie eine Antithese – eine Umkehrung der Wirklichkeit in eine Wirklichkeit, wie sie nicht sein sollte. Trotzdem kann man wahrscheinlich unzählige Lehrer mit in diesen Pott schmeißen und der Wahrheitsgehalt und das Identifikationspotential ist erschreckend hoch. Auch ich habe ein paar Mal herzlich gelacht und gedacht: „Hätte ich so niemals gesagt. Aber stimmt schon.“

    Judith Schalansky ist auf jeden Fall die Überraschung dieses Monats. Und ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob dieses Buch mein Lieblingsbuch des Monats oder mein Hassbuch des Monats werden soll.

    Und so zu polarisieren – das muss man erstmal schaffen. Der Daumen geht ganz klar nach oben!

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    zachines avatar
    zachinevor 5 Jahren
    Traurig!

    Traurig! Wie erlebt eine völlig verknöcherte, gefühllose Frau die Welt? Hat wirklich ihr Lehrerinnen-Dasein in der Schule sie dazu gemacht? - Als sie ein Mädchen interessant findet, interpretiert sie das sofort als Pädophilie, so unnatürlich erscheint ihr Sympathie. Doch nichts kann ihre Einsamkeit durchbrechen, das Mädchen selbst hat kein Interesse an ihr.

    Mich erinnert die Figur an Elfriede Jelineks Frauengestalten.

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    dicketillas avatar
    dicketillavor 5 Jahren
    Ein Schwarm auf dem Weg zum Klassenziel

    Inge Lohmark unterrichtet an ihrer Schule Biologie .
    Einer Schule die kurz vor der Schließung steht in ihrem vorpommerschen Hinterland , wie sie es nennt , in der das Ackerkraut bis auf den Marktplatz wächst, mit seiner erstaunlichen Artenvielfalt .
    “ Eine wuchernde Eingemeindung, eine friedliche Revolution.
    Blühende Landschaften “ ( S. 71 )
    Ihre Kollegin , die sich von ihren Schülern duzen lässt ,
    und die Bankreihen im Kreis aufstellt ,hält sie für lächerlich .
    Nein sie siezt ihre Schüler seid der neunten Klasse , und Gefühle ihnen gegenüber hält sie für unnötig .
    Schließlich sitzen teilweise Versager vor ihr, die es im Leben niemals zu etwas bringen werden . Warum sollte man sie dann auch ermutigen , haben sie doch wenig Chancen, und Harz IV wartet schon.
    Sie unterrichtet die 9. Klasse, gerade mal noch aus 12 Schülern bestehend, nach dem Abi ist Schluss, für sie und die Schule .
    Ihr Mann betreibt eine Straußenzucht ,die noch etwas Leben in die örtliche Berichterstattung der Lokalzeitung bringt, und er voller Optimismus betreibt . Die Tochter lebte in Amerika, und ihre Lebenszeichen wurden auch immer weniger . Manchmal weiß sie gar nicht mehr, dass sie eine Tochter hat . Bis ihr eine Schülerin auffällt, und sie plötzlich Gefühle in sich verspürt, einer anderen Schülerin bei deren Mobbing nicht zur Seite steht .

    Kapitel in Naturhaushalte , Vererbungsvorgänge , Entwicklungslehre geteilt , erzählen von drei Tagen im Leben der Lehrerin .
    Es ist ein bissiges Buch . Sarkastische Beobachtungen , begleitet von fast schon harten Bemerkungen , aber beim genauen eintauchen in die Geschichte von vielen Wahrheiten begleitet . Aber auch voller Humor gespickt, der oft zum Schmunzeln anregt . Einer Biologielehrerin eigen, werden viele Zusammenhänge in einer Detailtreue vermittelt, die schon an Faszination grenzen , von einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe. Dazu noch die wunderbaren Zeichnungen, die diese kleine ich Leinen gebundene Buch zusätzlich aufwerten .
    Judith Schalansky geht kritisch mit dem Leben in der DDR , und dem Leben nach der Wende um . Ihrem Alter nach , begleitete sie nicht lange das DDR Schulsystem , dennoch sind viele Details sehr gut recherchiert , und zeigen eine Lehrerin, die nach Jahren der Anpassung , schwer zu Veränderungen und Neuanfang bereit ist .


    Es sind die Giraffen, die sich der Natur angepasst haben .
    Ihre langen Hälse immer länger reckten, um ein noch so vertrocknetes Blatt zu erreichen . Und schließlich sind es die Angepassten, die zur Erhaltung ihrer Art beitragen .

    Eine junge Autorin, die ein hervorragendes Buch für uns geschrieben hat !






    Kommentare: 3
    34
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks