Dinge, die wir heute sagten

von Judith Zander 
3,7 Sterne bei38 Bewertungen
Dinge, die wir heute sagten
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Code-between-liness avatar

Wahnsinnig lebensnahe Charaktere, sehr eigen - aber passagenweise auch etwas ermüdend.

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Inhaltsangabe zu "Dinge, die wir heute sagten"

Uwe-Johnson-Förderpreis 2011

Bresekow, ein Dorf in Vorpommern. Als die alte Frau Hanske stirbt, kommt ihre Tochter Ingrid mit ihrer Familie aus Irland zur Beerdigung. Ingrid hatte Bresekow vor vielen Jahren fluchtartig verlassen. Der Besuch verändert vieles im Dorf, wirft gerade für die Familien Ploetz und Wachlowski alte und neue Fragen auf. Die Dorfbewohner beginnen zu sprechen, über ihr derzeitiges Leben und ihre Verstrickungen von damals. Bresekow war immer eine kleine Welt, eng, abgelegen und heute zudem vom Verfall bedroht.
Judith Zander lässt drei Generationen zu Wort kommen. Sie erzählt mit ungeheurer Sprachkraft von einem verschwiegenen Ort im Nordosten Deutschlands, von Provinz und Alltag, von Freundschaft und Verrat, vom Leben selbst.
Die Autorin wurde bei den 34. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt für ihren Auszug aus 'Dinge, die wir heute sagten' mit dem 3sat-Preis 2010 geehrt. Sie erhielt für diesen Roman den Preis der Sinecure Landsdorf 2010 und war nominiert für den Klaus-Michael Kühne-Preis 2010. Zudem wurde der Roman auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2010 aufgenommen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423141185
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:480 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:01.06.2012

Rezensionen und Bewertungen

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Judith Zander | DINGE, DIE WIR HEUTE SAGTEN

    INHALT: Anna Hanske ist tot. In ihrem Dorf Bresekow bei Anklam, macht sich die Gemeinde auf zur Beerdigung, zu der auch Ingrid erscheint, Annas Tochter, die der vorpommerschen Provinz vor Jahrzehnten schon den Rücken gekehrt hat. Sie hat ihr Glück in Irland gefunden und bringt auch ihren weltgewandten Sohn Paul mit, der den Dorfmädels mit seiner Ähnlichkeit zum jungen Paul McCartney reihenweise die Köpfe verdreht. Romy und Ella zum Beispiel, die von einem Leben außerhalb ihres Kaffs träumen, jenseits der langweiligen Idylle, der idyllischen Langeweile.

    Aber es gibt Gründe, warum Ingrid Bresekow damals verließ. Und das sind Gründe, über die sich die Dorfgemeinschaft seit Jahren das Maul zerreißt, über die viele Gerüchte kursieren und über die besser geschwiegen werden sollte.

    FORM: Judith Zander (*1980) hat mit DINGE, DIE WIR HEUTE SAGTEN ein Sittengemälde der ostdeutschen Provinz im faulknerischen Stil geschaffen, von der Kriegsgeneration bis zu den Wendekindern. Die Kapitel sind aus der Sicht einzelner Dorfbewohner geschrieben, und unterscheiden sich stark in ihrem Ton: Der eloquente Pastor erzählt natürlich anders als der geistig behinderte Henry, und der wiederum anders als Dorfproll Ecki. Zwischendurch kommt auch die ganze Gemeinde zu Wort, als kollektives Sprachrohr in breitestem Platt. Das hat mich alles stark an Faulkners ALS ICH IM STERBEN LAG erinnert und auch ebenso fasziniert.

    Es ist nicht leicht, in der Menge der Figuren Hauptcharaktere zu erkennen, aber Ingrids Geschichte ist schon Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Und wenn ich raten müsste, würde ich Judith Zander unterstellen, Romy nach ihrem eigenen Vorbild gezeichnet zu haben. Mit ihr beginnt und endet der Roman, und Romys Familienname, Plötz, ist ebenso … fischig wie der der Autorin.

