Der Hals der Giraffe

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Inhaltsangabe zu „Der Hals der Giraffe“ von Judith Schalansky

Anpassung ist alles, weiß Inge Lohmark. Schließlich unterrichtet sie seit mehr als dreißig Jahren Biologie. Daß ihre Schule in vier Jahren geschlossen werden soll, ist nicht zu ändern – in der schrumpfenden Kreisstadt im vorpommerschen Hinterland fehlt es an Kindern. Lohmarks Mann, der zu DDR-Zeiten Kühe besamt hat, züchtet nun Strauße, ihre Tochter Claudia ist vor Jahren in die USA gegangen und hat nicht vor, Kinder in die Welt zu setzen. Alle verweigern sich dem Lauf der Natur, den Inge Lohmark tagtäglich im Unterricht beschwört. Als sie Gefühle für eine Schülerin der 9. Klasse entwickelt, die über die übliche Haßliebe für die Jugend hinausgehen, gerät ihr biologistisches Weltbild ins Wanken. Mit immer absonderlicheren Einfällen versucht sie zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Nach dem gefeierten »Atlas der abgelegenen Inseln« schreibt Judith Schalansky einen Roman. Darin kämpft eine Biologielehrerin für die Einhaltung der Naturgesetze, verrenkt sich den Hals nach unerreichbaren Früchten und fällt am Ende vom Glauben an Gott Darwin ab. Schauplatz der Geschichte ist eine der irrwitzigsten Anstalten dieser Welt: die Schule.

bitterböse, sprachgewaltig, hervorragend

— annehahn
annehahn

Interessantes Buch das ich gerne gelesen habe.

— Kleines91
Kleines91

Ich habe sehr viel gelacht! Großartiges Buch für zwischendurch.

— DerMichel
DerMichel

Prima, ich fühle mich schon viel optimistischer, so als Lehrerin.

— CoCo_79
CoCo_79

Schonungslos. Bissig. Weltklug. Eine Antiheldin, deren Lebensblindheit und als Arroganz getarnte Hilflosigkeit wortgewaltig erzählt wird.

— franzzi
franzzi

Konnte mich für den Schreibstil und die Geschichte irgendwie nicht so recht erwärmen.

— fcbfrosch
fcbfrosch

Anfangs fand ich es ja noch lustig, aber irgendwie tut mir die Frau leid und es macht keinen Spaß so viel Resignation Frustration zu lesen.

— Rabenprinzessin
Rabenprinzessin

schönes buch über das aussterben von menschen und regionen. dabei witzig, unterhaltsam und intelligent

— Borkins
Borkins

Bitterböse und entlarvend - ein kurzweiliges Lesevergnügen der besonderen Art, auch wegen der schönen Aufmachung des Buches!

— Saari
Saari

Ich hatte mir leider mehr versprochen. Ganz gut, aber nicht so herausragend, wie angekündigt.

— IrgendwieJuna
IrgendwieJuna

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  • Regenbogen-Bücher-Challenge 2016

