Judith Schalansky Der Hals der Giraffe

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Inhaltsangabe zu „Der Hals der Giraffe“ von Judith Schalansky

Anpassung im Leben ist alles, weiß Inge Lohmark. Schließlich unterrichtet sie seit mehr als dreißig Jahren Biologie. In einer schrumpfenden Stadt in Vorpommern, in einer Schule ohne Kinder, ist sie die letzte ihrer Art. suhrkamp.pocket: Große Bestseller im kleinen Geschenkbuchformat

Wunderbare Sprache: Darwins Survival of the Fittest im Klassenzimmer

— Jennifer081991
Jennifer081991
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    Der Hals der Giraffe
    Jennifer081991

    Jennifer081991

    09. June 2017 um 09:29

    BildungsromanBeschrieben werden drei Tage (in drei langen Kapiteln) aus dem Leben der Biologie- und Sportlehrerin Inge Lohmark. Diese sieht sich mit dem Ende ihres Berufslebens konfrontiert, folgt aber ihren Tagesabläufen stur. Ihre Schüler sind für sie austauschbar, denn die unterschiedlichen Schülertypen hat sie im Laufe ihres Lebens immer wieder in gleichen oder ähnlichen Situationen erlebt. Der Schulalltag, die Handlung, die sie schildert, kommt und geht, und verschwimmt meist ganz mit ihren inneren Gedanken.Meine MeinungNormalerweise mag ich Romane nicht, deren Handlung sich in sehr wenige, dafür sehr lange Kapitel gliedert. Dies ist hier sehr krass, da das Buch nur aus drei Kapiteln besteht, welche die drei Tage schildern. Die Handlung ist zwar chronologisch, allerdings wird sie immer wieder durch innere Gedanken von Frau Lohmark unterbrochen, es gibt Erinnerungsrückblenden oder auch philosophische Fragen über den Sinn des Lebens. Dies ist besonders spannend, weil sie als Biologielehrerin eine sehr starre Sicht auf vieles hat. Alles ist bei ihr evolutionär bedingt, Abweichungen sieht sie nicht. Die Beschreibungen ihrer Schüler oder auch ihrer Lehrkollegen wirken immer sehr abstrakt, sie beschreibt eher Schülertypen als einzelne Individuen. Auch springt die Handlung manchmal um mehrere Stunden, da vor allem ihr Schulalltag und weniger Frau Lohmark als Person beschrieben wird. Durch diese Brüche in der Erzählung konnte ich trotz der langen Kapitel gut pausieren und den Erzählfluss auch nach einigen Tagen ungehindert wieder aufnehmen (das ist es, was mich sonst an langen Kapiteln stört. Wird man unterbrochen, kommt man nur schwer in die Handlung zurück). Ich mochte auch die Sprache, die etwas irgendwie Entrücktes hat."Und was passiert am Ende mit denen?""Die sterben aus." Seine Stimme war sachlich, aber voller Anteilnahme. Wie ein Bestatter."Richtig." Mehr als neunundneunzig Prozent aller Arten, die jemals auf der Erde existiert hatten, waren ausgestorben. Aber alle dachten nur an diese lächerlich großen Vierzigtonner mit tennisballkleinen Gehirnen, die nicht mal imstande waren, ihre Körpertemperatur zu regulieren."Ja, das war ein richtiges Massensterben! Drei Viertel aller Tier- und Pflanzenarten verschwanden. Aber Sie wissen ja: Der Tod des Einen ist die Geburtsstunde des Anderen. Und dass Lebewesen aussterben, ist eines der wichtigsten Merkmale des stammesgeschichtlichen Prozesse." Die Geschichte des Lebens war im Grunde eine Geschichte des Sterbens. Und jeder Krieg, jede Katastrophe der Beginn von etwas Neuem.Der Hals der Giraffe, S. 231Ich fand es spannend, welche Verwicklungen ihre Gedanken immer wieder nehmen. Besonders, weil dadurch ein solcher Bruch zu der Handlung (sie steht ja meist vor ihrer Schulklasse) entsteht. Was mich eher irritiert hat, war die angedeutete homosexuelle Neigung, die sie zu einer ihrer Schülerinnen entwickelt. Diese wird weder ausgebaut, noch reflektiert Frau Lohmark sie in irgendeiner Form (alles andere wird von ihr immer biologistisch untersucht, hier nicht so). Frau Lohmark entwickelt Gedanken, die sie jedoch nicht in Handlung umwandelt, da sie Konsequenzen bei einer Aufdeckung ihrer Gefühle fürchtet. Ihre Gefühle sind jedoch so subtil, dass sie im Buch selbst eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Vielleicht habe ich aufgrund der Verlagsbeschreibung hier einfach mehr Fokus erwartet. Jedenfalls habe ich immer auf einen Ausbau des Konfliktes gewartet, bzw. auf eine Reflexion durch Frau Lohmark.Insgesamt lässt mich das Buch ein wenig ratlos zurück. Die Sprache hat mir, wie gesagt, sehr gefallen und ich mochte auch die Mischung von biologischen Fakten mit philosophischeren Überlegungen. Dennoch hatte ich, die sich entwickelnde Beziehung zu ihrer Schülerin betreffend, etwas mehr erwartet.

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