    FAZIT: Auch wenn das Buch einige Längen aufweist, hat es mir sehr gut gefallen. Auf den letzten hundert Seiten zieht Zander aber ordentlich an und gibt Dorfgeheimnisse preis, die mich wirklich berührt haben. Das Leben im ostdeutschen Hinterland ist authentisch wiedergegeben und sprachlich ist der Roman auf höchstem Niveau, darum vergebe ich fünf Sterne plus Leseempfehlung.

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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    PaulTemples avatar
    PaulTemplevor 3 Jahren
    Über das Leben in der Provinz

    Man kann sie quasi hinter den Gardinen lauernd und auf Neuigkeiten hoffend  sehen - die Einwohner eines kleinen Dorfes in Mecklenburg Vorpommern.  Sehenswürdigkeit ist eine mehr und mehr verfallende ehemalige LPG, die inzwischen in der Hand der ortsansässigen Jugendlichen ist. Die soziale Kontrolle ist hoch, die Gerüchteküche kaum zu bändigen. In dieser brisanten Szenerie begleitet der Leser mehrere Einwohner des Dorfes, die von ihrem Werdegang, ihren Sorgen und Nöten berichten und so ein stimmiges, melancholisches Gesellschaftspanorama auffächern, vom Teenager bis zur Seniorin. Lesenswert!

    Kommentare: 5
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    rkuehnes avatar
    rkuehnevor 4 Jahren
    Tristesse gewordene Idylle

    Ein schwieriger und gleichsam wirklich tiefgehender, guter Roman. Aus den Blickwinkeln mehrere Bewohner des mecklenburgischen Dörfchens Bresekow schildert Zander die zur Tristesse verkommene Idylle des Landlebens in der Region. Der Tod der alten Anna Hanske und die folgende Beerdigung wühlen die Dorfbewohner auf und bringen so alte Verwerfungen wieder ans Tageslicht.

    Das Stilmittel der verschiedenen Perspektiven hat mich lange rätseln lassen, wer nun wer ist und auf wessen Seite steht, hat aber auch das Dorf in einer Gesamtheit gezeichnet, die sonst wohl kaum möglich gewesen wäre. Judith Zander findet für jede ihrer vielen Figuren eine ganz eigene, symptomatische Sprache, die nie albern wird und schlichtweg beeindruckt. Ein wirklich gutes Stück Literatur.

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    walli007s avatar
    walli007vor 5 Jahren
    Auf´m Dorf


    Nach Jahren kehrt sie zurück ins Dorf in Mecklenburg-Vorpommern. Nachdem ihre Mutter gestorben ist, kommt Ingrid mit ihrem Mann und ihrem Sohn aus Irland angereist, um an der Beerdigung teilzunehmen. Das gibt ein Gerede im Dorf, schließlich hat sie sich ewig nicht blicken lassen. Noch vor der Wende ist sie in den Westen abgehauen und ihren behinderten ersten Sohn ließ sie zurück. Und nun soll das Elternhaus veräußert werden. Eine Weile will sie mit ihrer neuen Familie dableiben bis alles geregelt ist. Und ihr jüngerer Sohn Paul bringt die Welt der jungen Frauen im Dorf durcheinander.

    Aus verschiedenen Sichtweisen wird die Geschichte dieser Heimkehr, die letztlich keine ist, erzählt. Jung und alt berichten von sich, von Ingrid, von Ingrids Familie und wie alles kam. Teilweise werden die Gedanken der Menschen so niedergeschrieben, wie sie es wohl aufs Band sprechen würden, hochdeutsch, mit Schnauze, Plattdeutsch. Teilweise mit drastischer Direktheit werden die Ereignisse dargelegt. Schonungslos offenbaren sich einige der Berichterstatter. Teilweise geraten sie mit ihrer Gedankenflut jedoch auch ins Lamentieren. Dann wird das Lesen, welches sonst eher zügig voranschreitet, von Goethes Ennui gebremst. Zudem wird  es ein wenig  mühsam die eigentlich etwas bittere Geschichte dieser Heimkehr aus den vielen Gedankengängen der unterschiedlichen Personen herauszufiltern. 

    Ein Roman, der mir persönlich wahrscheinlich mehr gesagt hätte, wäre die Handlung in einen üblicheren Fluss gekleidet worden. Die vielen guten Ideen und Ausführungen wären möglicherweise in Zwischenspielen oder -kapiteln ebenso zur Geltung gekommen.