    Regenbogentänzer
    BlueSunset

    BlueSunset

    Regenbogen-Bücher-Challenge 2016Hallo liebe Lesebegeisterte! Euch ist die Buchwelt zu trist? Kein Problem, wir helfen euch! Lest zusammen mit uns einen Regenbogen, damit das Jahr 2016 bunt und fröhlich wird! Ihr wollt dem Regenbogen noch einen Topf voll Gold verpassen? Das ist eine Herausforderung, aber auch die kann gemeistert werden!Wie auch in den vergangenen Jahren findet die Regenbogen-Challenge hier auf Lovelybooks statt. Das Besondere an dieser Challenge ist, dass wir hier nicht nur Bücher mit bestimmten Farben lesen, sondern auch die Herausforderung suchen und zusätzliche Aufgaben bearbeiten. Neugierig? Es gibt keine Anmeldefrist und ihr könnt jederzeit einsteigen! Allerdings wird nur die aktuelle Monatsaufgabe bearbeitet. Ihr braucht euch nicht über das Bewerbungsformular hier anzumelden. Erstellt einfach einen Sammelbeitrag in dem zugehörigen Unterthema. Die RegelnJeden Monat steht eine andere Farbe im Zentrum. Lest ein Buch dessen Cover zu mehr als 2/3 aus dieser Farbe besteht. Es gibt zudem noch Jahresaufgaben: Für diese Aufgaben habt ihr das ganze Jahr Zeit. Diese Aufgaben können nur mit Büchern der Monatsfarbe gelöst werden. Pro Buch kann eine Jahresaufgabe bearbeitet werden. Jeder der 6 Aufgaben sollte EINMAL gelöst werden (mehrfach gibt keine Punkte).Dann gibt es auch noch die Herausforderung!Jeden Monat gibt es eine Herausforderung, die gelöst werden sollte. Die Aufgabe wird einen Monat vorher angekündigt, sodass ihr Zeit habt ein passendes Buch zu finden. Die Herausforderung kann nur im jeweiligen Monat erfüllt werden! Eine Besonderheit ist, dass ihr diese Aufgabe auch mit einem zusätzlichen Buch, das nicht der Monatsfarbe entspricht, lösen könnt. Bitte verlinkt in eurem Sammelbeitrag auch eure Rezension oder den Lesestatus (mit Kurzmeinung). Es besteht keine Rezensionspflicht, aber ich möchte gerne einen "Nachweis" sehen, dass ihr das Buch gelesen habt. Eine Kurzmeinung reicht da. Es dürfen alle Bücher gelesen werden: vom SuB, neu gekauft, ausgeliehen, eBook und auch Hörbücher. Allerdings sollten die Bücher eine Mindestlänge von 80 Seiten haben! Manga, Comic und Graphic Novels zählen nicht!Die AufgabenMonatsfarben:Januar: SchwarzFebruar: BraunMärz: Gelb April: OrangeMai: RotJuni: Lila / Rosa / PinkJuli: BlauAugust: Metallic / Gold / Silbern / GlitzerSeptember: WeißOktober: TürkisNovember: GrünDezember: BuntJahresaufgaben (nur mit dem Buch der richtigen Farbe zu erfüllen! Und jeweils nur 1x)Lese ein Buch, ……des Genres Fantasy oder Historisch oder Krimi....des Genres Liebesroman oder Thriller oder Dystopie…von einem Debütautor…das verfilmt wurde…das weniger als 300 Seiten hat…das mehr als 500 Seiten hat.► Hinweis zu "Debütautor": Hierbei beziehen wir uns auf den Autor und nicht auf das Buch. Das heißt der Autor hat zu dem Zeitpunkt, wenn ihr das Buch lest, nur dieses eine Buch veröffentlicht. Es darf sich auch nicht um ein Pseudonym eines Autors handeln, der bereits Bücher veröffentlicht hat. Sollte ein weiteres Buch des Autor bereits angekündigt sein, so kann dieser trotzdem gezählt werden, solange ihr das Buch tatsächlich vor dem Erscheinungstermin seines zweiten Buches erscheint. ► Hinweis zu Verfilmungen: Es zählen alle Bücher, die bereits als Serie oder Film verfilmt wurden oder 2016 ausgestrahlt werden (also so wie z.B. "ein ganzes halbes Jahr", "Girl on the Train", "Die Bestimmung 3", ...) . Bitte das Erscheinungsdatum angeben!Hier werden nach und nach die Monatsaufgaben/Herausforderungen gepostet:Januar: Lese ein Buch mit einer Stadt oder einem Haus auf dem CoverFebruar: Lese ein Buch mit 4 oder mehr Wörtern im Titel. Untertitel zählen auch. März: Lese ein Buch mit Blumen oder Blüten auf dem Cover.April: Lese ein Buch, dessen Titel kursiv oder in GROßSCHRIFT ist. Mai: Lese ein Buch, dessen Handlung außerhalb Deutschlands, den USA und Großbritannien stattfindet. Punkte Hast du ein Buch mit der Monatsfarbe gelesen? Ja =1 PunktHast du die Herausforderung erfüllt? Ja, mit dem gleichen Buch, wie die Farbe = 2 Punkte. Ja, aber ich habe ein anderes Buch dafür genommen = 1 PunktHast du eine Jahresaufgabe erfüllt? Ja = 1 Punkt(In manchen Monaten wird es möglich sein zusätzliche Punkte zu sammeln)Am Ende des Jahres wird ein/e Gewinner/in ermittelt. Teilnehmer: Neue Regel: Falls ihr in einem Monat die Aufgaben nicht geschafft habt, schreibt das bitte dazu. Sollte ich 2 Monate in Folge keine Änderung eures Beitrages sehen wird in dieser Liste >inaktivWICHTIG Ihr habt jeweils bis zum 3. des Folgemonats Zeit eure Bücher und Links einzutragen. Anschließend mache ich die Monatsauswertung und trage die Punkte in meine Tabelle ein. Alles was noch später eingetragen wird kann erst bei der nächsten Wertung berücksichtigt werden. Wichtig bei der Rezension/Lesestatus (inkl. Kurzmeinung) ist mir, dass ich sehe, dass ihr das Buch wirklich gelesen habt, zusätzlich kann ich da sehen, wann das Buch gelesen wurde. Solltet ihr also einen Monat versäumt haben, eure Links einzutragen ist das nicht so wild, solange ich sehen kann, dass das Buch trotzdem im richtigen Monat gelesen wurde.  STAND: JuniAnendien ........................ 14 Annlu  .............................. 24 ban-aislingeach  ............. 18BlueSunset ....................  11BookW0nderland .......... 23Buchgespenst  ............... 21 _Buchliebhaberin_ ......... 12 {INAKTIV} christarira ......12 ChubbChubb  ................. 16Code-between-lines ...... 21 ConnyKathsBooks ......... 19 czytelniczka73 ................ 23 {INAKTIV}DasBuchmonster .....1dia78 ............................... 11 fairybooks ...................... 11 Igela ................................ 16 {INAKTIV}janaka ..............7jenvo82 ........................... 17JuliB ................................. 21LadySamira091062 ....... 16Lesebiene27 ................... 15 Lisa11 .............................. 21{INAKTIV} littlebanshee ... 4Luzi92 .............................. 22louella2209 ..................... 21mabuerele ...................... 15{INAKTIV} MalinaIda ........8mareike91 ....................... 18marpije ............................ 23MissSnorkfraeulein ....... 17Mrs_Nanny_Ogg ............. 17PMelittaM ........................ 20QueenSize ........................ 21rainbowly ......................... 16Sansol ............................... 22schafswolke ..................... 17{INAKTIV} sternblut ..........11SomeBody ....................... 17suggar .............................. 16sursulapitschi ................. 18Tatsu ................................ 11Thalathiel ......................... 13Vucha ................................ 22Wolly ................................. 12

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    • 1354
  • Der blinde Fleck des Beobachters ist er selbst

    Der Hals der Giraffe
    franzzi

    franzzi

    Eine Lehrerin wie aus dem Gruselkabinett. Als hätte Judith Schalansky sie irgendwo verstaubt in der Ecke einer alten DDR-Plattenbau-Schule entdeckt. Längst vergessen wie die alten, gemalten Schaubilder auf Leinwand und die Einführung in die sozialistische Produktion. Einfach aus der Zeit gefallen. Von ihr überholt. Vergessen. Verstaubt. Diese Lehrerin, die irgendwie die Wende nur auf dem Papier hinter sich gebracht hat, ist die Anti-Heldin in Judith Schalanskys „Bildungsroman“. Der heißt in echt „Der Hals der Giraffe“ und hat einiges zu bieten. Schon rein formal und optisch. Vollgestopft mit Abbildungen von Vogelflügen, Qualleninnenleben, Embryostadien, Vererbungsschemata, alles dreht sich um Biologie, klar, weil sich auch Inge Lohmarks Denken nur um Biologie dreht. Das ist ihr Fach, das der Lohmark, in einem Gymnasium, das passenderweise Darwin-Gymnasium heißt und das, haha, aussterben wird. Es hat sich nämlich die falsche Ecke von Deutschland ausgesucht, um zu den Gewinnern der Bildungsevolution zu gehören. Es liegt in der ostdeutschen Pampa, wo der Wegzug das einzig Dynamische ist, das die Region noch prägt. Keine Kinder mehr, keine Zukunft für die Schule. Ausgedarwint. Ende des Lebensraums.

    Anpassung, Frau Lohmark, Anpassung oder Untergang. Dass Frau Lohmark nicht zu den Fitten gehört, die diese Anpassungsleistung an die sich verändernde Welt vollbringen, wird dem Leser binnen weniger Seiten klar. Sie erkennt nur das Versagen der anderen. Sie bleibt auf ihrem alten Standpunkt stehen, guckt von dort verkniffen in die Welt, bewirft sie mit Häme und hält das für einen Schutzmantel.Sie kategorisiert alles in ihr Lehrwissen. Wenn die Welt um sie herum in eine Schublade passt, in ein Naturgesetz, dann hat Inge Lohmark sie auch im Griff. Die durchkategorisierten Schüler, die sie hasst (was, fast schon naturgesetzgleich auf Gegenseitigkeit beruht), die besserwisserischen Kollegen, der entfremdete Mann, die verlorene Tochter, der Wendeverlierernachbar, die verschüttete Vergangenheit. Alles passt in Schemata, allem kann man einen klugen Begriff aus der Biologie aufpfropfen. Alles sezieren, analysieren, zerlegen; dann tut es nicht weh, dann bleibt die forschende Distanz des Wissenschaftlers erhalten, dann bleibt der Selbsterhaltungstrieb der Frau Lohmark bestehen. Allein, Lohmark vergisst ein Naturgesetz: Der blinde Fleck des Beobachters ist er selbst. Sie sieht nicht, dass sie selbst längst aus allen Schubladen gefallen ist.

    Sie ist die letzte ihrer Art. Sie passt nicht mehr in das Schulsystem, ihre Methoden sind seit der tiefsten DDR unverändert, ihre Anpassungsleistung gleich null. Sie benimmt sich wie die Strauße, die sich ihr Mann inzwischen als Hobby hält: Inge Lohmark verkriecht sich in ihren Kategoriekisten in dem Irrglauben, niemand könne sie sehen. Wenn nur ihre Weltsicht in Ordnung sei, könne die Welt sie nicht anders sehen. Und so lange sie die Distanz wahrt, bleibt der Schmerz wo er hingehört, nämlich weg. Bleibt alles dort, wohin sie ihre Erinnerungen, ihre Träume und Ziele von einst verbuddelt hat: weit, weit weg.  Ein kluges Buch. Witzig, steht auf dem Klappentext – bissig trifft es wohl eher. Gewaltig ist es. Schonungslos. Es dekonstruiert die Denkfehler des Alltags an einer Frau, der man keine Rettung wünschen kann, weil sie selbst niemanden retten will. Am wenigsten sich selbst.

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    • 4
  • Erst Begeisterung, dann Ernüchterung und am Ende Enttäuschung.

    Der Hals der Giraffe
    jahfaby

    jahfaby

    17. May 2015 um 13:47

    Ein Buch über eine Lehrerin in einer Schule, die in vier Jahren schließt, weil es in der Gegend nicht genügend Kinder gibt. Ein spannendes Thema, ein toller Titel und sehr schön gelayoutet.Also her damit. Die ersten Seiten spannend und ich will weiterlesen über diese Lehrerin und was ihr passiert in dieser Schule. Aber nach kurzer Zeit setzt dann Ernüchterung ein, denn es passiert eigentlich gar nichts. Der Roman beschreibt drei Tage aus dem Leben von Inge Lohmark, etwa über ein halbes Jahr verteilt und diese sind eher ein Stillleben, als eine Geschichte. Und der nüchterne, zackige und immer wieder zynische Ton, der anfangs noch fasziniert hat, zieht sich durch, verliert aber schnell an Reiz.Wäre Inge Lohmark eine Person an einem Tisch mit mir, die mir diese Geschichte erzählt, irgendwann wäre ich gegangen, weil es mich nicht interessiert. Was wirklich Schade ist, den sowohl dem Cover, dem Satz und den Illustrationen im Buch sieht man an, mit wieviel Liebe sie gemacht sind, Judith Schalansky hat das Glück, selbst Buchgestalterin zu sein und ihre Bücher selber machen zu können und zu dürfen. Es ist ein unglaublich schönes Buch und die ersten Seiten der Geschichte machen mich begeistert. Nur dann setzte Ernüchterung ein und am Ende war ich enttäuscht. So sehr, dass es einen Schatten auf das ganze Buch wirft.Die allgemeine Rezeption scheint eine andere zu sein, und das ist das Schöne an Meinungen, dass jeder eine Andere hat. Mein Buch war es nicht.

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  • So will man später nicht werden!

    Der Hals der Giraffe
    dominona

    dominona

    19. October 2014 um 15:59

    Als Biologielehrerin im Fach aufzugehen ist sicher nicht verkehrt, aber bitte nicht so. Sich die Brutalität der Natur so zu eigen machen, dass man weder mit Schulkindern noch mit seinem eigenen Kind Mitleid hat, Empathie gar nicht an sich heran lässt und dabei nicht merkt, wie man selbst verkrüppelt. Nur um ein autoritäres Bild aufrecht zu halten. Die Art, wie die Protagonistin die Schulkinder charakterisiert und sich über Kollegen auslässt, ist regelrecht widerwärtig. Nur bei der Beschreibung biologischer Vorgänge und Verfahrensweisen lässt sie in ihrem Sinne Gnade walten. Das Buch wirkt beklemmend. Ich habe mir die ganze Zeit gesagt: so kann ein Mensch doch nicht wirklich denken, aber wahrscheinlich wird es auch das geben. Gruselig, ganz gruselig.