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    Tree_Trunksvor 5 Jahren
    Die Idylle bröckelt

    Vorpommern - das Ende der Welt. So fühlt es sich für Romy, Ella und Paul an. Jeden Tag mit dem Bus vom kleinen Dorf in die kleine Stadt zur Schule und wieder zurück. Der Horizont ist weit auf dem platten Land und trotzdem ist das kleine Bresekow die ganze Welt. Jeder tratscht über jeden und jeder glaubt jeden zu kennen. Doch als Ingrid in das Dorf zurückkehrt, um ihre Mutter zu bestatten und das alte Haus zu verkaufen werden alte Wunden aufgerissen. Romy, Ella und Paul ahnen nichts von den dunklen Geheimnissen der Erwachsenen, die hinter gepflegten Fassaden und pflichtbewussten Gesichtern versteckt sind.

    Judith Zander lässt sich jeden Dorfbewohner erinnern. In seiner ganz eigenen Stimme erzählt jeder sein Stückchen Wahrheit, bis die kleine ländliche Idylle in Scherben vor dem Leser liegt. Sie trifft dabei genau den Sound der Gegend, erzählt unglaublich verdichtet und intensiv.

    Es ist kein Buch, in dass der Leser eintaucht. Hier ist der Leser Voyeur, Verhörer und Zuhörer. Am Ende sieht man kein verschlafenes Dörfchen mehr vor sich, sondern blickt in die menschliche Abgründe der einzelnen Bewohner. Aber egal was passiert ist, egal was jeder zu wissen glaubt: Am Ende dreht sich die Welt weiter und man grüßt sich auf der Straße, als wäre nie etwas passiert.

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    Phlieges avatar
    Phliegevor 5 Jahren
    Bannig goodes Book!

    Bresekow - ein Dorf wie jedes andere in Vorpommern: klein, leer, nichts passiert und die Leute reden darüber.
    Dazwischen Ingrid, die aus Irland zur Beerdigung ihrer Mutter anreist und sich ihrer Vergangenheit gegenüber sieht; im Schlepptau Sohn Paul, der sich mit den zwei Mädchen Romy und Ella aus dem Dorf anfreundet, und außerdem Oma Wachloswski.
    Zander lässt drei Generationen in drei Familien sprechen und schreibt, wie sie reden - mal Platt, mal Hochdeutsch, mal im Vorpommerschen Dialekt - und bleibt so absolut authentisch.
    Die sich langsam aufklärenden Ereignisse halten die Spannung und die Abschweifungen der Erzählung fühlen sich an, wie bei Muttern auf dem Sofa mit einem großen Stück Kuchen auf einem DDR-Teller angerichtet.

    Nicht nur ein gutes Buch, für Nordlichter aus diesem schönen Fleckchen Erde ist es auch einfach ein Stück Heimat im Bücherregal.

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    Mausi7687s avatar
    Mausi7687vor 5 Jahren
    Sehr gewöhnungsbedürftig

    Ich fand dieses Buch belastend.
    Es wurde ständig in Dialekt geschrieben den keiner versteht und es wurde von sehr vielen Personen erzählt. Ich habe mich durch gequält aber kann es nicht empfehlen.

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    lauranavor 7 Jahren
    Rezension zu "Dinge, die wir heute sagten" von Judith Zander

    das musste ich dann nach der hälfte etwa ablegen- hat mir schon bis dahin zu schaffen gemacht, aber dann kam eine derart abstoßende szene, dass ich es drangegeben habe! dabei ist es sprachlich und stilistisch wirklich eine sehr gelungene sache- aber für mich too much...