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  • Rezension zu "Der Hals der Giraffe" von Judith Schalansky

    Der Hals der Giraffe
    Gelöschter Benutzer

    Gelöschter Benutzer

    Inge Lohmark ist seit über 30 Jahren Biologie- und Sportlehrerin an einem Gymnasium in Mecklenburg-Vorpommern. Die Autorin beschreibt drei Arbeitstage der strengen, kühlen Lehrerin: von der tiefsten DDR bis zum 21. Jahrhundert. Der Leser erfährt, dass Inge Lohmark kaum Kontakt zu ihrer Tochter hat – wie später herauskommt, weil sie ihre Tochter ebenso kühl zu behandeln pflegte wie dir ihr anbefohlenen Schützlinge – ihren Mann betrogen hat, eine heimliche Abtreibung vornahm und aufgrund ihrer sozialen Inkompetenz ständig in unangenehme Situationen hineingerät. Sie will Autorität und Vollkommenheit – das eine versucht sie durch das andere zu erreichen, muss aber merken, dass sie scheitert. Sie spricht von Entwicklung, passt sich selbst aber nicht den neuen Umweltbedingungen an und verfolgt ihren Führungsstil bis zum bitteren Ende.
    Gerade weil ihr das Prinzip des Stärkeren aus der Evolution bekannt ist, möchte sie keine Schwäche zeigen und zulassen, um nicht auf der Strecke zu bleiben.

    Der Hals der Giraffe: ein Überbleibsel aus früheren Tagen, evolutionsbedingt. Zugleich aber Ausdruck des Prinzips des Stärkeren und Kraftakt des Herzens, um das Gehirn zu durchbluten. Ein vortreffliches sprachliches Bild, das diesem Buch seinen Namen gibt und den gesamten Inhalt in wenige Worte fasst.

    Judith Schalansky untermauert die Person Inge Lohmark durch treffliche Umschreibungen und Beispiele der Biologie und setzt die Tristesse Mecklenburg-Vorpommerns damit in Zusammenhang. Ein zurecht vielgefeiertes Buch, nicht nur durch die schöne Einbandgestaltung und die gelungene gestalterische Umsetzung!

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    • 2
  • Die Giraffe hat einen zu langen Hals

    Der Hals der Giraffe
    BrittaRoeder

    BrittaRoeder

    Im Mittelpunkt des nur 222 Seiten starken Romans steht die Biologie- und Chemie-Lehrerin Inge Lohmark aus deren Perspektive sich die Erzählung entfaltet. Schauplatz ist ein kleinstädtisches Gymnasium in den neuen Bundesländern, in dem der letzte Abi-Jahrgang betreut wird bevor die Schule schließen wird. Es fehlt schlicht an Nachwuchs in der Region, denn  wer nicht zu den Verlierern der Wende zählen will, ist schon weg gezogen oder bereitet seinen Weggang vor. Überall in der kleinen Stadt herrscht Resignation und Verfall. Auch privat ist Lohmarks Leben von Verlusten gekennzeichnet. Die erwachsene Tochter ist dem lieblosen Elternhaus längst ins ferne Kalifornien entflohen, der Ehemann entzieht sich ihr durch Schweigen und seine eigenbrötlerische Passion für die Straußzucht.Eigentlich könnte man die Lehrerin Lohmark bemitleiden. Eigentlich, wenn sie jemand wäre, für den Emotionen überhaupt eine Rolle spielen. Doch genau das scheint nicht der Fall zu sein.Denn Lohmark hat für niemanden was übrig ,weder für die Jugendlichen in ihrer Klasse noch für ihre Kollegen. Mit naturwissenschaftlich geschulten Blick beobachtet sie ihre Umgebung. Ihr sezierender Blick und ihre emotionslosen Kommentare, lassen eine Frau erkennen, die an ihrer eigenen Kälte erfriert. Inge Lohmark ist eine einsame Seele, eine tragische Figur, die zwar mit darwinscher Konsequenz den blinden Fortschrittsglauben einer dem Untergang geweihten Welt entlarvt, aber zugleich ihrem eigenen Determinismus unterliegt. Sprachlich ist Judith Schalansky ein absolut bemerkenswerter und sehr gut lesbarer Roman gelungen.  Mit ihren genialen Formulierungen lädt sie die Leser ein zu einem vergnüglichen Drahtseilakt zwischen schwarzem Humor einerseits und fassungslosem Kopfschütteln andererseits. Doch leider bietet der Roman an Handlung nur Retrospektive und ein trotziges Verharren seiner Protagonistin in der eigenen Stagnation. Das Bild, das die Autorin von ihrer Protagonistin zeichnet ist eindringlich und berührend, doch auch leider sehr statisch. Wohin führt das Ganze? Der Text im Umschlag suggeriert, dass Lohmark  in eine Beziehung zu einer ihrer Schülerinnen treten wird. Doch nichts davon passiert. Schalanskys Erzählung ist brillant und mündet doch in Langeweile.  Mein persönliches Fazit: Wer Freude an einem außergewöhnlichen Erzählstil hat, wird auf seine Kosten kommen. Wer eine Erzählung erwartet, die Empathie auslöst, in der etwas passiert oder in der die Personen etwas erleben oder einen Prozess durchlaufen, wird enttäuscht sein.

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    • 4
  • Ein Schwarm auf dem Weg zum Klassenziel

    Der Hals der Giraffe
    dicketilla

    dicketilla

    Inge Lohmark unterrichtet an ihrer Schule Biologie . Einer Schule die kurz vor der Schließung steht in ihrem vorpommerschen Hinterland , wie sie es nennt , in der das Ackerkraut bis auf den Marktplatz wächst, mit seiner erstaunlichen Artenvielfalt . “ Eine wuchernde Eingemeindung, eine friedliche Revolution. Blühende Landschaften “ ( S. 71 ) Ihre Kollegin , die sich von ihren Schülern duzen lässt , und die Bankreihen im Kreis aufstellt ,hält sie für lächerlich . Nein sie siezt ihre Schüler seid der neunten Klasse , und Gefühle ihnen gegenüber hält sie für unnötig . Schließlich sitzen teilweise Versager vor ihr, die es im Leben niemals zu etwas bringen werden . Warum sollte man sie dann auch ermutigen , haben sie doch wenig Chancen, und Harz IV wartet schon. Sie unterrichtet die 9. Klasse, gerade mal noch aus 12 Schülern bestehend, nach dem Abi ist Schluss, für sie und die Schule . Ihr Mann betreibt eine Straußenzucht ,die noch etwas Leben in die örtliche Berichterstattung der Lokalzeitung bringt, und er voller Optimismus betreibt . Die Tochter lebte in Amerika, und ihre Lebenszeichen wurden auch immer weniger . Manchmal weiß sie gar nicht mehr, dass sie eine Tochter hat . Bis ihr eine Schülerin auffällt, und sie plötzlich Gefühle in sich verspürt, einer anderen Schülerin bei deren Mobbing nicht zur Seite steht . Kapitel in Naturhaushalte , Vererbungsvorgänge , Entwicklungslehre geteilt , erzählen von drei Tagen im Leben der Lehrerin . Es ist ein bissiges Buch . Sarkastische Beobachtungen , begleitet von fast schon harten Bemerkungen , aber beim genauen eintauchen in die Geschichte von vielen Wahrheiten begleitet . Aber auch voller Humor gespickt, der oft zum Schmunzeln anregt . Einer Biologielehrerin eigen, werden viele Zusammenhänge in einer Detailtreue vermittelt, die schon an Faszination grenzen , von einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe. Dazu noch die wunderbaren Zeichnungen, die diese kleine ich Leinen gebundene Buch zusätzlich aufwerten . Judith Schalansky geht kritisch mit dem Leben in der DDR , und dem Leben nach der Wende um . Ihrem Alter nach , begleitete sie nicht lange das DDR Schulsystem , dennoch sind viele Details sehr gut recherchiert , und zeigen eine Lehrerin, die nach Jahren der Anpassung , schwer zu Veränderungen und Neuanfang bereit ist . Es sind die Giraffen, die sich der Natur angepasst haben . Ihre langen Hälse immer länger reckten, um ein noch so vertrocknetes Blatt zu erreichen . Und schließlich sind es die Angepassten, die zur Erhaltung ihrer Art beitragen . Eine junge Autorin, die ein hervorragendes Buch für uns geschrieben hat !

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    • 4
  • Ein Buch, auf das man sich einlassen muss

    Der Hals der Giraffe
    fraeuleinbuecherwald

    fraeuleinbuecherwald

    12. March 2014 um 08:33

    Die ersten 10 Seiten dieses Buches war ich wie vor den Kopf gestoßen. „Das ist doch Verarschung“, schoss mir durch den Kopf.Die nächsten 10 Seiten dieses Buches dachte ich an Satire.Ab der 21. Seite wusste ich: diese Hauptperson, diese Inge Lohmark, meint das ernst.Sehr ernst sogar. Die alternde Biologielehrerin aus dem vorpommerschen Hinterland unterrichtet tagein, tagaus an einer Dorfschule. Nun soll die Schule in vier Jahren geschlossen werden, die 9. Klasse, die sie unterrichtet wird die letzte ihrer Art sein.Aber über die Zukunft will Inge Lohmark noch nicht nachdenken.Stattdessen werden drei Tage ihres Lebens geschildert. (Einer im September, kurz nach Schuljahresbeginn, einer im November, einer im März).Ihr Leben vor der Schulklasse, vor der sie ihre knallharten Prinzipien durchsetzt. Gefühle kennt Inge Lohmark nicht, ganz die Biolehrerin glaubt sie an das Recht des Stärkeren. Auch im Sportunterricht setzt sie auf Konkurrenzverhalten zwischen den Schülern.Doch dumm oder gänzlich unsympathisch wirkt sie dabei nicht. Eher analysiert sie messerscharf die Eigenheiten ihrer Schüler, spielt damit und ordnet sie in ihr eigenes kleines Biosystem ein.Für ihre Kollegen hat sie lediglich Verachtung übrig, ebenso für ihren Ehemann, der in der DDR früher Kühe besamt hat und heute Straße züchtet. Zu sagen haben sie sich nichts mehr.Mit der Zeit entwickelt Inge Lohmark so etwas wie Gefühle für eine ihrer Schülerinnen. Diese Gefühle (die man in keinster Weise mit etwas wie Liebe gleichsetzen kann) scheinen sie so zu überfordern, dass sie stetig andauernd über ihre Tochter nachdenkt, die den Kontakt zu ihr abgebrochen zu haben scheint. Selbst über ihre Heirat wird sie lediglich per E- Mail informiert.Es stellt sich heraus, dass sie nicht in der Lage war, ihrer Tochter mütterliche Gefühle entgegenzubringen, sie sogar, als sie von der Klasse (die Inge Lohmark unterrichtet hat!) aufs Heftigste gemobbt wurde, im Stich gelassen hat.Die Geschichte wiederholt sich: auch eines der Mädchen aus ihrer Klasse wird von den anderen Schülern drangsaliert und misshandelt. Inge Lohmark fühlt sich nicht zuständig – das Ende bleibt offen.Es fällt schwer, sich eine Meinung über dieses Buch zu bilden. Sagt man, man findet es gut, muss man zwangsläufig auch Inge Lohmarks Lebensanschauung gutheißen. Sagt man, man findet das Buch schlecht, wird man dem hervorragenden Stil und Sprachniveau der Autorin nicht gerecht. Die kurzen, klaren Sätze, die unendlichen Vergleiche mit der Biologie, all das ist herausragend für eine so junge Autorin (31 Jahre beim Erscheinungsdatum).Über den Biologieunterricht und seine Inhalte kommt Inge Lohmark in einer Art Bewusstseinsstrom immer wieder zu den essentiellen Dingen des Lebens, die sie ihrem Leser auf ihre Weise erklärt.Das ganze Buch wirkt dabei etwas wie eine Antithese – eine Umkehrung der Wirklichkeit in eine Wirklichkeit, wie sie nicht sein sollte. Trotzdem kann man wahrscheinlich unzählige Lehrer mit in diesen Pott schmeißen und der Wahrheitsgehalt und das Identifikationspotential ist erschreckend hoch. Auch ich habe ein paar Mal herzlich gelacht und gedacht: „Hätte ich so niemals gesagt. Aber stimmt schon.“Judith Schalansky ist auf jeden Fall die Überraschung dieses Monats. Und ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob dieses Buch mein Lieblingsbuch des Monats oder mein Hassbuch des Monats werden soll.Und so zu polarisieren – das muss man erstmal schaffen. Der Daumen geht ganz klar nach oben!