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
    Rezension zu "Dinge, die wir heute sagten" von Judith Zander

    Nach über 25 Jahren kehrt Ingrid in das Dorf ihrer Kindheit, dem mecklenburgischen Bresekow, zurück. Ihre Mutter ist gestorben, sie muss das Haus verkaufen und einiges sortieren. Es stellt sich aber bald heraus, dass sie und alle anderen, die jemals etwas mit ihrem Leben zu tun hatten, vor allem dieses zu sortieren haben. Die Wiedervereinigung hat einiges geändert, aber innerlich blieb vieles unverarbeitet und wartet auf den Ausbruch. Dieser Roman zeigt einen Mikrokosmos, der nicht festgelegt ist auf ein DDR-Dorf, sondern das menschliche Zusammenleben und die Psyche der Beteiligten auseinander nimmt. Der Stil ist spannend, da die Beteiligten selbst zu Wort kommen, und auch wenn der Dialekt von einigen als anstrengend empfunden wird (ich fand ja den Pfarrer am schlimmsten...), so ist er extrem authentisch. Und so offenbart sich durch die Erzählungen der anderen die Dramatik von Ingrids Leben, ihrer Flucht, ihrer eigenen Distanziertheit und ihres neuen Lebens.

    Von mir gibt es nur vier von fünf Sternen, weil ich nach wie vor nicht ausmachen kann, welche Zielgruppe das Buch hat: Ist es ein Jugendbuch (die Ausführungen Ellas und Romys sind doch sehr umfänglich, aber andere Teile widersprächen dem) oder soll es doch für den reifen Leser sein (Aber tut der sich tatsächlich all das an, was die Jugendlichen so von sich geben? Findet er das glaubhaft?)? Und den Pfarrer, den hätte es wirklich nicht gebraucht. Der wirkte auf mich völlig deplatziert. Aber vielleicht habe ich auch nur seinen Part an der Geschichte nicht verstanden...

    Dieses Buch will nicht heilen, es will diagnostizieren. Denn Bresekow ist überall. Zumindest habe ich vieles davon wiedererkannt.

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    Chris1985s avatar
    Chris1985vor 8 Jahren
    Rezension zu "Dinge, die wir heute sagten" von Judith Zander

    Wie passen die Beatles, die DDR, Klatsch und Tratsch über die Nachbarn und der Tod einer alten Frau zusammen? Ach weißt wat, det weeß kener, aber nu isses so - wie Judith Zander antworten würde.

    In Bresekow, einem kleinen fiktiven Dorf in Vorpommern lebte einst Anna Hanske. Sie ist gestorben und anlässlich ihres Todes kommt selbst Republikflüchtige und Tochter Ingrid mit Mann und Sohn wieder nach Bresekow. Die Dorfbewohner (Spießertum pur, herrlich dargestellt von Judith Zander!) bringt das natürlich in Aufruhr. Alte Geschichten werden erzählt, alte und neue Gerüchte in Umlauf gebracht.

    Die Darstellung von Extremen gelingt Judith Zander auf jeder Seite neu! Beschreibt sie zuerst die strengen Eltern, gelingt es ihr, diese Eltern auf den nächsten Seiten beinahe lächerlich zu machen, indem sie von der teeniehaften Verliebtheit zu den Beatles spricht.

    DasBuch stand zu Recht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Es stelle eine Hymne an die Sprache dar. Judith Zander, selbst in Anklam, einer Nachbarstadt von Bresekow, aufgewachsen, vermischt Hochdeutsch und Platt. Dieser Mischmasch war für mich zu Anfang eher schwer zu lesen, aber nach und nach hab ich mich reingewühlt und musste aufpassen, dass ich nicht selber anfing, so zu sprechen.
    Ebenso hat mich zunächst der ständige Perspektivenwechsel und die zahlreichen Personen verwirrt (Tip: Bleistift und Papier benutzen, das hilft wirklich!). Aber auch hier überzeugte mich die Autorin mit ihrer wunderbaren ironischen Sprache, mit der sie groteske Bilder zeichnen kann. Es herrscht ein einziges Gewirr von Menschen und Situatioen, die sich aber alle langsam auflösen. Es bleibt ein eindringliches, komisches und stellenweise auch tragisches Bild von dem Leben in der ehemaligen DDR.

    Zum Schluss bleibt mir zu sagen, schon der Titel "Dinge, die wir heute sagten", spricht für sich. In diesem Buch kommen viele Menschen zu Wort, jung und alt, Ost und West, einfach und klug. Diese Charaktere hat Judith Zander auf ihre ganz eigene Art zu einer Geschichte verbunden, die mir nicht so schnell aus dem Kopf gehen wird!

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