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  • Traurig!

    Der Hals der Giraffe
    zachine

    zachine

    11. March 2014 um 12:29

    Traurig! Wie erlebt eine völlig verknöcherte, gefühllose Frau die Welt? Hat wirklich ihr Lehrerinnen-Dasein in der Schule sie dazu gemacht? - Als sie ein Mädchen interessant findet, interpretiert sie das sofort als Pädophilie, so unnatürlich erscheint ihr Sympathie. Doch nichts kann ihre Einsamkeit durchbrechen, das Mädchen selbst hat kein Interesse an ihr.Mich erinnert die Figur an Elfriede Jelineks Frauengestalten.

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  • Biologieunterricht - mal zum Einschlafen, mal zum Schmunzeln

    Der Hals der Giraffe
    Anakin

    Anakin

    Von Büchern fühle ich mich angezogen, wenn mich der Einband fasziniert, so wie bei Judith Schalansky. Es ist mit einem grauen Leinengewand ummantelt und es zeigt auf dem Buchdeckel eine Giraffe, daher der gleichnamige Titel: „Der Hals der Giraffe“. „Bildungsroman“ klingt immer gut, auch die Rezension der Buchhandlung: „Darf in keiner literarischen Sammlung fehlen“ schenkte mir die letzte Überzeugungskraft. Aber über Ansicht und Geschmack lässt sich ja oftmals streiten. Nun zum Inhalt: Die Protagonistin Inge Lohmark ist ein spröder Charakter, wirkt langweilig, verbittert und philiströs. Ihr Familienleben ist im Laufe der Zeit auseinander zerbrochen; die Tochter lebt (kinderlos) ihr eigenes Leben in den USA, der Mann verbringt die Zeit lieber auf der Straußenfarm. Ihre harten Worte schmettert sie mit viel Frust ins Freie, sie sind aber genau wie ihre Gedankengänge teilweise schon zum Schmunzeln / Kopfschütteln. Sie unterrichtet an einem Gymnasium in Mecklenburg-Vorpommern Biologie; die demografische Entwicklung – der Geburtenrückgang und die Landflucht- spiegelt sich auch an der Anzahl der Schüler wieder und so muss sie nebenbei auch um ihre Existenz fürchten. Als Lehrerin ist sie sehr streng, strahlt Autorität aus, ihre Schüler bewertet sie nach Eigenschafts- und Verhaltensmatrix. Nur der Starke überlebt, nur der Erfolgreiche hat eine Chance. Das Buch ist in drei Kapitel zu biologischen Themen unterteilt: Naturhaushalte, Vererbungsvorgänge und Entwicklungslehre. Die illustrierten Fotos zu den jeweiligen Inhalten sind gut gelungen. Dass dieses Buch unter „Bildungsroman“ fällt, hat mich am Ende verwundert, schien es mir eher als eine Auffrischung des Biologieunterrichts. Zudem sind die aufgegriffenen Themen teilweise zum Gähnen. Man kann also die Schüler verstehen, deren Blicke sich in der Baumkrone verfangen und nicht mehr zurück zur Tafel finden. Mir ging‘s beim Lesen ähnlich. Pluspunkt / Fazit zum Buch: Sprachlich ist der Roman sehr gut geschrieben; was wohl am Ende die Kritiker positiv gestimmt hat, denn für mich fehlt es an diesem Buch wirklich an Spannung und die Geschichte dümpelt so ein bisschen vor sich hin. Für mich war es nett zu lesen, aber richtig überzeugt hat es mich leider nicht.

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    • 2
  • Hier passen Form und Inhalt zusammen!

    Der Hals der Giraffe
    anena

    anena

    27. February 2014 um 18:41

    Ein kleines Bändchen, aber es war schon eine Freude den rauen Buchdeckel in der Hand zu halten, wirklich passend zu der rauen, steifen und zynischen Biologielehrerin, die im Laufe der Erzählung immer mehr zur tragischen Figur gerät. Wunderschöne Zeichnungen - wie aus dem Bio-Buch. Ein Stern Abzug, da mir die Handlung, insbesondere die plötzliche Kündigung, doch etwas konstruiert erschien.

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  • Perfide, bitterböse Schule

    Der Hals der Giraffe
    rallus

    rallus

    Hach ja, die gute alte Zeit.Mecklenburg-Vorpommern - Heute!Die Ost und Landflucht hat auch die Schulen erreicht.Das renommierte Gymnasium auf dem Land kann nur noch 13 Schüler für eine 9te Klasse besetzen, die letzte die Abitur machen wird - aber auch diese Schüler sind, nach Meinung ihrer Lehrerin, Inge Lohmark, unfähig.Aufgemalt nach der Sitzordnung wird zu jedem Schüler ein böser Kommentar vermerkt, als Leser stellt man spätestens jetzt fest, Inge Lohmark ist eine von den misanthropischen Lehrkräften, die man als Schüler so ausgiebig gehasst hat.Ihr Frontalunterricht, beginnt jeden Morgen mit "Aufstehen" und "Sitzen" und Arbeiten oder Prüfungen werden grundsätzlich nicht angemeldet.Dabei vergleicht sie innerlich ihre Schülerinnen und Schüler mit der Fauna und ihre Überlebenschancen, ja die der ganzen Menschheit, schätzt sie, aufgrund der jahrmillionenwährenden biologischen Erfahrungen, schlecht ein.Ihr eigenes Privatleben wird auch in Raster, Schubladen abgelegt, nüchtern das Vergangene betrachtet, der eigene Nachwuchs, mit dem sie nur noch E-Mail Kontakt pflegt, hat die Flucht in die USA angetreten, die Heirat wird mit Foto und E-Mail kundgetan.Der einzige warme Kontakt besteht zu Hans mit seiner Katze Elisabeth, auch die eigenen Kollegen sind ihr höchst suspekt.Als sie, irritierenderweise zu einer Schülerin näheren Kontakt aufnimmt, gerät das ganze Konstrukt ihres Lebens ins Wanken.Doch leider belässt es Judith Schalansky bei diesem Wanken.Eine großartige, wortgewaltige Erzählung, die in Abschnitten wirklich zu einem "Bildungsroman" der Biologie geraten - mit wunderschönen klaren Zeichnungen - und am Ende hätte sie das Potential zu einem subtilen Horror gehabt.Den hat sie aber nicht genutzt und so "vergeht" diese Erzählung mit Strausseneiern und dem Gefühl von Inge, etwas verpasst zu haben, es aber nicht ganz greifen zu können.Die Liebe, das Leben? Bestimmt nicht das letzte Buch dieser Autorin, welches ich gelesen habe, wegen dem undifferenzierten Ende knapp an der Höchstwertung vorbei.

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    • 2
  • Der Urmensch haust in uns

    Der Hals der Giraffe
    MajaSchwarz

    MajaSchwarz

    10. October 2013 um 15:05

    Wow! Gegen Judith Schalansky ist Stephan Serin echt Kinkerlitzchen. „Der Hals der Giraffe“ ist wohl das Allerböseste, das es in Sachen LehrerInnen-Innensichten auf dem Markt gibt (zumindest as far as I know) und das Anfängergeklage des Herrn Serin nichts gegen die Schulwelt, in der Inge Lohmark, die Protagonistin im „Hals der Giraffe“ lebt und wütet. Bitter, böse, zynisch und doch „ein psychologisches und sprachliches Meisterwerk“. Eigentlich passiert im „Hals der Giraffe“ nicht viel, ganz viel geschieht in Andeutungen. Das sind nicht mal richtige Rückblenden, die uns Schalansky da vorsetzt, sondern kleine Erinnerungsfetzchen, Bilder wie schnelle Schüsse in den Kopf. Inge Lohmark – die ist der Prototyp des schlechten Lehrers. Unterrichtet seit 30 oder so Jahren in der mecklenburgischen Provinz, hat die Wende nicht verkraftet, hasst die Schüler, das Leben, sich selbst, ihren Mann, ihr Kind. Eine Endlosliste auf Tristigkeiten, gepaart mit wunderbar klugen Vergleichen aus der Welt der Biologie. Das Manko: Der Roman hat mich Wochen gekostet. Hier ein Häppchen auf der Bahnfahrt, da drei Seiten im Flieger in die Sonne. Dabei ist nicht so sehr der Inhalt runterziehend und dröge-machend, sondern zuweilen die eigentlich schlauen, gewitzten Vergleiche. Aber die Vergleiche gehen auf Kosten von Handlung. Inge Lohmark betrachtet die Welt, sie referiert ihren Schülern und damit auch uns, dem ganz außen stehenden Leser. Seitenweise. Manchmal ist das anstrengend; über die Passage mit dem Hals der Giraffe hätte ich beinah hinübergeblättert. Dann aber – Literatur ist ja nicht immer seicht und leicht verdaulich – entpuppt sich dieses Bild von der Bildung des Menschen über die Anatomie und den Willen der Giraffe als so herrlich stimmig. Und macht aus dem Hals der Giraffe ein wunderbares Buch. Und nebenbei ist diese Zustandsbeschreibung einer alternden Lehrerin eine kleine Erinnerungsfahrt zurück in den Bio-Unterricht der Grundschulzeit. Fazit: Lesen. Und dann im eigenen Schulalltag dafür sorgen, dass die Inge-Lohmarks unter den Lehrern nur eine Romanfigur sind vor keiner Tafel zu stehen kommen.  

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  • Nicht nur das schönste, sondern auch ein richtig gutes Buch

    Der Hals der Giraffe
    irrewirre

    irrewirre

    14. August 2013 um 16:29

    Ich weiß ja nicht, wie das bei euch ist, aber wenn ich nach einem Abitreffen zu später Stunde nach Hause komme, dann noch schnell ein paar Seiten lesen will und daraus direkt 50 werden, spricht das für das Buch. Ich hatte das Buch geschenkt bekommen und es war ein Volltreffer.Als erstes fällt natürlich die äußere Gestaltung auf. Ein leinengebundenes Buch. Was für eine Wohltat. Ich habe nicht nachgemessen und vielleicht liegt es an der abgedruckten Giraffe, aber es scheint, als wäre das Buch schmaler und höher als das übliche Format. Die Farbe ist schwer zu beschreiben. Gibt es die Farbe grau-sand? Mich erinnert sie auf jeden Fall an mein Lexikon aus den Zwanziger Jahren, das ganz ähnlich aussieht. Wer sich selber einen Eindruck verschaffen möchte, sehe sich den Hintergrund der dazugehörigen Webseite an. Die Schrift ist schwarz und ganz leicht eingeprägt. Das Bild der Giraffe ist hingegen ganz oberflächlich. Es wäre vielleicht auch ein bisschen gruselig, wenn man die Knochen des Tieres spüren könnte. Ganz unpassend wäre es aber nicht.Auf der Rückseite ist eine Inhaltsangabe (1 Satz!) abgedruckt, dazu ein Zitat (3 Sätze). Dieser wenige Text ist beeindruckender als die übliche Lobhudelei. Im Klappentext Bingo von Kiepenheuer und Witsch findet man ‚schöne‘ Beispiele dafür. Aber mit der äußeren Gestaltung ist ja noch nicht alles gewonnen. Innen geht es so weiter!Ich muss zugeben, dass ich ein paar Seiten gebraucht habe, bis ich bemerkt habe, dass nicht nur auf der linken Seite jeweils der Titel des Abschnitts steht (es gibt 3: Naturhaushalte, Vererbungsvorgänge, Entwicklungslehre, die jeweils an einem Tag spielen), sondern auch auf der rechten Seite jeweils ein zum Text passendes Stichwort. Das liest sich wie das Inhaltsverzeichnis eines Biologiebuches. Ein paar Beispiele: Parasitismus, Keimdrüsenreifung, Anthropogenese, Sexualdiphormismus, Artensterben, Mendel’sche Gesetze, Domestikation… In unregelmäßigen Abstand wird der Text von wunderschönen schlichten Zeichnungen von Tieren und Zeichnungen unterbrochen, natürlich wieder passend zum Inhalt.Hatte ich schon erwähnt, dass die Hauptperson aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, Biologielehrerin ist? Oft hatte ich eine Vorstellung davon, was diese Begriffe bedeuten (3 Jahre Bio-LK haben sich also doch mal gelohnt!), auf der jeweiligen Doppelseite werden sie mit Leben gefüllt. Dass es sich sehr oft um Begriffe aus der Tierwelt handelt, die hier vor allem auf die Schüler angewendet werden, macht die Sicht von Inge Lohmark auf die Welt deutlich. Sie weiß, dass ihre jetzige 9. Klasse die letzte an der Schule ist, die nach dem Abitur dieser Schüler geschlossen werden wird. Ihre Kleinstadt in Vorpommern stirbt langsam aus. Eine andere Schulform als das Gymnasium kommt für sie als Arbeitsplatz nicht in Frage. Schon ihre jetzige Klasse kann ihren Ansprüchen kaum genügen. Die einzige zu der Lohmark weniger streng und fast freundlich ist, ist die Schülerin Erika. Zu ihr entwickelt die Lehrerin eine seltsame Zuneigung, bei der man nicht daran denken möchte, wie sie enden könnte. Trotzdem hilft sie Erika nicht, die von der Klasse gemobbt wird. Dadurch wird die Situation natürlich nicht entspannter.So sicher wie sie als Lehrerin ihren Frontalunterricht durchzieht, ist sie seelisch verkrüppelt. In ihrem Leben ist vieles anders gelaufen, als sie es sich gewünscht hat. Mit ihrem Mann verbindet sie nicht viel mehr als die Tatsache, dass er im gleichen Haus wohnt. Ihre Tochter wohnt schon seit Jahren in den USA und hat kaum Kontakt mit ihr. Sie ist gefangen in ihren von der Biologie geprägten Denkmustern. Sie bewertet alles nach den Grundsätzen des Darwinismus. Eine Entwicklung ist hier nicht zu erwarten, das kann auch der Untertitel ‚Bildungsroman‘ nicht vortäuschen. Schließlich war früher für sie ja auch einiges besser, damals in der DDR. Da wurde sie wenigstens einmal im Jahr am Tag des Lehrers gefeiert.Es ist ein aufwühlendes Buch, das mich total in seinen Bann gezogen hat. Diese klare Sprache für diese gebrochene Figur. Ich kann ihr Verhalten nicht nachvollziehen oder gutheißen, wirkliches Mitgefühl wird für sie aber auch nicht geweckt. Das Umfeld ist realistisch gezeichnet, die Landflucht im Osten ist keine Dystopie. Für Frau Lohmark gibt es hoffentlich kein reales Vorbild. Aber wundert euch nicht, wenn ihr nach der Lektüre ganz anders über eure Biologielehrer denkt.

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  • Biologieunterricht für die 9. Klasse

    Der Hals der Giraffe
    Bibliomania

    Bibliomania

    02. July 2013 um 21:33

    Der Hals der Giraffe von Judith Schalansky ist ein Bildungsroman, in dem es um die Lehrerin Inge Lohmark geht, die in einer Schule im Osten die letzte Garnison bildet. Sie unterrichtet Biologie und Sport und gehört zur alten Generation. Sie lässt niemanden an sich heran, baut keine Beziehungen auf und möchte nichts mit Schülern bzw. Kindern zu tun haben. Selbst zu ihrem Mann und ihrer Tochter, ihrem einzigen Kind, hat sie kaum eine oder gar keine Beziehung. Im Gegensatz zur Biologie sieht Inge Lohmark nur Nachteile bei den Kindern. Sie sind unfertig, haben nie ausgelernt, verstehen eigentlich nichts und wollen nichts verstehen. Und dann verstößt die zur Schließung verurteile Schule Inge Lohmark – die letzte Biologielehrerin ihrer Art… Zu Recht hat dieses kurzweilige, mit Biologie-Schulwissen vollgepackte Buch den Preis der Stiftung Buchkunst erhalten. Wunderschöne Zeichnungen von Tieren, Pflanzen und Einzeller lockern den Biologiestoff der 9. Klasse auf und sind sehr hübsch anzusehen. Dennoch habe ich mir irgendwie viel mehr von diesem Buch versprochen. Die Idee finde ich immer noch klasse, aber die Umsetzung hakt ein wenig. Aneinanderreihungen von Wörtern und Satzfetzen machen zwar die Lehrerin gut vorstellbar, aber irgendwie sagt sie zu wenig, um wirklich das schöne Biologiewissen zu vermitteln, auf das ich mich gefreut hatte. Wirklich schade!

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